Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 15 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064314--15334-3088112- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14 flMll^^ DIE WAHRHEIT Anstalt hat uns, mir und meinen Geschwistern, in unserer Kindheit glückliche und sonnige Stunden beschert und unsere Eltern, welche recht viele Kinder hatten, waren glücklich darüber, diese in dieser Anstalt gut aufgehoben zu wissen. Mein Bruder Ludwig hatte schon frühzeitig die Möglichkeiten erkannt, welche sich uns jenseits des Ozeans boten, und er besaß auch die nötige Energie, um diese für sich und uns zu erschließen. Er arbeitete drüben unermüdlich, oft 16 bis 18 Stunden im Tag, um sich eine Existenz in Amerika zu schaffen und Gott gab ihm die Kraft, sein schweres Werk erfolgreich zu gestalten. Allmählich folgten die anderen Glieder unserer Familie ihm nach. Doch wir haben auch jenseits des Ozeans niemals die Anstalt vergessen, in der wir unsere Kinderjahre verbrachten, und insbesondere mein Bruder Ludwig schätzt sich glücklich, dieser Anstalt das vergelten zu können, was sie ihm und uns allen einst geboten hat. Er hat ihr bereits 1000 Dollar gespendet und hat mich beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß er von nun ab jährlich 100 Dollar zu schicken beabsichtige. Ich spreche Ihnen in seinem Namen den innigsten Dank für die schöne Feier aus, ferner im Namen meines Bruders Emil in China, meines Bruders Julius in Paris, meiner Schwester Olga in Wien; am meisten aber und von ganzer Seele danke ich Ihnen in meinem eigenen Namen." Hierauf brachte Fräulein Haberkorn, ein ehemaliger Zögling der Anstalt, ein Dankgedicht zum Vortrage, wpjauf die schöne Enthüllungsfeier mit einem Reigen der Kinder beendet wurde. Die Gesänge und der Kinderreigen wurden von Frau Finni Aehrenthal-Fischer am Harmonium begleitet. Ungültig erklärte Kultuswahl? Wir haben uns bereits seinerzeit mit dem Einspruch befaßt, welchen die Herren Wilhelm Mandl und Genossen für die Wirtschaftspartei in Baden b. Wien gegen die Rechtsgültigkeit der am 15. Februar 1925 stattgehabten Wahl in den Badener Kultusvorstand unter dem Hinweis eingelegt haben, daß nach § 35 der Statuten acht Tage vor der Wahl keine Veränderungen mehr in den Wählerlisten vorgenommen werden, so zwar, daß während dieser Schutzfrist Reklamationen bezüglich der Ausübung des Wahlrechtes nicht mehr berücksichtigt werden dürfen. Der letzte Tag zur Einbringung von Reklamationen sei daher der 6. Februar gewesen. Nichtsdestoweniger wurden noch am folgenden Tage, am 7. Februar, solche Reklamationen berücksichtigt und durchgeführt Die Bezirkshauptmannschaft wies den Einspruch mit dem Bemerken zurück, daß nach dem allgemeinen Sprachgebrauch unter acht Tagen eine Woche zu verstehen ist, und die Landesregierung bestätigte diese Entscheidung. Dagegen hat das Bundesministerium für Unterricht die Wahl wegen Verletzung des § 35 der Statuten für ungültig erklärt, so daß sich nunmehr der Badener Kultusvorstand veranlaßt sah, die Entscheidung der höchsten Instanz, des Verwaltungsgerichtshofes anzurufen. Dieser hat sich nun in einer, Montag, den 4. April stattgehabten Verhandlung, unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Schuster, mit der fraglichen Angelegenheit beschäftigt und die Kultusgemeinde Baden beauftragt, innerhalb der gesetzlichen Frist Neuwahlen in den Kultusvorstand auszuschreiben. Dreizehnte Generalversammlung der „Einheit". Bei der am 27. März in der „E i n h e i t" abgehaltenen Generalversammlung konnte der Präsident des Vereines, Herr Bernhard Hofbauer, als Ehrengäste begrüßen: Frau Dr. Grunwald namens der „Weiblichen Fürsorge" und die Herren: Präsident Dr. Jakob Ornstein für den Kultusvorstand, Kultusvorsteher Wolf Pappenheim für die „Adas" und „Aguda Jisroel", Kultusvorstand Viktor Bauminger und Isidor Auster litz für die Wiener Misrachi-Organisation, Kommerzialrat Karl K1 e m p e r e r für die Zentralstelle für jüdische, soziale Fürsorge, Rabbiner Dr. Armand Kaminka namens der „Israel. Allianz", Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Joel Pollak für die „Talmud Thora", Ing. Ludwig erlet Afeenenten Nr „Die Wahrkell" Bezagsbedlngnngen: BatttfaiHlg: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Goldm. 7.—, Tschechoslowakei CK60—, Polen 2.11.—, Schweiz Fr. 7.—, Amerika lVjDoli.,Italien Lire 40.—.EnglandSchilling — 15.—.Rumänien Lei 300—, Jugoslawien Dinar 100.— m Kritzler für die „Jessod Hathora", Isidor Frommer für die Krankenküche, Sigmund F i g d o r für v,Tomech Ewjonim". Den Rechenschaftsbericht erstattete Herr Direktor Dr. S. Krenberger und gab ein Bild der schweren Kämpfe des Vereines um seinen Bestand. Er rühmte hierbei die Tätigkeit der Herren Möritz Felsenburg, Adolf Fischer und Max Hofbauer. Indem der Berichterstatter auf die im jüdischen Schrifttum durchgängig gepriesene und als Gebot empfohlene Nächstenliebe hinwies, bat er um kräftige Unterstützung der „Einheit". Dies versprachen auch in warmen und lobenden Worten die Herren Präsident Dr. J. Ornstein, Wolf P a p p e n h e i m, Dr. Joel Pollak und Isidor Austerlitz. Auf Antrag des Herrn Revisors Emil Kritzler, der die Buch- und Kassaführung lobte, wurde dem Vorstand Dank und Anerkennung ausgesprochen. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Dr. Josef Bondi, Moritz Felsenburg, Adolf Fischer, Bernhard Hofbauer, Max Hofbauer, Direktor Dr. S. Krenb erger, Hermann Kuner, Professor Dr. Heinrich Neu mann, Dr. Wolfgang Pollaczek, Dr. Isidor Reiniger, Architekt Ignaz Reiser, Doktor Dagobert Rybaczewski, Natan Schiff, Lipe Türkei und Frau Henny Schreiber. Als Revisoren: Jakob Fuchs, Emil Kritzler und Jakob Stern. „Israelitisches Hospital" Gleichenberg. Ansuchen um Aufnahme in das „Israelitische Hospital" in Bad Gleichenberg sind bis längstens .15. Mai an die Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge in Wien I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, Tür 10, zu richten, woselbst auch Auskunft über den zu leistenden Verpflegsbeitrag erteilt wird. Promotion. Der Rabbiner der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien, Herr Chacham Nissim Ovadia, wurde vor kurzem zum Doktor der Philosophie promoviert. Jubiläum. Der Einzelprokurist und Leiter des bestbekannten Unternehmens B. Spie gl er & Söhne, Wien, Hronow, Herr Josef Lemberger, der sich allgemeiner Wertschätzung erfreut, vollendete vor einigen Tagen seine 25jährige gedeihliche Wirksamkeit in diesem Hause. Oberkantor Arnold Grußmann in Mödling, hielt am 12. März in Subotica (S.H.S.) einen Probevortrag, worauf er in einer am darauffolgenden Tage abgehaltenen außerordentlichen Sitzung des dortigen Kultusvorstandes einstimmig zum zweiten Oberkantor bestellt wurde und nunmehr mit dem aus seiner Wiener Wirksamkeit noch in bester Erinnerung stehenden Oberkantor Josef B a s s e r in der Funktion abwechseln wird. Es muß bedauert werden, daß es der Mödlinger Kultusgemeinde nicht möglich war, ein so aufstrebendes junges Talent zu behalten, zumal es in Oesterreich an einem richtigen Nachwuchs im Kantorenstande mangelt. | Großes Kellerlokal j §§ mit elektrischem Licht, II. Bezirk, Ecke Raimundgasse — n H Schiffamtsgasse ab 1. Mai zu vermieten. Auskünfte Israeli- §§ H tische Kinderbewahrungsanstalt, IL, Schiffamtsgasse 15. n >• Soeben erschienen a Handwörterbnch für Politlh and Wirtschaft der Gegenwart" Mit Karlen, Porträts und Tabellen Von Regierungsrat J. Kreppel Lieferung I.: Aachen — Arabien Das „Handwörterbuch" erscheint in 18 Lieferungen zu je 64 Seiten Quart, bezw. in zwei Leinenbänden zu je 576 Quartseiten. — Subskriptionspreis für das Gesamtwerk 35 Mark. — Preis per Lieferung 3 Mark/ Verlag „Das Buch", Wien, 1., Postamt 9, Postfach 22