Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 8 (18.2.1938)
- Date
- 1938-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp&fle par l'ecBtearH Jüdische Wochenschrift Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Grosdien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 54. Jahrgang: Wien, 18. Februar 1938 Nummer 8 Die österreichische Regierungsumbildung. Von einer eingeweihten Persönlichkeit wird der JTA. folgender Kommentar gegeben: Eine Aenderung der Judenpolitik der österreichischen Bundesregierung ist im Zusammenhang mit der Begegnung in Berchtesgaden absolut nicht zu erwarten. Die österreichische Regierung hält unerschütterlich an dem Prinzip der Gleichberechtigung fest; obwohl es nicht an vielfachen Verlockungen fehlt, lehnt die österreichische Regierung nach wie vor sowohl aus sozialen als auch aus religiösen Gründen eine Diskriminierung der österreichischen Judenschaft. ab. Als Ergebnis der Begegnung ist wohl eine Rekonstruktion der Regierung erfolgt; an dem Standpunkt des Bundeskanzlers den Juden gegenüber wird dies jedoch nichts ändern, fliezu kommt noch als stark retardierendes Moment der Zusammenbruch der Regierung Goga, der bewiesen hat, daß die westlichen Großstaaten im Jahre 1938 eine genügende Lehre aus ihrer Haltung im Jahre 1933 gezogen haben und einer Schändung der primitivsten Menschenrechte nicht weiter passiv zusehen wollen. Im großen ganzen kann gesagt werden, daß Bundeskanzler Dr. v. Schuschnigg der wichtigste Garant der in der Staatsverfassung verankerten vollende ichberechtigung der Juden ist. Nicht nur jeden SAMSTAG U. SONNTAG sondern auch jeden MITTWOCH finden die Unterhaltungskonzerte HAX GEIGER m CAFE-RESTAURANT FETZER a. d. Schwedenbrücke statt. Besucherkarte auch Mittwoch nurlS Groschen. Israel, du hast gesiegt!1 •i „Die Goga-Regierung hat durch ihr Vorgehen im Lande eine derartige Spannung und in unseren Beziehungen zum Ausland eine derart unangenehme Lage geschaffen, daß die Beseitigung dieser Regierung für den Staat ein Lebensinteresse geworden war." So lautet der Nachruf des Marschalls Averescu für das nach sechswöchiger Amtsvvaltung jäh gestürzte Regime, zu dessen nicht gerade lachenden Erben er als Mitglied der Nachfolgeregierung gehört. Die finanziellen Energien des rumänischen Staates fließen nämlich zum größten Teil aus der produktiven Tätigkeit der jüdischen Industriellen und der jüdischen Kaufleute. Die von den Ariern betriebene Die richtige SeiHtinSeinlage Ix sorgßltigst ansepaOt, hochelastisch, federleicht Marke „PEDIFRI T". firma Bnndaqen-rilUioigsEh Taborstr. 22 / R 45 Gratisbroschüre Landwirtschaft befindet sich trotz der Fruchtbarkeit des rumänischen Bodens in so desoilatem Zustand, daß sie als Steuerquelle fast gar nicht in Betracht kommt. Die Judenpolitik Gogas hatte c'aher die unheilvolle Versiegung der fiskalischen Kraftquellen zur unmittelbaren Folge. Während die Behörden die Initiative zur Ausweisung und Zwangsenteignung der Juden ergriffen — verschiedentlich ist sogar das Eigentum der Kultusgerneinden beschlagnahmt worden — und sich anschickten, die gesamte Judenschaft aus Rumänien zu vertreiben, konnten die jüdischen Kauileute. die mit dieser Vertreibung rechnen mußten, selbstverständlich die Waren nicht mehr abnehmen, die sie bestellt hatten. Die Zollgüter wurden nicht ausgelöst, die Annahme aller Lieferungen verweigert. Steuern wurden nicht gezahlt. In dieser nicht bloß für die Wirtschaft, sondern auch für den Staat katastrophalen Situation stellte sich König Carol, ein liberal fühlender Kulturmensch, auf den religiös toleranten Standpunkt, den bei Goethe der König Ahasver seinem Minister Haman klarmacht: „Mir ist es einerlei, wem sie die Psalmen singen, Wenn sie nur ruhig sind und mir die Steuern bringen." Und da er einsah, daß die Verstopfung der ergiebigsten Geldquellen ..alles fürs V a t e r 1 a n d" ist. was Goga und der noch radikalere Codreanu zu leisten imstande sind, machte er dem Regime des einen und den noch gehässigeren Aspirationen des andern mit einem Schlage ein resolutes Ende Herrn Gogas Dichterauge erscheint die Sachlage freilich in anderem Lichte. Er, der nach einem Wort der Wiener „Reichspost" direkt aus den poetischen Gefilden des Parnaß in die prosaische Realität der Walachei geraten war, schritt, wie er selbst erklärt, mit erhobenem Haupte von seinem Posten, in der festen Ueberzeugung, daß ihm die Zukunft recht geben wird. Worin besteht diese Üeberzeugung? „Wie Julian' Apostata ausgerufen hat: ,Du hast gesiegt. Galiläer!', so erkläre ich heute: Israel, Du hast gesiegt!" Leider ist die Aussicht, daß in Rumänien nach dem Stu'z Gogas eine menschlichere Auffassung der Judenfrage platzgreift, ziemlich skeptisch zu beurteilen. Die Nachfolgeregierung hat gleich in ihrer ersten Proklamation die Judenfrage wieder aufgenommen und ganz im Sinne Gogas erklärt, es gelte, die ..fremden" Elemente abzuschieben und den völkisch-rumänischen Charakter des Staate* zu wahren. Anderseits bedeutet die Verlängerung der Frist, in der die Juden ihre Dokumente zur Ueberprüfung ihrer Staatsbürgerschaft vorzulegen haben, bis zum 10. März gewiß eine kleine Erleichterung, da wenigstens eine überstürzte Abschiebung der Ausgebürgerten ohne Aussicht auf ein zumindest vorübergehend Zuflucht bietendes Asyl vermieden wird. Die jetzige Regierung will sich sogar bemühen, im Verein mit anderen Staatsregierungen, die ihre Juden loswerden möchten, für diese ein Vaterland ausfindig zu machen, das ihren — nämlich der Juden — Wünschen entspricht. Da darf man wohl neugierig sein, was dabei herauskommt . . . Unter solchen Umständen von einem „Sieg Israels" zu sprechen, dazu bedarf es schon der ausschweifenden Phantasie eines Dichters. Herr Goga war aber in dieser Hinsicht kein literarischer Bahnbrecher, sondern iolgte bloß den Spuren Damenhonyehtions=_ modellbaus | BÄSCH Zweimal täglich Eilzustellang nach allen Bezirken Inhaber: Dr. RICHARD BÄSCH IV., Argenttnlerslrafie 22 OHlE*KOKS ANIHRAZI T „Tbrec Stars •.BiCHENHOlZ 0 47-5-40 „Zuc feschen Wienerin Hlcfius Saher & Co. Wien 1X2., WährinSerstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1397 Dorneljmes modellbaus für Damenbekleidung tTIafcHteliet im fiaufe Traaerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden