Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1938
- Issue
- Heft 4 (28.1.1938)
- Date
- 1938-01-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite? dagegen, daß die Fraktion der jüdischnationalen Kultusräte sich das Recht anmaßt, in Fragen, welche die staatsbürgerlichen Rechte der österreichischen Juden betreffen, als Vertreter der österreichischen Juden aufzutreten, welches Recht ihnen schon deswegen nicht zustehen kann, da nach dem bestehenden Wahlrecht in die Israelitische Kultusgemeinde jeder Angehörige der israelitischen Religion, daher auch zahlreiche nichtösterreichische Personen das Wahlrecht ausüben, so daß in den Beschlüssen der jüdischnationalen Kultusräte der politische Wille der österreichischen Juden nicht zum Ausdruck kommen kann. Die .Union österreichischer Juden' verwahrt sich weiters dagegen, daß Vereine, wie der .Jüdisch-Kulturelle Elternbund', bzw. .Trumpeldor', die bekanntermaßen über eine ganz geringe Mitgliederanzahl verfügen und sich ausschließlich aus jüdischnationalen Mitgliedern zusammensetzen, sich den Anschein geben, daß sie wirkliche und bedeutende Organisationen österreichischer Juden seien; ferner dagegen, daß derartige Vereine durch Absendungen von Zustimmungserklärungen und Telegrammen eine Bedeutung vortäuschen, die ihnen von der überwiegenden Mehrheit österreichischer Juden nicht zugebilligt wird. Aus den erwähnten Gründen ersucht daher die gefertigte Organisation das Präsidium der .Union österreichischer Juden', umgehend energische Schritte bei den zuständigen Stellen einzuleiten, um den durch die erwähnten jüdischnationalen Organisationen hervorgerufenen Eindruck, daß dieselben die politischen Willensträger der österreichischen Juden seien, richtigzustellen und maßgebendenorts darzulegen, daß es der Wunsch der österreichischen Juden ist, In allen staatsrechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen, daher auch in den Jugendorganisationen, mit allen Bürgern dieses Staates wie bisher voll und ganz geschlossen zusammenzuarbeiten. Für die Bezirksorganisation Neubau der „Union österreichischer Juden" Franz Glaser, Dr. Oskar Gottfried, Obmannstellvertreter Obmann Julius Alt, .. ... . Schriftführer." -..... Die Bezirksorganisation Döbling der „Union" veranstaltete am 20. d. M. im Cafe Döblingerhof eine Werbeversammlung, die einen überaus schönen Verlauf nahm und eine starke Propagandawirkung erzielte. Der Vorsitzende, Zentralvorstandsmitglied Arthur Weiss, konnte zahlreiche Mitglieder des Zentralvorstandes und Kultusvoristandes, sowie sehr viele Döblinger Mitglieder und Freunde der „Union" begrüßen. In markanten Reden beschäftigten sich die Herren Präsident Reg.- Rat Dr. Hermann Oppenheim, Vizepräsident Dr. Josef Ticho und Kultusvorsteher Dr. Ernst Feldsberg mit den aktuellen Fragen, wobei insbesondere das Problem des „Oesterreichischen Jungvolks" und der jüdischnationalen Parteipolitik in der Kultusgemeinde einen breiten Raum ihrer ausgezeichneten Ausführungen einnahm. Die Zuhörer dankten mit lebhaftem Beifall den Rednern, deren Parole: „Für Oesterreich und Judentum!" begeisterten Widerhall fand. Herr Arthur Weiss schloß die Versammlung mit der Versicherung, daß die Döblinger Bezirksorganisation kräftig mitarbeiten werde an der heute so wichtigen Durchsetzung der unionistischen Ziele und Tendenzen. JUGEND-UNION. Jugendgruppe der „Union österr. Juden", Bezirksgruppe: IV., V., X. Sitz: IV., Hauslabgasse 2. Leitung: Dr. Julius Klügler, Wien I., Annagasse 3 a. Telephon: R 22-3-87, von 4 bis 6 Uhr. Unser nächstes Programm: 31. Jänner: R. Kupferstein: liest aus Erich Kästners Werken. 7. Februar: Dr. Robert Kai deck: Medizinisches Thema. 14. Februar: Georg Beck:-Film und Theater. 21. Februar: Dr. Schorn Wirtschaftsreferat. 28. Februar: Unterhaltungsabend im Cafe Ganaus er. Anschließend findet ein Heimabend statt. Beginn präzis© um halb 9 Uhr! Jüdische Einwanderung in Kanada unbehindert In einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter erklärte ein Beamter des kanadischen Einwanderungdepartements, die Tore Kanadas stehen Jedem Juden, der zur Ansiedlung auf dem flachen Lande vorbereitet ist, offen. Die Jüdischen Hilfsorganisationen, sagte er tadelnd, bemühen sich nur in ungenügendem Maße, mit der kanadischen Regierung, betreffend Kolonisation von Juden in Kanatfa, zu verhandeln. Eine größere Ansiedlung von Juden sei vor allem im Staate Ontario möglich. IjBofraHPro^ Bei dem unter gewaltiger Beteiligung stattgehabten Leichenbegängnis des Herrn Hotrat Prot'. Doktor J. Schey hielt Oberrabbirver Dr. J. Taglicht eine ergreifende Trauerrede, in der er u. a. ausführte: Seine Lebensarbeit war der Rechtswissenschaft gewidmet. Der Gegenstand, den er behandelte, das Recht, war ihm nicht ein Fach, das er nun einmal gewählt hatte. Er kam zu seinem Gegenstande aus innerem Drange, die Rechtsordnung war ihm eine heilige Sache. „Ein Mensch, der e>> sich zur Aufgabe macht, das Recht zu ergründen und zu fördern, 'ist ein Mitarbeiter Gottes, dessen Thron auf Gerechtigkeit sich stützt." Dr. Josef Schey kannte schwerlich diesen talmudischen Ausspruch, aber dessen tiefe Wahrheit hat er beglückend empfunden, denn er war erfüllt von dem Bewußtsein, seinem Leben den würdigsten Inhalt gegeben und der Menschheit segensvoli gedient zu haben. Diese Erkenntnis führte ihn nicht zur Ueberhebung, sondern, wie bei allen wahrhaft großen Geistern, zu Bescheidenheit und zur tietinneren Gläubigkeit. Er ist seinem Glauben, dem Judentum treu geblieben. Eingesendet. Die „Ostjuden" und die Jüdischnafionalen. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß die „Ostjuden" begeisterte Anhängerder jüdisch-nationalen Richtung wären; aus ihrer Heimat wissen sie, welch ungeheures Unglück, die jüdischnationa'e „Politik" über die Juden in Polen gebracht hat, und sie denken an jene glückliche Zeit, da als Wortführer der Juden, die von den Jüdischnationalen so arg mit Terror befehdeten „Mocskos" fungierten. Man kann mit geradezu historischer Präzision einwandfrei feststellen, daß der Radauantisemitismus in Polen erst durch das Anwachsen der jüdischnalionalen „Bewegung" ausgelöst wurde. Die ganze Ideologie der Jüdischnationalen ist ja eine förmliche Legitimierung des Antisemitismus. Es ist geradezu grotesk, daß das in Polen und Rumänien übliche Schimpfwort „Jud, geh nach Palästina" von Juden zu einer Parteidoktrin erhoben wurde. Das alles wissen die „Osrjuden" und es ist charakteristisch, daß die jüdischnationalen Stimmen in Polen selbst immer mehr abnehmen und es heute, im Gegensatze zu früheren Jahren, in Polen fast keine Kultusgemeinde mehr gibt in denen die jüdischnationalen Zionisten die Mehrheit haben. Nur der isr. Kultusgemeinde Wien ist es vorbehalten geblieben, die Hochburg des jüdischen Nationalismus zu sein. Ein Ostjude. Und Jabotinsky spricht! Auf vielen Litfaßsäulen und Anschlagbrettern in ganz Wien war zu lesen, daß Jabotinsky sprechen wird. Ganz Wien soll es lesen! Ganz Wien las es. Jabotinsky spricht über den Kampf um den Judenstaat. Ich habe mir die Frage vorgelegt, ob dieser Vortrag ganz Wien interessiert. Schon der Hinweis auf den Judenstaat kann von vielen Leuten verschieden aufgefaßt werden. Die christliche Bevölkerung kann sich denken, was wollen die Juden schon wieder? Sic wollen in Wien die Gleichberechtigung und streben nach dem Judenstaat. Aus physikalischen und ethischen Gründen sind beide Verlangen nicht vereinbar. Die österreichischen Juden, nicht nur die bodenständigen, nicht nur die von den jüdischen Nationalisten bekämpften Unionisten, werden den Hinweis auf den Judenstaat in aller Oeffentlichkeit ablehnen und sagen: Die Frage steht bei unserer Regterung, Gott sei es gedankt, nicht zur Diskussion. Wozu der viele Lärm in aller Oeffentlichkeit? Selbst Jabotinskys Anhänger müßten sich dagegen wehren. Jeder Hinweis auf den Judenstaat gehört in Oesterreich nicht in die. Oeffentlichkeit. Die große Oeffentlichkeit wird mit Recht unvoreingenommen und bei aller Objektivität diese öffentliche Ankündigung verurteilen. Med.-Rat Dr. Paul S t r a s s e r. schmachnng yoü Grotten and Gräbern leopoldDeutschJißnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Holtaren GEMEINDECHRONIK. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 31. Jänner, halb 8 Uhr abends, im Klubsaale. I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain) Vortrag des Herrn Dr. Jakob Ornstein: „Josef Nassi, Herzog von Naxos". Eintritt frei. Gäste willkommen. Dienstjubiläum Amtsleiter Oscar Mautner. Dur Leiter der Einhebungsstelle des Steueramtes der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Oscar Mautner, leiert am 1. Februar 1. J. sein -Kljähriges Dienstjubiläum. 