Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064197-3064228--17382-3087502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^eite 14 »M'!Piin:"'in'^tm**ffl'"mm^^ DIE WAHRHEIT TüuiH und Literatur _Ein ^unbekanntes Spinoza:BHdnis aufgefunden?__ Dr. J. L e v y berichtet im Berliner „Kunstwanderer" über die in kulturhistorischer Hinsicht bedeutsame Entdeckung eines bis jetzt unbekannten Bildes des niederländischen Malers Samuel van Hoogstraaten, von dem mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, daß es sich um ein Porträt von Spinoza handelt. Das Bild. 99,5 Zentimeter hoch und 76 Zentimeter breit, befindet sich im Berliner Privatbesitz und ist als ein authentisches Werk von Hoogstraaten beglaubigt. Dr. Levy kann feststellen, daß Spinoza und van Hoogstraaten zu gleicher Zeit im Haag lebten. Hoogstraaten haite auch philosophische Interessen. Leon Kornitzer: „Röme möss El." Frankfurt am Main, J. Kaufmann-Verlag. Es ist ein erfreuliches Zeichen unserer Zeit, daß sich allenthalben in den berufenen Kreisen das Interesse an Synagogalmusik regt. Unter den zahlreichen, mehr oder weniger gelungenen Versuchen auf diesem Gebiete verdient der vorliegende Band mit Auszeichnung genannt zu werden. Leon Kornitzer, Oberkantor der Hamburger Gemeinde, vereinigt hier eine beträchtliche Anzahl seiner eigenen Kompositionen für den Gottesdienst, sowohl Soli für den Kantor, wie auch Chorgesänge mit Orgel, im ganzen zweiundvierzig Stücke für d-^n Sabbat, die verschiedenen Feiertage, aber auch für die Wochentage, für verschiedene feierliche Gelegenheiten, Trauungsgesänge. Stücke für Trauerfeiern usw. Wer mit den Arbeiten auf dem Gebiet des Synagogalgesanges viel zu tun hat, weiß, daß die Mehrzahl dieser Versuche von Amateuren in der Kcmpositionskunst herrührt, die wohl Begeisterung für die Sache mitbringen, aber zu wenig künstlerisches Können. Aus diesem Durchschnitt hebt sich Kornitzers Sammlung hoch empor. Ein wirklich durchgebildeter Musiker ist in jedem einzelnen Stück kenntlich, ein Künstler, der zu gestalten weiß, der den Vokalsatz beherrscht, für Solo wie Chor fachgemäß und wirkungsvoll schreibt, und auch anspruchsvollere Hörer um etwa 1900 angenähert. Dieser Mangel jedoch hindert mich nicht, anzuerkennen, wie vorzüglich in jeder Hinsicht innerhalb der ihm natürlichen Schreibweise Kornitzer sich auszudrücken versteht. Seine Sammlung ist warm zu empfehlen. Alle einigermaßen leistungsfähigen Tempelchöre werden aus ihr bei dieser oder jener Gelegenheit ihr oft schon zu abgenutztem Repertoire auffrischen können mit neuen Stücken, die so würdig gehalten wir wirksam sind. Es seien vor allem die Gesänge mit deutschem Text genannt: die wertvollen Trauungslieder und Trauergesänge, das außerordentlich schöne „Waanis Filiossi*' für Altsolo, Violine und Orgel, das kräftige, glänzend gesteigerte „Mögen owoss"; das stimmungsvolle „Adonaj moloch", das noch am ehesten einen kenntlich jüdischen Eigenton aufweist: das festlich frohe „Wajhi bin' ssoa". In der Tat, es ist nicht ein einziges unbedeutendes Stück in der ganzen Sammlung, und auch in ganz kleinem Rahmen weiß Kornitzer künstlerische Feinheit ungewöhnlicher Art zu entfalten, wie z. B. in dem zarten, stimmungsvollen Orgelritornell während des stillen Gebets, samt dem darauffolgenden „Wajchullu". Dr. Hugo Leichtentritt. Tagesereignisse im Jahre 1836/37. In der Wiener Kultusgemeindebebliothek findet sich ei« Kalender aus dem Jahre 5597 (1836/37), auf dessen Vormerkblätter sich hebräische Aufzeichnungen befinden, deren Urheber unzweifelhaft der noch heute bekannte Rabbiner Chajim Pollak aus Treb i t s c h ist Diese Anmerkungen wollen vor aMem die beinjirkenswcrten Vortälle des Tages festhalten und liefern den Beweis für den 'überraschend weiten Interessie«kreis eines Rabbiners konservativer Richtung des vorigen Jahrhunderts. Neben den Berichten über die jeweilige Phase dr damals herr- 'chen Cholera und später der Grippe, finden z. B. Erdbeben in Palästina. Schweiz und Spanien, die damals besonders zahlreichen Judentaufen in Wien, Ereignisse der Luftschiffahrt u. v. a. Erwähnung. Selbst die rein jüdischen Angelegenheiten, sogar solche seiner Kehilla vermerkt und schildert Rabbiner Pollak durchaus objektiv. Der Archivar der Kutusgemeinde, Sau! Ch-ajes, hat nun diese Tagebuchblätter als Sonderabdrack aus den Mitteilungen der Bnai Brith in deutscher Sprache herausgegeben. Die Fußnoten, in denen er alle Nairensabbreviaturen des Textes erläutert und viele historische Anmerkungen bringt, zeigen von fleißiger Forscherarbeit. Opatoschu, der letzte Waldiude. Aus dem Jiddischen von S. Schmitt, Heine-Bund. Berlin. Der letzte Waldiude