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Die Wahrheit · 1929-02-15 · Heft 7 (15.2.1929) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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miffluumHmHiiHHHranttittimu»^^ Seite 13 Leben der Juden bezwungen haben, verschwanden nach kurzer Zeit, während das Volk der Bibel, d-es Buches aller Bücher, (über alle Stürme der Jahrhunderte und alle Tücken das Schicksals hinaus sich erhalten konnte. Woher dieses Wunder? Die ewigen Wahrheiten der Bibel und der feste Lebensinhalt, den die biblische Ethl'k ihm bot, haben seinen Geist und seine Seele gestärkt, seinen Blick vom Jammer des Alltags zu den göttlichen Höhen emporgehoben. Soll nun das Judentum sein Lebenselement sich auch für die fernen Zeiten erhalten, seine Bedeutung als Träger einer großen religionsethfschen Mission behaupten und nicht in den Unrat des Materialismus und Nationalismus der Jetztzeit versinken, so muß die Pflege der Bibel und die Vertiefung in ihren Geist die Parole für alle unsere geistigen Bestrebungen und vor allem für die Jugenderziehung werden. Die mechanische Erlernung des Hebräischen als Umgangssprache nach Art des modernen Sprachstudiums, wie dies von den Verfechtern einer rein nationalen Erziehung gefordert wird, muß als verfehlt und abwegig bezexhnet werden, da nicht die Kenntnis der Sprache als solcher, sondern die Vertiefung in den Geist unseres alten Schrifttums uns den ewigen Jungbrunnen der Religion erschließen und uns einen sittlichen Halt bieten kann. Die Idee und Geistes weit, in die uns Herr Dr. Deutschländer an diesem Abend einführte, hat uns einen mächtigen Ansporn zum ernsten Nachsinnen ünber diese Fragen gegeben, d:e für die Erhaltung des Judentums als Träger einer großen ethischen und Religionsidee von ausschlaggebender Bedeutung sind. Der Vorsitzende dankte dem Redner für seinen glänzenden Vortrag. In Anscbüuß an diesen hat der Vorstand der „U n i o n" c:!n Bankett zu Ehren des Redners veranstaltet, wobei Herr Prof. Feuerstein in einer Tischrede den prominenten Gast feierte und auf die wohltuende und erfrischende Wirkung seiner Ausführungen hinwies. Herr Dr. Deutschländer hat in Bielitz eine ungemein rege, und. wie es scheint, überaus erfolgreiche- Werbetätigkeit für die Beth Jakob-Bewegung entfaltet, welche die Errichtung von Mädchenlehranstalten zwecks Erziehung im Geiste der Religion und der jüdischen Wissenschaft anstrebt. Die Bielitzer Judenschaft wird Herrn Dr. Deutschland er für seinen Besuch in Bielitz Dank wissen und sich freuen, ihn in nächster Zeit bald wieder als Gast zu begrüßen. s Dr. F. S. Der israelitische Tempelverein für die Bezirke Wieden- Margareten hielt Sonntag, den 10. Februar, um 10 Uhr vormittags, eine außerordentliche Generalversammlung unter Vorsitz seines »angjährigen Obmannes Adolf Hoimann ab, bei welcher Schriftführer Desider W o I in e r einen ausführlichen Bericht über die bisherigen jahrelangen, aufreibenden Kämpfe des Vorstandes für die Aufrechterhaltung d-.s Kultus und der Talmud-Thora-Schule, sowie über die momentane mißliche finanzielle Lage des Vereines erstattete. Der Versammlung lag ein Antrag auf Auflösung dos Vereines und Uebergabe des Tempels an die Kultusgemeinde vor, was den Anlaß gab, daß die erregten Debatten ein Niveau annahmen, das man bisher bei Generalversammlungen von Tempelvereinen, noch dazu, wo diese, wie die diesmalige, an gewe'hter Stätte im TemDel selbst stattfand, nicht kennengelernt hatte. Schließlich gelang es Herrn Kultusvorsteher Börsenrat Ignatz Glück, der als Vertreter der Kultusgemeinde und in seiner Eigenschaft als Präsident der Organisation der Wiener Tempelvereine wiederholt in die Debatte eingriff, die erregten Gemüter zu beruhigen und den Antrag durchzusetzen, daß die folgenschwere Beschlußfassung auf 14 Tage hinausgeschoben wurde. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 16, Februar 1929, um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Konflikt wegen des Rahel-Grabs. Zwischen der Jerusalemer jüdischen Gemeinde und dem Dlstrikskommissar von Jerusalem ist im Zusammenhang mit der Reparaturbedürftigkeit des Rahcl-Grabmals ein Konflikt entstanden. Die Kapelle über dem Grabe bedarf dringend einer Reparatur, die die Jerusalemer jüdische Gemeinde in Angriff nehmen wollte. Der Distriktskommissar aber verweigerte die Erlaubnis zur Durchführung und begründete dies damit, daß neben den Juden auch die Moslems Rechte auf das Grab haben. Die Regierung, erklärte er, wollte selbst für die Reparatur des Grabmals Sorge tragen. Nach dieser Richtung wurde aber von den Regierungsbehörden m\Mi\ Heulst WIEN I., SeltcnstettengatM 8 T«t. ü 28-1-28 XI..Zentralfrl«dhof, neben dem 1. Tor, Tel. U18-0-85 nichts unternommen. Von jüdischer Seite wurde beim Oberkonimissar Sir John Robert Chuncellor interveniert. Verein iür jüdische Geschichte und Literatur in Wien, IL, Ferdinandstraße 23/8. Montag, den 18. Februar 1929. findet im Klubsaale der „Hakoah", I., Wipolmgcrstruße 24—26 (Cafe Altes Rathaus, Eingang durchs Haustor), ein Vertrag des Herrn Rabbiner Dr. Moritz Bauer über: „Die Freude im Judentum" statt. Beginn %8 Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Universitätsvorträge des Maimonides-lnstitutes über hebräische Literatur und Geschichte des Judentums im Hörsaal 34 der phil. Fakultät vom Dozenten am Institut Herra Dr. A. Kamiuka Mittwoch, 20. Februar 1929. um halb 7 Uhr abends, über: „Die älteste Geschichte der Juden in Rom und Südiralien". Predigten in den israelitischen Gemeindetempein. Freitag, den 15. Februar 1929 werden bei dem um 5 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in folgenden Gemeindetempein Predigten abgehalten, und zwar: L, Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. ürunwald); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). Im Gemeindetempel XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g) findet Samstag, den 16. Februar 1929 beim Morgengottesdienste (Beginn S Uhr 30 Minuten) ein exegetischer Vortrag statt; ebenfalls im Gemeindetempel XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). „Einheit," Verein zur Errichtung uud Erhaltung von Volksspeisehallen und Mittelstandsküchen (Wien II., Malzgasse 1.?) hält seine diesjährige ordentliche Generalversammlung am Montag, den 18. Februar 1929, 7 Uhr abends, im ersten Stock der Vereinslokalitäten (Mittelstandsspeisesaal) ab. Hohe Auszeichnung eines Rabbiners. Wie uns aus Belgrad gemeldet wird, hat der König Alexander I. dem Oberrabbincr Dr. Leopold Fischer in Vrsac in Anerkennung seiner vielfachen Verdienste um die Kultur des Judentums und die jüdische Religion den Sv. Sava-Orden IV. Klasse verliehen. Zehn Jahre Reicbsbund jüdischer Frontsoldaten. Der Reichshund jüdischer Frontsoldaten beging am 9. und 10. Februar d. J. die Feier seines zehnjährigen Bestehens. Der Reicbsbund jüdischer Frontsoldaten zählt ungefähr 35.000 Mitglieder, die ausnahmslos Frontkämpfer gewesen sind; tr wurde vor zehn Jahren gegründet, um gegen die damals verbreiteten Vorwürfe, die Juden seien nicht an der Front gewesen, und gegen die auf derartige Aeußerungen sich aufbauende antisemitische Propaganda mit Erfolg anzukämpfen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist heute mit seinen 16 Landesverbänden und über 400 Ortsgruppen und Untergruppen die zweitgrößte jüdische Organisation in Deutschland. Viele seiner Kameraden dienen den jüdischen Interessen in ihrer Eigenschaft als Mitglieder von Gemeindevorständen. Repräsentantenkollegien, sowie anderen Einrichtungen und Körperschaften des öffentlichen jüdischen Lebens. Eine besondere Quelle der Kraft ist für den R. j. F. seine strikte Neutralität in parteipolitischer Hinsicht. Dieser Einheitscharakter hat sich stark und segensreich ausgewirkt in der vom R. j. F. getragenen Siedlungsbewegung, in der die amtlichen jüdischen Stellen im Reiche, die anderen jüdischen Organisationen und die führenden Persönlichkeiten des öffentlichen jüdischen Lebens unterschiedslos mit anerkennender Zustimmung und tatkräftiger Förderung dem R. J. F. zur Seite getreten sind.

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