Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 10 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ftMMtt Wien I., Seitenstettengasse 2 Xl-t Zentralfriedhof neben dem I. Tor Samrtag g*«cfa»o«aenl anläßlich des fünfjährigen Bestehens des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland das Ergebnis einer Untersuchung, welche von den 25 Punkten des nationalsozialistischen Programms heute, nach fünf Jahren, als durchgeführt angesehen werden können. i Einzig der Punkt „Judenfrage" wurde weitestgehend durchgeführt. Den Juden wurden ihre Staatsbürgerrechte genommen. Sie genießen nur noch eine Art Gastrecht in Deutschland und dieses Gastrecht ist das Recht gegenüber unerwünschten und unerbetenen Gästen. Die Juden wurden nicht nur aus demöffentlichen Leben, sondern auch aus allen Gebieten der Wissenschaft, der Künste und neuerdings auch aus den wirtschaftlichen Betrieben entfernt. Sie müssen über sich eine entehrende Sonderbehandlung ergehen lassen, werden verfolgt und verleumdet. Uöber 100.000 sind bereits zur Auswanderung gezwungen worden, zahllose Existenzen wurden vernichtet, Menschen wurden verfolgt, eingesperrt, gepeinigt und zum Selbstmord getrieben. Expremierminister Ladislav Grabski gestorben. Der Mann, der die wirtschaftliche Vernichtung der Juden in Polen eingeleitet hat. Im Alter von 64 Jahren verstarb in Warschau Ladislav Grabski, ein Führer der polnischen Nationaldemokratie. 1923 bis 1925 polnischer Ministerpräsident An den Namen Grabski knüpft sich die Erinnerung an eine tragische Epoche im polnischen Judentum, die sogenannte „Grabski-Epoche". Er war der Initiator der Methoden zur wirtschaftlichen Vernichtung der Juden in Polen. Nach der ersten Stabilisierung der polnischen Währung im Jahre 1924 schuf Grabski ein Steuersystem, welches sich nicht allein gegen Handel und Handwerk, an dem die Juden stark beteiligt sind, überhaupt, sondern mit spezieller Absicht gegen jüdische Kauileute und Handwerker verhängnisvoll auswirkte. Jüdische Handwerker und Kaufileute wurden sehr oft mit einer Jahressteuersumme belegt, die den Wert des besteuerten Unternehmens um ein Vielfaches überstieg. Zu Hunderten und Tausenden gingen jüdische Existenzen zugrunde. Ehedem wohlhabende jüdische Volksschichten wurden binnen kürzester Zeit an den Bettelstab gebracht. Die Steuereintreibung wurde mit einer beispiellosen Rücksichtslosigkeit durchgeführt, Wohnungseinrichtungen und Warenbestände wurden bei nicht pünktlicher Steuerzahlung überfallartig gepiändet und mitgenommen, das „Grabski-Wägelchen" wurde der Schrecken der Bewohnerschaft der jüdischen Stadtteile. Es setzte unter den Juden eine Art Panik- Emigration ein, man versuchte zu retten, was noch zu retten war. Ein großer Teil der Emigranten Sing nach Palästina und diese überstürzte Emigration trug die Schuld an dem teilweisen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Dritten A1 i j a. Den sehr ungünstigen Eindruck, den diese Politik im Ausland hervorrief, versuchte die Regierung Grabski dadurch wettzumachen, daß sie 1925 mit dem jüdischen Sejm-Klub eine „Verständigung", die sogenannte „Ugoda", vereinbarte, in welcher wirtschaftliche Erleichterung für die Juden vorgesehen war. Die Vereinbarung wurde aber von den Regier.ungsorganen nicht eingehalten, die Politik der wirtschaftlichen Depossedierun'g der Juden wurde fortgesetzt. Erst nach dem Rücktritt Grabskis' kam einige Erleichterung. : ' J. T.-A. Das Abzeichen des „Oesterreichischen Jungvolkes". In einer kürzlich unter dem Vorsitz des Buntfesjugendführers Grafen Thurn-Valsassina stattgehabten Jugendführertagung des „Oesterreichischen Jungvolkes" teilte der anwesende Bundesminister für Kultus und Unterricht Dr. P e r n t e r mit, daß er soeben in einem Erlaß verordnet habe, tfaß von nun an für Angehörige des Jungvolkes das Abzeichen des Jungvolkes an die Stelle des Vaterländischen Schülerabzeichens zu treten habe. Wenn der Plan des Herrn Dr. Friedmann verwirklicht wird — und die Gefahr, daß dies geschieht, ist leider groß —, dann wird die Gründung eines eigenen „Jüdischen Jugendverbandes in. Oesterreich" mit eigenen Abzeichen seiner Angehörigen dazu führen, daß die jüdische Jugend auch in der Schule äußerlich von der katholischen und protestantischen Jugend unterschieden sein wird. Das haben die österreichischen Juden ausschließlich dem jüdischnationalen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde und seinen „Verhandlungen" und „Abmachungen" zu danken. Die österreichischen Juden werden sich dies merken! LBQpoldOBUtscb.HiEnXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof l. