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Die Wahrheit · 1938-02-25 · Heft 9 (25.2.1938) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 9 (25.2.1938)
Date
1938-02-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 9 — 25. Februar 1938 DIE WAHRHEIT Dar stärkste jüdische Film der Gegenwart I Der gewaltigste Stoff In vollendeter Gestaltung 1 Das menschlichste Thema In der packendsten Darstellung I Der erste künstlerische Film In jiddischer Sprache I Eine Höchstleistung des Films Oberhaupt I Der DyDuh in jiddischer Sprache mit deutschen Fußtiteln mit Abraham Morewski. A. Samberg. Lili Liliana, M. Lipman, Dina Halpern, M. Bozyk, G. Lembereer. L. Liebsold. S. Landau u. a. m. Künstlerische Leitung: Universitätsprofessor Doktor Majer Ballaban. Musik: Henocli Kohr. Tempelcesang: Gerszon Sirota. Tanz: Judith Berg. VraaffOhrana ab Dienstag. 1. Hän letzten Zeit immerhin besorgniserregende Formen angenommen und in den Dienst der antisemitischen Kampagne war ein neues Wochenblatt eingetreten, das aber über seine erste Nummer nicht hinausgegangen ist. Gegen die Hetze hatte sich aber auch die Kirche gewendet. Von den Kanzeln predigten noch am letzten Sonntag Pfarrer und selbst Kapläne der faschistischen Miliz gegen den Antisemitismus und sagten, man müsse vielmehr für das Seelenheil der Juden beten und dürfe nicht vergessen, daß auch Christus ein Jude war. Anderseits machten die Prediger auf die trostlose Lage der katholischen Kirche im nationalsozialistischen Deutschland aufmerksam, wo die Katholiken den schwersten Verfolgungen ausgesetzt sind." PUT S 2a75 monatlich bietet der seit 55 Jahre „Allgemeiner Kranken- MÄB«*ÄMÄ-Ä«i Unterstützung; Verein PlOnieilOrC: seinen Hitgliedern die besten Ärzte für Hann, Frau und Kinder (bis zum 14. Lebensjahre,) ferner Krankengeld, Knr- und Entbindungsbeitrage etc. Beitrittanmeldungen sind an obigen Verein, Wien, 2. Beiirk FerdinandstraOe 19, Telephon R 45-900, zu richten. Helios-Kino II. Taborstrafte Nestroy Kino II., Praterstraoe den besten Eindruck hervorgerufen. Die betreffende Note der „Inforniazione Diplomatica" verrät den Stil Mussolinis selbst. Ihre Fassung und Aufmachung läßt keinen Zweifel übrig, dali jede Polemik, wie auch jede antisemitische Kampagne im faschistischen Italien von nun ab ausbleiben wird. Die großzügige Behandlung der zrgewanderten Juden aus dem Auslande, unter denen sich eine große Zahl aus Hitler-Deutschland; befindet, läßt anderseits erkennen, mit welchem ..liberalen Geiste die römische Regierung diese , ' Frage selbst anzusclineiden bereit ist. Selbst diese sollen nicht Landes verwiesen werden und von einem Numerus clausus ist keine Rede, wenn sich auch die Regierung vorbehält, nach Gerechtigkeits- " Prinzipien bei der Verteilung von Posten und Aufträgen vorzugehen. Das Statut der jüdischen Gemeinden ist, wie weiter feierlich betont wird,;'©in geschriebenes Recht, das dem Staate heilig ist und auch weiterhin streng beobachtet werden wird. Der Eindruck unte f den J ude n Italiens ist ungeheuer groß und ihre Freude über die Anerkennung der Erfüllung ihrer Staatspflichten kommt schon in einem wahren Plebiszit des Dankes an Mussolini zum Ausdruck. Die antijüdische Kampagne gewisser Kreise hatte in der Die Kundgebung der römischen „I n f o r m a z i o n e D iplom a ti ca", die dem Regierungschef Mussolini persönlich zugeschrieben wird und in welcher der Juden Staat in Palästina ab gelehn t, aber die Notwendigkeit der Errichtung eines großen souveränen Judenstaates in einem anderen Teile der Welt betont wird, hat zu verschiedeneu Kombinationen Anlaß gegeben. Während die Pariser „L'E p oq u e" allen Ernstes aus Rom meldet, daß die i t a d i e n ische Regierung beabsichtige, in nächster Zukunft den Vorschlag zu machen, den Juden Abessinion als A uis.w a n d e r u n gs g e b i e t zur Verfügung zu stellen, behandelt der römische Korrespondent des Pariser„Temps" das Problem halb ernst, halb ironisch. „Man kann sich fragen," meint der französische Publizist, „ob sich hinter diesen Ausführungen nicht ein realistischer, konkreter, praktischer Vorschlag versteckt. Mit einem Wort — denkt das faschistische Italien daran, den vom Antisemitismus geschlagenen, durch die Welt irrenden Juden in einem Teil seines Imperiums Gastfreiindschaft zu gewähren? Sollte -zum' Beispiel der Duce daran denken, einen Judenstaat zu schaffen,-m dem er der Judenheit einen T-eil ECHOTE Tapezierer u. Dekorateur Eigenes j Heinrich Bauer Wien III., Löweng. 26, Tel. U-11-8-76 SEMMERING OINh rin-J Abessiniens zu völliger Souveränität überträgt? Italienisch-Ostafrika ist so groß wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zusammen. Es ist sehr dünn bevölkert und enthält viele unausgenützte Naturschätze. Es könnte daher ohne Schwierigkeiten Millionen von Juden absorbieren. In Palästina ist wegen der Enge des Landes und der Anwesenheit der Araber der Versuch fehlgeschlagen. In Abessinieii dagegen spricht a priori nichts gegen seinen Erfolg. Afrika ist der Kontinent von morgen. Auf den Hochebenen Ostafrikas könnten die jüdische Arbeit, das jüdische Genie, das jüdische Kapital ein neues Zion schaffen, eine Stätte der Hoffnung und der Zukunft für die leidenden Juden der Welt. Wir wissen nicht, ob diese Idee in den Ausführungen der „Inforniazione Diplomatica" enthalten ist, aber es ist augenfällig, daß dieser Gedanke aus Gründen des Mitleids, der Menschlichkeit und auch der hohen Politik vom Heiligen Stuhl gern gesehen wird." Der Vatikan würde eine menschliche Lösung der Judenfrage begünstigen, auch Deutschland würde eine derartige Lösung angenehm sein. Die Araber würden eine derartige Lösung mit Freuden aufnehmen, was das Prestige Mussolinis als Beschützer des Islams noch vergrößern würde. Für England würde die Errichtung eines Judenstaates in Ostafrika ein schwerer Schlag sein; für Italien dagegen könnte er einen materiellen und moralischen Erfolg darstellen. Das Budget des» israelitischen Kultusgemeinde. In der Mittwoch-Sitzung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde wurde nach einem Bericht des Präsidenten Staatsrat Dr. F r i e dmann als Finanzreferenten das Budget der Kultusgemeinde ohne Debatte mit Stimmeneinhelligkeit angenommen. ■ Das Budget weist auf der Ausgabenseite 6.687.810 Schilling und auf der Einnahmenseite 6.335.560 Schilling auf, so daß sidh ein Abgang von 352.250 Schilling ergibt. Momiecet „Die Wafotheit"! FEUILLETON Das geliebte Land. ) Unter diesem Titel erschien kürzlich ein bemerkenswertes Buch von Chajim Bloch, dais eine Sammlung uralter Sagen und Mythen aus Palästina beinhaltet. Die jüdische Literatur, das altrabbinische Schrifttum, der Talmud, die mannigfachen Midrasch-Sammlungen enthalten einen ungeheuren Sagenschatz, der sich mit Pa- Üästina beschäftigt. Der Gang der geschichtlichen Ereignisse bedingte es auch, daß sich nicht nur die dichterische Krait des jüdischen Volkes mit Palästina beschäftigte, sondern daß dieses Land auch in Literaturen und Kulturen anderer Völker, orientalischer und abendländischer Herkunft, eine große Rolle spielte. Richtig bemerkt der Verfasser in der Einführung zu dem vorliegenden Werke, daß sich auch gläubige Christen und Mohammedaner ehrfurchtsvoll vor der heiligen Stätte neigen, „wo -der Glaube an Gott vor Jahrtausenden zur Blüte gelangt ist und wo sich die ewig-menschliche, ewig-sittliche Religion entwickelt hat". Chajim Bloch hat in die vorliegende Sammlung solche Sagen aufgenommen, die vom Spätmittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind Der Verfasser besuchte Palästina im Winter 1904/05 und hörte von den Juden Jerusalems, Hebrons, Safeds und Tiberias — dies sind auch die vier Kreise, denen die Sagen der vorliegenden Sammlung zugeteilt sind — viele Erzählungen, die der Verfasser gesammelt, künstlerisch bearbeitet und in schlichter, eindringender Art nacherzählt. Was das Charakteristikum dieser Sagen -*) Chajim Bloch, Das geliebte Land, Sagen aus Palästina. R. Löwit-Verlag, Wien