Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12! Marienbad ~W Franzensbad | | RffTAuTATr^ofdenerScdlvsser Granö Ttesteursnt „fürstepfjof" \ \ streng orthodoxe Küche 1^3 SltHOH RSSlü ^2 streng orthodoxe Küche n»»;: ] schwere Schuld auf sich geladen. Nur ganz schwache, unbedeutende revisionistische Stimmen wurden laut, die, weil sie nichts gewollt, als opponieren, verhallt sind. Die zionistische Organisation Oesterreichs hat mit dieser Tagung endgültig bewiesen, daß sie für die Gesamtbewegung nichts mehr bedeuten kann, als eben ein Vertretungskörper einer kleinen Zelle. Dr. Leo Goldhammer wurde gezwungen, das Präsidium des Landeskomitees weiterzubehalten, und hat einige neue Mitarbeiter erhalten, mit denen er das Werkel weiter führen wird." Nach Borkum Wiesbaden? Die deutschen Nationalsozialisten haben sich seit einiger Zeit unter Führung des sattsam bekannten Agitators Münchmeyer, des „Borkum-Pfarrers" traurigen Angedenkens, daran gemacht, Wiesbaden zu erobern. Sie fanden zunächst auch bei einem Teil der Stadtbehörden willige Unterstützung, und es drohte der Stadt Wiesbaden die Gefahr, ein Haupttummelplatz antisemitischer Ausschreitungen zu werden. Was das für das W e 11 b a d Wiesbaden bedeutet hätte, ging deutlich aus verschiedenen Aeußerungen der Presse hervor. Die Wiesbadener. Wochenschrift „Das Wochenende" prophezeite für den Fall des Gelingens des nationalsozialistischen Planes, „Wiesbaden soll judenrein werden", der Stadt folgendes Schicksal: „Herabsinken der Weltkurstadt auf eine Bedeutung wie sie das judenreine Bad Borkum hat." Der „Eclaireur de Nice" schrieb: „Die Stadt Wiesbaden will eine Weltkurstadt sein; glaubt sie, ihr internationales Renommee fördern zu können, indem sie solche Beweise antisemitischer Gesinnung gibt?" Holländische Blätter endlich warnen bereits vor dem Besuch Wiesbadens in Hinblick auf den dort zu beobachtenden Antisemitismus. Dieses Echo der antisemitischen Hetze hat nun auch die interessierten Kreise Wiesbadens selbst auf den Posten gerufen, Eine Versammlung von Hoteliers und anderen in Betracht kommenden Kreisen Wiesbadens wandte sich scharf gegen das Treiben der Nationalsozialisten, das für den gesamten Kurbetrieb durch das Ausbleiben von Kurgästen verhängnisvolle Folgen haben müßte. Es wurde beschlossen, der verantwortungslosen Hetze durch geeignete Maßnahmen zu begegnen und bei den städtischen Behörden vorstellig zu werden, von denen man endlich ein energisches Eingreifen erwartete. Diese Abwehraktion hat auch bereits einen Erfolg zu verzeichnen. Die Nationalsozialisten hatten den Tag eines in Wiesbaden abgehaltenen Medizinerkongresses zu einer Demonstration ausnutzen wollen, zu der ein großer Aufmarsch ihrer Verbände aus Nassau, Hessen und der Pfalz vorgesehen war. Dieser Aufmarsch wurde von der Polizei verboten. Wiesbaden scheint also kein Festlands-Borkum werden zu wellen. Die Verfassung der Jewish Agency. Bei einem in New York-Brooklyn abgehaltenen Diner des United Palcstine Appeal hielt Louis M a r s h a 11, Präsident des American Jewish Committee und Repräsentant der nichtzionistischen Palästina-Freunde in den Vereinigten Staaten, eine bedeutungsvolle Ansprache. Er teilte u. a. mit, daß der Verfassungsentwurf der erweiterten Jewish Agency bereits fertiggestellt ist, daß die Jewish Agency laut diesem Entwürfe aus 200 oder 210 Mitgliedern bestehen werde und daß 44 nichtzionistische Agency-Vertreter aus den Vereinigten Staaten bereits erwählt worden sind. Wir werden, fügte Louis Marshall hinzu, nach dem 16. Zionistenkongreß, der im Juli d. J. in Zürich stattfindet, zu einer Versammlung mit den Zionisten gehen; in dieser Versammlung werden Zionisten und Nichtzionisten gemeinsam die Jewish Agency-Verpflichtungen auf sich nehmen. VffnlDochezu IDoche