Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-03-08 · Heft 10 (8.3.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064207--16988-3087073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Preis dieser Nummer 50 Ooschen ^idimWoJmJ^ jrift 4mm V«r«ffe»tildmfig«ß der „Union deutschester*. Juden* nd des „Amtliche* Verlautbarungen der Israelitischen Knlrnstfemelnde Wien" Redaktion und Administration: Wien II., Heinestrafie Nr. 13 — Telephon R42-2-18 XLV. Jahrgang Wien, 8. März 1929 Nummer ,er JLQh* tffäfa Im Klubfauieuil. In der vorigen Woche wurde der „Oesterreichische Klub" gegründet. An seiner Spitze steht ein bekannter Wiener Großindustrieller, sein Initiator ist ein Prinz von Geblüt und an der Feier nahmen führende sozialdemokratische und christlichsoziale Politiker, Bankleute und Industrielle, Gelehrte, Publizisten und Theaterdirektoren teil. Mit einem Wort, eine im guten Sinne gemischte Gesellschaft. Was will nun dieser „Oesterreichische Klub"? Sein Initiator, Prinz Rohan, sagte es in seiner Eröffnungsrede: Man will ein gemeinsames Heim für alle jene schaffen, die an Oesterreich und seine aus eigener Kraft zu erringende, bessere Zukunft glauben, ein neutrales Refugium, in dem nicht Politik gemacht, aber die politischen Menschen einander persönlich näher gebracht, die sachlichen Gegensätze durch gegenseitiges, näheres Kennenlernen gemildert werden sollen. Das ist sicherlich ein löblicher und guter Gedanke. Gerade in der heutigen Zeit der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zerrissenheit fehlte eine Stätte, wo die Menschen, die sich gewöhnlich nur aus sachlichen Motiven bekämpfen, zusammenkommen können, wo der Mensch zum Menschen sprechen kann und die Härte der Gegensätze durch das persönliche Verstehen wenn auch nicht schwindet, so doch gemildert wird. Früher einmal gab es solche Refugien in Wien. Das waren die vielen Salons, in denen sich die Menschen der verschiedensten Anschauungen trafen und aussprachen, eine Aussprache, die oft genug ihre segensreichen Früchte zeitigte. Es bildet einen Ruhmestitel für die Wienerjudenschaft, daß diese Salons meist in jüdischen Händen lagen, daß ihre Besitzerinnen jüdische Frauen waren, die mit ihrem Esprit dominierten und dem Ganzen ein schönes Gepräge zu geben verstanden. Das war einmal .... Nun war es erst der Willenskraft weitsichtiger Männer vorbehalten, die Menschen zu vereinen, die sich draußen im öffentlichen Leben befehden, um hier im Klubfauteuil Worte zu sprechen, die man in der politischen Arena vergeblich zu hören sucht. Es war wirklich beste Gesellschaft von links und rechts, die da zusammenkam, neben dem Großindu^ striellen saß der Arbeiterführer, neben dem Freidenker — der geistliche Bundeskanzler Dr. Ignaz S e i p e 1. Denn auch er war gekommen. Und er, von dem man in letzter Zeit leider nur Worte der Intoleranz gehört hatte, die mit seiner geistlichen Würde schwer zu vereinen waren, sprach Worte der Milde und der Hoffnung. Das, was er gesagt, muß festgehalten werden, denn allzu oft hat man Dr. lgnaz Seipel schon anders vernommen. Die Menschen, sagte er, über die Grenzen der Nationalität, der Weltanschauung, der Partei, des Standes und Berufes einander menschlich näher bringen zu wollen, ist echt österreichisch. Er halte sehr viel von dieser praktischen Methode der Versöhnungsarbeit. Versöhnungsarbeit?! Sie sollte wohl das Ziel der Kirche sein, deren hoher Würdenträger Prälat Dr. Seipel ist. Ist sie aber auch das Ziel jener Partei, deren Chef der Bundeskanzler Dr. Seipel ist? No^h prangt in deren Parteiprogramm als Schandfleck der Punkt, der von der „Bekämpfung des überragenden jüdischen Einflusses" spricht. Ist das „echt österreichisch und gut österreichisch"? Wir Juden bilden uns sicherlich nicht mit Unrecht ein, zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung Oesterreichs erheblich beigetragen zu haben, die jüdischen Industriellen, Gelehrten, Publizisten und Theaterdirektoren, in deren Mitte Dr. Seipel weilte, als er im „Oesterreichischen Klub" die salbungsvollen Worte von der „Versöhnungsarbeit*' sprach, sind Zeugen für diese starke Anteilnahme der Juden an dem Aufschwung unseres Landes. „Versöhnungsarbeit" und „Bekämpfung", da klafft ein Widerspruch, wie er immer wieder aufscheint, wenn der Mensch und wenn der Politiker Dr. Seipel spricht. Der „Oesterreichische Klub" will solchen Widersprüchen durch das Zusammenbringen von Mqir-i sehen gegensätzlicher Richtungen ihre Härtere-■ne-h« men. Es gibt in unserem Lande leider sc#r Viele solcher unüberbrückbar scheinender Gegensätze, die Judenfrage ist nur ein wunder., PupJt-';'Irr,' irriserer .,hohen" Politik. , '■■■■]."V■;: ■ - :; Der einfache Bürger .^-aber»/ tfer uich* zu den „Prominenten" gehört] 'd>re! da im. Kliitbtameuii zusammenkamen^ fragt(slfch;!':tyftd . dieses rtinife^ nehmen aueföftfn^^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.