Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 5 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite U Wahrheiten vom fTage >; %HfM<Hf»«IWM*l»IHMM»IIIH»HHIIII*MIHIIlMIMIMIMlU««»MltllMimilMllM«H*ll*l** *••* Ein Abkommen zwischen Weizmann und MarshaH. Wie aus New York gemeldet wird, kam dort vor kurzem zwischen dem Präsidenten der zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weizmann und dem Präsidenten des American Jewish Co mitte e, Louis Marshall ein Abkommen zustande, durch das die Art und Weise des Zusammenarbeitens der Zionisten und Nichtzionisten zur Förderung des Wiederaufbaues Palästinas geregelt und die Erweiterung der im Artikel IV des Palästinamandates vorgesehenen Jewish Agency durch Eintritt von Vertretern des amerikanischen nichtzionistischen Judentums in Aussicht genommen wird. Dem Abkommen zufolge soll zunächst eine, unparteiische Kommission hervorragender wirtschaftlicher Sachverständiger gebildet werden, die alsbald nach Palästina zu reisen, die dortigen Verhältnisse an Ort und Stelle zu untersuchen und einen Bericht sowie Vorschläge über die Einführung eines Systems wirksamer Aufbauarbeit zu erstatten haben wird. Nach Vorlegung des Berichtes dieser Kommission soll, wie das Abkommen weiter bestimmt, an die Bildung der neuen Jewish Agency geschritten werden. Das Abkommen, das nach langwierigen Verhandlungen endlich zustande gekommen ist und dessen Textierung noch zu sehr erregten Auseinandersetzungen geführt hat, wurde bei einem großen zionistischen Meeting in New York, dem auch führende amerikanische Nichtzionisten beiwohnten, von Dr. Weizmann zur Verlesung gebracht und von allen am Wiederaufbau Palästinas interessierten Kreisen mit großer Begeisterung aufgenommen. Gleichzeitig wurde mit einer Kampagne zur Aufbringung von 7,5 Millionen Dollar für die Institution des Palästinaaufbaues begonnen und zwar wurden bei genanntem Meeting eine halbe Million Dollar sofort gezeichnet. Ueberall, wo Juden wohnen, welche dem Wiederaufbauwerke im Heiligen Lande Sympathie entgegenbringen, wird die Nachricht vom endlichen Zustandekommen einer Einigung zwischen der zionistischen Weltorganisation und dem amerikanischen Judentum begrüßt werden; nicht nur wegen seiner praktischen Bedeutung, da das amerikanische Judentum eine gewaltige moralische und materielle Macht repräsentiert, sondern auch aus ideellen Gründen; zeigt es uns doch, daß das jüdische Gefühl dort stärker ist als die Scheidewände, welche von nationalistischen Politikern aus parteipolitischen Gründen zwischen Juden und Juden künstlich aufgerichtet wurden, und daß eine Einigung, an deren Zustandekommen man beinahe verzweifelt hätte, doch erzielt werden kann, vorausgesetzt, daß sie überhaupt angestrebt wird. Man wird dem hervorragenden Führer des amerikanischen Judentums Louis M a r s h a 11 und nicht minder dem allseits geschätzten und geachteten Präsidenten der zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmann für ihre im Interesse des gesamten Judentums geleistete Arbeit nur Dank und Anerkennung zollen können. Leider mischt sich in das Gefühl der Freude über das in Amerika Zustandegebrachte wie ein bitterer Wermutstropfen ein geheimes Gefühl des Neides, wenn wir unsere geradezu trostlosen europäischen Verhältnisse betrachten. Jenseits des Ozeans innerhalb eines reichen, auf dem Gipfelpunkt der politischen und finanziellen Macht stehenden Landes der Wille zur Einigung, das Streben nach Versöhnung und Ausgleich, nach Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung, diesseits des Ozeans in armen, wirtschaftlich und politisch schwachen und außerdem von Klassen- und Rassenkämpfen innerlich zersetzten Ländern das Dominieren kleinlicher Parteigegensätze und nationalistischer Entartungen, von welchen leider auch ein Teil des Judentums angesteckt wurde, an Stelle von Einigung Entzweiung, an Stelle von Versöhnung gegenseitige Verbitterung und statt gegenseitiger Unterstützung Kampf um eine imaginäre „Machf-Position, die selbst im Falle ihrer Gewinnung ihren Eroberern nichts bieten können, was zu erringen der Mühe wert wäre. Doch — verba docent, exempla trahunt. Möge das Beispiel, das in Amerika gegeben wurde, auch bei uns in Europa Nachahmung finden! ^Ma. .