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Die Wahrheit · 1929-01-25 · Heft 4 (25.1.1929) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 nf"""»"™'"™»"""™"""1»"1"^ DIE WAHRHEIT UffiilDxkezulDocke Demokratischer Parteitag. Am 19. und 20. d. M. fand in Wien der konstituierende Parteitag der „Demokratischen Mittelpartei", die aus der Fusion der „Bürgerlich-Demokratischen Partei" und der „Mi11e 1 ständischen Volkspartei" hervorgegangen ist, unter sehr großer Beteiligung weiter Kreise statt. Nach einem Begrüßungsabend am 19. im Gewerbeverein erfolgten am 20. tagsüber die Beratungen über Parteistatut und Leitsätze, die sich sehr intensiv gestalteten. Die Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl des beliebten Parteiführers Hofrat Dr. Heinrich Klang. Dem Parteitag wohnte als Vertreter der Deutschen Demokratischen Partei Abgeordneter Major von Hauff bei, der durch seine geistreichen Reden sehr auffiel. Der Parteitag ist erfreulich schön verlaufen, er wird hoffentlich den Auftakt für ein Erstarken der demokratischen Bewegung zum Wohle des österreichischen Mittelstandes bilden. Jüdischer Frauenverein Leopoldstadt (Sitz: Ferdinandstraße 23), Sonntag, den 27. Jänner, findet im Festsaale des Hotel Continental, Wien IL, Taborstraße 4, die so beliebt gewordene Nachmittagsunterhaltung mit Vorträgen und Tanz, statt Anfang präzise 4 Uhr. Da das Reinerträgnis zur Unterstützung der Aermsten der Armen des so notleidenden Bezirkes verwendet wird, ersucht die Vereinsleitung um recht zahlreichen Zuspruch. Regiebeitrag S 1.— ,an der Kassa S 1.50. Karten; sind bei den Vorstandsdamen zu haben. Druckfehlerberichtigung. In der fünften Zeile der vorwöchentlichen ersten „Glosse" sollte es statt mit „einigem" Recht heißen mit „gutem" Recht. Ideales Wohltun. Den Insassen des Wiener israelitischen Versorgungshauses werden oft im Hause zur Erheiterung und Zerstreuung bescheidene Kunstgenüsse durch Musik. Gesang und Vorlesungen geboten. Ein ganz besonders erheiterndes Vergnügen bot Herr Dr. Leopold Ehrlich am 16. d. M. den Alten, indem er ihnen aus seinem Buche „I s a k Mautners Sohn" im dichtgefüllten Saale vorgelesen. Der Inhalt des Buches und seine Sprache steht dem Denk- und Gefühlsleben der Mehrzahl dieser Alten sehr nahe, und haben die vielfach eingestreuten philosophischen Gedankengänge gewürzt durch Humor dieser Vorlesung einen eigenartigen Genuß und nachhaltige Freude geboten. Die alten, gefurchten und faltigen Gesichter erstrahlten freudig verjüngt und Lachsalven haben Pausen hervorgerufen, die den freundlichen Autor selbst erfreuten und zu mannigfach geistvoll erklärender Aussprache als Zugabe führten. In seiner eigenen Freude versprach er den sehr dankbaren Zuhöreinn, bald wieder zu kommen und ihnen Aehnliches aus seiner Feder zu bieten, worauf sich alle sehr freuen. R. Str. Todesfälle. Am 21. d. M. fand am Neuen israelitischen Friedhof unter außerordentlicher Teilnahme das Leichenbegängnis des Herrn Heinrich Feuer, Seniorchef des gleichnamigen Geschäftshauses, welcher am 16. d. M. in seiner besten Schaffenskraft, im 51. Lebensjahre, während einer Geschäftsreise in Berlin, seiner Familie durch einen Herzschlag jäh entrissen wurde, statt. Der Verblichene verstand es, durch unermüdlichen Fleiß, strenge Rechtlichkeit und ungewöhnliche Tatkraft die von ihm gegründete Fabrik für Wiener Strickmode und S p o r t a r t ik e \ zu hohem Ansehen zu bringen und erwarb sich weit über die Grenzen Oesterreichs bekannten und geachteten Ruf. Die große Beteiligung an dem Leichenbegängnisse gab Zeugnis von der Wertschätzung, deren sich der Verstorbene in weitesten Kreisen der Bevölkerung erfreute und werden ihm die zahlreichen Freunde, die er sich zu erwerben verstand, stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Herr Rabbiner Dr. Max Orunwald hielt dem Verstorbenen einen überaus herzlichen und tiefempfundenen Nachruf. I. Kantor Leo Funke versah die kantorale Funktion mit großer Chorassistenz in gewohnt musterhafter Weise. Am offenen Grabe hielten dem Verstorbenen tiefempfundene Nachrufe Fabrikant Armin Pollak im Namen der Angehörigen der Branche, in Vertretung der Hausherrenorganisation des Bezirkes Leopoldstadt Herr R i s c h k a und im Namen der Arbeiterschaft Fräulein P o k o r n y. Große Teilnahme wendet sich der trostlosen Gattin Regine, sowie den Kindern Josef und Alice F e u e r zu. Am 15. Jänner ist nach langer schwerer Krankheit Herr Eisig E r b e t im 62. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene war ein tief religiöser Mensch, der sich wegen seines trefflichen echt jüdischen Charakters wohlverdienter Achtung erfreute. Schlicht und würdig, wie der ganze Lebenslauf dieses Mannes, gestaltete sich auch sein Leichenbegängnis. Schon die Einholung der Leiche vom Trauerhause fand unter großer Teilnahme statt, und bewegte sich der imposante Zug als Zeichen besonderer Ehrung für den Verblichenen durch die Grünetorgasse in das hellbeleuchtete Beth- Ha-Midrasch des Vereines „Ohel Abraham", wo Obmann S. K o h n in einem tiefempfundenen Nachruf die Persönlichkeit des Verstorbenen würdigte. Bei dem Freitag, am 18. d. M., am Neuen Friedhofe stattgefundenen Leichenbegängnisse scharte sich ebenfalls der Gesamtvorstand, sowie zahlreiche Mitglieder des Vereines „Ohel Abraham" um den Sarg des Verewigten wie um einen verstorbenen Verwandten und lauschten tiefgerührt den trefflichen Worten des Herrn Vereinsrabbiners Fleischmann, der in einem ergreifenden Nachruf die schönen Eigenschaften und Tugenden des braven Mannes, seine Frömmigkeit und Selbstlosigkeit und die besondere Zärtlichkeit seinen Kindern gegenüber schilderte. An der Bahre trauern seine Gattin Sali E r b e r, seine Töchter Jula N i w e s, Klara Srulovic und Lola Nissim, seine Schwiegersöhne Bernhard Niwes, Oskar Srulovic und Hans Nissim. Im Auftrage des Vorstandes des Tempelvereines „A e s c h e 1 Awrohom" wurde am offenen Grabe fürden Verstorbenen ebenfalls ein El mole rachamim gesagt. Sein Andenken sei gesegnet. Linz. Goldene Hochzeit. Eine in der Geschichte der Linzer Kultusgemeinde wohl einzig dastehende Feier wird am Samstag, den 26. d. M., im hiesigen Gotteshause stattfinden. Herr Josef und Frau Johanna Töpfer, Beisitzer des Antiquitätengeschäftes Altstadt 3, feiern an diesem Tage das Fest der goldenen Hochzeit. An der Stätte, wo das Jubelpaar vor 50 Jahren von dem verewigten Rabbiner Dr. K u r r e i n, dem Vater des gegenwärtigen Rabbiners, Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Viktor Kurrein, getraut wurde, werden dem bescheidenen Ehepaare wohl Ehrungen zuteii werden, die es sich in jeder Hinsicht um sein Wirken innerhalb der Gemeinde verdient hat. Wir wollen heute mwi verraten, daß die Braut im 72. und der Bräutigam im 75. Lebensjahre sich befindet. Beide erfreuen sich Gott sei Dank der besten Gesundheit. Wir wünschen sehnlichst, daß dem Ehepaar© noch die „diamantene Hochzeit" beschieden sein möge. Kl. 75. Geburtstag. Dieser Tage feierte Herr Komm.-Rat Carl Weis in vollster Rüstigkeit seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich in seinen Branchekreisen, sowie im 10. Bezirk großer Beliebtheit, er ist dort Obmann des Israelitischen Humanitätsvereines und Obmann der Ortsgruppe der „Union" und hat in beiden Eigenschaften schon viel Ersprießliches geleistet. Wir wünschen ihm ein ferneres Wohlergehen. Pilsen. Am 6. Jänner fand hier im großen Redoutensaale eine vom Bne Brith veranstaltete große Konzertfeier statt, bei der auch der neugewählte Oberkantor S. Antreiber mit wirkte. Er sang Arien und Lieder in verschiedenen Sprachen und erntete so großen Beifall, daß er gezwungen war, weitere Darbietungen zu geben. Herr Oberkantor Antreiber hat sich in der kurzen Zeit seines Wirkens die vollsten Sympathien des Vorstandes und des Publikums erworben. Statt teurer, billiger! Anläßlich der Inventur gelangen im Musikhaus „Excelsior" Richard Herzog, Wien I, Adiergasse 5, jüdische und hebräische Schallplatten zu tief herabgesetzten Preisen zum Verkauf. 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