Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 8 (18.2.1927)
- Date
- 1927-02-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT illilfflM^ Seite 11 r -: y\ O S<!.. &ftc**tev,J£unstu.J£iteratm j:- < Enelow. Kaufmann Kohler, New York 1926. (Sep. Abdr.) Diese biographische Skizze, von herzlicher Pietät diktiert, ehrt den vortrefflichen Gegenstand des lehrreichen Nekrologes nicht weniger als den Verfasser. Kohler, in seiner Jugend eine Hoffnung der Orthodoxie, wurde einer der Führer der Reform in Amerika. Viel hat ihm die Wissenschaft zu verdanken. Was er für das Zustandekommen der „Jewish Encyclopedie" geleistet, mit welcher Wärme er Mitarbeiter geworben hat, bleibt unangetastet sein Verdienst. Q- Das Neuerscheinen von Zeitschriften ist ein erfreuliches Zeichen der Rückkehr normaler Verhältnisse, so ist neuerdings wiedererstanden die treffliche „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Jude n", herausgegeben von Dr. Jac. Segall, Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin C 2, Losenstraße 2/4, die jetzt auch eine Zeitschrift „Zedakah" erscheinen läßt. Das vorliegende Heft vom August 1926 enthält lesenswerte Beiträge von Cospary, Ollendorf, Brunner, Weinreich u. a. — Auch „L e T r ad u c t e u r", französisch-deutsches Sprachlehr- und Unterhaltungsblatt (Chaux-de-Fonds, Schweiz) taucht in neuem Gewände, das heißt illustriert auf und bietet, wie vor dem Kriege, eine Fülle wertvollen Stoffes. — Ein Sonderheft widmet das „Bayerland" der Geschichte der bayrischen Juden. Von dem beachtenswerten Inhalt abgesehen, verdient schon der wertvolle Bilderschmuck besondere Empfehlung. — An Jubiläumsschriften sind zu verzeichnen ein unserem verdienstvollen Dr. Alfred Landau zum 75. Geburtstage von dem „jüdischwissenschaftlichen Institut" in Wilna gewidmeter stattlicher Band mit Beiträgen von Raisen, Grunwald, Beylin, Weinreich, Weissenberg u. a., sowie der von der Revue des Etudes juives zum 70. Geburtstage des Grandrabbin I. L e v i herausgegebene Sammelband mit Aufsätzen von Weil, Krauss, Grunwald, Kaminka u. a. Dürr, Lorenz, Ursprung und Ausbau der israelitischen jüdischen Heilserwartung. Ein Beitrag zur Theologie des Alten Testaments (Berlin, C. A. Schwetschke & Sohn, Preis M. 6.—). Die Heilserwartung ist in Israel uralt, jedenfalls vorexilisch, kein Akzidens, sondern aus dem tiefsten Grunde der Volksseele kommend. Es ist zwar eine uralte orientalische Eschatologie, auch die Heilsidee tritt sowohl in Aegypten, als in Babylonien auf, aber ihr fehlt die Gestalt des eschatologischen Herrschers, diese wurde, auf Grund von volkstümlichen Vorstellungen, erst von den israelitischen Propheten entwickelt. Auf den leidenden Gottesknecht Jes. 53, auf den christlichen Heiland und auf die IV. Ekloge Virgils fallen sehr schöne Streiflichter. Im ganzen: eine lehrreiche, verdienstvolle Schrift, schöne Anordnung mit großer Gelehrsamkeit verbunden, zu gesicherten Ergebnissen führend. Hier leitet der alte Orient mit seinen Mythen, seiner Dichtung, seinem Königsideal handgreiflich zu uns herüber. Hugo Greßmann, die hellenistische Gestirnreligion (Beihefte zum „Alten Orient" hersausgegeben von Prof. Dr. Wilhelm Schubert, Heft 5), Leipzig, J. C. Heinrichsche Buchhandlung, 1925. Die Chaldäer waren nicht nur Astrologen, sondern — vom achten Jahrhundert vor Chr. aufwärts — bedeutende Astronomen. Der Babilonier Kidinnu scheint der größte Astronom des Altertums gewesen zu sein. Unter dem Einflüsse der Babylonier stand auch die griechische Astronomie. Anderseits ist auch anzunehmen, daß „der wissenschaftliche Geist der Griechen schon in vorhellenistischer Zeit die babylonische Kultur befruchtete und die in ihr wirksamen Triebe systematischer Welterkenntnis zur weiteren Entwicklung reizte". Eine weitere Erscheinung dieser Einwirkung zweier großer Kulturen aufeinander ist — die Entwicklung der hellenistischen Gestirnreligion, die ihrerseits Geist vom Geiste Babyloniens war. So erklärt es sich, wenn sich bei graichischen Schriftstellern Reflexe astrologischer Keidlinschriften bemerkbar machen. Die chaldäisch-iranische Gestirnreligion wird von Greßmann „als eine der wichtigsten Triebfedern in der Entwicklungsgeschichte des hellenistischen Judentums" angesehen. Auch in der iranischen Religion, die bekanntlich mit der jüdischen viel Gemeinsames aufzuweisen hat (s. Scheftelowitz, die altpersische Religion und das Judentum, 1920), hat die Astrologie zu allen Zeiten Heimatsrecht gehabt. Während Alexander der Große griechische Kultur im Osten zu verbreiten suchte, waren „gleichzeitig die orientalischen Religionen zum Angriff auf den Westen übergegangen". Zu einer Zeit, in der Weltuntergangsideen die Vorherrschaft hatten, wurde das Sennen nach Erkenntnis der nahen und fernen, transcendantalen Zukunft immer