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Die Wahrheit · 1929-09-20 · Heft 38 (20.9.1929) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 38 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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öfß Wahrheit Seite lä ZDcJukeiimTxmTag* Schlechter Geruch. Am Graben 29 befindet sich eine Parfümerieniederlage „F i o r i s". die in ihren beiden Schaufenstern Tafeln mit der Bezeichnung „Arische Firma" hat. Auf dem Graben bei „Fioris", Einer treudeutschen Duftei, Zeigt die Tafel an, weiPs wohr is, Daß hier 4ne „arische Firma" sei. Edler Mann der Riechgewässer, Dein Odeur riecht diesmal schlecht, Und trotz deiner Duftprodukte Scheint dein arischer Zorn nicht echt. Willst wirklich du mit Judengeldern Dir nicht füllen den Beutel an? Kannst wirklich du mit Stolz verzichten Auf der Juden Riechorgan? Wahrlich, solcher Urteutonen Haben wir genug im Haus. Genie nähmen sie von Juden. Doch die — bleiben selber aus. „Es wird in Oesterreich schon noch anders kommen!" Vor dem Strafbezirksgericht I gelangte dieser Tage ein Ehrenbeieidigungsprozeß zum Abschluß, den der Bankgeschäftsinhaber Moritz Leo Hekler gegen den Rechtsanwalt Doktor Karl Hü bei angestrengt hatte. Eine Frau, mit der Hekler durch 20 Jahre in Beziehungen gestanden war, hatte sich veranlaßt gesehen, wegen des Inhaltes eines Schriftsatzes gegen den Kläger eine Ehrenbeleidigungsklage einzubringen. Ihr Vertreter, Dr. Karl Hübet, hatte nunmehr in mehreren Schriftsätzen gegen Hekler eine Reihe von Schmähungen und Beschimpfungen gebraucht. So hatte er Hekler unter anderem Zynismus vorgeworfen, hatte mit Bezug auf seine Person von einem „Abschaum der Menschheit" und von einem „Abhub des Ostens" gesprochen, hatte ihm ferner Geldgier vorgeworfen und eine Reihe weiterer Anwürfe erhoben, die zum Teil gegen die Konfession des Privtklägers gerichtet waren. Als Angeklagter erklärte Dr. H ü b e 1. daß er lediglich in Ausübung seiner Anwaltspflicht in Wahrung der Interessen seiner Klientin gehandelt nahe, daß er die volle Verantwortung für die Form der Schriftsätze übernehme und daß die in dem Schriftsatze enthaltenen Anwürfe gegen die jüdische Konfession nur diese und nicht den Privatankläger als Einzelperson treffen können! Er habe diese Anwürfe für die Rechtsverfofgtrai für notwendig gehalten. Dr. Hübel hatte auch für einen Teil der inkriminierten Beleidigungen einen Wahrheitsbeweis angeboten und sich insbesondere auf die Frau, mit der Hekler durch so viele Jahre Beziehungen unterhalten habe, als Zeugin berufen. In der Verhandlung wurde diese Frau als Zeugin einvernommen. Es kam wiederholt zwischen dem Vertreter des Klägers Dr. Rybaczewski und Dr. Hübel zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Vertreter Heklers legte dem Richter unter anderen Schriftstücken einen Brief vor. in dem Dr. Hübel seiner Klientin, die in einem Zivilprczeß sachfällig geworden war, mitteilt. daß dieser Prozeß nnr deshalb verloren ging, weil ein jüdischer Richter, der in der Verhandlung Beisitzer war, den Vorsitzenden niedergestinrmt habe. Im KilMteTlMimi, Wien XIII , Hacking, Auhofstraße 222, sind noch einige PlStze tu vergeben. Familienprirtzip, individuelle Erziehung, rituelle Führung. Monatspension S 100__, Anfragen im Heim. Dr. Hübel rief im Verlaufe der Auseinandersetzung mit dem Vertreter aus: „Es wird schon in Oesterreich anders kommen!" Nach durchgeführtem Beweisverfahren und nach den Schlußvorträgen der Parteien verkündete der Richter m später Nachmittagsstunde das Urteil, mit welchem Doktor Karl Hübet im Sinne der erhobenen und aufrechterhaltenen Klage wegen Ehrenbeieidigung schuldig erkannt und unbedingt zu einer Woche Arrest verurteilt wurde. Der Richter war der Ansicht, daß der Wahrheitsbeweis, soweit er angeboten worden war, nicht erbracht worden sei. Als mildernd nahm der Richter an die aus dem ganzen Verhalten des Dr. Hübel und aus dessen Schriftsätzen hervorgehende pathologische Einstellung, als erschwerend die Schwere der Beleidigung, die Derbheit und Häufung der gebrauchten Beschimpfungen. Dr. Hübel meldete betreffs Schuld und Strafe und wegen Nichtigkeit die Berufung an. Dr. Hübel ist den Gerichten wegen seiner extrem antisemitischen Haltung schon lange bekannt, nun hat ihn einmal die gerechte Strafe ereilt. Wenn aber jeder Antisemit» auch der akademisch „gebildete", schon Patholog ist, dann wird es in Oesterreich wirklich noch anders kommen. | Hugo Kreisler \ Wie eine kraftstrotzende Eiche plötzlich vom Blitz getroffen niedergestreckt wird, so verschied Dienstag, den 10. September, in Baden bei Wien der bekannte Wiener Cellist Hugo Kreisler im 46. Lebensjahr. Still und bescheiden wie dieser gottbegnadete Künstler gelebt, ist er auch von uns gegangen. Im Kreise seiner von ihm so innigst geliebten Familie hauchte er seine treue Seele aus. Erst aus den Tagesblättern erfuhr die große Zahl seiner Freunde und Verehrer, daß er nicht mehr unter uns weilt und jeder, der ihn gekannt, hatte das Gefühl, daß der unerbittliche Tod einen braven Menschen und großen Künstler aus dem Kreise seiner Familie und Freunde geholt hat. Der Verblichene war bekanntlich ein Bruder des berühmten Geigenvirtuosen Fritz K r e i s 1 e r und erfreute sich nicht nur in Wiener Konzertkreisen, sondern weit über die Grenzen seines engeren Heimatlandes großer Beliebtheit. Hugo K r e i s 1 e r war durch Jahre hindurch erster Cellist des Wiener Tonkünstlerorchesters und vertrat dieses Instrument am ersten Pult mit höchstem künstlerischen Ernst und technisch bravouröser Vollendung. Auch als Kammermusiker ist er mehrfach hervorgetreten. Eine seiner bekanntesten Leistungen war die Cellopartie in der symphonischen Dichtung „Don 0 u i x o t e'\ von Richard Strauß, in der das Cello in den schwierigsten Kapriolen die Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt darzustellen hat. Auch sein „K o 1 - N i d r e" war eine unübertroffene Meisterleistung. Die mit seinem Bruder Fritz in Amerika kreierten Grammophonaufnahmen sind in jedem musikliebenden Hause des In- und Auslandes zu finden. Die Beerdigung des verstorbenen Künstlers fand Mittwoch, den 11. d. M., am neuen Wiener jüdischen Friedhof statt. Die große Zahl der Trauergäste, die dem Verewigten die letzte Ehre erwiesen, darunter Prof. Dr. Alois Pick, der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, gab überzeugenden Beweis für die Sympathien, deren sich Hugo K r e i s 1 e r erfreute. Dies erwähnte auch Herr Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz in seinem Nachruf und hob hervor, daß der Verstorbene keinem Menschen je Unrecht oder auch die geringste Kränkung zugefügt, deshalb auch keine Feinde, sondern nur Freunde zurückgelassen habe. Musterhaft war auch sein Familienleben, das ganz in der Liebe zu seiner Frau Helene, seinem einzigen Sohne Kurt und seinen Geschwistern Fritz und Ella Kreisler (der gute Geist des Heimes für verkrüppelte Kinder in Laa) aufging. Namens der Freunde der Familie nahm Börserat Ignatz Glück von dem Verblichenen tiefempfundenen Abschied. Hierauf wurde die Bahre von den Freunden gehoben und. von einer unübersehbaren Menschenmenge gefolgt, zur letzten Ruhestätte des Künstlers getragen, die sich an der Seite der in den letzten Jahren beerdigten bedeutenden Tonkünstler (Leo Falt, Epstein, Elizza, Kaufmann) befindet. Der gänzlich zusammengebrochenen Gattin und Schwester, die bis knapp vor Eintritt der Katastrophe noch immer auf Genesung ihres innigstgeliebten Gatten, bzw. Bruders gehofft hatten, wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Die kantorale Funktion versahen die Oberkantoren P o s t o 1 o w und K o g a n mit großer Assistenz. k'!i '•f v;;* j~ f?V f Ii. "f

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