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Die Wahrheit · 1929-01-04 · Heft 1 (4.1.1929) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 1 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen ^füidßWoJmsid^ Vergffcnffidhimgf* der JJakm dcutsdiösterr. Juden* „Amtfich«* Vcrkmfbantttfcn der IsraoHtische» Kftltusgemeinde Wie»" Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße Nr. 13 — Telephon R42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 4. Jänner 1929 Nummer 1 Steg der Vernunft. Die Berliner Tagung des zionistischen Aktionskomitees hat so geendet, wie zu erwarten stand und wie vor allem alle dem Wiederaufbau Palästinas mit ehrlichem Interesse gegenüberstehenden zionistischen und nichtzionistischen Kreise erhofft haben, mit einem Siege Weizmanns und damit der politischen Vernunft. Die von ihm vorgelegte Hauptresolution wurde ohne Stimmenenthaltungen mit 39 gegen 5 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten natürlich die zwei Revisionisten und zwei Radikalen, deren programmatische Uebereinstimmung auch auf dieser Tagung so recht in Erscheinung trat, und der bekannte amerikanische, Reformrabbiner Dr. Stephan W i s e, von dessen politischer Wankelmütigkeit hier schon oft die ^ede war. Die sohin mit großer Stimmenmehrheit angenommene Hauptresolution hat folgenden, äußerst interessanten Wortlaut: Das Aktionskomitee spricht seine Befriedigung aus über den Verlauf der Konferenz von Vertretern des amerikanischen Judentums in New York am 20. und 21. Oktober 1928, die sich für den Eintritt der amerikanischen Judenheit in die Jewish Agency, die gemäß dem Palästinamandat berufen ist, an der Schaffung des jüdischen nationalen Heims mitzuwirken, erklärt hat. Nachdem die auf Grund der Beschlüsse des Aktionskomitees vom Juli 1928 in Berlin geführten New Yorker Verhandlungen ihren Abschluß gefunden haben, ermächtigt das Aktionskomitee nach Kenntnisnahme der Memoranda, die dem Briefe des Mr. Marshall vom 20. November 1928 beigeschlossen waren, die Exekutive der Zionistischen Organisation: in der Erwägung, daß diese Verhandlungen den Berliner Beschlüssen weitgehend Rechnung tragen, und in der Erwägung, daß die Ergebnisse der Verhandlungen einen entscheidenden Schritt zur Vereinigung der gesamten Judenheit innerhalb der erweiterten Jewish Agency für den Aufbau von Erez Israel bedeuten, Mr. Marshall mitzuteilen, daß die Zionistische Organisation bereit ist, im Einklang mit den in den enthaltenen Vorschlägen V. w v ■ - vorzu- " Memoranden gehen. Das Aktionskomitee erwartet, daß die Exekutive alle notwendigen Maßnahmen ergreifen wird, um die Errichtung des Council der erweiterten Jewish Agency und dessen Einberufung zum frühestmöglichen Termin nach dem 16. Kongreß sicherzustellen. Die Hauptresolution nimmt, wie ersichtlich, insbesondere auf die Verhandlungen mit Louis Marshall Bezug, deren Ergebnis zwei von Weizmann dem Aktionskomitee vorgelegte Memoranda dieses bedeutenden amerikanischen Nichtzionisten sind, die vom Aktionskomitee restlos gebilligt wurden. Raummangel verbietet uns, diese beiden wichtigen Schriftstücke vollinhaltlich wiederzugeben, und so seien hier nur die wesentlichen Punkte der Memoranda kurz skizziert: Die verschiedenen Empfehlungen der Joint Palestine Sisrvey Commissfcn sind lediglich als eine Basis für zukünftige Aktionen zu betrachten, Modifikationen erscheinen ratsam. Der Erwerb von Boden in Palästina aus Mitteln der Jewish Agency wird als eine grundsätzlich gesunde Politik betrachtet: der Boden wird durch den Jüdischen National fonds nach Weisung der Jewish A g e n c y uad mit deren Billigung und Bestätigung angekauft und auf den Namen des Fonds eingetragen. Dies soll aber privaten Bodener vv erb nicht entmutigen. Es soll dem Urteil der Jewish Agency überlassen bleiben, über die wirtschaftliche Eignung irgend eines vorgeschlagenen Siedlung s- oder Kolonisationsplanes zu entscheiden, bevor Mittel, die der Kontrolle der Agency unterliegen, hiefür angewiesen wjrden. Die Einwanderung von Juden nach Palästina soll durch die Jewish Agency wie die Regierung Palästinas im vollsten ausführbaren Maße ermutigt und gefördert werden. Arbeiterimmigranten und Immigranten mit eigenen Mitteln sind besonders zu berücksichtigen. In allen Arbeiten und Unternehmungen, die *ron der Jewish Agency ausgeführt oder gefördert werden, sind Juden zu verwenden. Es sollen geeignete Maßnahmen getroffen werden /»r Erlangung der Zustimmung der Mandatarmacht eder einer anderen etwa zuständigen Instanz zu dem Plan der Erweiterung der Jewish Agency in Verbindung mit einer Klausel, wonach im Falle einer Auflösung der erweiterten Jewish Agency alle Rechte und Privilegien wieder der zionistischen Organisation, die jetzt gemäß Art. IV des Mandats die Agency darstellt, zufallen. Der zionistische Kongreß soll ersucht werden, seine Resolution betreffend ein dreijähriges Provisorium der erweiterten Agency aufzuheben.

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