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Die Wahrheit · 1929-08-16 · Heft 33 (16.8.1929) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 In der am 26. Juni stattgefundenen Tagung wurden nachstehende Vertreter für Deutschland in die Jewish Agency entsendet: Als Mitglieder: Stadtkämmerer Bruno Asch, Frankfurt a. M.: Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin; Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M.: Dr. Bernhard Kahn, Berlin; Kommerzieurat Gerson Simon, Berlin; Rabbiner Dr. Isak Unna, Mannheim; Oskar Wassermann, Berlin. Als Stellvertreter: Prof. Georg Bernhard; Willy Dreyfuß: Rabbiner Dr. Hugo Hahn; Jakob Hekscher: Rabbiner Dr. Jakoh Horowitz, Frankfurt a. M.; Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumayer, München; Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Stuttgart: Großindustrieller Leo Simon, Berlin: Frau Margarethe Tietz, Köln: Dr. Friedrich Brodnitz, Berlin; Dr. Albert Sondheimer, Frankfurt a. M.; Berthold Israel, Berlin. * * Der Klub der union istischen Kultus- Vorsteher hat nun in eingehender Beratung und im Einvernehmen mit der „Union deutschösterreichisch erJude n" die Herren Doktor Paul Harn merschlag, Direktor der Credit-Anstalt, und Dr. Jakob Ornstein, Präsident der „Union", als Vertreter nominiert, von denen der erstere bereits der konstituierenden Tagung der erweiterten Jewish Agency beiwohnte. Gleichzeitig hat die „Union deutschösterreichischer Jude n" als die Vereinigung der nichtnationalen und nichtzionistischen Juden Deutschösterreichs, um allen Mißverständnissen und Mißdeutungen ein für allemal vorzubeugen, folgende Erklärung veröffentlicht, die auch in den Tageszeitungen Aufnahme fand. Dem Beispiele ihrer gleichgesinnten Glaubensbrüder in Amerika, England, Deutschland, Frankreich, Italien und 20 anderen Staaten folgend und getreu ihrer seit Jahrzehnten beobachteten Haltung, hat es die „Union deutschösterreichischer Juden" im Einvernehmen mit dem Klub der unionistiscben Kultusvorsteher Wiens als ihre Pflicht erachtet, einer Organisation beizutreten, die, entsprechend Mein erster Fasttag. (Aus den Erinnerungen des alten Professors.) Von Binjamin Segel. (Fortsetzung.) Ich kehrte zu meinem Midrasch Echah zurück. Aber allmählich fing es an, mir immer schwächer ums Herz zu werden, und ich mußte mich sehr zusammennehmen, um den Gedankengängen des Textes zu folgen. Ich biß die Zähne zusammen, strengte mich an, die Sätze laut herzusagen und sie mir zu verdeutlichen; schließlich fühlte ich mich so matt, daß ich mich auf das Sofa hinstrecken mußte. Das beruhigte mich ein wenig. Ich vertiefte mich aufs neue in die Schilderungen der Belagerung von Jerusalem, der Verbrennung des Tempels und der späteren Kämpfe des Bar Kochba und seiner Heldenscharen gegen die Armeen des Kaisers Hadrian . Was war im Vergleich mit all dem das bißchen Kneifen in den Gedärmen, welches ich jetzt empfand? . . . Eine Erzählung erschütterte mich besonders: Die jungen Priester hatten sich im Tempel verschanzt, entschlossen, eher zu sterben, als sich dem Feind zu ergeben. Schon züngelten die Flammen von allen Seiten empor, da erstieg der Schließer den Turm und sprach: Gott im Himmel, wir haben dein Heiligtum treu behütet, du aber hast uns verschmäht und den Tempel dem Feinde ausgeliefert. Wir sind in deinen Augen nicht mehr würdig, den Schlüssel zu bewahren, hier hast du ihn wieder. Er hielt den ScMüssel hoch, und aus den Wolken nei'gte sich eine Hand hinab und nahm ihn in Empfang . . Das Bild stand mir lebendig vor Augen, der junge Priester auf der Spitze DIE WAHRHEH dem Mandat des