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Die Wahrheit · 1929-05-24 · Heft 21 (24.5.1929) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 21 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: Wi«n II., Heiaestrafte 1fr. lt — TetepfcOn R42-2-16 XLV. Jahrgang _Wien,fcft. Mai 1929_Nummer 21 Englands „glückliche" Palästinapolitik. Der staatliche und wirtschaftliche Zustand im Heiligen Lande bildet heute ein Unikum unter den Staatengebilden der Erde. Während einerseits die englische im Auftrage des Völkerbundes ausgeübte Mandatsregierung nicht nur ein allgemeines Parlament zu schaffen nicht in der Lage war, sondern sich auch die rechtliche Möglichkeit gesichert hat, die schwachen Ansätze zu einer Selbstverwaltung der Gemeinden — und damit auch der j ü d i s c h e n! — zu unterdrücken, Palästina also als reinen Kolonialstaat behandelt, zieht das Land anderseits die Möglichkeit seines wirtschaftlichen Aufstieges nicht zum wenigsten aus den Beiträgen der Judenheit der ganzen Welt. Parallel zu den Bemühungen von nationaljüdischer Seite, hier eine „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" entstehen zu lassen, verfolgt England die konsequente Politik, ein Dominion zu schaffen, ähnlich Australien, Kanada und Südafrika. Die genannten Länder jedoch verstehen es, sich aus eigenen, d. h. im Lande selbst aufgebrachten Mitteln zu erhalten, während Palästina die finanzielle Hilfe der Judenheit in aller Welt in Anspruch nimmt und für die Zukunft mehr als je erheischt. Es handelt sich hier nicht allein um die Gelder des jüdischen Nationalfonds; auch die Alliance israelite, die riesigen Rothschildschen Stiftungen, der Keren Hajessod, die orthodoxen Organisationen, der Hilfsverein der deutschen Juden und last not least mannigfache amerikanisch-jüdische Organisationen, alle brachten und bringen noch heute gewaltiges Kapital ins Land, das dort arbeitet. Gerade gegenwärtig beschäftigen die jüdische Oeffentlichkeit die Bestrebungen, durch Erweiterung der Jewish Agency das jüdische Interesse am Heiligen Lande weiter zu fördern, wodurch in noch höherem Maße jüdisches Geld aus aller Welt nach Palästina fließen wird. Daß dieses im Lande arbeitende, nicht nur englisch-zionistischen, sondern den Geldbörsen der zionistischen und nichtzionistischen Judenheit aus aller Welt entstammende Geld zur Verwaltung Palästinas mit beitragen muß, daß Steuern, Zölle, Ueberschüsse aus den Betrieben von Post und Eisenbahn usw. die Ausgaben für die Verwaltung des Landes bestreiten müssen, ist selbstverständlich. Bedauerlich dabei ist nur, daß trotz des gewaltigen jüdischen Anteils an der Finanzierung von Handel und Wandel im Heiligen Lande dennoch Klagen über die englischen Verwaltungspraktiken häufig sind; erst kürzlich wurde in der Unterhausdebatte ausgesprochen, daß die englischen Beamten sogar durchaus antisemitisch eingestellt seien. Man nahm bisher an, daß bei alledem die Einnahmen Palästinas bestenfalls die Ausgaben decken würden und daß England also seinen kostspieligen dortigen Verwaltungsapparat mit aus eigenen Zuschüssen speisen müsse, eine Annahme, die von englischer Regierungsseite auch wiederholt konstatiert wurde. Diese Opferwilligkeit Englands erscheint jedoch blitzartig in einem ganz anderen Lichte durch die Aeußerung des englischen Kolonialministers Amery, der im Unterhause erklärte: „Palästina verursacht uns überhaupt keine Kosten mehr, sondern dieses Land steuert im Gegenteil noch 30.500 Pfund, also die größere Hälfte, zur Erhaltung der transjordanischen Grenzmacht und der militärischen Luftkraft bei." Es ist nur logisch, daß er hinzufügt: „In Palästina hatten wir mit unserer Verwaltung viel Glück. In den zehn Jahren unserer Mandatsausübung verfolgten wir e i n e P o 1 i t i k, die den bestenlnteressen diente." Und Commander Kenworthy, der Vertreter der Opposition, sagte in der gleichen Unterhaussitzung: „Die Juden haben 10 Millionen Pfund in Palästina investiert: Gelder, die unter alt und jung, arm und reich, unter den Juden der englischen Dominions und Amerikas, wie unter den verarmten Juden Polens, Rumäniens und anderer Länder aufgebracht wurden. Palästina kostet England nichts mehr. Das Land bestreitet aus Eigenem die Ausgaben der englischen Garnison undder Luftstreitkräfte und trägt noch zu einem großen Teil zum Unterhalt der transjordanischen Grenzmacht bei. Es Ist

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