Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 6 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 6 — 11. Februar 1938. DIE WAHRHEIT JODISCHE JUGEND WIENS! Gedenkt der Leistungen und des Opferwillens eurer Väter für Oesterreich, denkt daran, was Oesterreich euren Vätern stets bedeutet hat. Dann werdet Ihr verstehen, daß auch euch dieses Land Heimat und Vaterland sein muß. Macht euch nicht bewußt zu einer rechtlosen Minderheit, sondern denkt immer daran, daß Ihr auf Grund eurer Zugehörigkeit zum Oesterreichertum und zur österreichischen Kultur ein Recht auf volle Gleichberechtigung habt. Jüdische Jugend Wiens, an euch liegt es, zu beweisen, daß Ihr die würdigen Kinder eurer österreichischen jüdischen Väter seid, die für Oesterreich gekämpft und gelitten haben, jüdische Jugend Wiens hinein in die JUGEND"UNION Die Propagandaleitung der Jugend-Union, I., Schottenring 25. Anmeldungen Jeden Mittwoch und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr abends im Klubheim Das war also ungefähr vor einem Jahre. In der Zwischenzeit hat die statistische Kommission, die unter der Leitung eines jüdischnationalen Mandatars steht, offenbar keine Zeit gefunden, dem einstimmigen Beschluß des Kultusvorstandes entsprechend, diese Ausarbeitung des Steueramtes, die jetzt als eine „amtliche Prüfung der Wiener Poüzeidirektion" der Wiener jüdischen Bevölkerung vorgegaukelt wird, auszuführen. Die Vertreter der „Union" haben auch in einer der ersten Sitzungen der Finanzkornmission im Jahre 1936 oder anfangs 1937 beantragt, einen verläßlichen Kataster alier jüdischen Bewohner Wiens zu schaffen, aus dem auch die Staatsbürgerschaft ersichtlich sein soll. Es ist wieder ein Jahr her und diese Arbeit ist noch nicht fertiggestellt, vielleicht kaum noch richtig in Angriff genommen, wiewohl diese Arbeit auch im Interesse der Erfassung neuer Zensiten, daher der Vermehrung der Einnahmen der Gemeinde, dienlich ist. Aber so wie alles, was Klarheit schaffen und den jüdischnationalen Nebel vertreiben kann, von den Führern der Verwaltung der Gemeinde auf die lange Bank geschoben wird, wie zum Beispiel die einstimmig beschlossene Steuerreform oder die einstimmig beschlossene Anstellung eines außerhalb der Verwaltung stehenden RevisTonsorganes, so auch die Anlage dieses Katasters. Erst dann werden sich zweifelsfreie Ziffern über das Verhältnis der Inländer zu den Ausländern feststellen lassen. Wir schätzen die Zahl der ausländischen Glaubensgenossen in Wien, inklusive Frauen und Kinder, auf zirka 45.000, das sind mehr als ein Viertel aller jüdischen Bewohner Wiens. Die Zahl der Wahlberechtigten war laut amtlicher Mitteilung der Kultusgemeinde 44.440; ein Viertel davon ist 11.100, also zirka 11.000 Ausländer. Laut der „amtlichen Prüfung der Wiener Polizeidirektion", wie diese Hausnummern von der „Neuen Welt" genannt werden, haben bei der Wahl vom 8. November 5330 Ausländer gewählt. Nach der amtlichen Mitteilung der Kultusgemeinde iliaben 31.750 Stimmberechtigte von 44.440 von ihrem Stimmrechte Gebrauch gemacht. Zirka 12.700 sind zu Hause geblieben. Unter diesen 12.700 sollen also zirka die Hälfte Ausländer gewesen sein. Das soll das Blatt des Herrn Stricker, solange es noch in Oesterreich und nicht in Palästina erscheint, der Frau Blaschke erzählen. Jedermann weiß, daß die Indifferenten und Gleichgültisen, die bei der Wahl zu Hause blieben, inländische und nicht ausländische Juden sind, und jedermann weiß, daß der letzte jüdischnationale politischzionistische Wähler zur Urne gebracht wird. Und ebenso weiß jeder, daß der jüdischnationale politisch-zionistische Gedanke in der Hauptsache bei den ausländischen Juden — begreiflicherweise — eher auf fruchtbaren Boden fällt. Daraus ergibt sich der logische Schluß — quod erat demonstrandum — daß es richtig ist, daß der Großteil der Wähler der Jüdischnationalen ausländische Juden sind und der größte Teil der Wähler der „Union" die inländischen Juden, daß aber ein Großteil von Gesinnungsgenossen der „Union" bei der Wahl zu Hause bleibt, weil sie sich noch immer nicht der Bedeutung der Kultuswahlen bewußt werden. Erst „Erfolge" des Wirkens der Jüdischnationalen ä la „Oesterreichisches Jungvolk" werden auch diese Kreise darüber belehren, daß unter der jüdischnationalen Herrschaft die israelitische Kultusgemeinde Wien eben nicht mehr eine Einrichtung zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ist, sondern eine hauptsächlich von jüdischnationalpolitisch-zionistischen Ideologien geführte Organisation, deren Wirken das Verhältnis der österreichischen Judenschaft zu Staat, Land und Stadt nachteilig beeinflussen muß. Nun nodi einige Worte über die Demagogie des Blattes des Herrn Stricker. Es hält es für richtig, die alte verrostete Waffe gegen die „Union" dem Arsenal der Verdrehungen zu entnehmen, daß die „Union" „ä la Goga" gegen die Ostjuderi eingestellt ist. Wir brauchen wohl nicht auf die Leistungen der „Union" im Laufe ihres mehr als fünfzigjährigen Bestandes gerade für die Ostjuden hinzuweisen, auch nicht darauf, daß Ostjuden, die nichtjüdischnational sind, sondern sich zur österreichischen Nation bekennen, zu ihren Mitgliedern, Vorstandsmitgliedern und zu den Vertretern der „Union" in der Kultusgemeinde gehören. Wir verlangen nur von den Ostjuden, daß sie sich assimilieren und den Sitten und Gebräuchen dieses Landes akkommodieren. Aber weil das Blatt des Herrn Oberbaurates Stricker wieder einen nicht vorhandenen Gegensatz schaffen möchte, muß in Erinnerung gebracht werden, was wir über die Einstellung des Herrn Oberbaurat Stricker in den Nummern der „Wahr-' heit" vom 6. März 1936 und 18. Nov. 1932 widerspruchslos vorgebracht haben. Dort heißt es: „Wer aber fand den Mut, sich öffentlich gegen diese Flüchtlinge (aus Galizien) auszusprechen und damit den Antisemiten Helfersdienst zu leisten? Herr Oberbaurat Stricker wurde von Herrn Dr. S. R. Landau — einen der wenigen aus dem Kreise Bwkioücdiges uasn 1aq,e. 11. Februar 1842 wurde der Schauspieler Ludwig Barnay in Budapest geboren. 12. Februar 1692 wurde Josef Süß Oppenheimer (Jud Süß) in Heidelberg geboren. 13. Februar 1931 starb Hof rat Rektor Adolf Schwarz in Wien. 14. Februar 1864 wurde der Romanschriftsteller Israel Zangwill '(Kinder des Ghetto) geboren. 15. Februar 1871 starb Gotthold Ephraim Lessing, der Freund Mendelssohns und Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden (Nathan der Weise). 16. Februar^ 1855 starb in Breslau Rafael Fürstenthal, Dichter und Uebersetzer religionsphilosophischer Werke (More nebuchim, Chowoth halewowoth). 17. Februar 1877 starb Salomon Herrn. Mosenthal (üeborah, Libretto zu den „Lustigen Weibern von Windsor") in Wien. Theodor Herzls — deshalb öffentlich scharf angegriffen. Er klagte hierauf Herrn Dr. Landau wegen Ehrenbeleidigung. Dr. Landau trat den Wahrheitsbeweis an und wurde auf Grund desselben freigesprochen. Vielleicht erinnert sich Herr Stricker dieser Episode, dann wird er mit seiner Rolle als Verteidiger der Ostjuden gegen die bösen Unionisten etwas vorsichtiger sein." Rumäniens Judenpolitil *,... Micescu über den „Genier Sieg**: Aui einer Konferenz, welche Micescu mit Pressevertretern hatte,; erklärte der Außenminister, er habe in Genf dadurch einen Erfolg erzielt, daß das Ansuchen nach beschleunigter Ueberprüfung der Beschwerden betreifend eine „Revision der von den Juden aui unehrliche Art erlangten Bürgerrechte"' abgelehnt wurde. Der Außenminister hob den „Sieg des rumänischen PTinzips" hervor, welches in der ausländischen Presse kommentiert worden ist, und dies besonders in einem Interview, welches König Carol