Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 6 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3064714-3064720--21488-3086848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 6 — 11. Februar 1938. DIE WAHRHEIT UNION-KLUB Dienstag, den 15. Februar 1938, 20 Uhr VORTRAG ,onF«uDR. HEDWIG FISCHER-HOFMANN Fidiärrtin für Dermatologie und Kosmetik über „KOSMETIK - EIN GEBOT DER ZEIT" im Klubheim, I., Sdiottenring 25 (Mezz-) Wir sind überzeugt davon, da& dieser Vortrag die Mitglieder und Freunde des „UNION-KLUB" - Damen wie Herren — lebhaft n wird, und bitten deshalb um recht zahlreichen Besuch DIE LEITUNG DES „UNION-KLUB" nannten Dachverbandes geplant war, was die „Union" verhindert hat, erzählte, daß Dr. Friedmann sich dem Vernehmen nach sogar dazu verstieg, das Tragen des Kruckenkreuzes als mit der religiösen jüdischen Einstellung unvereinbar hinzustellen, obwohl bekanntlich Oberrabbiner Doktor Feuchtwang und andere streng religiöse jüdische Funktionäre höchste Auszeichnungen annahmen, die die gleiche Form aufweisen, und obwohl es zahlreiche Amtswalter der Vaterländischen Front jüdischer Konfession gibt, die das Kruckenkreuz mit Stolz tragen. Wir haben, zuletzt in der bekannten Resolution unseres Zentralvorstandes, Herrn Dr. Friedmann in aller Oeffentlichkeit den Vorwurf gemacht, daß er ohne Vollmacht sich das Recht arrogierte, im Namen des österreichischen Judentums in der „Jungvolk"-Frage zu verhandeln und gar einen „Vertrag" abzuschließen. Herr Dr. Friedmann hat auf diese Vorwürfe endlich „geantwortet". In den jüdischnationalen Zeitungen, die am iEnde der Vorwoche erschienen sind, findet sich eine langatmige „Erklärung" des Herrn Staatsrates Dr. Friedmann, in der trotz ihrer vielen Worte — nichts gesagt wird. Herr Dr. Friedmann antwortet auf einen Vorwurf, den wir nicht erhoben haben, und lenkt in seiner bekannten Art vom Diskussionstiierna ab. Wenn Herr. Dr. Friedmann erklärt, daß er zu der Angelegenheit erst „Stellung nehmen werde, bis die bezüglichen Verfügungen ergangen sind", so ist dem entgegenzuhalten, daß er bereits unmittelbar nach der Erklärung des Herrn Grafen Thurn-Valsassina im „Neuen Wiener Tagblatt" seine vollkommene Zustimmung zu den die österreichische Jugend so schwer in ihren Rechten beeinträchtigenden Plänen des Herrn Bundesjugendführers verlautbart hat. Und wenn Herr Dr. Friedmann den Standpunkt einnimmt, daß die „Union österreichischer Juden" in dieser Frage ebenfalls gehört wurde, so ist eine solche Feststellung eben nur das Abgleiten vom Diskussionsthema. Wir haben nie und nimmer behauptet, daß uns die Gelegenheit, unseren bekannten Standpunkt in dieser Angelegenheit der zuständigen Stelle mitzuteilen, nicht gegeben war. wir haben, als wir von den Absichten des Herrn Dr. Friedmann erfuhren, und das war leider sehr spät, nämlich Mitte Dezember, raschest die Möglichkeit gesucht und gefunden, mit dem Herrn Bundesjugendführer Fühlung zu nehmen, und haben ihm im Wege einer Vorsprache die Unstichhältigkeit seiner auf Dr. Friedmanns jüdischnationalen Informationen gegründeten Ansicht, daß die österreichische jüdische Jugend wegen der religiösen Verschiedenheit nicht gemeinsam mit der übrigen Jugend im „Jungvolk" erzogen werden könne, vor Augen geführt. Darauf bezieht sich der Hinweis in der Erklärung des Herrn Bundesjugendführers auf die „Einwendungen von führender jüdischer Seite", wir haben tatsächlich dem Herrn Grafen Thurn-Valsassina die gemeinsamen religiösen Zeremonien in Schule und beim Militär seit Kaiser Franz Joseph vorgehalten und mit aller Entschiedenheit festgestellt, daß der Gegenstand der religiösen Verehrung unserer andersgläubigen Mitbürger auch Gegenstand unserer Verehrung ist. (Lebhafte Zustimmung.) Unter stürmischem Beifall schloß Reg.