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Die Wahrheit · 1927-03-18 · Heft 12 (18.3.1927) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 12 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 »HM^ DIE WAHRHEIT 6. März, vormittags 11 Uhr, in Weißensee von der alten Halle aus unter großer Beteiligung statt. Mißstände in der Badener Chewra Kadischa. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Sehr geschätzte Redaktion! Den Anschauungen der überwiegenden Mehrheit der Badener Juden gemäß wird die Badener Kultusgemeinde auf konservativer, d. h. streng religiöser Grundlage geführt Um so auffälliger erscheint es, daß die Badener „Chewra Kadischa" nicht von denselben Grundsätzen geleitet wird, welche das Gemeinde- und Familienleben der Badener Judenschaft harmonisch durchdringen. Es ist daher begreiflich, daß die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Führung der „Chewra Kadischa" immer größer wird und bereits weite Kreise der gesetzestreuen jüdischen Bevölkerung Badens erfaßt hat. Einige bedauerliche Vorfälle, welche sich in der letzten Zeit ereignet haben, werfen ein bezeichnendes Licht auf die Methoden, wie sie von der Leitung dieser „Heiligen Bruderschaft" geübt werden. So wurde z. B. ein in Baden Verstorbener an einem Freitag Nachmittag zu so später Stunde nach Wien überführt, daß er von der Wiener „Chewra Kadischa" infolge der bereits eingetretenen Sabbatruhe nicht übernommen werden wollte. Ein anderes Mal hat die Nachlässigkeit der „Chewra Kadischa" zur Folge gehabt, daß ein jüdischer Verstorbener einem christlichen Bestattungsverein übergeben wurde. Gegen diese und viele andere Vorfälle, welche unter der Badener Judenschaft eine begreifliche Erregung hervorgerufen hatten, hat nun der Verein „Schaumre Schabbos Umizwaus" in einer öffentlichen, stark besuchten Versammlung Stellung genommen. In dieser Versammlung wurde das Vorgehen des Vorstandes der „Chewra Kadischa" einer scharfen Kritik unterzogen und gegen einzelne dem Vorstande angehörige Herren so schwere Vorwürfe erhoben, daß einer der angegriffenen Personen sich veranlaßt sah, mit einer gerichtlichen Klage gegen ein Vorstandsmitglied des Vereines „Schaumre Schabbos Umizwaus" vorzugehen, dann aber die Klage mit einer Ehrenerklärung gegenüber den Beklagten zurückzog. Doch so lange nicht wahrhaft religiöse und pflichtbewußte Männer an der Spitze der „Chewra Kadischa" stehen, Männer, deren Persönlichkeit die Gewähr dafür bietet, daß die Badener „Heilige Bruderschaft" das wird, was ihr Name besagt, so lange dürfte kaum die Ruhe unter der Badener Judenschaft und der Friede in der Badener jüdischen Gemeinde wieder hergestellt werden können. Trotzdem auch der Badener Oberrabbiner S. Reich seiner Ansicht zu wiederholten Malen dahingehend Ausdruck verliehen hat, daß eine „Chewra Kadischa" nur von wahrhaft gesetzestreuen Juden richtig geleitet werden kann, scheinen die derzeit im Vorstande dieser wichtigen religiösen Vereinigung stehenden Herren noch nicht gewillt zu sein, dieser allgemein anerkannten Ansicht Rechnung zu tragen. S. T. Eine Trauerfeier der „Chewra Kadischa". Wie alljährlich, so fand auch dieses Jahr, Donnerstag, den 10. März dem Todestage Moses, eine Trauerfeier für die verstorbenen Mitglieder der Chewra Kadischa statt. Die den Toten der „Heiligen Bruderschaft" gewidmete würdige Gedenkfeier, welche im Großen Leopoldstädter Tempel abgehalten wurde, machte auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck. Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d hielt eine tiefempfundene Gedenkrede, in welcher er die Bedeutung der Chewra Kadischa, ihre Pflichten und Leistungen in formvollendeter Weise darlegte. Oberkantor Fischer brachte in Begleitung des Chors die Trauergesänge in ausgezeichneter Weise zum Vortrage. — Von zahlreichen Besuchern der Gedenkfeier wurde der mangelhafte Trauerschmuck des Gotteshauses recht störend empfunden. In der Tat machte die Tatsache, daß die Kanzel mit einer schwarzen, das Vorbeterpult mit einer grünen Decke bekleidet war, während vor der Bundeslade ein graues Paroches hing, einen sehr schlechten Eindruck. Als einige der Anwesenden ihrem Erstaunen darüber Ausdruck verliehen, daß die größte Wiener Synagoge nicht in jenem äußeren Zeichen der Trauer erscheine, der dem Anlasse entspreche, sagte ein geistreicher Vorstand: „Ist das, was