Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 22 (27.5.1927)
- Date
- 1927-05-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064321--15444-3088229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ül£ WAHRHEIT iliBUl Sehe 13 von 76 Prozent. Es zeigt sich somit, daß mehr als drei Viertel der gesamten Studentenschaft für die Beibehaltung des Studentenrechtes auf volksbürgerlicher Grundlage sind." Das vulgäre Wort: Wirf die Katze, wie du willst, sie fällt immer auf die Beine, kann man bei dieser Meldung nicht unterdrücken. Wie oft haben sie uns erzählt, daß es die Ueberrremdung der Wiener Hochschulen ist, die ein a 11 g e m e i n e s, d. h. alle Deutschen und deutsch-österreichischen Studenten umfassendes Wahlrecht verhindert? Jetzt ergibt sich plötzlich, daß 76 Prozent der Studenten nicht etwa Deutsche sind, nein davon sind es viel mehr, sondern allein völkische. Also ist es wohl Angst vor den 24 Prozent nichtvölkisch Denkenden, die jetzt noch ein vernünftiges Studentenrecht verhindert, denn nur ein allgemeines Studentenrecht kann doch eine tatsächliche Selbstverwaltung sein. Aber sei es, was und wie es wolle. Man wird sich diese Zahlen merken müssen, wenn man wieder von der „Verjudung" hört. Liberalismus und Zionismus. Der Vorstand der deutschen Vereinigung für das liberale Judentum e. V. hat sich in seiner letzten Sitzung, an der Vertreter aus den verschiedenen Teilen des Reiches teilnahmen, mit dem Verhältnis des liberalen Judentums zum Zionismus befaßt. Nach eingehenden Beratungen wurde, gegen eine Stimme, von allen Anwesenden — u. a. mit Zustimmung der Herren Rabbiner Baeck, Seligmann und Vogelstein — folgende Resolution angenommen: Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum erblickt in der Religion die Grundlage und das Wesen des Judentums. Entscheidend für die Zugehörigkeit zum Judentum ist das Bekenntnis zur jüdischen Religion und die Erfüllung ihrer Pflichten. Wer seinen Glauben wechselt, scheidet aus der jüdischen Gemeinschaft aus; wer sich zur jüdischen Religion bekennt und ihre Pflichten erfüllt, ist vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinschaft. Hieraus ergibt sich die Ablehnung aller Bestrebungen, die Stammes-, Volks- oder nationale Zugehörigkeit an die Stelle der Religion setzen oder für gleichwertig mit ihr erachten. Pflicht jedes Juden ist es, sein religiöses Bekenntnis in seiner Lebensführung sowie durch Teilnahme an jüdischen und allgemeinen Gemeinschaftsaufgaben zu betätigen und überall da, wo Juden wohnen, für ihre geistige und materielle Hebung und für Wiedererweckung jüdischer Religiosität besorgt zu sein. Nur eine in sich gefestigte, ihrer selbst bewußte Glaubensgemeinschaft wird imstande sein, beispielgebend unter den Völkern zu wirken und die ihr von der Vorsehung zugewiesene Sendung in der Menschheit zu erfüllen: das Gebot der Erhebung zu Gott, der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Menschheit zu verwirklichen. E Ferienkolonie Vöslau. Wie alljährlich beabsichtigt die Ferienkolonie Vöslau auch dieses Jahr in ihrem Ferienheime drei Erholungsturnusse für schulpflichtige Kinder (beginnend am 14. Juni, endend am 14. September) einzurichten. Es wird angezeigt sein, für Reservierung des Platzes rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Anfragen sind an das Sekretariat des Vereines, Wien VI., Gumpendorferstraße Nr. 92, Telephon 70-54, zu richten. l<f (?tkeattt,ttunstu.