Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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tminHllllllllllllllllinilliuiiiiiiiniiiuiiininmiiminimnnaiiinimraiaMuniH Seite 13 Vm Woehasm IDsxke Emil Berliner gestorben 2. August 1929. Kein Geringerer als der gegenwärtige Präsident Hoover hat in seinem Vorwort zu W i 1 e s Lebensbeschreibung des in voriger Woche in Washington plötzlich von einem SchlaganTalle gefällten „Peer des Erfindergeistes" Emil Beel i n e r seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß die großen Erfinder und Wohltäter der' Menschheit nicht die verdiente Anerkennung finden, ja nicht einmal dem Namen nach selbst den Gebildeten bekannt sind. Wer von uns denkt beim Telephon, beim Grammophon, beim I^adio, daß uns diese fast unentbehrlichen Vorrichtungen ein noch in der Vorwoche lebender, ein jüdischer Mitbruder beschert hat. Hooverukonstatierr, daß Amerika wohl eingeborene Erfindergrößen hat. wie Benjamin Franklin und Edison, aber daß seine Atmosphäre in günstigster Weise Eingewanderte aller Nationen in ihrer Entdeckerfähigkeit zur Reife bringt (Tesla, Graham Bell, Pupin) und auch unseren Emil Berliner, „diesen Mann ohne jede wissenschaftliche Ausbildung, mit dem großen wissenschaftlichen Instinkt und der unglaublichen Konzentration." Berliner war am 20. Mai 1851 int der Hauptstadt des damaligen Königreiches Hannover als vierter von elf Kindern des Kaufmannes Samuel und seiner aus Hamburg stammenden Frau Sarah Friedmann, aus einer alten, seit dem 17. Jahrhundert dort ansässigen jüdischen Familie geboren. Den einzigen Schulunterricht seines Lebens genoß er an der berühmten Samson-Schule in W o 1 f e n b ü 11 e 1, die heute noch die Stiliibungen und Zeichnungen des Vierzehnjährigen als Musterleistungen aufbewahrt. Der musikalische Knabe hatte kein Klavier zur Verfügung und das hatte in ihm den Wunsch erweckt, ein musikalisches Instrument für die Gesamtheit zu erfinden. Er wurde zunächst Buchdrucker, dann Manufakturlehrling und hieß schon damals „ein genialer Kerl". Da kommt die Invasion der Preußen, die Vernichtung des Königreiches Hannover. Unauslöschlicher Haß gegen Preußen erfüllt ihn. der ihn auch im Weltkrieg nicht losließ, als. die Preußen Belgien besetzten. Um keinen Preis will er dem Usurpator Militärdienst leisten. Da nimmt ihn 1869 ein entfernt Verwandter Nathan Gotthelf. der ein angesehener Kaufmann in Washington geworden war, auf der „Harmonia" mit nach Amerika. Es folgen mühevolle Lehrjahre in Kaufmannsgeschäften, in denen er Englisch erlernt, aus Emil ..Emile" wird. Erst 1875 beginnt seine Tätigkeit in Fahlberg's Laboratorium. Der Triumph der amerikanischen Zemtenarausstellung von 1876 wurde unerwarteter Weise Bell's Telephon. Dies regte Berliner zur Erfindung seines m i k r o p h o n i s c h e n Ueb er träges an, mit seinem losen Kontakt, seiner Variabilität des Druckes und seiner Schraubenvorrichitung, die erst die Intensität des Tones ermöglichte. Das physikalische Museum in Washington bewahrt mit Ehrfurcht die Seifenschachtel, an der er mit Hilfe einer Nähnadel, einer Guitarre und einer Spielzeugtrommel seine ersten Versuche mächte. Zunächst hatte er aber einen vierzehnjährigen Prozeß gegen Edison und den Staat wegen seiner Priorität und seines Patentes zu führen, den er durch glänzende setbstverfaßte englische Prozeßschriften endlich gewann. 