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Die Wahrheit · 1929-03-01 · Heft 9 (1.3.1929) · page 17

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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DIE WAHRHEIT »' Seite 17 VmWo&ezulDocke Teinpelvercin des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. Unter Vorsitz seines Obmannes, Herrn Direktor Anton Stein, fand Sonntag, den 24. Februar d. J„ 10 Uhr vormittags, im Zeremoniensaal des Neudesger Tempels die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Der Vorsitzende hieß unter anderen den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Börserat Ignatz Glück, sowie die Vertreter der verschiedenen Tempelvereine herzlichst willkommen und widmete dann den im Laufe des Geschäftsjahres verstorbenen Mitgliedern Worte des Gedenkens. Sodann brachte Redner das herrliche Jubiiäumsfest anläßlich des 50jährigen Bestandes des Tempels sowie des 25jährigen Amtsiubiläums des verdienstvollen Rabbiners Dr. Bauer in Erinnerung und dankte ganz besonders Herrn Ing. O. H 1 awatsch für das gelungene Arrangement. Aus dem von Herrn Ing. Hlawatsch in Vertretung des erkrankten Schriftführers Ignatz Pol lach erstatteten Tätigkeitsbericht war zu entnehmen, daß angesichts der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse die finanziellen Schwierigkeiten nur mit Mühe und durch die Opferwilligkeit der Vorstandsmitglieder und Mitglieder überwunden werden konnte. Sodann ergriff, lebhaft akklamiert, Börserat I. Glück im Namen der Wiener israelitischen Kultusgemcindc und in seiner Eigenschaft als Präsident der Vereinigung der Wiener Tempelvereine das Wort und präzisierte in zutreffender Weise das Verhältnis der Mutcergemet'nde zu den Tempelvereinen. Er reagierte auf den Rechenschaftsbericht und auf einzelne Bemerkungen der verschiedenen Redner und konstatierte, daß die Leistungen des Vereinsvorstandes und seiner Mitglieder gerade im Hinblick auf die Not der Zeit gebührend einzuschätzen sind. Er ersucht den Vorstand und die Mitglieder, auch fernerhin ihre Pflicht zu tun und versichert, daß sich auch die Kultusgemcindc ihrer Pflicht voll und ganz bewußt ist. Zur Nachahmung empfohlen! Der durch seine Wohltätigkeit bekannte Großindustrielle Hans Engel hat zur Linderung der großen Not der Wiener Armen zwei Waggons Kohle gespendet. Anläßlich des zehnjährigen Jubiläums des Jüdischen Hilfsvereines Prater hat das Vorstandsmitglied Herr Koppel R e i c h m a n n 100 Säcke Kohle dem Vereine mit der Bestimmung gewidmet, sie an die notleidende Bevölkerung des Praterviertels ehestens zu verteilen. Petenten wollen sich an den Vereinsvorstand (Sitz: Cafe „Wien", II., Stuwerstraße 1) schriftlich wenden. Konzert. Sonntag, den 17. d. M.. gab Herr Israel Alter, erster Kantor in Hannove r. im Festsaale des Hotel Continental, II.. Taborstraße. ein Konzert. Wir hatten schon wiederholt Gelegenheit, die Leistungen dieses Künstlers zu bewundern, und so waren auch diesmal seine Darbietungen gut gewählt und erstklassig ausgeführt. Man kann ruhig Aufruf? Die vom Staate seit einem Jahre neu errichtete und von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien befürwortete israelitische Strafseelsorge in Stein a. d. D. hat seit Wochen und Monaten auf das beispiellose Elend der Entlassenen und Begnadigten hingewiesen, denen, wenn sie wirklich reuig sind, mit materiellen und moralischen Hilfsmitteln der Weg zur Erlangung der Menschenwürde gebahnt werden soll. Es gilt zu raten und zu beraten, zu helfen und zu retten. Ein ganz kleiner Kreis von Männern und Frauen hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Organisation zu schaffen, deren Ziel es sein soll, diese Menschen wieder aufzurichten, diesen Ausgestoßenen zu helfen und ihr neues Leben mit Liebe und Mitleid zu durchdringen. Männer und Frauen, die Mitgefühl mit diesen Verzweifelten unseres Erdendaseins haben, mögen ihren Beitritt zur individuellen Sträflingsfürsorge bei den unterzeichneten Herren anmelden und ihre edle Hilfsbereitschaft ankündigen. Professor Dr. K. Kupfer, Dr. Ernst Feldsberg, Isr. Strafseelsorger und Für- Wien, I.. Rockhgasse 4. sorger in Stein a. d. D. Wien, VIII., Albertgasse 26/21. frieirierilNisft Seltanstttttengass« 2 Tai. U 28-1-28 XI., Zentralfrledhof, neben dem 1. Tor, Tel. U18-0-83 sagen, daß Alter nicht nur zu den besten Sängern, sondern auch zu den vorzüglichsten Interpreten seines Faches zählt. Das Programm bestand eigentlich aus drei Teilen, wenngleich es durch die Pause zweiteilig erschien. Den ersten Teil bildeten drei großangelegte Hebräische Rezitative: Erstes und Drittes sind dem Gebete entnommen, das Mittlere, von Alter selbst vertont, hat als Text einen Passus aus den Sprüchen der Väter. Bei diesem ersten Teil des Programms zeigte Alter, daß er alle Quaiiiikationen besitze, welche einem vorzüglichen Chasan eigen sein müssen. Große, wohlgebildete und durchwegs ausgeglichene Stimme, gründliche Kenntnis des Hebräischen und die richtige phonetische Behandlung dieser Sprache, endlich eine feinempfindende Vortragsweise. Es folgten drei italienische Arien, welche Alter mit vollendeter Technik und gutem Geschmack vortrug. Den letzten Teil bildeten jüdische volkstümliche Lieder: hier zeigte Alter eine ganz neue Art der Behandlung dieses Genres. Als echtes Kind des Ostens erfaßte er jedes Lied, textlich und melodisch richtig und brachte es ohne iede Künstelei, aber mit wahrer künstlerischer Behandlung zu Gehör, So war denn der reiche Beifallssturm, der den Künstler lohnte, wohlverdient, und man hatte den Eindruck, daß dieser Beifall keine Konvention sei. sondern dem Publikum aus dem Herzen kam. Die Begleitung am Klavier wurde bei den hebräischen und jüdischen Gelängen von Herrn David Reisenmann, bei den italienischen Arien von Herrn Wilhelm Bund besorgt. N. Z. Verein der Kinderireunde zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk in Wien, Sitz: XVI.. Hubergasse 8 (T e m p e l g e b ä u d e). In den letzten Wochen hat dieser Verein 150 arme jüdische Schulkinder mit Schuhen. Kleidung und Wäsche vorzüglicher Qualität versorgt. Funktionäre der Kultusgemcindc und Vertreter öffentlicher Behörden waren Zeugen der großartigen Aktion. Die enormen Kosten, welche diese fortgesetzte Hilfsbereitschaft verursacht, hat unsere Kassen geleert. Die Kälte hat einen Ansturm der Bittsteller hervorgerufen. Nicht u ngehört dürfen die Hilferufe verhallen! Deshalb veranstaltet die Vereinsleitung, welcher als Ehrenpräsident Herr Kultusvorsteher Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch und als Obmann Herr Oberveterinärrat Heinrich Rosen zweig vorstchen, am 6. März 1929 in Gschwandnc r's Sälen. XVII., Hauptstraße 41, eincWohltätigkeits- Maske n- R e d o u t e. Musik der Kapelle S i I v i n g - G e i s s 1 e r unter persönlicher Leitung. Karten im Vorverkauf zu S 2.50 bei den Vorstandsmitgliedern erhältlich, ferner a m Sitze des Vereines, Tel. A 21-4-89. und im Cafe ,.N e u e W e 1 r XVII.. Hauptstraße 38, Tel. A 23-4-56. Seit 48 J a h r e n entfalten die Kinder f r eund e i h r e s e g e nsre i c h e, k a r i t a t i v e Tätigkeit. Helfen S i e u n s. damit w i r h e Ifen können a r in c n b edrängt e n und frierenden Schulkinder nl S. S. SO. Geburtstag. Herr Moritz Schick. Kassier und Vorstandsmitglied des Brigittenauer Tcmpelvcreines, feierte am?•>. v. M. seinen 50. Gebunstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand herzlicher Ehrungen im Brigittenauer Tempel. Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles hielt an den Jubilar eine innige Ansprache, in der er auch die Verdienste seines in Gott ruhenden Vaters rühmte und hervorhob, daß der Sohn in gleich edler Weise für das Judentum tätig sei. Oberkantor L a nderer rezitierte einen für den feierlichen Anlaß von ihm vtrfa/Ucn Segensspruch. «■■■■■■■■■■■■«■■«■■■■■■«■■•■■■■■■■•■■■■* Für 3jährigen, hübschen Knaben werden israelitische, gut situierte Adoptiveltern gesucht. Gefl. Zuschriften unter „Ohne Abfertigung" an die Verwaltung dieses Blattes.

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