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Die Wahrheit · 1927-01-07 · Heft 2 (7.1.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 2 (7.1.1927)
Date
1927-01-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dffi WAHRHEIT Seit* 11 (ftkeatev, Jiunst m. £iteratur Vortrag. Seitens der Leitung der Wiener Urania erging Donnerstag, den 30. Dezember an Herrn Rabb. Dr. Max Q r u n w a 1 d die Bitte, Sonntag, den 2. d. M., im kleinen Vortragssaal der Urania einen Vortrag „AusderQeschichte der Wiener Juden" zu halten, welcher Bitte Dr. Qrunwald gerne nachkam. Trotzdem angesichts der kurzen Zeitspanne eine zweckmäßige Bekanntmachung dieses Vortrages nicht möglich war, waren doch — ein Beweis der großen Beliebtheit des Redners — zahlreiche Zuhörer erschienen, die gespannt seinen Ausführungen lauschten. Verstand er es doch in eineinhalbstündiger, vollkommen freier Rede dem Auditorium einen Ueberblick über die wechselvollen Schicksale der Wiener Juden seit der Römerzeit bis in die letzten Tage zu verschaffen. Dabei war der Vortrag, abgesehen von seiner genauen historischen Fundierung, auch vorteilhaft mit interessanten Details über einzelne prominente Persönlichkeiten versehen, die sowohl dem Judentum wie auch unserem Vaterlande zu Ehre gereichten. So schuf der Redner mit seinem Vortrage gleichzeitig eine ausgezeichnete Apologie des Judentums, die sich auch auf die Widerlegung der verschiedenen Verdächtigungen, denen die Wiener Juden im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt waren und von denen viele auch heute noch auftauchen, wie z. B. die Ritualmordbeschuldigung, bezog. Dr. Grunwald schloß seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen vorzüglichen Ausführungen mit einem Hinweis auf das verdienstvolle Wirken Rabbiner Dr. J. S. Blochs und Theodor Herzls, die beide, so getrennt auch ihre Wege gewesens ein mögen, doch nur ein gemeinsames Ziel kannten: das Wohl des Judentums. Solche Männer gereichen aber auch ihrem Vaterlande zur Ehre, und daß das Wiener Judentum nicht arm in dieser Beziehung war, bewies der glänzende Vortrag. O. H. Vortrag. Im Verein für jüdische Geschichte undLiteratur sprach am 20. Dezember 1926 im Klubsaal der „Hakoah" Herr Dr. N. M. G e 1 b e r über „die jüdische Gemeindeautonomie in Polen vom 15. bis 18. Jahrhundert". In ebenso ausführlicher wie instruktiver Weise schilderte der Redner zunächst die Quellen für die Bearbeitung dieses historisch wie politisch merkwürdigen Zustandes, nämlich die Privilegien, welche die Wojwoden als Mittler zwischen den Fürsten und den Juden zu überwachen hatten, die Synodalbeschlüsse und die der Seims; sodann die Entwicklung von Einzelgemeinden zur Zentralverwaltung durch Generalpächter, die Kompetenz der Gemeinde- und die der Wojwodengerichte, die der Schulältesten und der Rabbiner, die Steuereintreibung und die dabei zu Tage getretenen Mißbräuche, den Sieg der Gemeiaden durch das Zustandekommen des Congressus judaeorum, der Landes-Synode (1551) also des jüdischen Landtages, so daß es wirklich einen jüdischen Staat innerhalb des polnischen gegeben hat. Das Gemeindestatut von Krakau (1595) zeigt die administrativen Funktionen, die der Fürsorge, der Repräsentanz paradigmatisch und wie Aemter und Würden der Senioren Parnassim und Kaholleute so wie der Gabaim verteilt waren. Da jüdische Handwerker bei Christen keine Aufnahme fanden, gab es ein ausgebildetes Zunftwesen. Mit eingehender Schilderung der Agenden der einzelnen Kommissionen — es gab U. a. eine zur Bekämpfung des Luxus — schloß der Vortrag, dem ein zweiter über die spätere Epoche folgen soll. H. S. Bernfeld. „Sefer ha-dimaoth", Charlottenburg, 1926, Eschkol (Bismarckstraße 106). In der ansprechenden Ausstattung, die alle Erscheinungen des verdienstvollen Verlages auszeichnet, erscheint' unter diesem Titel („Buch der Tränen") eine Auslese von Berichten und Gedichten, die ein anschauliches Bild der entsetzlichen Leiden unserer Vorfahren in den verschiedenen Ländern der Diaspora bietet. Der soeben erschienene dritte Band beschäftigt sich ausführlich auch mit den Judenverfolgungen und -drangsalierungen in den böhmischen Ländern, somit in Teilen der ehemaligen Donaumonarchie. In den historischen Einleitungen wird manche Angabe bei Grätz u. a. berichtigt. Dankenswert ist besonders die Heranziehung der liturgischen Literatur, in der jener herzzerreißende Jammer ein Echo gefunden hat. P. Häberlln. „Das Gute." Basel 