Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 46 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 Ungarische Mastgänse s 3a40 Mährische Lebergänse „ 3"60 Gansfett kg »4-— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl FaludI, XIX., Döblinger Hauptstraße 83 schleudert mitten in unseren Zwist das tapfere, hoffnungsvolle Bekenntnis eurer zwanzig Jahre? Ja! Wir schreiten der Menschlichkeit, der Wahrheit, dem Rechte zu! Qlersei*. Eine kürzlich erschienene große Wagner- Biographie, die viel neues Material bietet, gibt neuerlich Anlaß, das Thema von dem Judenhaß Wagners zu erörtern, das seine Aktualität noch immer nicht verloren. Ja, in manchen arischen Kreisen, die sich schon von der Musik Wagners abwenden, huldigt man nur noch jenen Theorien des Mannes, die ihn zu einem der Väter des Rassenantisemitismus stempeln. Aber immer mehr setzt sich auch die Erkenntnis durch, daß Wagner wenigstens im Punkte der Undankbarkeit keinen wesentlichen Unterschied zwischen Jud und Christ machte. Aus dieser großen Biographie erfährt man auch das überraschende Detail, daß sich Wagner einmal, um sich seinen jüdischen Apostel Hermann Levi für den „Parsival" zu sichern, sogar zu einem Kotau vor dem Judentum bequemte, den ihm die Rassentheoretiker jetzt sehr verübeln werden. Als Hiermann Levi, der bei aller Begeisterung für dieWagnersche Musik nie vergaß, daß er der Sohn des gelehrten Gießener Oberrabbiners war, seine Verstimmung über die antisemitischen Allüren des Meisters zeigte, begütigte ihn Wagner mit einer Erklärung, die dem stolzesten Juden genügen dürfte. „Ich weiß, — lauteten beiläufig die Worte Wagners — daß dem Alter nach die Juden die Allervornehmsten im Vergleiche mit Katholiken und Protestanten sind." Nebenbei bemerkt, Wagner hätte, wenn er wirklich, wie vielfach behauptet wird, von einem jüdischen Vater abstammte, nicht anders sprechen können. * * * Bekannt ist, daß der Parsival-Komponist den leidenschaftlichen Wunsch hegte, Hermann Levi auch durch die Taufe fester für den „Parsival" zu fesseln. Für diese Lockrufe hatte Levi kein Ohr. Er machte kein Hehl daraus, daß er die Fahnenflüchtigen verachtet. Er gehörte zu jenen jüdischen Intellektuellen, die den Austritt aus dem Judentum nicht nur für unvornehm, sondern für gemein und — verwerflich halten. Union dcufsdtöstcrr. Joden. Vorsprache der „Union" beim Bundeskanzler. Dieser Tage empfing der Herr Bundeskanzler eine Deputation des Vorstandes der „U n i o n deutschösterreichischer Juden". Die Vorsprache galt insbesondere der Erörterung der von der „Union" schon einige Zeit vorher dem Bundeskanzleramte unterbreiteten Anregungen zur Preßreform. Diese Eingabe geht bekanntlich von der richtigen Erwägung aus, daß der jüdischen Religionsgemeinschaftschaft ebenso wie anderen Religionsgenossenschaften und überhaupt allen nicht konstituierten Personenmehrheiten eine gerichtiche Abwehr von Angriffen, Beleidigungen und Beschimpfungen nach dem bestehenden Preßgesetz unmöglich ist, und beschäftigt sich mit Maßnahmen zur Abhilfe dieses brennenden Uebelstandes, durch welchen der unser öffentliches Leben so schädigenden verantwortungslosen Hetzpresse Tür und Tor geöffnet wird. Der Herr Bundeskanzler nahm die mündlichen Erörterungen wohlwollend entgegen und erklärte diese Anregungen als berechtigt. Die Vorschläge werden auch in der bevorstehenden Debatte über die Preßreform Gegenstand der Diskussion bilden. Im Schöße der „Union" werden derzeit auch Beratungen über die so überaus wichtige Verfassungs- und Wahlreform durchgeführt. Der Vorstand der „Union" wird deren Ergebnis in einer besonderen Professor Heinrich Glücksmann als Jubilar. Fast gleichzeitig mit der vierzigjährigen Jubiläumsfeier des Deutschen Volkstheaters kann dessen Dramaturg Professor Heinrich Glücksmann, der erst kürzlich den tausendsten seiner zumeist der Verbreitung von Kulturgefühl und Kunstwissen dienenden Vorträge abhielt, ein dreifaches Jubiläum begehen. Er begann vor fünfzig Jahren während seines Studiums in Brünn als Schriftsteller mit lyrischen und essayistischen Beiträgen für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und einem Lustspiel „Der Liebesbrief". Ebenso kann er die goldene Hochzeit mit dem Theater begehen, da er im Jahre 1879 in die Schauspielschule des Konservatoriums eintrat, als deren Delegierter und Redner er bei verschiedenen Anlässen fungierte. Endlich werden auch zwanzig Jahre seines Wirkens als Dramaturg des Deutschen Volkstheaters voll. Wir gratulieren dem großen Meister des Geistes und des Wortes um so herzlicher, als wir ja wissen, daß der dreifache Jubilar auch stets für sein Judentum Sinn und Herz hatte. In angenehmer Erinnerung sind noch sein interessanter Vortrag in der „U n i o n" über „Jüdische Schauspieler" und sein schöner Prolog zu der Mendelssohnfeier der „Union". KLEIDERHAUS SCHACHTER XII., MEIDL. HAUPTSTR. 26-TELR313 76 Größte Auswahl in fertigen Herren- und Knabenkleidern in besterQuaiität -00* Eigene Werkstltte für feine Mafiarbeit. «M: