Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer SO Oroschen kWahthdti Erscheiat jeden Freitag liklimlüJmdui/t ptit mm Verdi!enftkhnnfe* der »Union deutsdiSsterr. Juden" „Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" ■UHBHMMSVflMMMB^ Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße Nr. 13 — Telephon R 42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 11. Jänner 1929 Nummer 2 ■*? Einträchtigkeit! „Der zionistische Kampf ist in erster Linie g eg e n die „Union" gerichtet gewesen, und er hat sie auch getroffen, todwund getroffen". So schrieb das Organ der österreichischen zionistischen Organisation „Die Stimme" nach dem denkwürdigen 2. Dezember. Wir haben in unserem Artikel über das Wahlergebnis seinerzeit gleich festgestellt, daß die Zionisten am wenigsten Grund haben, sich über das Resultat dieser Wahlen besonders zu freuen, denn ihr hauptsächlichster Mandatsgewinn ging ja nur auf Kosten der mit ihnen verbündeten Misrachisten und aus der geplanten „E roberung" der Wiener Kultusgemeinde war in Wirklichkeit nur die Eroberung eines einzigen Mandates geworden. Dies gibt natürlich einer Partei, die nur ein Drittel der Mandate im Kultusvorstand besitzt, nicht das Recht, sich als Herren dieser Gemeinde aufzuspielen, und wenn sie es dennoch taten, so mußte es in kürzester Zeit offenbar werden, wie unberechtigt eine solche Handlungsweise ist. Bei der am 3. d. M. stattgehabten Konstituierung des Wiener Kultusvorstandes hat nun die „todwund getroffene" „Union" nicht nur das Präsidium, sondern auch das gesamte Vertreterkollegium des Kultusvorstandes besetzt, und somit soll sie die Verantwortung für dessen Tätigkeit übernehmen, die von den Zionisten, also gerade von jener Partei, die angeblich als Siegerin aus dem Wahlkampfe hervorgegangen war, merkwürdigerweise abgelehnt wurde. Die Konstituierung des Kultusvorstandes vollzog sich in der folgenden Weise, wobei wir im wesentlichen den Ausführungen des Präsidenten der „U n i o n", Herrn Dr. Jakob O r n s t e i n, auf dem letzten Sprechabend dieser Vereinigung folgen. Unter dem Vorsitze des Alterspräsidenten des Kultusvorstandes, Herrn Wolf Pappenheim, wurde zunächst zur Wahl des Präsidenten geschritten. Besprechungen zwischen den beiden Hauptparteien des Vorstandes hatten nicht stattgefunden; die „Union" hatte sie nicht eingeleitet, weil sie erwartete, daß die Zionisten, die bisher gemeinsam mit der „Union" die Geschäfte des Vorstandes führten, an die Majoritätspartei die Frage wegen der Weiterfuhrung dieser Agenden richten würden, was aber nicht geschah. Wenn auch der „Union" jetSfctL vorgeworfen wird, daß sie es verabsäumt hat, die Verhandlungen aufzunehmen, wie dies angeblich parlamentarischer Brauch ist, so lehrt die Erfahrung, daß nicht alles, was im Parlamente geschieht, auch schon gut ist. Jeder Kenner der Wiener jüdischen Verhältnisse ist darüber unterrichtet, in welch objektiver Weise Professor Dr. Alois Pick, der nunmehr seit acht Jahren Präsident der Wiener Gemeinde ist, das Präsidium führte, und man konnte sich daher nicht denken, daß seine Wahl zum Präsidenten überhaupt angefochten werden würde. Das Skrutinium hat aber das Resultat ergeben, daß er nur von der „Union" und den „Werktätigen" gewählt wurde, deren Klubobmann Gustav Moritz erklärte, daß sie Prof. Pick eben wegen seiner objektiven Haltung ihre Stimme gegeben hätten, während die Zionisten Dr. Desider Friedmann als Gegenkandidaten aufstellten, der mit ihren und merkwürdigerweise auch mit der Stimme des Herrn Dr. Leo Landau, dessen Liste bei den Wahlen mit der der „U n i o n" gekoppelt war, durchfiel. Herr Dr Leo Landau hat es überhaupt für richtig befunden, bei sämtlichen Wahlgängen stets mit den Zionisten zu stimmen, eine Taktik, für die er natürlich in erster Reihe seinen Wählern verantwortlich ist. Bei der Wahl der Vizepräsidenten wurden die Herren Dr. Jakob O r n s t e i n und Dr. Josef T i c h o mit den Stimmen der „Union" gewählt, während die „Werktätigen" in beiden Fällen konzilianterweise leere Stimmzettel abgaben. Herr Dr. Josef Löwenherz, der bisherige II. Vizepräsident der Gemeinde, blieb beide Male mit 13 Stimmen inderMinderheit. Da versuchten nun die Zionisten ein Experiment, dessen Stichhältigkeit einer Auffassung entsprang, die ganz merkwürdig ist. Ihr Klubobmann, Dr. Desider Friedmann, erklärte nämlich, gegen die Wahl der beiden unionistischen Vizepräsidenten protestieren zu müssen — bei welcher Instanz ist uns unerfindlich —, weil diese seiner Meinung nach nicht die Majorität des Kultusvorstandes — diese wäre 19 —, sondern nur 18 Stimmen erlangt hätten. Nun ist es natürlich klar, daß in diesem Falle nicht die Majorität des Kultusvorstandes, sondern die der a b-