Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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l^vMM-.MnniHMn.imiiiliimiililllllllllllllimilllllM Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 4. Juli 1929 Nummer 27 Zionistische Götzendämmemng In der letzten Woche hat sich in Oesterreich ein die (zionistische) Welt erschütterndes Ereignis abgespielt. Es fanden nämlich die Kongreßwah- 1 e n statt, d. h. es wurden diejenigen drei Delegierten ermittelt, die Oesterreich auf dem Zionistenkongreß zu vertreten haben. Der Wahlvorgang ist hierbei der, daß wahlberechtigt nur Besitzer von Schekeln sind. Der Wahl ging also eine sehr eifrige Schekelpropaganda voraus, deren Ergebnis — aber wir wollen nicht vorgreifen. Es kandidierten nicht mehr und nicht weniger als sechs Parteien (wir haben's ja), von denen wichtig nur drei waren; die für die anderen Gruppen aufgebrachten Stimmen wurden der sogenannten „Weltliste" der betreffenden Parteien zugerechnet. Die drei wichtigeren Listen waren die der „demokratischen" Zionisten (Ing. Robert Stricker, Dr. Israel Waldmann), die der „allgemeinen" Zionisten, d. i. die offizielle Gruppe um das derzeitige zionistische Landeskomitee (Dr. Desider Friedmann) und die Poale-Zionisten. Die beiden letzteren Parteien gingen gekoppelt gegen die Liste Strickers vor, um diesen zu Fall zu bringen. Was war aber das Ergebnis? Bei der am 25. d. stattgefundenen Wahl der Delegierten zum XVI. Zionistenkongreß haben in Wien folgende Listen folgende Anzahl von Stimmen erhalten: allgemeine Zionisten 862, radikale Zionisten 1602, für das arbeitende Palästina (Hitachduth und Poale Zion) 663, Revisionisten 192, die Misrachi-Liste 172. Ing. Stricker hat also einen fabelhaften Sieg über die gekoppelten gegnerischen Listen errungen, er bekam für seine Liste allein mehr Stimmen als die beiden anderen zusammen. Die offizielle Friedmann- Liste hat er um beinahe das Doppelte übertroffen, seine Partei wird wahrscheinlich mit zwei Delegierten auf dem Zionistenkongreß vertreten sein, während Dr. Friedmann sich dort in splendid isolation, wie der Engländer sagt, befinden wird. Der Erfog Strickers ist um so bedeutsamer, als dieser sich bekanntlich in heftigster Opposition zum gegenwärtigen zionistischen Landeskomitee befindet, aus dem sich seine Partei schon seit langer Zeit vollständig zurückgezogen hat. Nun hat er diesem von ihm so radikal befehdeten Landeskomitee einen empfindlichen Schlag versetzt, von dem es sich •V wohl kaum so bald erholen wird. Strick^jg^aeshalb recht, wenn er in seiner Wahlbetracntung, die schon die oben angegebene Stimmenzahl enthält, folgendes schreibt: JDer Ausgang der Wahl wird auch notgedrungen auf die zukünftige Entwicklung und Leitung der österreichischen zionistischen Organisation von bestimmendem Einfluß sein." Vorderhand äußerte sich der für sie so blamable Ausgang der Wahl bei unseren wohl ganz konsternierten offiziellen Zionisten in einer wüsten Schimpferei der „Stimm e" über Strickers angebliche Wahlpraktiken. Das Resultat ist ihr zwar angeblich noch nicht bekannt (zur gleichen Stunde bringt das Stricker-Blatt das Ergebnis), aber in Vorahnung dessen, was kommen wird, schimpft sie drauf los, als ob es gegen die — „Union" ginge. Ihr Artikel ist für uns so lehrreich, daß er zur Erbauung unserer Leser hier auszugsweise wiedergegeben sei: „Diese Wahl war eine Schmach! Korruption. Schwindel, Schekelschacher, wie er wohl in keinem Lande der Welt wo Zionisten zur Wahl gegangen sind, vorgekommen ist und vorkommen kann, all dies war für unsere einheimischen „Demokraten" gut genug, um Herrn Stricker als Geschenk zu seinem 50. Geburtstag, wie das Wahlschlagwort lautete, die Reise nach Zürich zu ermöglichen. Scham und Empörung mußte einen jeden Zionisten ergreifen bei der „Demokratie" unserer scheinheiligen Streber. Da schleppte man mit den Autos wildfremde Menschen, die man noch nie in zionistischen Versammlungen gesehen hat. die niemals auch nur ein Wort über Zionismus gehört haben und kennen, da kamen organisierte Sozialdemokraten, die für den Wahlschwindel der Herren Demokraten gut genug sind, um sie morgen nach getanem Dienst anzurempeln, da schickt man sogar ins Wahllokal des Praters ein nichtjüdisches Dienstmädchen zur Urne, das noch rechtzeitig entlarvt wird. Die Herren Demokraten zionistischer Färbung haben das traurige Verdienst, die Praktiken der Drohobyczer und Tarnopoler assimilatorischen Wahlmacher in das zionistische Lager verschleppt zu haben. Dieselben, die in ihrer politischen Doppelzüngigkeit Sturm liefen gegen die Jewish Agency und knapp vor dem Kongreß umfielen, dieselben, die ein Jammergeschrei erheben, weil die nichtzionistischen Vertreter der Jewish Agency nicht nach streng demokratischen Prinzipien gewählt werden, verschenkten tausende Schekalim an jedermann ohne Rücksicht darauf, ob er Zionist. Antizionist, Assimilant oder Sozialdemokrat ist, nur damit das Wahlgeschäft gemacht wird, ist ihnen jedes Mittel gut genug gewesen. Ein wahres Panoptikum kleiner Existenzen und verkrachter Politiker, das war das Bild unserer demokratischen Zionisten. Geld, das sie ja sonst als „reine" Zionisten nicht allzu hoch schätzen, macht alles; Geld verschafft einige tausend Schekalim, Geld macht den Schlepperdienst und Geld macht auch bekanntlich Mandate. Die Herren Demokraten haben gegen den überwältigenden Volkswilleij