Konzert jüdischer Musik. Der Verein zur Förderung jüdischer Musik und der Wiener jüdische Gesangverein veranstalteten Samstag, den 27. April, im Festsaal des Industriehauses ein Konzert jüdischer Musik. Das überaus sorgfältig gewählte Programm brachte den Zuhörern, unter denen man den Präsidenten der Kultusgemeinde, Prof. Dr. Alois Pick, den Vizepräsidenten Doktor Jakob O r n s t e i n, Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, Rabbiner Dr. A. Z. Schwärz, Amtsdirektor Regierungsrat Fuchsgelb bemerkte, einen erlesenen künstlerischen Genuß. Das reiche edle Stimmenmaterial der mitwirkenden Sänger und Sängerinnen, vom Chormeister A. D z i m i t r o ws k y meisterhaft geführt, brachte Vollendetes zu Gehör. Die Uraufführung A c h r o n s Elegie (zum Andenken an J. Engel) und Engels Suite aus der Musik zur dramatischen Legende „Hadibuk" gab den Orchestermitgliedern der Vereinigung Israel Brandmann (Violine), Kurt Fuchsgelb (Bratsche), Wally Gara (Cello), Dr. Hans L e w i 111 s (Klarinette), Else Stein (Violine) und Joachim Stutschews k y (Cello) Gelegenheit, ihr ausgezeichnetes Können zu dokumentieren, und wurden die Darbietungen der jugendlichen Künstlerschar von dem zahlreich anwesenden Publikum durch reichen Beifall gelohnt. Des genialen Großmeisters Professor Julius Wolfsohns meisterhafte Produktionen am Flügel wurden mit wahrer Begeisterung aufgenommen. Die von Fräulein Thea Gott lieb gesungenen drei hebräischen Lieder von Brandmann (von Kurt Fuchsgelb [Violine! und Dr. Daniel Zins [Klavier] hervorragend begleitet), sowie die Solovorträge des Herrn Oberkantor Simon Weiß und des Fräulein Grete Körner übten auf die Zuhörer ebenfalls einen nachhaltigen Eindruck aus. Alles in allem ein schöner Konzertabend, auf den die Veranstalter stolz sein können. Der Verein verdient überhaupt eine größere Unterstützung, als ihm bisher zuteil wurde. „Das neue Europa" (Zürich—Wien—Berlin). Immer mächtiger ringt sich das tiefe Friedensbedürfnis der Völker zur Geltung durch; obwohl auf den Etappen zum Wege der Völkerversöhnung noch vielfach ernste Schwierigkeiten bestehen, arbeiten die Prominenten der Staatskunst, Weltwirtschaft und Weltkultur an diesem Werke mit ungeschwächter Energie und Tatkraft fort und finden dabei die kräftige Unterstützung einer mit beispielgebender Zähigkeit und Unverdrossenheit für diese Ziele und Ideale mitkämpfenden Publizistik. Wir sehen da seit 15 Jahren immer an einer der ersten Stellen diese von Dr. Paul Hohenau herausgegebene Zeitschrift. In dem soeben zur Ausgabe gelangten dritten Jahreshefte finden wir mit überaus interessanten Beiträgen eine Reihe von Persönlichkeiten vertreten, deren Aeußerungen schon vermöge ihres hohen internationalen Ansehens in der breiten Oeffentlichkeit beider Kontinente Beachtung und Widerhall finden dürften. Was Raymond P o i n c a r e und Viscount D'Abernon in fesselnder Weise aus ihren Denkwürdigkeiteif bringen, zeigt, daß diese dereinst eine wertvolle Fundquelle für die Geschichtsschreiber des Weltkrieges bilden werden. Die Senatoren Henri de Jouvenel und Charles D umont, die bekannten französischen Politiker, sprechen mit Verständnis und Klarheit über Friedensgedanken in Washington und Paris und über Abrüstung und Sicherheit. Bemerkenswert sind auch die Ausführungen des bekannten politischen Publizisten Auguste Gauvain über Oesterreich und Frankreich, von ganz hervorragender Bedeutung jene des türkischen Ministerpräsidenten General Ismet Pasche über den Friedenswillen Kemal Paschas und des ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten Julian Nowak über die Lage in Polen. Guglielmo Ferrero, dieser heute bedeutendste Geschichtsforscher Italiens, weiß über Demokratie und Monarchie in Europa mit der Leuchtkraft eines abgeklärten Geistes