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Die Wahrheit · 1927-03-25 · Heft 13 (25.3.1927) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 13 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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£vm€fkcint Jeden Preltag (Feds dieser Kiimnier: SO 9roa«ften DIE WAHRHEIT tfesterreicniscne ItfocfienstfiTift für Jiidiscne Jfnfer essen Veröffentüdkungen der „Union deulsdkösferr. Juden" Redaktion und Administration: Wien II., 3£cinCStrOi0C 13 Fernruf 42-2*18 XLIII. Jahrgang Wien, 25. März 1927 Nummer 13 Schafft Aufklärung! Von Dr. Felix Goldman«, Leipzig. In unseren eigenen Reihen begegnet man verschiedenen Grundauffassungen darüber, wie am wirksamsten dem Antisemitismus entgegengetreten werden solle. Manche meinen, daß es sich nicht verlohne, die Einzelerscheinungen des Judenhasses zu bekämpfen, da es sich dabei nur um eine rein symptomatische Behandlung drehen könne, und sie sehen das beste Mittel in der sittlichen und seelischen Stärkung des jüdischen Menschen, dessen Widerstandskraft und Bewußtsein von eigenem Werte gekräftigt werden müsse. Diese Ansicht faßt das Problem subjektiv auf. Sie rechnet mit dem Antisemitismus als einem Feststehenden und Unabänderlichen und sucht lediglich dem Menschen die vorteilhafteste Einstellung zu ihm zu geben. Andere aber sind der Ansicht, daß der Judenhaß auch objektiv durch Abwehrarbeit überwunden werden kann. Sie predigen die Bekämpfung jeder einzelnen antisemitischen Gesinnung und Tat und hoffen, daß aus der Zusammenfügung vieler kleiner Erfolge der eine große Erfolg entstehen werde. Jede dieser Meinungen ist zu verwerfen, wenn sie den Anspruch auf ausschließliche Geltung erhebt. Beide zusammen geben erst die Möglichkeit durchgreifender Hilfe. Wer dem Judenhaß kraftvoll und erfolgreich entgegentreten will, darf weder die innerliche Stärkung der Angegriffenen noch auch den Kampf gegen seine Erscheinungen vergessen. Und es ist ein großes Unrecht, wenn man häufig unter dem Einfluß der national jüdischen Ideologie auch in unseren Kreisen den positiven Kampf gegen antisemitischen Geist und antisemitische Tat als etwas von vornherein Erfolgloses und darum Minderwertiges, wenn nicht gar Minderwürdiges angesehen hat. Für die nationaljüdische Theorie, die auf Schaffung eines einheitlichen, in sich festen Volkskörpers ausgeht, die Trennung und feste Abgrenzung will, tritt naturgemäß jene Bekämpfung des Antisemitismus, die seine kleinsten Aeußerungen aufspürte und ernstlich zu unterdrücken suchte, mehr in den Hintergrund. Und da das eine ihrer Argumente scheinbar zutrifft, daß man einen klaren Erfolg dieser Arbeit nicht verspüre, haben sich für diese Gedankengänge auch viele gewinnen lassen, die an sich der nationaljüdischen Theorie gänzlich fernstehen, Fraglos ist es richtig, daß beim Kampf gegen den Antisemitismus oft genug der Erfolg die Mühen nicht zu belohnen scheint. Das rührt aber von einem Fehler in der Taktik her. Man sucht wohl die Erscheinung einzudämmen und zu vernichten, aber man geht an ihren Herd nicht heran. Auch auf diesem Gebiete ist prophylaktische Arbeit ganz unerläßlich. Auch der schönste Eifer im Vorgehen gegen die antisemitische Einzeltat bleibt wirkungslos, wenn nicht systematische, vorbeugende Arbeit ihn begleitet. Und das Wichtigste, was in dieser Hinsicht geleistet werden kann, ist Aufklärung! Es gehört heute noch selbst in Kreisen unserer Anhänger beinahe zum guten Ton, die Aufklärungsarbeit geringschätzig anzusehen. Man argumentiert, daß antisemitische Gesinnung ein Gefühl und kein Verstandesprodukt sei, und daß sie sich demnach nicht durch logische Darlegungen widerlegen lasse. Man spottet, daß man noch niemals einen durch Aufklärung bekehrten Judenfeind gesehen habe. Man klagt, daß auf die Aufklärung ungeheure Kräfte nutzlos verschwendet werden, die besser anderen Wegen der Ueberwindung des Judenhasses zugute kommen sollten. Und dennoch sind Logik und Spott und Klage töricht. Denn sie entspringen alle einer sehr kleinlichen Denkweise, die über den engen Kreis der nächsten Umgebung — räumlich und zeitlich — nicht hinaus zu schauen vermag. Werden Wert der Aufklärung richtig erfassen will, muß einen ganz anderen Maßstab anlegen. Er muß inJahrzehnten und Jahrhunderten denken, er muß die Kraft jener Entsagung besitzen, die Arbeit auch für kommende Generationen, nicht nur für die Lebenszeit des Schaffenden leistet. Es ist das Schicksal jeder fortschreitenden Wahrheit gewesen, daß sie die dem Irrtum verfallenen Geister nur sehr langsam hat gewinnen können. Neue Erkenntnisse müssen oft jahrhundertelang wiederholt und wiederholt werden, bis sie in den Köpfen haften. Und vom historischen Standpunkt aus ist die Herzenseinfalt vieler Juden unbegreiflich, die Aufklärungsarbeit darum verwerfen, weil sie einige tausend Flugblätter verteilt haben und trotzdem den bösen Antisemitismus immer noch verspüren. Wenn aber unsere Vorfahren so gehandelt

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