Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 44 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 50 Groschen \mit dM Veröffentlichungen der „Union deutschösterr. Juden" «ad den „Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" «MiK!M:!>:(<;wimiiH!miiiiiiuiiii!:!i!!!ii|iillll]ninilUniUinilllinillll]ll Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 1. November 1929 Nummer 44 Erich Bischoff — der Blutsauger. „Vor mir liegt ein Buch, erschienen im Hammer-Verlag, das geeignet ist, den alten Verdächtigungen und dem alten Argwohn gegen die Religions- und Sittenlehre des Talmud und gegen das Judentum überhaupt neue Nahrung zuzuführen; als Motto steht über diesem Buch das Wort: „Die Wahrheit wird Euch frei machen." Es handelt sich um das in diesem Jahr erschienene Buch von Dr. ErichBischoffüber den Schulchan aruch. Wir haben alle Ursache, uns mit demselben gründlich zu befassen. Bischoff besitzt eine ausgedehnte Kenntnis der rabbinischen Literatur. Der Hammer-Verlag rühmt ihn in seiner Buchanzeige als einen Mann, „der dieses Gebiet wie kein zweiter heute lebender Deutscher beherrscht, dessen Sachverständigen- Gutachten zahlreiche Prozesse entschieden haben und dessen Autorität — widerwillig — selbst die Juden anerkennen müssen, weil sie niemand benennen können, der ihn widerlegt." Bischoff weiß den vier ersten Hauptteilen seines Buches, die allerdings nur einen Dritteil des ganzen Inhalts ausmachen, einen sachlich wissenschaftlichen Anstrich zu geben und rückt wiederholt von der oberflächlichen, auf mangelhafter Kenntnis und falschen Uebersetzungen beruhenden Kampfesweise des zuerst evangelisch, dann katholisch gewordenen Juden Ahron B r i m a n ab, der unter dem Pseudonym Dr. Justus den berüchtigten „Judenspiegel" herausgegeben hat. Aber der wissenschaftliche Charakter des Buches von Bischoffverwischt sich mehr und mehr. Er wird seinem Vorsatz, „ein von keinem Parteistandpunkt verfaßtes Buch zur Aufklärung über den Schulchan aruch zu schreiben", immer untreuer. Wer müßte nicht auch lächeln über die Möglichkeit eines im Hammer-Verlag (!) erschienenen, „von keinem Parteistandpunkt aus verfaßten Buches"! Zuletzt wirft Bischoff die Maske der Wissenschaftlichkeit vollends ganz ab. Denn am Schluß, in dem ziemlich umfangreichen Anhang II, ist vom Schulchan aruch überhaupt nicht mehr die Rede, sondern Verfasser und Verleger benützen die Gelegenheit, wieder", einmal durch eine nach bekannten Mustern getroffene Auswahl halachischer und haggadischer Stücke den Talmud zu beschimpfen. So tritt die antisemitische Tenden%. des Buches, das heutige Judentum auf Grund seiner G e s e t z e s 1 i t e r a t u r als minderwertig, als einen wirtschaftlichen und moralischen Schädling zu verdächtigen, immer deutlicher zu Tage." Das schrieb der bekannte Stadtpfarrer a. D. Eduard Lamparter in den „Abwehrblätter n", in denen er sich nun bereits in zwei Nummern dieser ausgezeichneten Zeitschrift des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" mit dem Machwerke Dr. Bischoffs auseinandersetzt. Nachstehend bringen wir noch einen weiteren wichtigen Abschnitt der eingehend begründeten, scharf ablehnenden Beurteilung, die Stadtpfarrer a. D. Lamparter dem in Theodor Fritsch's „Hammerverlag" erschienenen „Buch vom Schulchan aruch" von Dr. Erich Bischoff zuteil werden läßt: Erlaubter Genuß von Menschenblut im Schulchan aruch? Vollends auf das Niveau antisemitischer Kampfesweise sinkt Bischoff herab, indem er die alte, blödem Aberglauben und fanatischem Religionshaß entsprungene Blutbeschuldigung gegen das Judentum auch seinerseits aufgreifen zu müssen glaubt. Er vollführt diesen Angriff allerdings nicht im Haupttext, sondern indem er eine längere Anmerkung auf Seite 71 mit den fett gedruckten Worten: „Erlaubter Blutgenuß im Schulchan aruch!" überschreibt. So läßt er vor seinen Lesern das scheußliche Bild des Ritualmords, nicht offen und klar umrissen, sondern nur verschwommen und gewissermaßen im Hintergrund erstehen, indem er es dem Leser anheimstellt, wie weit er auf Grund des von ihm beigebrachten Materials jenem Argwohn Raum £eben will. In einem bei F r i t s c h erschienenen Buch konnte freilich unmöglich zugegeben werden, daß nach dem Ergebnis der gründlichsten Untersuchungen und nach dem Zeugnis der hervorragendsten Gelehrten an jener Beschuldigung nichts, auch rein nichts Wahres sei, so wenig als an der gleichen, von dem römischen Heidentum gegen die ersten Christen vernnn