Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-07-26 · Heft 30 (26.7.1929) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 30 (26.7.1929)
Date
1929-07-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064226--17348-3087466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 14 ■ DIE WAHRHEIT Trauung. Sonntag, den 21. Juli, fand im Stadttempel die Trauung des Herrn Leo Weizenbaum. Sohn des bekannten Pelzwarenerzeusers Baruch Weizenbaum und seiner Gattin Sali, mit Fräulein Martha Schwebe 1, Tochter des Ehepaares Adolf und Berta Schwebe 1, statt. Herr Rabbiner Dr. M. J. Bach hielt an das Brautpaar eine inhaltsreiche Ansprache, in der er besonders auf die hohe Wertschätzung hinwies, die dem Vater des Bräutigams wegen seines religiösen Empfindens und seines Wohltätigkeitssinnes gezollt wird. Oberkantor H. F i s c h e r mit Tempelchor sang feierlich die Hochzeitsgesänge. Hochzeit Funk-Weiß. Zum Berichte der vorigen Nummer über die Sonntag, den 14. Juli, im Pazmanitentempel stattgefundene Trauung des Fräulein Terry Weiß mit Herrn Hans Funk haben wir noch nachzutragen, daß die Familie Funk von dem Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, von dem Vorstand der Kultusgemeinde in Boskovice, Hofrat Rektor Dr. Schwarz usw. usw.. äußerst liebenswürdig gehaltene Gratulationsschreiben erhalten hat. Aber auch die Familie des Herrn Emanuel Weiß. Präsident des Bethausvereines ..Emunas Aves" war aus diesem Anlasse Gegenstand herzlichster Glückwünsche. Bericht über das Allgemeine Jugendtreffen in Baden am 21. Juli 1929. Die Agudas Jisroel Orts- und Jugendgruppe Baden als gleichzeitige Ortsgruppe des Landesverbandes der Jugendvereinigungen Oesterreichs in der Agudas Jisroel hatte für den 21. Juli 1929 ein allgemeines Jugendtreffen nach Baden einberufen. Am Vormittag wurde ein Ausflug ins Helenental unternommen, nach Rückkehr von demselben war gemeinschaftliches Schwimmen im Männerbad der Schwimmschule. Die verschiedenen Jugendgruppen waren recht zahlreich vertreten, was in der nachmittags stattgefundenen Versammlung sich spontan zum Ausdruck brachte, denn mit der Eröffnung derselben war der geräumige Sitzungssaal der Kultusgemeinde bis auf den letzten Sitz besetzt. Der Vorsitzende Herr M. Rothschild, Baden, begrüßte die Versammlung und wies darauf hin, daß der Veranstaltung besondere Bedeutung deshalb zukäme, weil es das erste diesbezüglcihe Zusammenkommen nach Gründung des Landesverbandes sei. Er las der Versammlung die in den Statuten verankerten Ziele und Aufgaben des Landesverbandes vor, die mit besonderer Genugtuung entgegengenommen wurden. Sodann ergriff Herr Oberrabbiner W. Reich, Baden, das Wort, der in der treffendsten Weise der Situation Rechnung tragend, in heißen Worten auf die Bedeutung der Jugend und ihres Weges für die Zukunft im Sinne der von der Agudas Jisroel hochgehalteien Thoraziele hinwies, indem er dies an ausgewählten Worten der Schrift anlehnte. Der Dank für seine sinnreichen und treffenden Worte wurde durch anhaltenden Beifall zum Ausdruck gebracht. Es sprachen ferner die Herren Rabbiner Zimmermann, Neunkirchen, O. Stroh, Wien, S. Hager, Vizepräsident der Jugendgruppe Wien XX., Redakteur Sch. Schönfeld, Moritz Spitzer, Wien. Kultusrat Sch. Rapaport, Baden, Jugendgruppenpräsiden S. Stern, Wien. Besonderes Interesse erregten die Ansprachen der Knaben der B.-Gruppe, Baden: Jenö Ehrenstein, Mendel Kurz und Manes Wickler. Eine lustige Vorstellung durch die Badener B.-Gruppe gab der Versammlung ihren Abschluß. Möge es den Veranstaltern zur Freude gereichen, daß das Jugendtreffen, für das sich neben dem Vorsitzenden der Jugendreferent Herr M. Kaufmann, Baden, so sehr verdient gemacht haben, in so schön harmonischer Weise zur Zufriedenheit sämtlicher Beteiligten ausgefallen ist. F>er Eid der enelisch-jüdischen Parlamentsmitglieder. Die englische Presse vermerkt, daß jüdische Mitglieder des ncugewählten Unterhauses, unter ihnen Sir Herbert S am u e 1 und A. M. Samuel, den Eid auf die Verfassung bedeckten Hauptes und die Hände auf einem Bande des hebräischen Pcntateuch haltend geleistet haben. Mehrjährige Gefängnisstrafe für Antlsernire:*. Das Distriktsgericht von Krementschug (Rußland) verurteilte die Arbeiter an der örtlichen Spiritus-Destillation Sologub und Naumenko wegen schwerer Mißhandlung iüdischer Arbeiter zu je zehn Jahren Gefängnis und zur Konfiszierung ihres Eigentums. Wegen des gleichen Deliktes wurden der Aibeiter Ribke zu fünf, der Arbeiter Birokowitsch zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Lob der New Yorker Juden. Die Deutschvölküschen sind jejzt — häuptsächlich wohl aus finanziellen Gründen — bemüht, auch in Amerika festen Fuß zu fassen. In New York, das als Beherbergerin der größten Judengemeinde der Welt, allen Hakenkreuzlern besonders „gefährdet" erscheint, soll eine nationalsozialistische Ortsgruppe geschaffen werden. Die autochthonen New Yorker dürften aber für derlei „Rettungsversuche" wenig Verständnis aufbringen. Symptomatisch hierfür ist eine Rede, die Bürgermeister Parker dieser Tage anläßlich des Empfanges des Bürgermeisters von Tel- Aviv, David Bloch, im New Yorker Stadthaus gehalten hat, in der er erklärte, die Juden in New York haben sich als der aufbauende Teil der Bevölkerung dieser Stadt hervorgetan. Zu Bloch gewendet sagte er: „Sie stoid der Bürgermeister der 100%igen jüdischen Stadt Tel-Aviv, ich der Bürgermeister des kosmopolitischen New York, wo aber mehr Juden leben als in irgend einer Stadt der Welt. Die Juden New Yorks, denen ich persönlich und gesellschaftlich nahe stehe, dürfen stolz sein auf ihre Leistungen. Sie sind für jedes reelle Werk zu haben und werden das ihre dazu tun, daß Ihr Besuch in New York zu einem Erfolg für das Palästinawerk wird." Herr Bloch dankte in hebräischer Sprache und lud Bürgermeister Parker zu einem Besuch von Tel-Aviv ein. Das abgewiesene Legat. Das 100.000-Dollar-Legat der in Amerika verstorbenen Frau Lena Cohen zugunsten armer jüdischer Greise in Bromberg, das seinerzeit, wie wir berichteten, vom Bromberger Magistrat unter der wahrheitswidrigen Begründung, daß es in Bromberg keine armen jüdischen Greise gäbe (in Wirklichkeit existiert in Bromberg ein um seine materielle Existenz schwer kämpfendes jüdisches Greisenasyl), zurückgewiesen wurde, hat den Stadtrat von Bromberg vor kurzem abermals sehr lebhaft beschäftigt. Stadtrat Kolnik schilderte als Referent alle Phasen der Angelegenheit. Im Jänner 1923 wies der Magistrat das Legat ungeachtet der Intervention der jüdischen Gemeinde zurück. Der Wojwode in Posen und der Innenminister in Warschau bestätigten den Magistratsbeschluß. In Amerika machte die Zurückweisung des Legats, das inzwischen auf 160.000 Dollar angewachsen war. einen sehr schlechten Eindruck. Der polnische Generalkonsul in Washington informierte hierüber das Außenministerium und empfahl die Revidierung des Bromberger Beschlusses. Der Außenminister Graf Zalesky schilderte in einem Schreiben an den Bromberger Magistrat die wirtschaftlichen und politischen Komplikationen, die für Polen im Hinblick auf die in Amerika entstehende Mißstimmung sich ergeben könnten. Auch der Wojwode befürwortete eine Revision des ersten Beschlusses. Der Referent begründete die Forderung nach einer Revision auch vom rein (rechtlichen Standpunkt. In der darauffolgenden Debatte drückten die Nationaldemokraten ihre Verwunderung darüber aus, daß die jetzige Regierung den Standüunkt der Regierung von 1924, die den Bromberger Beschluß sanktionierte, nicht respektiert, und beantragten die Ueberweisung der Angelegenheit an die städtische Rechtskommission. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der deutschen Fraktion zum Beschluß erhoben, so daß eine weitere Verschleppung der Angelegenheit zuungunsten der Bromberger jüdischen Armen eingetreten ist. Man hofft aber, daß inzwischen die übergeordnete Behörde Remedur schaffen wird. Einzelexemplare der „Wahrneif sind in der Großtrafik Lloydhof, Wien IL, PraterstraBe 11, erhältlich. u Das große Herzl-Gedenkbuch Dr. T. Nussenblatt: „Zeitgenossen ober nerzr 90 Beiträge der hervorragendsten jüdischen und nichtjüdischen Persönlichkeiten des politischen und literarischen Lebens. Unveröffentlichtes Dokumenten-, Fragmenten und Bildermaterial aus dem Leben und Wirken Theodor Herzls in den Jahren 1897—1904 Broschiert RM 6.50, Leinenband 8.50 Jüdischer Buch" und Kunstverlag BRÜNN, Adlergasse 9 (Tschechoslowakische Republik)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.