75. Geburtstag. Sonntag, den 23. Jünner, veranstaltete der Vorstand des Tetnpelvereines in der Pazmanitengasse eine Festsitzung zu Ehren seines Ehrenmitgliedes und Obmannstüllvertreters, des Herrn Architekt Ignaz Reiser, der am 24. d. M. seinen 75. Geburtstag beging. Zu dieser Sitzung waren der Gesamtvorsf.tnd. >eine Ehrenmitglieder, das ganze Personal und mit dem Jubilar dessen üattin, Kinder und Schwiegerkinder erschienen. Von der Kuhusgemeindo waren die Vorsteher Dr. L. M a i e r und Geza K 1 i n g e r. sowie Anitsvorstand Emil Engel anwesend. Der Saal war festlich beleuchtet und mit Blumen geschmückt. Herr Obmann Oskar Schramek begrüßte die Erschienenen und richtete an den Jubilar eine Ansprache, in der er dessen viele Verdienste um den Verein hervorhob, erwähnte, daß er und der Vorstand ihm für den Bau des Tempels danken, der vor 25 Jahren von ihm in so prächtiger Weise errichtet wurde. Obmann Schramek fand herzliche Worte für die Wünsche, daß der Jubilar noch viele Jahre in Gesundheit wirken möge. Er überreichte ihm eine Gratulationsadresse des Vorstandes, die von dem Schriftführer des Vereines. Herrn Rudolf Krau s, verlesen wurde. Herr Obmatistellvertreter Dr. Leonhard M a i e r gratulierte dem Jubilar namens des Kultusvorstandes. Herr Kultusvorsteher Qeza Kling er namens des Vereines „Einheit". Herzlich und tietergriiten sprach sodann Herr Architekt Reiser, er dankte für die Ehrung, sagte, daß er seit 50 Jahren als Architekt tätig ist und sich immer bestrebt habe, sein Bestes zu bieten, er verwies daraui, daß er in Wien und auswärts Synagogen und andere Bauten errichtet habe und sein Leben lang stets ein frommer Jude war und sei. Besonders sei ihm der Tempel in der Pazmanitengasse lieb geworden und er bitte den Allgütigen um die Gnade, noch viele Jahre denselben besuchen zu können: er gedachte des Gründers des Vereines, des seligen Herrn kais. Rat Adolf Schramek und der verstorbenen Kollegen im Vorstande, er dankte dem Obmann Oskar Schramek für seine ihm allezeit erwiesene Güte und versprach, auch weiterhin für das Gedeihen des Vereines nach bestem Können zu wirken. Todesfall. Donnerstag, den 13. Jänner, wurde Herr Börserat Paul Bjehavy zu Grabe getragen. Ein arbeits- und segensreiches Leben hat da im 78. Jahre einen harmonischen Abschluß gefunden. Weit über den Kreis seiner Familie erstreckte sich die menschenfreundliche Wirksamkeit des Verewigten, der es verstanden hat, in selbstlosester Weise Menschen zu gewinnen und sie — ganz ungewollt — in den Bannkreis seiner vornehmen Persönlichkeit zu ziehen. Aufrichtigkeit u.id Treue waren die Triebfedern seines Tuns, das in allen Kreisen, christlichen und jüdischen, ehrende Anerkennung gefunden und dem rastlos Schaffenden hohe Auszeichnungen brachte. Die liebevolle und dankbare Verehrung seiner Freunde und Mitarbeiter dokumentierte sich bei seinem Leichenbegängnisse, das sich zu einer imposanten Trauerkundgebung gestaltete. Unter vielen anderen waren erschienen: in Vertretung des Finanzministeriums Sektionsrat Dr. Waiden, der Präsident der Börsekammer Komm.-Rat Hans W a ncura, Chef der Firma Schelhammer und Schattera, die Börseräte Friedenstein, Grünwald, Popper, V i n z I und W a 11 u c h, der Generalsekretär der Kammer Otfriad Ernst, der Sekretär des Schiedsgerichtes der Börse Dr. R i 11 e r 1, Abordnungen vom Josefstädter Tempelverein (Obmann Komm.-Rat Sigm. Feld mann), der Union mit Herrn Präsidenten Reg.- Rat Dr. Oppenheim an der Spitze, vom Josefstädter Frauenwohltätigkeitsverein (Präsidentin Frau Nina Nobel), Rekonvaleszentenheim Philanthropia (Präsidentin Frau Olga Weinberger). Trotz seiner ausgedehnten geschäftlichen Tätigkeit, die er in seinem rühmlichst bekannten Bankhause in der Alserstraße entfaltete, fand er immer noch Zeit, sich humanitären Bestrebungen zu widmen. So konnte der langjährige Freund und Verehrer des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. M. Bauer, in seinem herzlichen Nachrufe auch der Verdienste gedenken, die Börserat Bjehavy sich namentlich im Josefstädter Frauenverein und in der Philanthropia erworben hat, und mit tiefgefühlten Dankesworten von dem Gründer des Josefstädter Tempelvereins, bzw. dessen rührigen Vizepräsidenten wehmütigen Abschied nehmen. Auch Herr Dr. F r a e n k I sprach namens des korporativ erschienenen Tempel-