Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 4 (21.1.1927)
- Date
- 1927-01-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Abhandlung über die Erschaffung des ersten Menschen, eine trefflich, angeordnete Uebersicht über das Wesen des Urmenschen, des eigentlichen ersten Golem, aus Erde geschaffenen Menschen. Im zweiten Teil sucht Held den Urgrund der Legende in seiner Ursprünglichkeit des Volksglaubens deutlich zu machen. Er hat sich mit Erfolg bemüht, auf die ältesten Quellen zurückzugehen und das Wesentliche der Ueberlieferung auszuwählen und zu einem prachtvollen Ganzen zu gestalten. Held, der Herausgeber der Werke von Angelus Silesius, ist bekanntlich Nichtjude und gewissermaßen deutschnationaler Gesinnung. Daher soll seine im vorliegenden Buch zum Ausdruck gebrachte Aeußerung über die Juden Erwähnung finden. Er schreibt: „Kein Volk der Erde kämpfte zäher um die Anerkennung seines Gottes, als das Volk der Juden. Aus seinen Reihen wachsen nicht nur einzigartige Genies der Religiösen; ganze Stämme und ganze Zeiten strebten aus ihren Niederungen hinan zu den Höhen dieser genialen Führer; strebten hinab in die Tiefen verzweifelter Grübler; schufen Methode um Methode, Wort um Wort; waren heißblütig und leidenschaftlich im unerschöpflichen Willen nach dem verborgenen Sinn des Lebens. Was läge näher, als daß dieses Volk auch der zähe Träger wunderbarer Geheimnisse gewesen sei." Und nun erscheint die Golem 1 e s e n d e in all ihren Fassungen, soweit sie im Munde des Volkes und in der Dichtung lebt und webt, und die Ueberfülle der Berichte lassen uns in die tiefe, stärke Glaubenswelt unserer Väter Einblicke gewinnen. Besonders reizvoll ist die Abhandlung über den „Schemhamephorasc h", dem unaussprechlichen Gottesnamen, in welchem der Autor oft jüdische und christliche Mystik eng miteinander verknüpft. Kraft des unaussprechlichen Gottesnamens konnte ein Mensch aus Lehm geschaffen werden! Durch die Ausführungen im Abschnitt „Von den Siegeln des Golem" soll der Glaube an die tatsächliche Existenz des Golem verständlich gemacht werden. Es ist nicht Aufgabe des Volkes, in schwierigen Versuchen und Erkenntnisgängen die Realität aller seiner Erscheinungen nachzuweisen; ihm ist es genug, von ihrer Wirklichkeit zu ahnen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieses Werk vielen als verwegen erscheinen wird. Held selber weiß sich frei von verstiegener Denkart. Aber auf die Gefahr hin, eifernden Spott oder bedauerndes Mitleid zu erleben, scheint es ihm besser, von sich selber die Wahrheit zu bekennen, als dem Idole alter Vorurteile schweigend weiterhin zu opfern. Die Legende erzählt von Rabbi Loew dem Heiligen. — Der Golem war Mensch, da er von dem Atem seiner mystischen Erkenntnis ins Leben gerufen war. Er war Gespenst als das geistig-leibliche Wiederbild seiner eigenen Gestalter; er war Automat als der trieblose Erfüller seines magischen Willens. Das Werk dürfte für jeden, der sich eingehend mit Mystik befaßt, unentbehrlich sein. Es ist ein Quellenwerk, auf das alle Freunde der okkulten Wissensgebiete werden zurückgreifen müssen, weil es eine Fundgrube für alle Zweige der geheimen Wissenschaft bildet. Chajim Bloch. P. Schneider. Die Lehre vom Eigenwillen, Leipzig 1926, S. Hirzel, M. 3,50. Ein Buch, nicht bestimmt, gelesen zu werden, um mit neuen Wissenstatsachen das Gedächtnis zu befreicherni, sondern umi Jefrn© wohlbegründete Weltenkenntniis imd Lebenseinrichtung zur eigenen zu machen. Es enthält so wertvolle Lebensweisheit, daß selbst, wer weder im Prinzip noch mit manchen Einzelheiten, wie etwa in der Frage der Prstitution, mit dem Verfasser übereinstimmt, dennoch vieles sehr Beherzigenswerte mit Dank daraus schöpfen wird. Die Einheitlichkeit und Geschlossenheit des Systems, die Klariieiit diar Darstellung, die Vertrautheit mit den verschiedensten Gebieten menschlicher Betätigung, vor allem der versöhnliche Grundton des Ganzen empfiehlt das Buch jedem, dem der sittliche Fortschritt der Menschheit am Herzen liegt und der über Wege zum wahren Glück für seine Person wie für seine Mitmenschen sich ernste Gedanken macht. Daß auch den Judenhaß in Konsequenz der Grundgedanken des Buches eine strikte Abweisung erfährt, versteht sich von selbst. Je weitere Verbreitung es findet, um so weitere Kreise werden zu heilsamer Umkehr von eingenisteten Irrtümern bekehrt werden. q Die hier besprochenen Bücher sind durch die Buchhandlung Otto Hugo Weinberg, II., Taborstraße 17 (Hirschenhaus) zu beziehen. Hotfel Zentral CKafteesalcftm) Wien, IL Bezirk, Taborstraße Nr. 8a Täglich ab V»8 Uhr MUSIK UND TANZ bei gewöhnlidbten Kaffeehauspreisen Jeden Sonntag 5 UHR-TEE Karl Weiler Jfachard Jierz.o£ 'ünen./L Kleine Pfarrgar/e 28 SclMillitlcrtten sämüicher in- und ausländischer Marken lagernd IH Insbesondere jüdische Lieder und hebräische Ge- Hl sänge der hervorragendsten Kantoren, wie Josef m Rosenblatt, Sawel Kwartin. Berele Chagy, Sirota, Salome Pinkassowitz und viele andere. Alle Schlagerplatten der besten Jazzbands. Opern etc. — Moderne Sprecbmascbinen und Reiseapparate billigst. — Plattenverleib und -Umtausch. FLEISCHHAUER E1^ SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. 17-3-99 und 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., Berggasse IS und XU12I., KähringBrstraBe 97 unter Aufsicht des ehmv. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. 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