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene hallurco Die neue technische Untersuchungskommission für Palästina ernannt. Kolonienminister Ormsby-Gore hat am Montag, den 28. Februar, im Unterhaus die Zusammensetzung der neuen technischen Untersuchungskommission für Palästina bekanntgegeben. Die Kommission setzt sich zusammen aus Sir John Woodhead, der lange Zeit hindurch im britischen Kolonialdienst in Indien tätig und zeitweise stellvertretender Gouverneur von Bengalen war, als Vorsitzenden. Sir Allison Russell, der ebenfalls ein erfahrener Kolonialbeamter ist und seit 1923 als Rechtsberater der Regierung von Malta fungierte, sowie dem ersten stellvertretenden Sekretär des britischen Schatzamtes A. P. W a t e rf i e 1 d. Die Ernennung eines vierten Mitglieds der Kommission wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Die Kommission. die von Minister Ormsby-Gore im Unterhaus als „Palästina-Teilungskommission" bezeichnet wurde, wird ihre Arbeiten in England Mitte März beginnen und sich etwa einen Monat später nach Palästina begeben. Als Sekretär fungiert S. E. V. L u k e vom Colonial Office. Der politische Korrespondent des ,J e w i s h C h r o n i c 1 e" beüaßt sich mit der nach der Demission des englischen Außenministers Sir Anthony Eden geänderten Haltung des englischen Kabinetts dem Palästinaprobtem gegenüber und schreibt: Minister Eden hat treu, wenn auch ohne Enthusiasmus, die Ideen Ormsby-Gores und der Kgl. Kommission in der Frage des Palästina-Teilungsplanes unterstützt. Es ist zweifelhaft, ob Premier Chamberlain ein Gleiches tun wird. Wahrscheinlich wird für Chamberlain auch in der Palästinafrage in erster Reihe das Interesse des britischen Imperiums maßgebend sein. Es ist anzunehmen, daß Chamberlain auch die Kritik des Völkerbundes nicht scheuen wird, wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte, das Palästinaproblem auf eine andere Weise als durch Teilung zu lösen, sei es nun in Form eines Dominiums, oder sonstwie. Es ist auch durchaus möglich, daß der Ministerpräsident, wenn es sioh z. B. um die Frage des Tempos der jüdischen Einwanderung in Palästina handeln wird, den Arabern nachgibt oder sogar, ohne dem Völkerbund überhaupt Rechnung zu tragen, dem italienischen Standpunkt Konzessionen macht. Jedenfalls wird Chamberlain nicht auf der Durchführung des Teilungsplanes bestehen, wenn dieser auf Schwierigkeiten stößt. Chamberlain ist zwar ein Freund der Juden und des Zionismus und hat stets die zionistischen Bestrebungen gefördert; letzten Endes aber ist für ihn das Interesse des britischen Imperiums ausschlaggebend. Italien will Abessinien statt Palastina. Der römische Korrespondent des „Evening Standard" teilt mit, daß die italienische Regierung den Redaktionen der Zeitungenstrikte angeordne t hat, die antisemitische Kampagne, die ein Teil der Zeitungen in der letzten Zeit geführt hat. einzustellen. Der Korrespondent der Londoner Abendzeitung befaßt sioh dann mit der durch die „Informazione Diplomatica" verbreiteten Erklärung der italienischen Regierung über die Judenfrage und schreibt: „In Italien rechnet man damit, daß Mussolini den Juden Kolonisationsmöglichkeiten in Abessinien bieten wird, um sie auf diese Weise von Palästina abzulenken. Damit wäre das Palästina-Problem auf ewig gelöst in dem Sinne nämlich, daß Palästina einerseits ein arabisches Land bliebe, andererseits jüdisches Kapital das italienische Imperium bereichern würde. Schwerer Überfall auf eine jüdische Kolonie in Mordpalästina« „Times" melden: Freitag nachts kam es in einer jüdischen Kolonie im Distrikt Nazareth zu einem schweren Gefecht zwischen Kolonisten und einer stark bewaffneten Bande von Arabern, welche die Kolonie angrifien. Es