Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-03-11 · Heft 11 (11.3.1927) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 11 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064310--15265-3088039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

die Wahrheit ^innnniiiiiiiininiimiiHnnitininiinniinnnnnmmTmTrminrni lllllllllil Seite 13 Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohm". Sonntag, den 20. März 1927, um halb 10 Uhr vormittags, findet im großen Giebelsaale des Tempelgebäudes, IL, Pazmanitengasse6, die ordentliche Generalversammlung für das 51. Vereinsjahr statt. Tagesordnung: Jahresbericht des Vorstandes. Vorlage des Rechnungsabschlusses und der Bilanz pro 1926. Bericht der Revisoren. Bestimmung des Mitgliedsbeitrages pro 1927. Neuwahl von 8 Vorstandsmitgliedern. Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes für die Dauer von zwei Jahren. Neuwahl der Revisoren. Anträge. Eine Gedenkfeier für Marcus Bondi s. A. Die diesjährige Generalversammlung des Wiener Schulvereines Talmud-Thora, IL, Malzgasse 16, welche Mittwoch, den 2. März d. J. unter großer Beteiligung stattfand, gestaltete sich zu einer würdigen und eindrucksvollen Trauerkundgebung für den im vorigen Jahre verstorbenen Präsidenten Marcus Bondi. Es waren die Vorstandsmitglieder Präsident Kommerzialrat Siegmund Bondi, Vizepräsident B. Hofbauer, Kassier Oskar Neurath, Schriftführer Rabbiner Dr. Joel P o 11 a k und die Vorstandsmitglieder Justizrat Dr. Adler, S. Adler, Karl Alt mann, Dr. Josef Bondi, Wilhelm Freistadt, Julius Haber, Rabbiner Dr. P. K o h n, O. Neurath, Leopold Richter, Michael Sternfeld, Dr. Josef Ticho und der Revisor Leopold H i r sc h, zahlreiche Mitglieder, die Vertreter der Kultusgemeinde, der „Adas Jisroel" und die Delegierten vieler jüdischer Vereine und Korporationen erschienen. Präsident Kommerzialrat Siegmund Bondi eröffnete die im Zeichen der Trauer um den langjährigen Präsidenten und großherzigen Förderer stehende Generalversammlung, worauf Rabbiner Dr. Pinchas Kohn die eigentliche Gedenkfeier für Marcus Bondi mit einer gehaltvollen und tiefempfundenen Rede einleitete: „Es sind nun beinahe acht Monate dahingegangen, seitdem am 6. Juli vorigen Jahres Marcus Bondi von uns geschieden ist. Wie unsere Heilige Schrift von unserem großen Führer Moses sagt: „Seine Augen waren nicht trübe geworden und seine Kraft war nicht geschwunden, als er starb", so war auch ein ewiges Leuchten in den Augen dieses Mannes, viel Liebe und unendliche Güte strahlte aus ihnen, ungebrochen war seine Kraft, weil ewige Jugend seinen Geist durchströmte und seine reine und große Seele durchglüht war von der Liebe zum Leben. Wir, die wir tief erschüttert an der Bahre dieses Mannes standen, wir wollen, wir können es noch immer nicht fassen, daß diese Seele von uns gegangen ist. Aber nach einem heiligen Gesetz, das der Allmächtige in das Fühlen und Empfinden der Menschen gelegt hat, ist der Schmerz doch milder und heiliger geworden, so daß es heute leichter ist, aus dem Bild des Verklärten die Ewigkeitswerte herauszuarbeiten, die in diesem so großen, reichen und gottgesegneten Leben Wunderbares gewirkt haben. Die Jugend Marcus Bondis war, wie Dr. Kohn weiter ausführte, überschattet von der hochragenden Gestalt des großen Preßburger Rabbis Chassam S o f e r, eines Mannes, in welchem das gesetzestreue Judentum des 19. Jahrhunderts seine Krönung fand und der der Forschung des Gotteswortes neue Bahnen gewiesen hat. Denn es war eine neue Zeit hervorgebrochen, welche laut und vernehmlich an die Pforten