wir hier sehen, nicht traurig genug, als daß wir noch äußere Zeichen der Trauer notwendig hätten?" Der Leopoldstädter Krankenunterstützungsverein „Nächstenliebe" hielt Sonntag, den 13. März 1927 im „Bayrischen Hof" seine 46. ordentliche Generalversammlung ab, zu welcher zahlreiche Mitglieder und Freunde des Vereines erschienen waren. Aus dem interessanten Referate des Vereinsobmannes Herrn Adolf Reich sowie auch aus dem ausführlichen Jahresbericht, der den Mitgliedern vorgelegt wurde, geht hervor, daß der Verein im abgelaufenen Jahre eine sehr ersprießliche Tätigkeit entfaltet habe. Herr Adolf Reich machte auch davon Mitteilung, daß der Vereinsvorstand bemüht sei, eine Reihe neuer sozialer Einrichtungen für die Mitglieder zu schaffen und daß die Vorarbeiten hierfür bereits ziemlich weit gediehen sind. Bei den hierauf vorgenommenen Neuwahlen wurden gewählt die Herren Carl Fuchs, Julius Grünberger, Moritz Kammermann, Max Robicek, Jakob Steinhardt, die Damen Ottilie Pollitzer, Helene Schallinger, Mathilde Witrofsky zu Ausschußmitgliedern und die Herren Simon Berger, Siegmund Müller, Dr. Felix Tänzer zu Revisoren. Verein der Kinderfreunde zur Bekleidung armer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk. Dieser, seit 45 Jahren überaus segensreich wirkende Verein veranstaltete, wie alljährlich, Mittwoch, den 2. März 1927, in Gschwandners Saallokalitäten, zugunsten armer, frierender Schulkinder, unter der vortrefflichen Leitung seines bewährten Obmannes Oberveterinärrat Heinrich Rostenz weüg >eine Wohltätigkeits-Maskenredoute. An offiziellen Persönlichkeiten waren erschienen Bezirksvorsteher des XVII. Bezirkes H a i d 1, die Gemeinderäte Jenschi k, Schön und W i m m e r, der Ehrenpräsident des Vereines, Medizinalrat und Kultusvorsteher Dr. Jakob Deutsch. Bezirksrat Medizinalrat Dr. Alois H a u s e r, Bethausvorsteher Obmann Weiler, Obmannstellvertreter K a t z („Chewra Kadischa"), Schriftführer der Bezirkskommission Rudolf Urbach, Obmannstellvertreter ^Samuel Deutsch (Ausspeisungsverein) und für den Greisenschutz Dr. B o h i n und Beck, ferner für den Frauenverein Frau Dr. Deutsch, Frau Klavier und Frau Dr. P a s c h k e s. Der Obmann des Vereines, der „alter Herr" der jüd.-akad. Verbindung „L i b a n o n i a" ist, brachte 20 Libanon, welche dafür sorgten, daß alle Damen dem Tanze huldigen konnten. Auch die Turnerschaft „Makkabi XVII" sandte Vertreter, die fleißig deirj, Tanze huldigten. Die vortreffliche Kapelle stand unter Leitung seines Dirigenten Max Geiger. Die Veranstaltung nahm einen sehr animierten Verlauf und alle Teilnehmer an dem schönen Feste sprachen ihre Befriedigung aus. Brigittenauer israelitischer Tempel-Verein. Anläßlich des siebenten Ador, des Sterbetages Moses, veranstaltete der Vorstand des Brigittenauer israelitischen Te mpel-Vereines, XX., Kluckygasse, Donnerstag, den 10. März 1927 abends, eine Seelengedächtnisfeier für die im Vorjahre verstorbenen Mitglieder des Tempelvereines. Diese Trauerfeier fand unter Beteiligung des Gesamtvorstandes mit dem Obmann Josef K o h n an der Spitze, der Vorstände mehrerer Wohltätigkeitsvereine und eines zahlreichen Auditoriums statt. Se. Ehrwürden Hr. Rabbiner Dr. A. A b e 1 e s hielt eine inhaltsreiche Gedächtnisrede, in der er die Verdienste der Verstorbenen, und zwar Oskar Fichmann, Sigmund Frommer, Jakob Griffel, Julius Keßler, Isidor L a m p e 1, Ignatz P i s k und Nathan Schreiber um den Tempelverein hervorhob. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor S. Landerer in würdiger Weise. Oberkantor Leon Kornitzer aus Hamburg, Vorstandsmitglied des Allgemeinen deutschen Kantorenvereines, weilte dieser Tage in Wien und benützte die Gelegenheit, um mit dem österreichischen Kantorenverein und seinen prominenten Mitgliedern wichtige Besprechungen über Standesfragen zu pflegen. Es steht zu erwarten, daß diese Beratungen einen für beide Organisationen befriedigenden Erfolg zeitigen werden. i FLEISCHHAUEREI SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WAHRIN GER STRASSE NR. 97 Telephon Nr. 17-3-99 und 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteilung für Koscherfleisch IL Berggosse IS und XVIII., KBliriogiPStraBB 07 unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien- Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen

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