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Die Wahrheit · 1929-11-22 · Heft 47 (22.11.1929) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 47 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen üMmk$ Ver&ffeatiklituigefi der „Urnen detifschösterr. Juden* «Aaffidiea VerlautbaniBgen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" i^^mimMiiiiwiiiiiiiiiiiiiiiiiininHHim Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon, R 42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 22. November 1929 Nummer 47, Was geht in Palästina vor? „Das Wiederaufbauwerk in Palästina wäre weder durchführbar noch wünschenswert, wenn es sich gegen den Willen des arabischen Volkes vollziehen sollte. Es ist notwendig, daß das gesamte jüdische Volk dies begreife." Diese bemerkenswerte Aeußerung tat dieser Tage gegenüber einem Mitarbeiter des Pariser „0 e u v r e" Professor Albert Einstein, der seit langem als großer Zionistenfreund bekannt ist und erst vor einiger Zeit in einem Aufsehen erregenden Artikel im „Manchester Guardian" die englische Regierung aufforderte, „den großen Auftrag, den die Kulturmenschheit der Mandatarmacht anvertraut hat, mit Mut und Weitblick in die tägliche Praxis der laufenden Verwaltung umzusetzen". Denn „die Schaffung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina wird — nach der damals geäußerten Ansicht Einsteins — eine wesentliche Besserung in dem allgemeinen Verhältnis von Juden und Nichtjuden herbeiführen". Die nunmehr vorliegende Aeußerung des bedeutenden Gelehrten berührt den Wesenskern der ganzen Frage. Was in diesen Blättern seit Jahren erklärt wurde, wird von ihm mit aller Deutlichkeit ausgesprochen: Es geht nicht, wenn die Araber nicht wollen. Wollen nun die Araber? Man hat in gewissen zionistischen Zeitungen die blutigen Ereignisse im Friihherbst dieses Jahres als eine einmalige Explosion hingestellt, die durch die verschiedensten Gründe verursacht wurde. Die Erweiterung der Jewish Agency, die Hetze durch die Effendis und vielleicht auch durch einige Weltmächte, die Schlappheit der englischen Verwaltung u. v. a. wurden als solche Ursachen angeführt. Wir bestreiten alle diese Motive nicht, obwohl die wahren Gründe doch tiefer liegen, aber ist die Ansicht richtig, daß es sich wirklich nur um eine momentane Entladung handelte? Betrachten wir die Situation seit den traurigen Vorfällen. Der Aufstand der Araber wurde durch die englische Kriegsmacht niedergeworfen. Die palästinensischen Gerichte begannen zu arbeiten und fällten sogar mehrere Todesurteile, über deren Zweckmäßigkeit an anderer Stelle dieses Blattes gesprochen wird. Das englische Parlament bestellte " Kommission, die bereits seit längerer Zeit an Ort und Stelle „untersucht", ohne bisher wenigstens besondere Resultate gezeitigt zu haben. Die Beendigung dieser Untersuchung ist heute noch nicht abzusehen, denn .... Denn Palästina will nicht zur Ruhe kommen und die Vorfälle der letzten Wochen sollten bei einer ehrlichen Auffassung ihrer Pflichten von der Untersuchungskommission auch in den Kreis ihrer Beratungen einbezogen werden. Sie müßte dann der Boykottpropaganda nachgehen, die von den Arabern eingeleitet wurde und zu enormen Schaden der jüdischen Kaufleute auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Die englische Untersuchungskommission war ja schon in Palästina anwesend, um mit eigenen Augen feststellen zu können, wie der 2. November, der zwölfte Jahrestag der Deklaration des Staatsmannes ihres Landes, Lord B a 1 f o u r, „gefeiert** wurde. Gemäß der Proklamation der Arabischen Exekutive waren die arabi sehen Läden zum Zeichen des Protestes gegen'die Deklaration geschloss e n, von den Moscheen wehten Trauerfahnen. (Dafür wurde der Tag in Wien von den radikalen Zionisten festlich begangen.) Nur dem Umstand, daß der 2. November heuer auf einen Sabbath fiel und deshalb die jüdischen Läden und Büros geschlossen waren, ist es wahrscheinlich zu danken, daß es zu keinen neuen Zusammenstößen in Palästina kam.. Denn abgesehen von diesen scharfen wirtschaftlichen, geistigen und politischen Gegensätzen ist auch die körperliche Sicherheit der Juden in ' ihrer „rechtlich gesicherten Heimstätte" noch immer nicht gegeben. Stets aufs neue erreichen uns Nachrichten von Ueberfällen auf Glaubensgenossen im Heiligen Lande. In der Vorwoche erschütterte die Wiener Judenschaft die Botschaft von dem ruchlosen Attentat auf Dr. Albert T i c h o und kaum ließ uns die erfreuliche Nachricht von seiner Rettung befreiend aufatmen, meldete die Tel.-Comp. aus Jerusalem vom 15. November folgendes: Gestern abends ist von arabischen Banditen ein Angriff auf die Stadt Sated unternommen worden, der aber von englischen Truppen und von der Polizei zurückgeschlagen werden konnte. Etwa anderthalb Stunden lang wurde ein Ge-

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