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Die Wahrheit · 1929-12-06 · Heft 49 (6.12.1929) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 49 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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iil!l!!'iiifW«t!it!i»!(!i!!limill!HI!!l!lllli! Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 6. Dezember 1929 Nummer 49 Die Judenpresse. mehr Geld verloren wurde als gewonnen. MaRri&Ghv , net nicht mit den Zeitungen, die nach großen Opfern^ verschwunden sind; man sieht nur jene, die sich durchsetzen. Für uns ist an dieser Stelle wichtig, daß die moderne Großstadtjournalistik den Judenhaß gewaltig verstärkt, weil der naive Leser den einen Juden an der Spitze des Blattes, der etwas Vermögen erwirbt, und den Journalisten, der zumeist bei mäßigen Einkünften scheinbar eine Herrenrolle spielt, mit der Judenheit verwechselt. Die scheinbare Machtstellung mag manchen Journalisten auf Irrwege führen, aber der weitblickende Zeitungsmann weiß, daß nur die Weltpresse eine Macht darstellt, mit der jeder Staatsmann, jeder große Unternehmer rechnen muß. Aber es ist ihm klar, daß eine Zeitung an sich wenig bedeutet, der einzelne Journalist einem Sandkorn gleicht und alle sogenannten Judenblätter der ganzen Welt kaum einen Bauern darstellen im Schachspiel der Weltpresse. Aber jeder journalistische Uebergriff, jede Uebertreibung, gewollt oder zufällig, jeder Mißgriff, scheinbar oder wirklich, wird dem Judentum angekreidet. Und ich mußte es selbst von hervorragenden Literaten und Politikern hören, daß diese Zeitungen dem Judentum dienen, und das geschah zu einer Zeit, wo z. B. eines der hervorragendsten Wiener Blätter es nicht, wagte, die Sammlungen der „Chewra Kadischa4* zu veröffentlichen, weil es ihr nicht paßte, diese hebräischen Worte abzudrucken. Es mußte die sinnlose Uebersetzung gebraucht werden: Verein für fromme und heilige Zwecke. Niemals hat sich eine der sogenannten jüdischen Zeitungen für jüdische Angelegenheiten erwärmt, und sie kann es auch nicht. Wohl aber wird sie immer dort für die Judenheit eintreten, wo diese entgegen Gesetz und Recht Verfolgung erfährt. Diese Hilfe aber bietet sie jeder Konfession und jeder Nationalität ihres Leserkeises und darüber hinaus. Der einzige wirkliche Gewinn, den die sogenannte Judenpresse uns bietet, ist die Tatsache, daß der Antisemitismus in dem publizistischen Raum, den sie einnimmt, nicht unterstützt werden kann. Daß sie ihn bekämpft, bringt keinen Vorteil. Sie vermag nur hie und da ein Symptom zu dämpfen, sie ist aber In unserer Zeit der Preßreform mag es angezeigt sein, einmal Betrachtungen eines Mannes zu publizieren, der über die sogenannte „Judenpresse" auf Grund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in der jüdischen Oeffentlichkeit ausgezeichnet informiert ist. Wir entnehmen diese Betrachtungen Heinrich York-Steiners dessen ausgezeichneten, in Verlage M. W. Kaufmann vor Jahresfrist erschienenen Werke „Die Kunst, als Jude zu leben". Hier urteilt ein Jude über die „Judenpresse": Große Erbitterung in weitesten Kreisen ruft die sogenannte Beherrschung der Presse durch die Juden hervor. In unserer Zeit braucht jede Berufsgattung eine journalistische Vertretung, und es ist klar, daß die wohlhabenden Kreise der Finanz und Industrie und des Handels am ehesten in der Lage waren, große Blätter zu organisieren und zu erhalten. Der Beruf des Journalisten verlangt aufreibende Tätigkeit, selbstlose Hingabe, weitausgreifende, wenn auch nicht unbedingt gründliche Kenntnisse und jene Beweglichkeit des Geistes, die dem Juden eigentümlich ist. Aber auch diese seit Jahrtausenden vererbte Fähigkeit des geschichtlichen Denkens befähigt ihn zum politischen Schriftsteller. Wenn ein Christ über diese Eigenschaften verfügt, dann ist es ihm leicht, sie in anderen Berufen erfolgreich auszunutzen. Die jüdischen Intelligenzen, denen so viele Berufe verschlossen sind oder doch erschwert werden, liefern daher ein großes Kontigent für die Journalistik, die im allgemeinen mäßige Vorteile bietet. Wohl gibt es in der deutschen Kulturwelt etwa ein halbes Dutzend erfolgreiche jüdische Zeitungsverleger, aber diese würden bei derselben Intelligenz, bei derselben Arbeitsfreude und Berufstreue, bei einer Arbeitszeit, die sich oft über die Mitternachtsstunden ausdehnt, sicherlich auch in anderen Berufen Erfolg haben. Man bedenke, daß die Tageszeitung, ja die Zeitung überhaupt, auch ein Industrieprodukt darstellt, und zwar ein passives, d. h. es wird bedeutend billiger verkauft, als die Herstellung kostet. Wir können hier nicht näher darauf eingehen, wie schwierig und bedeutungsvoll die Organisation des Annoncendienstes ist, der die Zeitungen erhält. Wir wollen auch außer acht lassen, daß viele Zeitungen Subventionen bekommen, was man bei parteipolitischen Blättern selbstverständlich findet. Sicher ist, daß bei Zeitungsunternehmungen im allgemeinen

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