des Ghettos pochte und für Welt und Leben Einlaß begehrte. Da sagte sich Marcus Bondi, dessen Familie dem großen Chassam Sofer in innigster Freundschaft verbunden war und dessen jugendliches Gemüt ganz im Banne dieses Großen stand: Eine neue Aufgabe ist uns erwachsen, dich ruft Gott in die Welt: Gehe und bezwinge diese Welt. Gehe und werde Meister des Lebens, zeige, daß ein göttlicher Funke in allem weilt, was je eine Menschenbrust in Sehnsucht und Erfüllung durchzieht, in allem, was Menschen sinnen und denken. Weise aber auch diesem Funken den Weg zur göttlichen Flamme, die im Worte unserer heiligen Lehre lodert. Und Marcus Bondi ging hin und tat, wie ihm seine innere Stimme gebot: Er wurde ein Muster des Lebens und ein Meister des Gotteswortes. Weil er selbst von Thauro durchdrungen war und in ihr die Wurzeln seiner Kraft, TKtrenommierte Meine Restauration in einem Kurorte in der 7lä()e Wiens zu verpachten. Tinträge unter „Streng ritueß" an die Administration dieses 'Sfattesseiner Stärke und Weisheit fühlte, war er bemüht, der Thauro, dem Gottesworte im Leben zum Durchbruche zu verhelfen. Daß das Judentum eine Religion des Lebens, der unermüdlichen Arbeit, der Aufopferung und Pflichterfüllung ist, das findet in der Person Marcus Bondis seine wunderbarste und überzeugendste Bestätigung. Arbeit an dem Menschen und Arbeit für den Menschen, das war auch das Programm, mit dem Marcus Bondi 35 Jahre lang im Vorstande der Talmud-Thora tätig war, das waren die Grundsätze, von welchen er sich bei seiner 26jährigen Tätigkeit als Präsident unseres Vereines leiten ließ. Die Talmud-Thora zu einer wahrhaften Quelle des Gotteswortes zu machen, die Seelen der Kinder in der Treue zu Gott auszubilden und zur richtigen Erfassung seiner Worte anzuleiten, das war das Ziel, das Marcus Bondi der Talmud-Thora gesetzt und an dessen Erreichung er unermüdlich gearbeitet hat. Es ist die Frucht seines Lebens, wenn die Talmud-Thora in stetiger Entwicklung erstarkt ist und der Judenheit Wiens so ersprießliche Dienste geleistet hat. Deshalb wird uns Marcus Bondi bleiben, was er uns war, das Programm seines gottgefälligen und ehrfurchtgebietenden Lebens wird stets das Programm unsrer Talmud-Thora bleiben. Und darum wird sein Andenken eine Quelle ewigen Segens sein." Nachdem Dr. Kohn seine in tiefer Ergriffenheit angehörten Gedenkworte beendet hatte, sang ein Schülerchor unter Leitung von Herrn Lehrer Friedländer Trauerlieder, worauf Oberkantor B ra u n ein „El mole Rachamim" zum Vortag brachte. Im Namen des Lehrkörpers der Talmud- Thora und der Schüler widmete Oberlehrer Jakob Kohn dem Dahingegangenen innige Worte aufrichtigsten Gedenkens. Barmizwahfeier. Samstag, den 26. v. M., fand im Bethaus Oseh Chesed die Barmizwahfeier des Studenten Walter Wilder, Sohn des bekannten Fürsorgerat Wilhelm Wilder und seiner Gattin Dora, geb. W i n k 1 e r, statt. Der Barmizwant trug die Haftora und die Paraschah mit großem Verständnis vor und fand bei den zahlreichen Anwesenden großen Beifall. Eltern und Sohn waren Gegenstand herzlicher Gratulationen. 75. Geburtstag. Dienstag, den 1. März, fand in den schönen Klubräumen des Cafe Arkaden aus Anlaß des 75. Geburtstages des seit 50 Jahren im Vorstande des Vereines „Nächstenliebe" aufopferungsvoll tätigen Herrn Hermann arisches Königslicht Seit vielen Jahren das anerkannt beste w^rrnzm Man achte auf die ges. gesch. Harke «Hygien. Königslicht' und Name Schulz Fabrik und Büro; Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon 83-1-87

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.