und JerusaUem, 1937. bildet, ist die tiefinnige Religiosität, die die „Helden" einer jeden Sage erfüllt, ist die tiefe Glaubensüberzeugung der berühmten Gesetzeslehrer und Chassidim, ist das rührende Gottvertrauen der einfachsten Frau, ist kurz die geistige Verklärung, die jede Sage eriüllt und durchdringt. Diese Sagen spiegeln getreulich die Zeit ihrer Entstehung wieder. Keine farbenprächtigen Bilder, keine Wundergestalten erstehen vor unserem geistigen Auge, wir vernehmen kein lärmendes Getue. Die handelnden Personen dieser Sagen sind von einem hohen Begehren erfüllt, sie ringen um die letzten Rätsel der Menschheit; von Buße und Reue eriüllt, streben sie danach, das messianische Reich auf Erden zu errichten: in inbrünstigen Gebeten versuchen sie die Ankunft des Messias zu beschleunigen. Eine Verinnerlichung und Vergeistigung erfüllt diese Erzählungen; ein Aufgeben des Materiellen und ein Aufgehen in die rein geistige Sphäre ist der Grundgedanke einer jeden Sage. 'Fast in jeder Erzählung enthüllt sich die ungeheuere Tragik des Judentums, kommt die Unruhe, die das jüdische Volk seit Jahrtausenden begleitet, zum Ausdruck. Ein Untertan beherrscht alle Erzählungen. Sind doch der judenfeindliche Pascha oder Sultan und der geistig hochstehende Zaddik, die gegeneinander kämpfen und in welchem Streite das gute Element, im jüdischen Gelehrten verkörpert, doch letzten Endes den Sieg davonträgt, nicht zeitgebundene Gestalten, sondern allgemeingültige Symbole für die Geschichte der Juden und vielleicht auch für die Geschichte der Menschheit überhaupt Spricht doch aus jeder Erzählung ein unbedingtes Gottvertrauen, eine absolute Zuversicht, daß die Tragik überwunden werden wird. Der Judenfeind wird zum Judenfreund und bereut seine Uebeltaten. So ist es gerade ein lebensbejahender Optimismus, der der jüdischen Weltanschauung durchaus adäquat ist, der diese Sagen erfüllt So sind es echt jüdische Sagen, die uns diese Sammlung bietet Erzählungen,-aus denen der verzweifelte Ruf der Seele nach Gott und dem Erlöser, nach Befreiung von allen in die Tiefe ziehenden Banden tönt. Viele der in diesem Buch vereinigten Sagen waren und sind noch immer aktuell im vollsten Sinne des Wortes. Sie bilden einen „Trost des Volkes", der den jüdischen Menschen in der Stunde der Not und der Verzweiflung beisteht und ihnen hilft, die Krise zu überwinden. Die einzelnen Sagen sind vier „Kreisen" zugeteilt: Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias. die Abschnitte werden durch Aussprüche aus Talmud und Midrasch eingeleitet, die ein sehr passendes Motto darstellen. Einige Erzählungen behandeln das Thema der Blutbeschuldigung. Die handelnden Personen sind historische Gestalten aus Bibel, Talmud und der 'späteren Zeit. Wir erfahren von den Sitten und Gebräuchen.der palästinensischen Juden, von Gedenktagen der Spauiolen, wie das „Fenster-Purim". Im Anhang folgen acht Briefe des Rabbi Menachem Mendel von Witebsk an seine Freunde in Rußland. Dieser Gelehrte zog im Jahre 1778 mit anderen berühmten Chassidim aiach Palästina und förderte den Zion-Gedanken in den chassidiseben Kreisen. Der Gelehrte Chajim Bloch, der sich schon lange Zeit mit dem (jüdischen Sagenschatz beschäftigt, hat in diesem Werke neue Quellen palästinensischer Sagen erschlossen. Wir vernehmen, wie der Verfasser in seiner Einführung bemerkte, „den stolzen Ruf nach Freiheit und Gerechtigkeit"; wir erleben „heiße messianisqhe Verkündigungen, den Hauch des uralten Mythos von der Erlösung der Welt aus Leid und Wirrsal". Die Sagen sind in einem klaren Stil bearbeitet und werden so dargeboten, daß der Leser jede Sage miterlebt. Die Sagen ergreifen unsere Seele und unser Gemüt Jede Erzählung wird zum Erlebnis. Chajim Bloch hat mit diesem Buch einen dankenswerten Beitrag zur Sagenkunde Palästinas geliefert Das geschmackvoll ausgestattete Buch wird sicherlich in allen Kreisen freundlichste Aufnahme finden. Dr. Josua Horowitz.

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