gelang den Kolonisten, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Ein Araber wurde getötet, mehrere andere dürften verletzt worden sein. Die Bande durchschnitt die Stacheldrahtverhaue rund um die Kolonie, gab zahlreiche Schüsse ab und warf mehrere Bomben, durch die ein Kolonist verwundet und mehrere Maultiere getötet wurden. Die Kolonisten unternahmen einen erfolgreichen Gegenangriff. Bei der Leiche des getöteten Arabers wurden beträchtliche Mengen von Munition und ein Gewehr gefunden, das kürzlich aus einer Polizeistation gestohlen worden war. Das Militärgericht in Haifa verurteilte die A r a b e r i n Hannia Abu Achmed aus Libanon wegen unerlaubten Waffentragens zu 10 Jahren Gefängnis. Sie war bei Ras el Nakura im Besitz eines Revolvers und dazugehöriger Munition angetroffen und verhaftet worden. Beerdigungen. 23. Februar 1938: Hugo Ornheim, 66 Jahre, 6. Bez. (I. Tor). — Wilhelm Bauer. 53 Jahre. 2. Bez. (.*. Tor).- Albert Auspitz, 62 Jahre. 3 Bez. (IV. Tor). — Ado« Schnabel, 83 Jahre, 1. Bez. (IV. Tor). - Malke Schnitter, 47 Jahre. Mielnica, Polen (IV. Tor). - Hedwig Roman, 62 Jahre, 20. Bez. (IV. Tor). - Babette Wollner, 68 Jahre, 20. Bez. (IV. Tor). — Dr. Johann Arthur Fried, 68 Jahre, 18. Bez. (IV. Tor). — Mathilde Semo, 67 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). 24. Februar: Michael Stein«/. M Jahre. 13. Bez. (I. Tor). — Leontine Weishut, 52 Jahre. 8. Bez. (I. Tor). — Sara Gottlieb, 25 Jahre. Lodz. Polen (IV. Tor). — Isidor Paul. 70 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Amalie Behreno, 92 Jahre, 9. Bez. (Döbl. Friedhol). 25. Februar: Fritz Bäsch. 62 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Isidor Gruber, 66 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Taube Fischbach, 82 Jahre. 9. Bez. (IV. Tor). — Dora Lichtenstein, 14 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Paula Steinhardt, 74 Jahre, 1. Bez. (IV. Tor). — Jakob Strohmann. 64 Jahre. 9. Bez. (IV. Tor). — Heinrich Sommer. 70 Jahre, 18. Bez. (IV. Tor). 27. Februar: Franziska Münk. 83 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Ester Josefovits, 73 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Nathan Koch, 83 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Gisela Roth. 62 Jahre, 6. Bez. (IV. Tor). - Leopold Schlesinger, 84 Jahre. 13. Bez. (IV. Tor). — Mathilde Blitz, 20 Jahre. 2. Bez. (LV. Tor). — Rosa Nussenblatt, 56 Jahre. 20. Bez. (IV. Tor). — Fanny Kohn, 81 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Katarina Jelenko, 75 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Neche Steiner. 47 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Juda Stegmann. 76 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Nathan Ackner. 32 Jahre. 2. bez. (IV. Tor). — Ernestine Körner, 75 Jahre, ,1. Bez. (I. Tor). — Heinrich Wachsler, 85 Jahre. 13. Bez. (1. Tor). — Antonte Oesterreicher. 57 Jahre, 13. Bez. (I. Tor). — Berta Mehner. 82 Jahre. 18. Bez. (I. Tor). 28. Februar: Pro!. Allred Baumgarten, 70 Jahre, 9. Bez. (I. Tor). — Soiie Fleischmann, 68 Jaihre; Sanat. Rekawinfcel (I. Tor). — Waszlap Rozen, 34 Jahre, Lodz. Polen (IV. Tor). — Jakob Weisz. 80 Jahre. 9. Bez. (IV. Tor). —Jakob Gansei, 79 Jahre, 6. Bez. (IV. Tor). — Isidor Skamperl, 9. Bez. (Floridsd. Friedhoi). 1. März: Friedrich Kobn, 84 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Sigmund Spitz. 63 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Aoolf Binstock, 61 Jahre. 20. Bez. (IV. Tor). — Cäcilie Inieid. 62 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). - Mindl Braun. 75 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Josef Kossler. 84 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Leopold DrilL 61 Jahre. 14. Bez. (IV. Tor). — Moriz Könl, 77 Jahre. 13. Bez. (IV Tor). — Marie Finkelstein. 72 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Emma Schön, 82 Jahre. 9. Bez. (I. Tor). „Ohel Shem" (Polnischer Tempel). IL. Leopoldsgasse 29. Freitas, den 4. März 1. J., 8.15 Uhr abends, Semesterschluß. Es spricht Herr Jakob M. F r o ■> t i s über: „Einheit und Friede." AnschlieOend ..Or Racfiajim" und „Ones Sabbath". Momüeeet „Qie Wahxheit"!