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Die Wahrheit · 1938-03-04 · Heft 10 (4.3.1938) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 10 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet IDodiensdirift Die Wanrheif mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 Nummer 10 54. Jahrgang Wien, 4. März 1938 Pili Sdiusclinigg für Oesterreich? Die ganze Welt hat der mutigen Antwort, die Bundeskanzler Dr. Kurt v. S c!i u s c Ii n i g g hi seiner meisterhaften Rede am 2-5. Februar 1938 vor dem österreichischen Bundestag den Nationalisten gab, Beifall gezollt. Der österreichische Bundeskanzler hat sich in dieser sensationellen Rede innen- und außenpolitisch zum deutschen Frieden bekannt. Friedensschluß nach fünfjährigem Bruderkampf, der sich zur Gänze auf österreichischem Boden ausgewirkt hatte, war der Sinn und der Zweck der Begegnung von Berchtesgaden. Versöhnung im Innern war der Sinn der erlassenen Amnestie, bei der nicht die Frage, ob sie den Würdigen traf, das Entscheidende gewesen sei, sondern die „Tatsache, daß der Schlußstrich gezogen werden konnte unter allem, was war, um unbelastet eine neue Zeit zu beginnen. Die geistigen Voraussetzungen hiefür sind die Uebenvindung des Hasses und der Verzicht auf jene Einstellung, die mit der bloßen Vorstellung des Gegners zugleich den Vernichtungswillen verbindet". ^Von reichsdeutscher Seite wurde dem österreichischen Bundeskanzler die Versicherung wiederholt, für die Nichtemmischung in innerpolitische Verhältnisse Oesterreichs entscheidende Vorsorge twSfen zu wollen. Es wurde vereinbart und festgestellt, daß die bisherigen Illegalen in Oesterreich in keiner Weise auf Deckung durch außerstaatliche Stellen oder auf Tolerierung durch die österreichisch Bundesregierung rechnen können, daß vielmehr jede gesetzwidrige Betätigung zwingend der in den Gesetzen vorgesehenen Ahndung verfallen j^-wird. Dr. Schuschnigg fügte hinzu die Bemerkung: "f „Wir wissen genau, daß wir bis zu jener Grenze; gehen konnten und gingen, hinter der ganz klar " und eindeutig ein: Bis Weher und nicht weiter! steht." Nachdem der Bundeskanzler solcherart die : durch die Panikstimmung der Tage vor seiner '- Rede beunruhigten Kreise des österreichischen VSlkes, zu denen bedauerlicherweise auch manche .«den gehörten, hinsichtlich der Garantien für, die j ijnabhängigkeit Oesterreichs von aulteif beruhigt;lmtte, gab er im weiteren Verlaufe seiner fulmi- '" -janten Rede Erklärungen hinsichtlich der unveränderten inneren politischen Gestaltung Oesterdeichs ab,' Erklärungen, die wir österreichische •ifJuden, die wir uns mit dem Schicksal unseres Va- I terlandes Oesterreich untrennbar verbunden füh- ' 'Jen, genau beachten müssen. Deshalb seien folgende ' Stellen der Rede, in denen Prinzipien zum Aus- . drucke gebracht werden, die auch die Prinzipien - der „Union österreichischer Juden" sind, hier nochmals festgehalten: „Wir alle haben eine Heimat. Die Heimat kann nicht leben, wenn ständige Zwietracht ihren Boden zerwühlt. Das Land kann nicht gedeihen, wenn zu viele seiner Söhne darauf bedacht sind, seinen Fortschritt zu behindern. Dem Volk aber kann es nie und nimmer zum Segen sein, wenn Land und Heimat immer wieder neue Wunden erleiden." „Nicht Nationalismus oder Sozialismus in OesitrreiJh, sondern Patriotisnnis sei die Parole!" „Die Frage nach den wirbdiauiichen Möglichkeiten Oesterreichs ist klar und eindeutig zu bejahen: Konzentration und Ruhe im Lande fördern, Unirieden und Störung und Zerfahrenheit verlangsamen den Fortschritt. Wer aber den Fortschritt verlangsamen will, der ist ein Feind insbesondere der österreichischen Arbeiter." „Maßgebead bleibt der feste Wille des österreichischen Volkes und die unabänderliche Ueberzeugung seiner verantwortlichen Führung, daß unser Oesterreich Oesterreich bleiben muß . . . Wir bekennen uns feierlich vor alipr Welt zu unserem Vaterland und zu den Grundgesetzen, die für uns Nicht nur jeden S AMSTAG II. SONNTAG sondern auch jeden MITTWOCH