-Rat Dr. Oppenheim seine zündende Ansprache mit folgenden Worten: „Wir klagen Herrn Dr. Friedmann an, daß er ohne Einvernehmen mit den maßgebenden jüdischen Organisationen Oesterreichs und ohne Vollmacht mit den zuständigen Stellen verhandelt und eine Abmachung getroffen hat. Mit welcher Berechtigung hat dies Dr. Friedmann getan? Als Präsident der Kultusgemeinde, die alle in Wien seßhaften Juden, also auch die ausländischen, umfaßt, welch letztere gerade auf die Erringung der jüdischnationalen Mehrheit in der Wiener Kultusgemeinde einen maßgebenden Einfluß genommen haben? Als österreichischer Staatsrat, der alle österreichischen Juden zu vertreten hat und dem vor allem die Ansicht der österreichisch fühlenden Glaubensgenossen wesentlich sein muß? Als jüdischnationaler Führer, dann soll dies Dr. Friedmann mit aller Offenheit bekennen. Was hier unseren Kindern geschehen ist, das kann für sie und unsere eigene Zukunft verhängnisvoll werden und deshalb geht unsere Ansicht dahin, daß die für die Interessen der österreichischen Juden, wie neuerlich bewiesen, schädliche jüdischnationale Politik und deren Führer als falsi procuratores der österreichischen Judenschaft verschwinden müssen." (Stürmischer Beifall.) Nachdem sich der stürmische Jubel, der dem Referate des Präsidenten gefolgt war, gelegt hatte, ergriff unter neuerlichen Beifallskundgebungen der Tapezierer u. Dekorateur Eigenes Heinrieb Bauer Wien III., Löweng. 36, Tel. U-11-8-?6 C a ff 6 EC&OTiDM semhering |—' Resolution. 0 am Schlüsse dieses Berichtes publizierte Resolution zur Verlesung, die einstimmig e, begeisterte Annahme fand. In scharfen Worten verurteilte Vizepräsident Geza Klinger das Vorgehen des Herrn Doktor Desider Friedmann, der mit seinen jüdischnationalen Plänen den Absichten derjenigen zu Hilfe gekommen ist, die die Eliminierung der österreichischen jüdischen Jugend aus dem österreichischen Jungvolk wollen. Herr Dr. Friedmann wird sich der Verantwortung für diese Tat niemals entziehen können. In seinem Schlußworte zu der Debatte über das .Jungvolk" stellte Reg.-Rat Dr. Oppenheim fest, daß lediglich sachliche Gründe ihn bei seiner Aktion leiten, Angriffe, denen er oder die „Union" von antisemitischer oder jüdischnationaler Seite ausgesetzt ist, können ihm seelisch nicht nahegehen und ihn niemals dazu veranlassen, auch nur ein Jota von der durch seine Ueberzeugung und sein Gefühl ihm vorgeschriebenen Linie abzuweichen. (Erneuter stürmischer Beifall.) Ehrenpräsident der „Union", Herr Dr. Jakob Ornstein das Wort zu folgender Erklärung: „Dr. Oppenheim hat die Frage an uns gerichtet, ob wir mit der unter seiner Führung eingeleiteten Aktion einverstanden sind. Wir bejahen diese Frage*, denn in uns allen lebt das Gefühl, daß wir nichts unversucht lassen dürfen, was geeignet ist, die bedrohte Gleichberechtigung des österreichischen Judentums sicherzustellen." Dr. Ornstein beschäftigte sich mit den nichtigen Einwänden, die gegen den Standpunkt der „Union" vorgebracht werden, und erklärte unter Zustimmung der Versammlung, daß ein Mann, der Vertreter der österreichischen Juden zu sein beliauptet sich Beeinträchtigungen unserer Gleichberechtigung allenfalls Für S 2.75 monatlich Ii UnterstQtzungs - Verein seinen Mitgliedern die besten Arzte für Mann, Frau und Kinder (bis zum 14. Lebensjahre,) ferner Krankengeld. Kur- und EntbindunRSbeiträge etc. Beltrlttanmeldungen sind an obigen Verein, V/ien, 2. Bezirk KerdinandstiaSe 18, Telephon K 45-900, zu richten. oktroyieren lassen könne, nie und nimmer aber Handlanger bei einer solchen Beeinträchtigung sein dürfte. Der Ehrenpräsident der „Union" wandte sich in temperamentvoller Weise gegen das Schlagwort vom jüdischen „Unter-sich"-Sein und rief unter begeisterter Zustimmung der Versammlung iaus: ,,Im Tempel, wenn