£itttatm^ Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Sonntag, den 29. d. M. findet unter Führung des Herrn Prof. Dr. Jakob Bronner eine Exkursion auf den alten Währinger jüdischen Friedhof statt. Treffpunkt: %\2 Uhr vormittags im Schalterraum der Stadtbahnstation Nußdorferstraße. — Gäste willkommen! Egmont Colerus: Weiße Magier, F. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien. Wenn Ihnen jemand sagt: „Geben Sie mir etwas zum lesen", dann geben Sie ihm ja nicht dieses Buch. Es ist wahrlich keine „Lektüre". Es ist ein Kampfroman! Tief in der Seele von dem Schmerz der Menschheit erfaßt, schildert Colerus mit der ihm eigenen Sicherheit der Sprache das Ringen zwischen Menschen und den sie geißelnden unentrinnbaren Leidenschaften. Zu jeder Zeit war der Zwiespalt der Geschlechtsmoral des jeweiligen Heute und Gestern aktuell und es mag Subjektivität und Enge des Horizonts sein, daß wir es in dieser Epoche besonders akut fühlen. Aber wir empfinden so. Die weißen Magier sind der Bund, dessen Mitglieder sich verpflichten, bis zum Abschluß eine Ehe, von ihrer Jugend an, da sie diesen Bund schließen, der Frau vollkommen zu entsagen. In Verfolgung des Schicksales und Lebensweges jedes einzelnen, sehen wir die Folgen des gefaßten Vorsatzes, die erlittenen Enttäuschungen, die erlebten Versuchungen, den Abfall... Colerus schreibt dieses Buch mit einer entschiedenen Objektivität. Er verdammt nicht und vergöttert nicht, er streift die Lösung nur, deutet sie an, schafft dem Leser ein Erlebnis und viele tiefe Gedanken. Dr. Hans Kronengold. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums (Berlin). Das Aprilheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums bringt einen Sammelbericht über die bibelwissenschaftliche Literatur von Max Wiener. Weitere Berichte über die Literatur zu einzelnen Teilen der Bibel werden für die nächsten Hefte in Aussicht gestellt. I. Maybaum widmet einen sehr klar geschriebenen Aufsatz dem Rabbiner Samuel Formstecher, einem der ersten unter den neueren jüdischen Theologen, welche eine philosophische Begründung des Judentums versuchten. Diese Arbeit erhält ihre Ergänzung durch die sehr lebensvolle Schilderung, welche im gleichen Heft M. W e i ß b e r g von den Aposteln der Aufklärung in Galizien entwirft. Ferner führt G. S c h o 1 e m seine vielbeachteten Untersuchungen zur Geschichte der Kabbala weiter. Zu den „Textkritischen Bemerkungen" E. Baneths im vorigen Jahrgang sind der Monatsschrift manche Einsendungen zugegangen, die weite Leserkreise interessieren; auch sie gelangen in diesem Hefte mit Aeußerungen Baneths zum Abdruck. Der überaus billige Bezugspreis der Monatsschrift. 10 Mark für den 6 starke Hefte umfassenden Jahrgang, wird sicherlich für Gelehrte wie für Laien ein Anreiz sein, sie beziehen zu wollen. Man abonniert sie, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 Mark an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. r1ÖDUN6.Vordcrbrflhl Brühlersfraße Nr. 70 — Tel. 853/H Streng orthodoxe Küche — Selchwaren aus der Fabrik Gabriel Fischer sowie Geflügel bei fhflB» K. Fürs« aus Wien ***** IL, Gr. Sperlgasse 25 — Tel. 44-3-78 Bestellungen werden auch telephonisch entgegengenommen 2 jüdische Gärtner übernehmen billigst Dekorierung von Bethäusern für die Schewuothfeiertage Auskunft bei Rabb. Uli., BirasttBlgfusses SS ■ Fischer Tel. 83-8-83 Sonnenscheins Hotel u. Pension Franz Karl Bad Ischl (Salzftammergut) Ganzjährig geöffnet — Vorzügliche Küche orth. "lED Restaurant GOLDftERG „VILLA BERNINA" Einziges orthodoxes Restaurant im SAIIKAnnERQBT Saison Mai—Sept Großer Speisesaal, Glasveranda, gute Küche, zivile Preise. Referenzen von hervorragenden rabbinischen. Autoritäten.