kommt aus den Tiefen der polnischen Wälder, wo Juden in Generationen ihr Judentum jüdisch, d. i. frei, lebten. Er geht ins Städtel. lernt dort die Bewegung kennen, die einmal die Renaissance des jüdischen Volkes sein wollte, den Chassidismus. Und Sohn einer Zeit, in der der geknechtete Pole sich erhob gegen seine Herren, die fremde Soldateska, aber auch den eigenstämmigen Gutsbesitzer, kämpft er mit den Unterdrückten gegen die Unterdrücker. Der letzte Waldjude aber erlebt den Zusammenbruch von allem, was ihm wesentlich war: Zusammenbruch des polnischen Aufstandes, der auch sein Aufstand war, Zusammenbruch des Chassidismus, in dem ei das Judentum überhaupt sah. Da verzweifelt er und flieht — in die Leere. — Der Roman, fesselnd geschrieben, eine große Zeit behandelnd und Menschen vorstellend, die heldisch waren, ist eine Bereicherung unserer jüdisch-deutschen Literatur. Weil es aber die Menschen des Ostens und ihre Probleme, die in unseren Tagen anders und doch so ähnlich sind, begreifen lehrt, darum ist es. als ein Lehrbuch zu besonderem Zweck, zu beachten und zu verbreiten. H. Bei Lipschütz, Paris, 28 nie Lamartine, erschienen: H. Cohn. Moeurs des Jurifs et des Arabes de Tetuan (interessante Einzelheiten u. a. über eine jüdische) Hochzeit und E. S a b a t i e r, Chansons hgbraic-provencales des Juifs Comtadins. Beide Heftchen sind zu empfehlen. J. G. Frazer. Der goldene Zweig. Abgekürzte Ausgabe, übersetzt von H. Bauer, C. L. Hirschfeld, Leipzig 1928, M. 24.—. Endlich ist das berühmte Werk auch denen zugänglich gemacht, die des Englischen nicht mächtig sind. Allerdings nur in einer Abkürzung, die den wertvollen Apparat der Anmerkungen vermissen läßt, die das Werk zu einer ganzen Bibliothek erweitern. Jede Kapitelüberschrift erinnert daran, wie ohne diese MeisteTleistung vergleichende Folklore heut unmöglich ist. Der Index weist nu:r. zwei biblische, bzw. jüdische Beziehungen auf. Dies hindert aber nicht, daß nahezu jede Seite für die Bearbeitung des Aggada von Bedeutung ist. G. Rechtsgutachten-Literatur des Judentums. In dem wüsten, wirren Durcheinander der trüben Gegenwart, dringt eine frohe Kunde an die Freunde der jüdischen Kulturgeschichte: Chajim Bloch, der bekannte Wiener Gelehrte und feinfühlige Kenner chassidisch-kabbalistischen Wesens, geht daran, seine auf mehrere Bände berechnete Enzyklopädie, die Frucht jahrelanger Arbeit, zu veröffentlichen. Die Rechtsgutachten (Responsen, Schaalot u'Tschuwath)- Literatur ist jener Zweig des jüdischen Schrifttums, das fast unmittelbar nach Abschluß des Talmuds entstanden ist und sich bis auf den heutigen Tag fortpflanzt und entwickelt. Seine ersten Blüten machten sich im achten Jahrhundert bemerkbar und es kommen da ausschließlich berühmte Männer des Judentums, Wegweiser des Volkes zum Worte. Bloch gibt eine Auswahl aus den gewaltigen Massen dieser Literatur. Das Leben der Juden in einer langen Zeitperiode wird nach verschiedenen Seiten hin gezeigt und ein tiefer Einblick in den Verhältnissen der jüdischen Gemeinschaft damit eröffnet. Schicksal und Eigenart, Sitte und Brauch der Juden in allen Zeiten und Ländern werden mit einem Male deutlich sichtbar. Bloch hat aus dem Staube der Bibliotheken die alten Responsenwerke, soweit sie aus den Stürmen des Zeitlaufes, trotz der Verheerungen und Verfolgungen erhalten blieben, hervorgeholt und aus ihnen Werte ausgegraben und ans Tageslicht gezogen, die nun für die Geistes- und Kulturgeschichte der Juden einen der wichtigsten und glaubwürdigsten Stoff bilden. Chajim Bloch war es beschieden, sich an diese Riesenarbeit heranzumachen, um das ganze zerstreute Material zusammenzufassen und zu einem Ganzen zu gestalten. Eine gründliche Abhandlung über die Entwicklung der Responsenliteratur, ein ausgezeichnetes Register, chronologisch und geographisch gegliedert, wie auch Anmerkungen und biographische Notizen sind dem Werke beigegeben. Das Werk wird für Juden und Nichtjuden von hohem Werte sein. — Die Johann N. Vernay Buchdruckerei und Ver- 1 a g s-A,-G. in Wien, hat sich bereit erklärt, das Werk herauszugeben und für eine weitgehende typographische Ausgestaltung desselben zu sorgen, macht aber diesen Entschluß von der Gewißheit abhängig, daß sich für das Werk eine entsprechende Anzahl Interessenten finden wird. Es wird mit dem Druck des ersten Bandes begonnen werden, wenn mindestens 500 feste Bestellungen einlangen werden. (Vorauszahlungen werden nicht beansprucht.) Achtseitiger hebräischer Prospekt wird auf Verlangen durch „Das Lebe n", Wien XX., kostenlos versendet. Bestellungen auf das Werk sind an Johann N. Vernay, Buchdruckerei und Verlags-A.-G„ Wien IX., zu richten,