finden die Unterhaltungskonzerte MAX GEIGER im CAF£-RESTAURANT FETZER a. d. Schwedenbrücke statt. Besucherkarte auch Mittwoch n u r 15 Groschen. die unabänderliche Basis des Rechtes sind ... Jeder in diesem Lande ist gleichberechtigt vor dem Gesetze." „Eines gilt für alle Oesterreicher: Wir dürfen nicht mehr in Parteien, wir müssen vielmehr nur in Menschen und in Oesterreichern denken." „Auf die Frage: .Glauben Sie an die Durchsetzung Ihres Programms und was haben Sie dafür für Garantien?' antworte ich: Ich glaube nicht nur, ich weiß es. Denn einmal steht wie eine Mauer der Freiheitswille des österreichischen Volkes und der innere Wert unseres Landes, dann haben sich in entscheidender Stunde immer, wieder , die Tüchtigen und Mutigen zusammengefunden und die Zweifler und Verzagten sind von der Bildfläche verschwunden." Sehr eindrucksvoll waren auch die durch Anführung einiger weniger, dafür aber umso wirksamerer Zahlen aus der Wirtschafts-Statistik erhärteten Bemerkungen über die wirtschaftliche Lebenskraft des selbständigen Oesterreich. Zu der erfreulichen Steigerung der Warenerzeugung und Warenausfuhr, von der diese Zahlen ein beredtes Bild entwarfen, haben auch wir österreichische Juden Einiges beigetragen und darauf dürfen wir. auch ohne auf eine Anerkennung Anspruch zu erheben, weil wir nur unsere Pflicht getan haben, stolz sein: Jüdischer Unternehmungsgeist, jüdische Tatkraft, jüdischer Opfermut waren stets bereit und werden stets bereit sein, das österreichische Aufbauwerk nach Kräften zu fördern. Ebenso willig folgen wir natürlich den von autoritativer Seite verlautbarten Appeüen zum Disziplinhalten. Ein solcher Appell wurde dieser Tage von der Regierung an die Presse gerichtet. Bundeskanzler Dr. Scluisdinigg hielt eine Ansprache an die versammelten Chefredakteure und betonte. Oesterreich wolle unter allen Umständen den Konflikt, der die Bevölkerung in "zwei oder noch mehr Teile zu spalten drohte, überwinden. Die österreichische Presse möge diesen Gedanken vor allem in ihrer Arbeit in den Vordergrund stellen. Wir jüdischen Zeitungsschreiber müssen diesen Appell zur verständnisvollen Erfassung des Gebots der Stunde an unsere Leser weiterleiten. Wir sind dieses Verständnisses sicher, wenn nicht Erscheinungen auf der anderen Seite die durch die Rede des Bundeskanzlers wiederhergestellte Beruhigung stören. Es steht wohl zu erwarten, daß das 55 Jahren bestehende Flir S 2s75 monatlich bietet der „allgemeiner Krankenm.m___ ■»___i Unterstützung»-Verein MOIIt€»lOre seinen Mitgliedern die besten Ante für Mann, Praa and Kinder (bis : 14. Lebensjahre,) ferner Krankengeld, Kur- und Bntbindungsbeitrage BaltrittanataIcsunB*» sind an obigen Verein, Wien, 2. Be Bestreben des volkspolitischen Reierenten von Oberösterreich, „im Einvernehmen mit den anderen Landesreferenten das Tragen des Hakenkreuzes als altes Abzeichen der antisemitischen Gesinnung durchzusetzen", erfolglos bleiben wird. Ebenso ist zuversichtlich anzunehmen, daß das neue Organ des jetzt wieder besonders rührigen Antisemitenbundes „Der Volksruf", der in Wahrheit nur dem guten Ruf des österreichischen Volkes Abbruch tut, in Kürze ausgetobt haben wird. „Die Heimat kann nicht leben, wenn ständige Zwietracht ihren Boden zerwühlt", hat unser Bundeskanzler am 24. Februar erklärt. Erscheinungen wie die erwähnten tragen zu einer „ständigen Zwietracht" bei und deshalb darf die friedliebende Bevölkerung unseres Landes ihre Abstellung erwarten, dürfen dies insbesondere die vaterlandstreuen österreichischen Juden tun, denen aus dem Herzen gesprochen war die Par<;le des Kanzlers: Bis in den Tod. Rot-weiß-rot! Damenfronfefrtions= ITlodeilfrqus „Zoe iescAett Wienerin Hieraus Sa^ec & Co. Wien 1X 2., Währingerstr. 65\ Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dornebmes TTlodellbaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen TTlafcHtelier im Gaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden

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