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Die Wahrheit · 1929-06-07 · Heft 23 (7.6.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 23 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHHHMlt Wieder hat eine Gruppe hakenkreuzlerischer Studenten, deren Mitglieder sich legitimieren können, unterstützt von nichtstudentischen Elementen, ohne jeden Anlaß jüdische Universitätshörer beschimpft und mißhandelt. Den nichtstudentischen Helfern bei diesen Exzessen würde es, wenn man ihre Namen erführe, beiläufig so ergehen wie anderen Strolchen, die einen Passanten überfallen. Zu ihrem Glücke verlangt man aber von diesen Mitläufern niemals eine Legitimation. Man nimmt an, daß sie die würdigen Bundesgenossen der legitimierten hakenkreuzlerischen Studenten sind. * * * Das geschah in der Aula, in der bekanntlich seit langem schon Unanständigkeiten sich hemmungslos austoben. Diesem Skandal folgten jedoch Szenen wüstester Art in einem Kaffeehaus, in das provozierende Hakenkreuzler den Zionisten gefolgt waren. Auch da hatte der Knüttel nicht das letzte Wort. In einem Falle wäre es beinahe zur sogenannten „ritterlichen" Affäre gekommen. Ein Zionist forderte für ein böses Schimpfwort Satisfaktion. „Einem Juden gebe ich keine!" brüllte der Hakenkreuzler. Da begnügte sich der von Rassenvorurteilen freie Zionist mit einer Satisfaktion, die er sich selbst nahm; er gab seinem Beleidiger eine weithin schallende Ohrfeige. Diese war so mächtig ausgefallen, daß Ohren- und Augenzeugen, Christen, Juden und Hakenkreuzler anerkannten, der Jüngling, der dem Juden keine Satisfaktion geben wollte, hatte von einem Juden doch genug bekommen. Der Jude hatte sich an das Wort des Evangeliums gehalten: Geben ist besser als nehmen. * * * * Das Unterrichtsministerium muß sich wegen der in der jüngsten Zeit erfolgten Besetzung mehrerer Primariate abermals den Vorwurf gefallen lassen, es werde weniger von sachlichen als von persönlichen Momenten geleitet. Insbesondere wird gerügt, daß der durch, seine wissenschaftlichen Leistungen hervorragende Professor Finsterer übergangen wurde, weil Platz für den Schwiegersohn eines den Hakenkreuzlern überaus sympathischen Mannes geschaffen werden sollte. Es ist wirklich ominös, daß selbst diese Ernennung einen neuerlichen Beweis dafür erbringt, daß es in Oesterreich immer — finsterer wird. * o * * „Bravo Reichspost!" mag wahrhaftig mancher Jude ausgerufen haben, falls er die Notiz in dem Blatte gelesen, in dem einigen christlichen Geschäftsleuten mit Bezug auf eine Episode anläßlich der Fronleichnamsprozession die Leviten gelesen und einem jüdischen Trödler Lob und Anerkennung gezollt wurden. „Eine Groteske — schreibt nämlich die „Reichspost" — die hoffentlich von denen, die es angeht, entsprechend empfunden werden wird, ergab sich in der Neustiftgasse. Dort hatte ein ehrsamer jüdischer Trödler seinen Laden am katholischen Feiertag geschlossen, während in nächster Nachbarschaft christliche Geschäftsleute, die gelegentlich ihren Antisemitismus sehr betonen, offen KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERTl/INN EBENSP/iNQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-5-15 hielten. Der Jude hatte anscheinend mehr Respekt vor dem katholischen Feiertag als sie." Es ist erfreulich, daß die „Reichspost", was in jüdischen Blättern so oft konstatiert wird, auch einmal bemerkt, nämlich, daß viele nur in der Betonung des Antisemitismus ihr Christentum dokumentieren. Das Verhalten des „ehrsamen" jüdischen Trödlers wird übrigens niemanden überraschen, der weiß, daß es keinen Rabbiner gibt, der nicht die Lehre verkündet, daß es heilige Pflicht sei, die religiösen Empfindungen welcher Glaubensgemeinschaft immer zu respektieren. * * * Die Blätter berichteten dieser Tage über ein Interview mit dem Gerichtspräsidenten in Kaschau, der u. a. bemerkte, die Anklage gegen die Zigeuner habe sich schon darum lediglich auf Mord beschränkt, weil kein Paragraph eines europäischen Strafgesetzes von Menschenfresserei spricht. Das ist eine ausgezeichnete Erklärung für die ansonst auffallende Tatsache, daß in Oesterreich von den vielen — Judenfressern, die in der hakenkreuzlerischen Provinzpresse offen ihr Metier bekennen, kaum einer auch nur die geringste Angst vor dem Staatsanwalt verrät. * * * General Ludendorff hat sich mit den wegwerfendsten Ausdrücken über das wirklich harmlose Buch geäußert, das seine erste Frau unter dem Titel „Als ich die Gattin Ludendorffs war" veröffentlichte. Ludendorff tut seiner ersten Frau bitteres Unrecht. Auch wenn sie das Schlimmste über ihn geschrieben hätte, es würde ihn lange nicht so kompromittiert haben als das, was seine Frau mit ihm und für ihn geschrieben. Ego, Konkurs. In der Israelitischen Kaltusgemeinde in Wiener- Neustadt ist ab 1, September die Stelle eines tüchtigen tteligionsleftvews und feftwetüvs zu besetzen. Bewerber, welche die diesbezüglichen, grundlichen Studien nachweisen können, einen streng religiösen Lebenswandel fuhren, die deutsche Sprache in Wort und Schrift vollkommen beherrschen, mögen ihre selbstgeschriebenen Offerte samt Zeugnisabschriften dem Kultusvorstande bis zum 15. Juli d. J. einsenden. jCedige, mit &nßmnasialmatuva versehene 3£anAUlaten irerden fievorxugf. Der Kultusvorstand

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