der amerikanischen Presse gewährte. Ohne das endgültige Resultat in Genf vorwegzunehmen, sagte Micescu weiter, hoffe ich, daß Rumänien seine volle Souveränität in Sachen seiner inneren Politik wieder erlangen wird. Dies hängt jedoch von der Stärke ab, mit der die Rumänen das nationale Bewußtsein bei der nächsten Wahl manifestieren werden. Das Problem der jüdischen Minderheit in Rumänien verläßt nun für eine Periode von zwei Monaten das Feld der Außenpolitik und tritt, wie vor dem Jahre 1919, wieder in den Bereich der inneren Politik. Es liegt nun an den Rumänen, und nur an ihnen, zu bewirken, daß der rumänische Außenminister, gleichgültig, wer es sein wird, in zwei Monaten es durchsetze, daß dieses Problem von der Tagesordnung des Völkerbundes entfernt werde. Meine Aufgabe war es, den Endsieg vorzubereiten. Goga verbietet jede Diskussion über Genf. Eine amtliche Mitteilung des Ministerratspräsidiums besagt: „In der letzten Zeit wurden aus Anlaß der jüdischen Minderheitsbeschwerde in Genf verschiedene Pressekommentaxe veröffentlicht, deren Erscheinen die Regierung in dem Wunsche zuließ, daß die Oeftentlichkeit die Ansichten aller kennen lerne. Obwohl Außenminister Micescu bei seiner Rückkehr aus Genf den offenbaren Triumph der rumänischen Sache mitteilen konnte, versuchen Böswillige dennoch entstellende Auslegungen, die sich auf die erfolgten Erklärungen stützen, wobei falsche Schlüsse hinsichtlich der gesamten Leitlinie der rumänischen Außenpolitik gezogen werden. Angesichts dieser Lage hält es die Regierung für notwendig, bis zur endgültigen und baldigen Regelung des Pressewesens jeder Diskussion dieses Themas ein Ende zu bereiten, nicht um sich zu verteidigen, sondern um die höheren Staatsinteressen zu wahren, welche durch jede Entstellung der Tatsachen geschädigt werden." Lage der Juden in Rumänien vor dem englischen Unterhaus. In der Sitzung des englischen Unterhauses am Montag, den 7. Februar, richtete der Abgeordnete Josiah Wedgewood eine Anfrage an den Außenminister Anthony Eden, was die englische Regierung zu unternehmen gedenke, um den Schutz der jüdischen Minderheit in Rumänien zu garantieren, wo doch England Mitunterzeichner des von Rumänien eingegangenen Minderheitenschutzvertrages vom 9. Dezember 1919 ist Wedgewood wollte auch wissen, ob England mit dem zweiten Mitunterzeichner des-erwähnten Vertrages, Frankreich, sowie mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeitet, um ein günstiges Ergebnis zu erzielen. Minister Eden antwortete, es lägen beim Völkerbunde zahlreiche Petitionen von jüdischen Organisationen vor, die gemäß dem üblichen Verfahren vom Dreierkomitee geprüft werden, das sich aus dem Präsidenten des Völkerbundrates und je einem französischen und britischen Delegierten zusammensetzt. (Der französische Delegierte ist bekanntlich Außenminister Delbos, der britische Delegierte Außenminister Eden. D. Red.) Dieser Ausschuß werde seine Antwort nach Abschluß des Verfahrens unverzüglich bekanntgeben. Die britische Regierung erwäge mittlerweile die Frage einer unmittelbaren Aktion, die bei den gegenwärtigen Verhältnissen wirksam sein könnte. Der britische Gesandte in Bukarest habe dm Auftrage des Londoner Außenamtes den rumänischen Außenminister daran erinnert, daß die britische Regierung stets ein großes Interesse an den Minderheitenverträgen, deren Signatar sie ist, bekundet hat. Da Amerika nicht Mitglied des Völkerbundes ist und auch keine Minderheitenverträge unterzeichnet hat, ist die Lage hier wesentlich anders als hinsichtlich Großbritanniens und Frankreichs. England könne hier nichts tun, die Sache bleibe den Vereinigten Staaten überlassen. Die rumänische Regierung aber könne über die Ansichten der britischen Regierung in dieser Frage nicht mehr im Unklaren sein. Motutieeet „Die Wakiheit"!