1878 nahm er das Patent auf den Corüinous courrent transformer seines Mikrophons. Er besucht wieder die Heimat und bewog seine Brüder Jakob und Josef jene Telephonfabrik zu gründen, die in den meisten europäischen Zentren, auch in Wien (XIII.), Filialen hat. Am romantischen Potomac macht er 1883 die Hochzeitsreise mit Cora Adler und kommt auf die alte Wolfenbüttler Idee der Musik für alle zurück; er erfindet mit der neuen Sprechmaschine, dem Grammophon, die Möglichkeit einer unbegrenzten Anzahl von Kopien einer OriginaJaufnahme von Stimmen. Auf der Reise in die Heimat wird in Berlin von einer Kommission, an deren Spitze Werner Siemens steht, Berliners Grammophon einstimmig den Vorzug vor Edisons Phonographen zugesprochen und enthusiastisch äußert sich 1890 Helmholtz nach einer Probe im Hotel Kaiserhot über Berliners seitlich geschnittene Scheibe der Sprechmaschiue. Er grlündet mit Victor die Victor Talking Maschine Company für ..Berliner Platten", eine Zinkplatte mit Wachsüberzug, auf der der Schreibstift sich hin- und herbewegend Wellenlinien zieht, die sogenannte Berliner Schrift. Das erste Grammophon mit 75 Platten amerikanisch-deutscher Grüße seiner Kinder an die Großmutter in Hannover ist nach Wien in den Besitz seiner Schwägerin, der bekannten Philanthropin Ida Berliner, gewandert. So war alles vorbereitet für die Erfindung des Radio, das ohne Berliners Transmitter nicht gedacht werden kann. Berliner war ein Mann von beneidenswerter Vielseitigkeit. Er komponierte die Staatshymne von Columbia (in dem Washington liegt); er schrieb Abhandlungen über die Theorie der Musik, er verfaßte eine Art Struwwelpeter (Muddy Jim) mit reizenden Bildern, das er an die Schulen von Columbia verteilen ließ; er rief nach der Rettung seiner kleinen Alice ein Komitee „für die Verhütung von Krankheiten" ins Leben, regte die staatliche Pasteurisierung der Milch und hygienische Vorträge an Schulen an und tat Urnendliches zur Bekämpfung der Kindertuberkulose in Columb'a, wodurch er ein intimer Freund unseres Pirquet wurde. Das letzte Jahr brachte eine seiner interessantesten Erfindungen, Platten, die es ermöglichen werden, auch den unakustischesten Raum akustisch zu machen; das nicht ganz vollendete Werk wird wohl sein Sohn» Henry zu Ende führen. Drei verheiratete Töchter und drei verheiratete Söhne und viele Enkel umgaben ihn: seine größte Freude war. daß inseiner Nachkommenschaft nicht ein Austritt aus dem Judentum vorkam; er selbst würzte die Privatbriefe, die er an die teuren Wiener Verwandten bis in die letzten Tage richtete, mit heiteren hebräischen und jiddischen Zitaten und blieb als persönlicher Freund Hoovers und Wilsons ein aufrechter und überzeugter Jude. Ihm wurde die höchste amerikanische Auszeichnung zuteil, die Verleihung der goldenen Benjamin Franklin-Medaille. Ein amerikanischer Dichter, der Oberst der amerikanischen Armee ist, hat Berliner ein englisches Gedicht gewidmet, das beginnt: „Ich spreche mit der Welt durch der Jahrhunderte Lauf: ich fange die Tränen und das Lachen auf. Ich trage die Kunst in das fernste Land, ich rufe die Wahrheit in den Wüstensand." C. Benedikt. Verfassungsleier der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Ueber Ersuchen der deutschen Gesandtschaft, deren Chef Graf Lerche nfeld persönlich der Feier beiwohnte, fand Sonntag, den II. August, li>9 Uhr vormittags, im Stadttempe! ein festlicher Gottesdienst anläßlich des 10. Jahrestages der Weimarer Verfassung statt. Zu dieser solennen Feier hatten sich in Vertretung der Kultusgemeinde Vizepräsident Dr. Jakob O r n s t e i n in Begleitung des Amtsdirektors Reg.-Rat Dr. Emil Adler, zahlreiche Mitglieder der Bezirkskommissionen, die Bethausvorsteher Julius B e r g e r und Direktor Julius Haber, ferner Angehörige der Wiener reichsdeutschen Gesellschaft eingefunden. Rabbiner Dr. D.Feuchtwan g hielt die Festrede, die tiefen Eindruck auslöste. Er ging auf den Geist der Verfassung ein, die sich ein freies deutsches Volk unter freigewählten Führern im freien Staate gegeben hat und die ein Markstein in der Geschichte des Volkes der Dichter und Denker gewesen ist. Dr. Feucht- Die Israelitische Kultusgemeinde St. Pölten benötigt für die hohen Feiertage einen Sdiadiaris-Vorbetcr j jiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiniUHUuirauiuiiiuHiiuuuniiininiuiiiiiiHiiiinih Reflektanten wollen ihre Bewerbungsschreiben an den Gefertigten einsenden. Karl Frank Vorsteher-Stellvertreter St. Pölten, am 17. VIII.