Völkerbundes, helfend und beratend dabei mitwirken soll, verfolgten, entrechteten, ihrer Heimat beraubten Juden eine neue, rechtlich gesicherte Heimstätte zu bieten. Die „Union deutschösterreichischer Juden" begrüßt die Zusammenarbeit der Glaubensbrüder so vieler Länder an diesem philanthropischen Kolonisationswerke, sie legt aber die schärfste Verwahrung gegen jeden von welcher Seite immer kommenden Versuch ein, diese im Einklang mit dem Völkerbund und der englischen Regierung eingesetzte beratende Körperschaf t als eine jüdischnationale oder als eine internationale jüdisch-politische Institution hinzustellen. Die Juden Oesterreichs, die sich seit Generationen als Bürger dieses Staates fühlen, lehnen jede nationale Minderheitspolitik entschieden ab. Sie lieben ihr österreichisches Vaterland und wollen — vereint und geeint mit ihren andersgläubigen Mitbürgern — heute wie immer mit ihrer ganzen Kraft an dessen kulturellen und wirtschaftlichen Wiederaufbau mitarbeiten. Unbeschadet ihrer Rechte und Pflichten gegenüber ihrem österreichischen Vaterlande wird die Vertretung in die Jewish Agency entsendet, zumal nach dem klaren Wortlaute der Balfour-Deklaration und des England erteilten Palästinamandates bei der Errichtung der Heimstätte in Palästina „nichts geschehen soll, was die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgend einem anderen Lande beeinträchtigen würde". Die „Union deutschösterreichischer Juden" wird im Einvernehmen mit dem Klub der unionistischen Kultusvorsteher Wiens ihre Vertretung in dem Augenblicke zurückziehen, in dem die Jewish Agency eine Wirksamkeit entfalten würde, die den in dieser Erklärung niedergelegten Grundsätzen widerspricht. WlrbdMcnitentmfüzDie Waktkeitl des Turmes, den Schlüssel zum Tempel in den Himmel zurückreichend . . . Ich vergoß heiße Tränen, auf dem Sofa liegend . .. Aus diesen Träumen weckte mich Jagas Stimme: ,.Ach mein armer Junge, was weinst du so bitterlich? Seht, wie das ganze liebe Gesicht in Tränen gebadet ist! Du vergehst ja vor Hunger. Komm schnell, ich gebe dir zu essen, drei Uhr ist längst vorüber." „Aber Jaga, ich bin gar nicht hungrig, ich muß den ganzen Tag fasten, das habe ich dir ja erklärt" „Rede keinen Unsinn, dummer Junge, steh' auf, sag' ich. und komm' essen." Das ganze Rudel Kinder stürmte herein, die. jüngsten kletterten auf Jagas Schoß, Großmütterchen streichelte mir mitleidig das Gesicht. Mein Bruder hielt mir Jachend em mächtiges Butterbrot vor die Lippen: „Da, beiß' an!" „Wirst du still sein, herzloser Schlingel?" schrie ihn Jaga an. „Der arme Junge vergeht vor Schwäche, und der quält ihn mit Späßen. Packt euch von dannen, ihr habt hier nichts zu tun!" Sie jagte die Kleinen hinaus und fing von neuem an, mich zu bedrängen. Es wollte ihr nicht in den Kopf, daß ich eine moralische Verpflichtung haben könnte, ihr zu widerstehen. „Du kleiner Bock, du bist ganz so eigensinnig, wie dein Vater in deinem Alter war. Na wart, wir wollen sehen!" „Geh doch mal hinein zu deinem Sohn, was bist du für eine Rabenmutter!" hörte ich, wie sie draußen meine Mutter anschrie. „Das arme Kind liegt auf dem Sofa und stirbt förmlich vor Hunger und Schwäche, und du hast das Herz, hier Süßigkeiten einzumachen und Kräpfchen zu kochen. Was hat sich der Junge in den Kopf gesetzt, daß er sich kasteien rrtäisse? Soll er alle Sünden der Erwachsenen abbüßen;? Geh doch hinein und befiehl ihm zu essen. Was denkst du denn?" Ich lauschte gespannt. Jaga war gewöhnt, ihren Willen durchzusetzen. Um meine Aufmerksamkeit abzulenken, DmnmuffluunDmininiinniiifl

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