1926. Kober, C. F. Spittlers Nfg., 8 Francs. Ein Buch, das nicht nur unser Denken beschäftigt, sondern unserem Willen Kraft und Richtung gibt. Wie die jüdische Ethik in die gute Tat ihren Lohn, d. h. das Glück, setzt, ist auch für Häberlin das Gute nicht Mittel zum Glück, sondern das Glück selbst. Gleichfalls in jüdischem Sinne wird das Gute als das unbedingte Vertrauen auf Gott und die Bejahung seiner Weltordnung definiert. Dieser „rechte Glauben", jene höhere, von Humor getragene Naivität, die das Ziel unserer Sehnsucht ist. Obwohl nicht als Theologe, spricht Häberlin über theologische Begriffe, wie Schuld, Sünde u. a., Wahrheiten aus, die jeden einleuchten müssen. Eine gesunde Kost wird hier geboten. G. Hertz: „Die allgemeinen Theorien vom Nationalcharakter". Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Band 54, Heft 1 und 3. Wir haben an dieser Stelle vor wenigen Wochen eine Besprechung über das Buch „Rasse und Kultur" von Hofrat Dr. Friedrich Hertz gebracht und wollen es nicht unterlassen, unsere Leser auch auf die oben genannte Arbeit des Autors aufmerksam zu machen, die dieselben Vorzüge wie das berühmte Rassenbuch aufweist. Die Belesenheit des Autors, der hier eine Unmenge unbekannten Materials zusammenträgt, erregt Bewunderung. Von Roger Bacon, der den Charakter der Völker von den Sternen bestimmt sieht — die Juden werden vom Saturn, die Christen vom Merkur (!!) regiert —, bis zu den Autoren der historischen Rechtsschule des vorigen Jahrhunderts gibt uns Hertz ein lückenloses Bild über die Theorien des Nationalcharakters. Wir hoffen, daß bald ein Verlegerprinz diese Arbeit aus dem Dornröschenschlaf in der wissenschaftlichen Zeitschrift befreien und weiteren Kreisen zugänglich machen wird. g. R. J. F.-Taschenkalender. Der Berliner Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat einen Taschenkalender für 1927 herausgegeben, der ein kleines Abwehrbrevier darstellt. Zum ersten Male erscheint darin in buchmäßiger Form eine Uebersicht der Abzeichen von 144 politischen und militärischen Vereinigungen. Wertvolles statistisches Material über die Teilnahme der Juden am Weltkriege, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Tätigkeit bei der Fliegerwaffe und in den Kolonien, ist in ihm enthalten. Die den Kalender schmückenden Bilder sind für den R. j. F. von den Malern Max Liebermann, Hermann Struck und Eugen Spiro gezeichnet und ihm gewidmet. Abbildungen jüdischer Heldendenkmäler bereichern die Ausstattung des Buches, dessen Titelbild von dem bekannten Bühnenmaler Herbert Döblin gezeichnet ist. Neben dem Wochenkalendarium ist auch ein Verzeichnis der jüdischer, Monate und Festtage angefügt. Für Mitglieder des Bundes, die sich häufig beruflich auf Reisen befinden, ist eine Uebersicht über zirka 200 Geschäftsstellen von Ortsgruppen von besonderem Wert. Grete Urbanitzky: .,Mirjams Sohn". Roman. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart. Ein flott geschriebener, lebensprühender, spannender historischer Roman, von einer Oesterreicherin. Noch dazu jüdischen Inhalts: Mirjams Sohn, unehelich und arm, erleidet in seiner Kindheit viel Unbill ob seines unverschuldeten Schicksals. Da reift in ihm der Plan, die Bedrückten zu befreien. Er hat scheinbar Erfolg, ist glücklich — bis er einsieht, daß er geirrt, daß die Welt noch immer nicht reif zur „Erlösung". Er stirbt, gesteinigt von den Frommen ... m—fs. Ludwig Gumplowicz: „Grundriß der Soziologie". Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1926. Mit ausführlicher Einleitung von Professor Franz Oppenheimer. 1885 war dieses Buch erstmalig erschienen, doch konnte sein seither verstorbener Autor nicht die gebührende Beachtung finden — heute aber zollt man ihm um so mehr Anerkennung, denn wir haben in seinem Werk den wirklichen Grundriß dieser Wissenschaft vor uns und lesen das Buch, als wäre es neuesten Datums! z—fs. Uraufführung eines jüdischen Dramas. Dienstag, den 11. d. M., findet im Lustspieltheater die Uraufführung der Flüchtlingstragödie aus der Zeit des Weltkrieges JDer Profit" von Dr. Edmund Rubin, einem jungen jüdischen Dramatiker, statt w tlalDjaillig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Goldm. 7—, Tschechoslowakei?K60—, Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.-, Amerika 17»Doli.,Italien Lire40.—.EnglandSchilling — 15.—, Rumänien Lei 300—, Jugoslawien Dinar 100.— m!

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