stärker. Diese Zukunft, so glaubte man, könnten nur die Sterne der Menschheit verkünden. ..Mit der Gestirnreligion ist endlich als das Wertvollste eine Eschtologie verbunden, die dem Gläubigen ein Leben im Jenseits als Stern unter Sterngöttern gewährt; das älteste Zeugnis dafür ist die jüdische Apokalyptik eines Daniel." Z. L. A. Rosenthal. Ges. Schriften, 1. Heit, Berlin, Louis Lamm 1926. Die hier wieder abgedruckten Aufsätze zeigen uns den Verfasser mitten in den literarischen Kämpfen, die das Judentum gegen den sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus seit Jahrzehnten auszufechten hat. Ebenso beachtenswert wie diese polemischen Arbeiten sind seine Beiträge zur jüdischen Geschichte und Literatur, besonders der schöne Vortrag über Nachmanides. G. Mayer, Ferdinand Lassalle, nachgelassene Briefe und Schriften, Bd. 5 u. 6, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. Mit den vorliegenden beiden Bänden ist ein Werk abgeschlossen, dessen Bedeutung nicht nur für die Allgemeinheit, sondern ganz besonders auch für den Leserkreis der „Wahrheit" wir schon bei einer früheren Gelegenheit in diesen Blättern gewürdigt haben. Auf jeder Seite kommt einem die Größe und Tragik dieses so jäh abgebrochenen Heldenlebens immer erschütternder zum Bewußtsein. Gleichzeitig werden wir durch die Worte Lassalles selbst sowie durch die vom Herausgeber mit emsigem und gewissenhaftestem Fleiße gesammelten und übersichtlich dargebotenen historischen und biographischen Daten über den ganzen Lebenskreis des ungewöhnlichen Mannes unterrichtet. Ludwig Löwe, der später im Berliner Judentum eine solche Rolle spielte, L.'s Vertrauter Gustav L e w y, sein hervorragender Gegner Leopold Sonnemann, der Begründer der Frankfurter Zeitung, L.'s treuer Mitarbeiter Moses Heß, Eduard F is c h e 1, Richard Wagner, der L.'s Gefühle in Aeußerungen an dritten Stellen nichts weniger als erwiderte, aber in L. doch „den bedeutenden Menschen unserer Zukunft, welche ich die germanisch-jüdische nennen muß", erblickte L.'s Vater mit einem herzbewegenden Briefe (1862) an seinen Sohn („Wohl kann ich mit Vater Jakob ausrufen, ich werde mit Traurigkeit in die Grube steigen", — so schämt er sich seines Sohnes), Aron Bernstein, mit dem L. auf freundlichem Fuße stand, Ignatz K r a n d a und viele andere Bekannte ziehen an unserem geistigen Auge vorüber. Der letzte Band überrascht durch die aus hier veröffentlichten Jugendarbeiten L.'s zu schöpfende Erkenntnis, wie gereift schon in dem Jüngling die Lebensanschauung war, die seinem Wirken die Grundlage bot. Bezeichnend ist sein Bekenntnis, wie er „griechisch gelernt an Sophokles, die Philolophie begonnen mit Hegels Phänomenalogie, Juristerei gelernt an den Prozessen", die er für die Gräfin Hatzfeld zu führen hatte. So hat er ja auch in wenigen Monaten sich mit der Geschichte der Rechtswissenschaft derart vertraut gemacht, daß er auf das von Fachgelehrten bewunderte „System der erworbenen Rechte", an das er als Laie herangetreten war, im ganzen samt allen Vorstudien nicht mehr als anderthalb Jahre verwendete. Von Judentum und Juden, besonders auf seiner Orientreise, ist allenthalben die Rede. Wir empfehlen das Werk nicht nur als Geschichtsquelle, sondern ebenso als genuß- und lehrreichen Lesestoff. L. Jung Juda, Zeitschrift für unsere Jugend, 28. Jahrgang, Prag, IL, Stefansgasse 55. Am 1. Jänner d. J. erschien die erste Nummer des neuen Jahrganges dieser ältesten jüdischen Jugend-Zeitung, die jeden dritten Freitag erscheint und viel Anregendes durch den leicht faßlichen Text, schöne Illustrationen, hebräische Aufgaben, Gedichte, Rätsel usw. enthält. M. A. R. A. Edon: Seine Hoch würden, der Jude. Maximilian S a 1 z e r - Verlag. Es ist nicht das Rußland von heute und" nicht das von gestern. Irgend etwas fehlt dem Milieu, um es lebendig erscheinen zu lassen. Wir sehen Popen und Troikas, aber es ist nicht Rußland. Der Autor verfügt über eine bewundernswerte Fertigkeit des Erzählens, aber düe Aufgabe, die er sich gestellt hat in diesem „Roman zweier Rassen", ist so unendlich schwer, daß auch er sie nicht ganz bewältigen kann. Selbstkritisch genug, dürfte er sich dessen bewußt gewesen sein und, um den Klippen auszuweichen, greift er zu Gezwungenheiten, die Fehlschlüssen manchmal bedenklich nahe kommen. Aber schon um des Problems willen allein, verdient diese Geschichte Beachtung. Diese Geschichte eines armen, von einer armen Bäuerin adoptierten, jüdischen Findelknaben, der — fast zum Hohn — zum Popen erzogen wird und schließlich aus der Welt fliehen muß, zermalmt zwischen Abstammung, Erziehung und Liebe. Dr. Hans Kronengold. Böhmische Dorf juden von Oskar D o n a th. (H i c k 1- Verlag, Brünn.) Das Büchlein beschreibt in anschaulicher Weise das Leben und die Eigenart dieser wohl schon im Aus-