■HlllMBIIWIIIIIHIWHMIIIIillllMiHHIHmillHIMIHIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIMIII.....It (Theater, Jiimstu. Xttcrota* p§ **•*»* '«•••«••••••«••tlM«tftt**«it«tt«»»«*»«* (•••••ttt««*«***t««*««««««««a»«»««***M«*»«»«M«X Vortrag. Der dritte der im Saal 35 der philosophischen Fakultät der Universität vom Leiter des Maimonidesinstitutes Herrn Dr. A. Kaminka am 15. d. M. abgehaltenen Vorträge behandelte den großartigen Versuch, Wissenschaft und Glauben miteinander auszugleichen, wie er von dem großen Philosophen Maimonides mit befriedigendem Erfolge unternommen worden. Von seinen Vorgängern werden erwähnt: Alcharabi in Damaskus, Avicenna in Persien, Ibn'-Padzda in Sevilla. Averhoes, sein Zeitgenosse und Landsmann, der bereits die Existenz einer einzigen Weltseele konstatierte. Von den großen Denkern des 13. Jahrhunderts, auf welche Maimonides deutlich seinen unleugbaren Einfluß ausgeübt hat, erscheint der von Kaiser Friedrich nach Neapel berufene Jacob Anatoli. ferner Ibn-Gabirol, der mit Avioebron identisch ist, und Albertus Magnus sowie dessen Schüler Thomas von Aquino. Das System des letzteren: „credo ut intellrgam" wird viel bewundert und wird demselben auch für unsere Zeit einige Bedeutung zuerkannt, obwohl sein Weltbild mit viel Mystik und Dogmatischem belastet erscheint. Maimonides, dessen Ideen noch heute fortbestehen, hat u. a. den Lapidarsatz geprägt, daß wir philosophisch unter Glauben und Bekenntnis zu einer Idee das klare Erkennen dieser Idee verstehen. Nur das ist ein wahres Bekenntnis, was mit klarem Verstände erkannt wird. Gibt es Dogmen? Zum Dogma gehört eine Behörde, die im Judentum nie existiert hat: mathematische Lehrsätze können keine Dogmen sein, aber ein „credo quia absurdum" kennt das philosophische System des Maimonides nicht. Der Glaube an den einigen Gott kommt der Verbindung mit dem ewigen Denken, das uns umgibt, gleich. Daß die menschliche Intelligenz ein Teil des Ewigen ist, will der Satz von der Erschaffung des Menschen im Ebenbilde Gottes besagen. Maimonides meint eine Einheit des Göttlichen, bei welchem alles Anthropomorphistische ausgeschlossen erscheint. Die Verbindung des Göttlichen mit dem Menschlichen, die Prophetie, ist ein philosophischer Vorgang. Die Vernunft ist der Offenbarung parallel. Das vernünftige Erfassen der Dinge ist eine Offenbarung, aber es ist nichts Greifbares. Nach Maimonides gibt es in der Welt kein Uebel und keine Leiden. Es gibt nur eine Unzulänglichkeit des materiellen Stoffes. Nur der Intellekt behütet den Menschen vor dem Uebel. Alle Leiden, auch die sozialen, schwinden, je mehr sich das intelligente Wesen entwickelt. Da das Leben nur im richtigen Denken besteht, kann ein Fortleben des Geistigen nur so gedacht wenden, daß der Geist des einzelnen mit dem Ewigen verbunden wird. Was im Menschenleben ewig ist, kehrt in das Ewige ein. Abseits aller Gebote kann man vier Lebensziele unterscheiden: Besitz zu erwerben. Ertüchtigung, Wirken und Leisten für die Menschheit. Das höchste ist, seinen eigenen Geist mit dem Ewigen in Einklang zu bringen. Der Mensch muß an seiner geistigen und sittlichen Vervollkommnung stetig arbeiten. Nur ein so tiefstgründlicher Kenner unseres großen Philosophen ist imstande, in so prägnanter Weise die Lehren desselben leichtfaßlich darzustellen, was von Seiten der zahlreichen Zuhörerschaft dem Vortragenden wohlverdienten Beifall eintrug. Med.-Rat Dr. Haase. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur (Berlin 1926, M. Poppelanes). Schon beim Aufschlagen des Büchleins fesseln die Bilderb ei gaben, die zu dem Aufsatz Goldes über eine von einem Juden übersetzte altkastibische Prachtbibel gehören. Biographischen Inhaltes sind die Beiträge von Grunwald, Jessie Kurrein und K a s t a n. In den Sohar führt Horodetzki ein. G. Mehlis, Spinozas Leben und Lehre (Freiburg in Breisgau, E. Guenther). Eine objektive und darum empfehlenswerte Einführung in die Philosophie Spinozas mit guten Erklärungen im einzelnen. Der Philo-Verlag veröffentlicht eine von Aster besorgte Uebersetzung des Aufsatzes von W. James über „Unsterblichkeit", eine belehrende Studie von Norden über „Augie um Auge — Zahn um Zahn", einen Vortrag von L. Stein über „Die Juden in der Philosophie der Gegenwart", eme scharfsinnige Zurückweisung der „Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn" von Schäffer, eine überzeugende Darstellung des Verhältnisses „Goethe und die Juden" *7 /\ f** KU FK \ 7E7F^ Kleider-,Pelze-u.Gummimäntel-Fa I LJk 1 1 Vi AA K Zentrale: Detailverkauf: ß » 1 # i w * » mmß m m Wien H„ Glocfcengaase H Wien IL. Taboralra