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Die Wahrheit · 1929-02-15 · Heft 7 (15.2.1929) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Oroschen -. falimfflxbnsiAttfi .mit dea Veröffentlichungen der „Union deutschösterr. Joden" and den „Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße Nr. 13 — Telephon R42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 15. Februar 1929 Nummer 7 Die Vorgänge in der Kultusgemeinde. H. Das Schreiben des Klubobmannes Dr. Ticho vom 22. Jänner 1929 zeigte aller Welt klar und deutlich, daß die der Union angehörigen Mitglieder des Vorstandes nicht gewillt sind, sich das bisherige Verhalten der zionistischen Kultusvorsteher gefallen zu lassen. Diese hatten eine Reihe von Anträgen zwischenzeitig eingebracht, welche eine Aenderung der Geschäftsordnung, in Wirklichkeit Statutenänderungen beinhalteten und offensichtlich den Zweck verfolgten, die Geschäftsführung der Gemeinde überhaupt unmöglich zu machen. War schon die Obstruktionsrede des Klubobmannes der Zionisten ein deutliches Zeichen dafür, was man von dieser Partei in der Folge zu gewärtigen hätte, so ging nunmehr aus diesen Anträgen zur Evidenz hervor, daß die Zionisten eine ruhige und sachliche Führung der Geschäfte überhaupt nicht wünschten. Jedermann wird den Standpunkt der unionistischen Vertreter, wie er im Briefe vom 22. Jänner 1929 niedergelegt ist, als den einzig richtigen erkennen, wenn er erwägt, daß mit den Zionisten wegen jeder einzelnen Tagesordnung nunmehr verhandelt werden mußte, um deren ungestörte Abwicklung zu ermöglichen. Die Anträge der Zionisten sollten offenbar auf lange Zeit hinaus eine ruhige Verhandlung unmöglich machen, da ihre sachgemäße Behandlung viele Sitzungen in Anspruch nehmen mußte. Die Zionisten haben nur zugelassen, daß die Ermächtigung zur Auszahlung nur pro Jänner 1929 bewilligt werde, haben diese Ermächtigung gegen die Geschäftsordnung nur dem Präsidenten selbst erteilen wollen, und mußte z. B. wegen der bloßen Formalität der Wahl der Schiedsrichter sogar eine eigene Sitzung anberaumt werden. Die unionistischen Vertreter haben daher erkannt, daß mit den zionistischen Vorstehern, bei welchen das politische Interesse stets überwiegt und alles andere in den Hintergrund drängt, ein sachliches Zusammenarbeiten nicht möglich ist, wenn die Situation nicht sofort restlos geklärt wird. Die unionistischen Kultusvorsteher haben daher das Ultimatum gestellt und erklärt, daß sie ihre Mandate niederlegen und dadurch Neuwahlen erzwingen werden, wenn die von ihnen begehrten Garantien in Ansehung der Zurückstellung der Wahlreformfrage und Bewilligung eines weiteren Budgetprovisoriums bis längstens 27. Jänner nicht gegeben werden sollten. Mit diesem Briefe waren auch alle von der Gegenseite ausgesprengten Gerüchte, daß die Unionisten es nur darauf abgesehen hätten, sich an der Macht zu erhalten, endgültig widerlegt, denn hierdurch war es klar, daß die Unionisten nichts anderes wollen als die ruhige und ungestörte Geschäftsführung in der Gemeinde und daß sie die Wählerschaft befragen und zu Neuwahlen aufrufen wollen, wenn die Zionisten nicht einmal dieses Opfer zu bringen willens sind, für die Verlängerung des Budgetprovisoriums zu stimmen und die Wahlreformfrage zurückzustellen. Daß die Zionisten nunmehr erkannten, wohin sie steuern, wenn sie auf ihren rein „politischen" Standpunkt beharren, ist und bleibt das Verdienst der unionistischen Vertreter. Es muß endlich allen Juden Wiens klar gemacht werden, daß es für die Kultusgemeinde schädlich ist, wenn im Vorstande unserer Gemeinde vor allem das politische Interesse einzelner Parteien im Vordergrunde steht und das Wohl der Gemeinde erst in zweiter Linie in Betracht kommt. Man muß sich geradezu wundern, daß die Zionisten unmittelbar nach der Wahl unbedingt wieder gerade die heiß umstrittene Wahlreformfrage behandeln und durch sie einen Zündstoff in die Vorstandssitzungen werfen wollten, obwohl sie ganz gut wußten, daß unter normalen Verhältnissen eine Durchsetzung der Wahlreform gegen den Willen der „Union", also der Hälfte des Vorstandes ganz unmöglich ist, ungerechnet die Reserve, die für die „U n i o n" in jenem Teil der Wählerschaft enthalten ist, die jetzt nicht zur Urne gegangen ist, die aber bestimmt, und zwar die Kandidaten der Union wählen wird, wenn sie zur Entscheidung über Sein oder Nichtsein der Gemeinde aufgerufen wird. Wenn die Zionisten daher trotzdem in eine Rückstellung dieser Frage nicht einwilligen wollten, so kann es hierfür nur zwei Gründe geben: entweder stellen sie „parteiprogrammatische" Punkte über alles andere, und zwar selbst dann, wenn die Gemeinde hierdurch empfindlich leiden muß, oder sie werden von der Angst vor der radikalzionistischen Partei beeinflußt, dann sind sie eben nicht selbständig und handeln nicht ausschließlich nach eigenem Ermessen; in jedem Falle wird hierdurch das Wohl der Gemeinde nicht gefördert, sondern gefährdet. Der Brief vom 22. Jänner 1929 wurde mit Schreiben der Gegenseite vom 26. Jänner 1929 beantwortet, das folgenden Inhalt hat; M, s. f. > 3 «. V n\ lit J! H H f» H \h H P,

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