Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 11 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par l'editear" Jüdische Uöodiensdirift lie Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden14 Erscheint jeden Freitag Preis 40 Grosdien Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 54. Jahrgang Wien, 11. März 1938 Nummer 11 Sonntag Volksabstimmung: Friede, Arbeit, Gleichberechtigung Amtlich wird folgender Aufruf des Bundeskanzlers und Frontiührers veriautbart: Volk von Österreich! Zum erstenmal in der Geschichte unseres Vaterlandes verlangt die Führung des Staates ein offenes Bekenntnis zur Heimat. Sonntag, den 13. März 1938 Nicht nur jeden SAMSTAG U. SONNTAG sondern auch ioden MITTWOCH finden die Unterhalttinsskonzerte MAX GE8GER m CAFE-RESTAURANT FETZER a. d. Schwedenbriicke statt. Besucherkarte auch Mittwoch n U r 13 ist der Tag der Volksbefragung. Ihr alle, welchem Berufsstand, welcher Volksschichte Ihr angehört, Männer und Frauen im ireien Oesterreich, Ihr seid aufgerufen, Euch vor der ganzen Welt zu bekennen; Ihr sollt sagen, ob Ihr den Weg, den wir geben., der sich dfosoziate Eintracht und Gleichberecbögnng-, endgültig« üebenvindung der Parteienzerklüftung, den deutschen Frieden nach innen und außen. dTe Politik der Arbeit zum -Ziele setzt — ob Ihr diesen Weg mitzugehen gewillt seid! Die Parole lautet: „Für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich! Für Friede und Arbeit und difc Gleichberechtigung aller, die sich zu Volk und Vaterland bekennen!** Das ist das Ziel meiner Politik; dieses Ziel zu erreichen, ist die Aufgabe, die uns gestellt ist und? das geschichtliche Gebot der Stunde. Kein Wort der Parole, die Euch als Frage gestellt ist, darf fehlen. Wer sie bejaht, dient dem Interesse aller und vor allem dem Frieden! Darum Volksgenossen zeigt, daß es Euch ernst ist mit dem Willen, eine neue Zeit der Eintracht im Interesse der Heimat zu beginnen; die Welt soll unseren Lebenswillen sehen; darum Volk von Oesterreich, stehe auf wie ein Mann und stimme mit ja! Front-Heil! Oesterreich! Schuschnigg. ' " Die Oesterreicher und Oesterreiclierinnen ohne Unterschied des Glaubens werden aufgerufen, sich am kommenden Sonntag zu ihrem Land, zu ihrer Heimat, zu bekennen. Sie sollen kundtun, daß sie zu diesem Staat stehen, daß sie für ihn eintreten, daß sie ihn erhalten wollen für alle Zeiten. Ein großes Bekenntnis soll abgelegt werden in einer schweren, ernsten und unruhigen Zeit zu den unermeßlichen kulturellen, geistigen, moralischen und politischen Werten, die Oesterreich umschließt. Für Oesterreich! lautet die Parole! Daseist eine gute Parole, der alle, Mann für Mann und Frau für Frau, folgen werden, die österreichisch fühlen und die sich mit diesem Land verbunden wissen. Oesterreich soll frei und selbständig, glücklich und friedrfcrrsein, das ist der Sinn der Volksbefragung vom 13. März 1938. Wer das Seine dazu beitragen wiD, daß in diesem Land ein gerechter und dauerhafter Frieden herrscht, wer mitwirken will an der Herstellung der politischen und moralischen BRUDER JUDEN! Ein polnischer Aufruf. Die polnische Regierung hat folgenden Aufruf" erlassen: ..An die Brüder Polen mosaischer Konfession! Brüder .luden! Die oberste Gewalt vom Willen der Nation in unsere Hände gelegt, damit das Vaterland betreit werden könne, gibt uns die Kraft und das Recht, alle Landsleute zur gemeinsamen Arbeit aufzurufen . . . Auch an Eure Vaterlandsliebe, Brüder Juden, appellieren wir . . . Obwohl der Beschluß der Nationalregterung vom 22. Jänner 1863 keinen Unterschied zwischen den Konfessionen kennt und obwohl man in polnischen Ländern nicht mehr fragen wird „Jude oder Christ?", denn die Bezeichnung ..Pole" genügt, so wundert Euch trotzdem nicht, daß wir uns an Euch gesondert wenden. Wir tun es nicht, um Euch von den anderen zu unterscheiden, sondern um Euch unsere große brüderliche Liebe und unseren ehrlichen Willen zu beweisen. Wir bedauern nur, daß wir unsere Worte noch nicht durch die Tat bekräftigen können, dean unser gemeinsamer Feind, der bisher Herr eines großen Landesteiles geblieben ist, hemmt das Inkraftreten der Grundsätze der Nationalregierung und tut alles, was in seiner Macht liegt, um den Haß unter den Kindern des Vaterlandes zu schüren, um dann alle leichter knechten zu können". Ein schöner Aufruf. Schade nur, daß er aus dem Jahre 1863 stammt, da die Polen in den Juden Mitkämpfer gegen die Brutalitäten des Zarismus suchten. Gleichberechtigung ailer Oesterreicher und Oesterreicherinnen, der gibt am Sonntag seinen Stimmzettel mit dem österreichischen „Ja" ab. Es geht ums Ganze, nie ist dieses Wort wahrer gewesen als heute. Deshalb werden in Oesterreich am kommenden Sonntag die Oesterreicher und Oesterreicherinnen eine einfache Frage, aber eine lebenswichtige, zu beantworten haben. Sie lautet aufs knappste zusammengefaßt: Wollt Ihr Oesterreich? Die Parole ist klar und eindeutig. Wer für Oesterreich ist. und Oesterreichs Judenschait ist für Oesterreich, sagt am Sonntag laut und vernehmlich sein Ja! Wir österreichischen Juden stehen zu Volk und Heimat; wir werden unsere Pflicht tun: Mit Schuschnigg für Österreich! Pqmenfeonfefrtions= ITIodeHhaus „Zuc jesdien WUttetm fllefius Sa 15er & Co Wien IX/2., Währingersfr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Docnebme« Tuodellbaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen nTafcHtelier im fiaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden