Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 31 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 für das neuen Institut. Seine 23 jährige Fürsorge für das Institut war von größtem Segen gewesen. Seine Frau Mathilde war die Tochter von Elise Herz geb. von Lämel, mit deren Namen die Lämel-Schule in Jerusalem verknüpft ist. , Der verstorbene Hugo v. Hofmannsthal hätte allen Grund gehabt auf solche Ahnen stolz zu sein. Weder seine Eltern noch Großeltern haben sich derart in den Herzen der Wiener Bevölkerung ohne linterschied der Konfession eingeschrieben, wie Dr. Ignaz v. Hofmannsthal und seine Frau. Die Bilder jenes in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und im früheren israelitisehcn Taubstummeninstitut verkünden und verkündeten das große jüdische Wirken als Mitglied des Kultusvorstandes und als Philanthrop. D. S. Kr. Dr. Emil Starkenstein Ordinarius für Pharmakologie in Prag. Dr. Emil S t a r k e n s t e i n, ein Jude, wurde als Nachfolger Wiechowskis zum Ordinarius für Pharmakologie an der Deutschen Universität in Prag ernannt. Dr. Emil Starkenstein, 1884 in Ronsperg geboren, habilitierte sich 1913 als Dozent für Pharmakologie und Pharmokonogie und wurde 1920 außerordentlicher Professor. Dr. Starkenstein ist der Erfinder des Vasano, eines Mittels gegen Seekrankheiten und alle durch Störung des Gleichgewichtes entstandenen Indispositionen, das in der wissenschaftlichen Welt großes Aufsehen erregte. Rabbioer Rubin-Jerusalem in Wien verschieden. In der vergangenen Woche ist in Wien Rabbiner M. Rubin, Posch Besdin des Waad Hoir Haschkenasy in Jerusalem, verschieden. Er war zur Teilnahme an Sitzungen nach Wien gekommen und hatte den Verhandlungen bis zum Schlüsse beigewohnt Vor seiner Abreise konsultierte er einige Aerzte, die ihn dringend zur Operation rieten. Diese wurde in einem Wiener Sanatorium von einem bekannten Spezialisten durchgeführt, doch ist Rabbiner Rubin am dritten Tage nach der Operation seinem Leiden erlegen. Bevor Rabbiner Rubin sich der Operation unterzogen hat, nahm er Herrn Rabbiner Horowitz, Rabbi Moses Blau und seinem Schwiegersohne Rabbi Katzenellenbogen das Versprechen ab, daß sie ihn im Falle seines Heimganges nach Palästina überführen, wo er ein Leben lang gewirkt hat. Rabbiner M. Rubin war in M i r (Poln.-Litauen) geboren. Im Alter von kaum 20 Jahren begab er sich nach Palästina, wo er später das Rabbinat der Stadt Ekron übernahm. Von hier verbreitete sich sein Ruf in ganz Palästina. Kurze Zeit darauf wurde er Rosch Besdin des Waad Hoir Haschkenasy und gewann gewaltigen Einfluß auf das orthodoxe Leben in Palästina. Seine hervorragenden Charaktereigenschaften gewannen dem Verblichenen größte Hochachtung und Sympathie. Das Ende des Budapester Ghettos. Es ist ungefähr zwei Jahrzehnte her, da fiel das Prager Judenviertel, der szenische Schauplatz von .M e y r i n k s „Golem"; übrig geblieben ist nur der alte Judenfriedhof. Dasselbe soll sich jetzt in Budapest wiederholen, wo das zwischen der Elisabeth- und der Theresienstadt eingeengte Ghetto die bauliche Entwicklung der ungarischen Hauptstadt stört. Königsgasse, Karlsring und Trommelgasse sind die Hauptader dieser ehrwürdigen Judenstadt, die nun niedergelegt werden soll. Sicherlich wird damit auch viel Eigenart, ja Poesie zugrunde gehen. Man muß sich nur einmal einen Frühling im Budapester Ghetto angesehen haben. Der Frühling bricht an mit dem P u r i m f e s t; in allen Häusern wird die Esther-Megillah von den Pergamentrollen mit merkwürdigem Sing-Sang vorgelesen. Am Sabbath tragen dann die Frauen des Budapester Ghettos noch die vorschriftsmäßige Perücke, während die alten Juden mit wallenden Bärten und Schläfenlocken, das Käppchen auf dem Haupte, erscheinen. Dann füllen sich die Lebensmittelgeschäfte, die nur rituelle Ware enthalten, die Restaurants mit jüdischer Küche, von welchen manche so gut geführt sind, daß auch Nichtjuden ab und zu in ihnen speisen. Größter Betrieb, beängstigende Ueberfüllung hatte in diesem Budapester Judenviertel während des Weltkrieges geherrscht, als die aus Nordostungarn geflüchteten Juden hier Zuflucht suchten und fanden. Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen (I., Seitenstettengasse 2. Tel. U 27-0-72.) Wir entnehmen dem Rechenschaftsbericht über das abgelaufene 68. Vereinsiahr. ein Jahr mühevoller, jedoch segensreicher Tätigkeit, folgendes: Dank dem eifrigen Bemühen des Vorstandes, insbesondere dank der zielbewußten Arbeit seines Präsidenten, des Herrn Richard Petschek. ist es gelungen, den Gesamtaufwand des Vereines im Betrage von S 133.944.94 aufzubringen und »inen, wenn auch kleinen Ueberschuß zu erzielen. Es ist ^m^^^—u^—^^^ die WAHRHEIT nicht leicht, im einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Bedrängnis für 152 Personen zu sorgen, 130 Kinder, Knaben und Mädchen waren Ende 1928 in den beiden Heimen des Vereines, dem Knabenwaisenhaus XIX., Probusgasse 2 und dem Mädchenwaisenhaus XIX., Ruthg. 21, untergebracht; außerdem wur wurden zirka 50 Kinder, die nicht in den Waisenhäusern aufgenommen werden konnten, durch monatliche Zuwendungen unterstützt. Die Schulerfolge der Zöglinge waren ungemein günstig. Sämtliche Einrichtungen der Häuser, deren Vervollkommnung eine der Hauptaufgaben der Leitung bildet, insbesondere die hygienischen, werden von den berufenen Aufsichtsorganen und von allen Besuchern als mustergültig bezeichnet, auch i&t der Gesundheitszustand der Kinder ein ausgezeichneter. Die beiden Werkstätten für Buchbinderei und Schusterei sind in vollem Betriebe und machen den Kindern große Freude. Sämtliche Schuhrepaiaturen werden von den Kindern durchgeführt. Hervoragend ist auch die Tätigkeit de zahnärztlichen Klinik. Die Bibliotheken befinden sich in fortschreitender Entwicklung, die notwendigen Buchbi/nderarbeiten werden von den Zöglingen besorgt. Der körperlichen Ertüchtigung dienen die vollständig eingerichteten Turnsäle und der Schwimmunterricht. Die schwerste Sorge des Vereinsvorstandes bildet die Unterbringung der Zöglinge nach vollendeter Schulpflicht. Im abgelaufenen Jahre traten 11 Knaben und 10 Mädchen aus dem Verbände des Heimes. Wenn es schwer ist, Knaben unterzubringen, so ist die Versorgung von Mädchen bisweilen unmöglich. Es mangelt an einem Heim, das solche Mädchen kostenlos oder gegen geringes Entgelt übernähme. Die Erweiterung und Vertiefung dieser Fürsorgetätigkeit wird eine der wichtigsten Aufgaben des Vorstandes im neuen Jahre bilden. In erster Reihe dankt der Verein dem Vorstände unserer Kultus g e m e i n d e für die hochherzige Subvention von S 10.000, dann dem Hause Gutmann, insbesondere unserem Vizepräsidenten Herrn Hans Gutraann, die, treu den Traditionen des Hauses, uns stete Helfer sind, ferner den B n a i B r i t h Vereinigungen, allen voran der Loge Wien, deren Mitglieder in Freude und Leid unserer Schützlinge, gedenken, dem Hause Rothschild, dem Bankenverband e, der Chewra Kad i s c h a, der Allianz I s r a e 111 e und' dem Verbände der freiwilligen Jugendfürsorge ftiir ihre Subventionen, ferner allen jenen, die den Verein durch ihre Beiträge, durch Naturalspenden oder Preisermäßigungen in die glückliche Lage veserzten, sein hehres Ziel m erreichen nggicntedies Könidslicht