wir unsere religiösen Gebräuche mit Andacht üben, sind wir unter uns, in der Liebe zum Vaterland aber sind wir mit allen anderen Mitbürgern dieses Landes welchen Glaubens immer vereinigt und wollen es bleiben. Wir folgen begeistert der Leitung der „Union" und wollen unter ihrer Führung für unsere Ideale kämpfen und streiten, wenn es gilt, unsere gefährdete Gleichberechtigung zu erhalten." Nun ergriff als ältester der anwesenden Vertrauensmänner Herr Dr. Josef K o h n, XX., das Wort, um seinen Gefühlen der Begeisterung und des Schmerzes Ausdruck zu geben, der Begeisterung darüber, daß die ,,Union" nach wie vor für Religion und Vaterland unentwegt kämpfe, des Schmerzes darüber, daß sich Glaubensgenossen gefunden haben, die ihre Zustimmung dazu geben, daß unsere Kinder gewissermaßen aus dem österreichischen Staatsvolk ausgeschlossen werden. Als Sohn eines österreichischen Soldaten, der in führender Position für Oesterreich gekämpft und geblutet hat protestierte der Redner heftig gegen diese Absicht und gegen diejenigen, die mit jüdischnationalen Scheuklappen "diese Politik noch unterstützen. Es gibt keine jüdische Nation, jede gegenteilige Behauptung ist eine Geschichtslüge, das Judentum wurde und wird durch seine religiöse Ethik erhalten, die mit der Ethik des Christentums übereinstimmt, für den wahrhaft österreichischen Juden gibt es nur eine Nation und das ist die österreichische. Herr Dr. Kohn brachte hierauf die Die am Sonntag, den 6. Februar 1. J. abgehaltene Vollversammlung der Vertrauensmänner der „Union österreichischer Juden" hat nachstehenden einhelligen Beschluß gefaßt: Die Vertrauensmännerversammlung der „Union österreichischer Juden" spricht ihrem Präsidenten, Herrn Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, ihr unbedingtes und unerschütterliches Vertrauen aus. Sie anerkennt sein unerschrockenes, mutiges und zielbewußtes Eintreten gegen die jüdischnationale Ghetto-Politik sowohl in der Kultusgemeinde als auch insbesondere in dem Kampfe gegen die Absonderung . der jüdischen Jugend, wie s!e von jüdischnationaler Seite versucht wird. Sie spricht ihm für diese seine Tätigkeit den besten und herzlichsten Dank aus. Die Mitglieder und Freunde der „Union österreichischer Juden", vertreten durch ihre heute versammelten Vertrauensmänner, erklären, zur Führung der „Union" unbedingtes Vertrauen zu haben. Sie stehen im Kampfe gegen den jüdischen Nationalismus, im Kampfe gegen die Absonderung der Juden und im Kampfe für die Gleichberechtigung der Juden geschlossen und einhellig hinter ihrem Präsidenten. Jeder, von welcher Seite immer unternommene Versuch, die bisher geübte und von den Vertrauensmännern als richtig erkannte Tätigkeit irgendwie abzuändern, muß an dem uneingeschränkten Vertrauen aller der „Union" angehörigen Juden Wiens scheitern. Die Vertrauensmänner erwarten, daß die „Union" nach wie vor für ihre hohen Ziele im Interesse der Gleichberechtigung aller Juden den Kampf weiterkämpfen wird. Die versammelten Vertrauensmänner sprechen insbesondere auch jenen, welche die ihnen durch das- Vertrauen der „Union" zugekommenen Mandate im Kultusvorstande, dem Beispiele des Präsidenten folgend, in energischer Weise ausüben, den besten Dank aus, und sie erwarten auch in der Zukunft die gleiche standhafte, opferbereite Haltung in allen Fragen, in welchen die Grundsätze der „Union österreichischer Juden" auf dem Spiele stehen. Die Vertrauensmänner werden, soweit es an ihnen liegt, alles tun, um den im Interesse der österreichischen Judenschaft, geführten Kampf zum Siege zu führen. Die besten Eiseo Warstshü SeiAwares 3mal tätlich frisch bei HABEL, WisD II-, PfalarsiraSe i3 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiifschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt.