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Die Wahrheit · 1938-01-21 · Heft 3 (21.1.1938) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1938
Issue
Heft 3 (21.1.1938)
Date
1938-01-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 3 — 21. Jänner \93S_ Seite 7 Sctimtichüng von Grüften und öräbern LsopQläQeütscIi/äiBnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof l. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen GEMEINDECHROMK. Personalnachrichien. Der Bundespräsident hat dem Präsidenten der Bunzl & Biach A.-Q., Komm.- Rat Martin Bunzl und dem leitenden Verwaltungsrat der Veitscher. Magnesit A.-G. Dr. Max Q a r r in Anerkennung ihres vaterländischen Wirkens das Komturkreuz des österreichischen Verdienstordens verliehen. — Die ..Union österreichischer .luden" gratuliert auch auf diesem Wege ihren treuen Mitgliedern aufs herzlichste. Klageniurt. Im Rahmen eines ieiertichen Aktes, bei dem Regierungsdirektor Kryza-Qersch und die zuständigen Beamten intervenierten, überreichte Landeshauptmann Dr. Sucher dem Präsidenten der israelitischen Kulttisgemeinde in KlageniurtNathan K r i e g s f e 1 d das ihm verliehene goldene Verdienstzeiche n. Präsident Kriegsfeld, der in Begleitung zweier Mitglieder des Vorstandes der Kultusgemeinde erschienen war, dankte dem Landeshauptmann für die erfolgte Auszeichnung im eigenen Namen und in dem der Kärntner Jtidenschatt, für die er Treue und Loyalität gegenüber dem Staate gelobte. Auszeichnung. Dem Seniorchef der Firma A. Leicht & Sohn, St. Pölten, Herrn Komm.-Rat Albert Leicht, wurde vom Herrn Bürgermeisterstellvertreter A. Schicht folgendes Ehrendiplom zugstellt: Die niederösterreichische Landesregierung hat: Herrn Albert Leicht, Gemisehtwarenhändler, St. Pölten, in Anerkennung einer vieljährigen vorbildlichen Berufstätigkeit und gleichzeitiger Verdienste um die Öffentlichkeit und das Land Niedc-rösterreich als höchste von ihr zu vergebende Auszeichnung das Landesehrendiplom verliehen. Wien, im November 1937. J. Reither, Kampisch, Landeshauptmann. Landesstatthalter. Höchsie Sportanszeichnung für eine österreiehisclie Jüdin. Die junge jüdische Fünfkainpfmeisierui Oesterreichs Gerda Gottlieb wurde vom Maratlion-Komittee in Anerkennung der erfolgreichsten österreichischen Sportleistung im vergangenen Jahre mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Todestall. Die „Union österreichischer Juden" beklagt wiederum oer, Verlust emes 'Hervorragenden Mitgliedes, das sie mit Stolz zu den Ihren zählte. Hofrat Siegfried Gerstmann, welcher am 2. Jänner bestattet wurde, bekleidete als aktiver Staatsbeamter das hohe Amt des Leiters des Zentraltax- und Gebäht enbemessungsamtes in Wien. Auf dem schwierigen Spezialgebiete des Gebiihrenrcchtes galt er mit Recht als einer der allerhervorragendsten Kenner. Hiebei war Hofrat Gerstmann ein Mann von besonderer Vornehmheit, freundlich und zuvorkommend gegen jedermann. Sein hervorragendes juristisches Wissen und sein vornehmer Charakter haben ihm insbesondere auch in niehtjüdischen Kreisen höchste Anerkennung und Verehrung eingebracht. Hofrat Gerstmann war auch vor Jahren Mitglied des Kultusvorstandes und hat als solcher in dem weitverzweigten Gebiete der Verwaltung der Gemeinde überaus Ersprießliches geleistet. Alle, die ihn kannten, haben den hohen Wert seiner Persönlichkeit geschätzt und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 75. Geburtstag. Am 18. d. M. feierte der in weitesten Kreisen bekannte und beliebte Kommerzialrat Max Michael Weiss in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand herzlicher wohlverdienter Gratulationen. Der Jubilar genießt in kaufmännischen Kreisen und insbesondere bei der jüdischen Bevölkerung am Alsergrund größte Sympathien. Seit vielen Jahren gehört er dem Vorstand des Müllner-Tempels als eitriges Mitglied an und hat sich um den Tempclverein größte Verdienste erworben. Die „Union österreichischer Juden" hat besonderen Anlaß, an dem Ehrentag des Jubilars innigen Anteil zu nehmen. Denn in 'ihrer Bezirk-Organisation IX arbeitet er seit vielen Jahren eitrig mit und auch in der IJezirkskommission VIII;IX der Kultusgemeinde ist er seit langem tätig. Die ..Union" und die Redaktion der „Wahrheit" ve! bindet deshalb mit ihren innigen Gratulationen den Wunsch, daß es Herrn Kommerzialrat M. M. Weiss noch lange vergönnt sein möge, im KreNc seiner Familie so ersprießlich wie bisher zum Wohle der Allgemeinheit zu wirken. — Dieser Tage begeht Herr Julius R e i n h o I d in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Ge- , burtstag. Durch den isr. Handwerkerverein erlernte er das Uhrmachergewerbe. Vielen Wohltätigkeitsvereinen gehörte er als Mitglied an. Ganz besonders stolz ist er auf seine Zugehörigkeit zur „Union", welcher er schon im Jahre 1890 als Mitglied angehörte. Als Mitbegründer des Vereines der „Brodye r" gehörte ihm Herr Reinhold lange Jahre als Vorstandsmitglied an. Hervorgehoben sei, daß der Jubilar seit 50 (ahren allsabbatlich dem Hauptgottesdienste im Seitenstettentempel beiwohn:. Möge ein gütiges Geschick ihm ein sorgenfreies Alter gewähren. mp. SO. Geburtstag. Frau Bertha W e i n w u r m, die Ehrenpräsidentin und Gründerin des lubiläum-Frauen- Vereines zur Unterstützung und Bekleidung armer alter Frauen, feierte am 16. d. M. in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag. Durch ihre große Rührigkeit ist es ihr auch in der jetzigen schweren Zeit gelungen, zu Chanuka 150 Schützlinge mit Wintersachen, Lebensmitteln und Kohle zu beteiligen. Möge sie noch lange im Kreise ihrer sie vergötternden Kinder und des sie'verehrenden Vorstandes zum Wohls der Armen wirken können. Ehrungen. Am 15. d. M. fand im Rahmen des Gottesdienstes im Stadttempel eine Feier statt, in welcher der Chordirek.or anlänßlich seiner hohen Auszeichnung zur Schirah zur Thora gerufen wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt Oberrabbiner Dr. T a-g 1 i c h t an den Ausgezeichneten eine herzinnige Ansprache und würdigte in sehr herzlichen Worten die 40jährigen treuen Dienste des Chordirektors im Stadttempel, wofür ihm auch die Auszeichnung des Goldenen Verdienstzeichens zuteil wurde. Hierauf rezitierte Herr Oberkantor M a t v a s einen selbstverfaßten Mischeberach. Beim Mussafgottesdienst wurde die vom Herrn Zellnik komponierte Keduschah vom vortrefflich, durch Kapellmeister Fuchsgelb geleiteten Chor vorgetragen. Am Schlüsse des Gottesdienstes wurde Chordirektor Z e i I n i k vom Vorstande und von den Tempelbesuchern beglückwünscht. — Das Präsidium der Isr. Kultusgemeinde hat der städtischen Religionslehrerin i. R. Frau Johanna F e I s n e r anläßlich ihres Scheidens aus der Leitung des Jugendgottesdienstes im Tempel XIX., Dollinergasse 3, für ihr langjähriges, ersprießliches Wirken als Reiigionslehrerin an Volks-, Haupt- und Lyzealschulen Dank und Anerkennung ausgesprochen. Barmizwahfeier. Samstag, den 1. d. M. fand im Favoritner Tempel die Barmizwah des Studenten Bernhard F e s s I e r, Sohn des beliebten Vorstandsmitgliedes, Herrn Alfred F e s s 1 e r und seiner Gattin, Frau Helene F e s s I e r, welche ein rühriges Mitglied des Vorstandes des Favoritner jüdischen Frauen-Wohliätigkeitsvereines ist, unter Beteiligung des Gesamtvorstandes statt. Der Barmizwah trug die Segenssprüche und die Hafthora in hervorragender Weise vor. Nachdem Herr Oberkantor Simon Weiss einen feierlichen Segensspruch zum Vortrag brachte, hielt Herr Rabbiner Dr. Albert W e i n e r an den Konfirmanden eine herzliche Ansprache, in welcher er die Verdienste des verewigten Großvaters, Herrn Bernhard F e s s 1 e r, der viele Jahre hindurch im Vorstande des Tempelvereines wirkte, hervorhob; ferner betonte er die Liebe zum Judentum seitens seines seligen Großvaters mütterlicherseits, Herrn Ferdinand Berger. Zum Schlüsse richtete Herr Dr. Weiner an den Konfirmanden die Ermunterung, er möge seinen guten Eltern immer recht viel Freude bereiten und dem Beispiele derselben nacheifern. Im EIternhause, wo sich viele Gäste einfanden, hoben Herr Obmann B. Scher und Herr Obmannstellvertreter L. Grünspan die Verdienste der Familie Fessler um den Tempelverein hervor. Der Barmizwah hielt sodann eine Ansprache, in welcher er seinen Eltern für ihre liebevolle Erziehung dankte und versicherte, daß er sich stets der Liebe seiner Großeltern und Eltern 'zum ludentume und zur Religion erinnern und dieselbe sich zu eigen machen wird. Trauerfeier. Donnerstag, den 6. d. M., fand in der Schulsynagoge der Talmud-Thora in der Malzgasse eine eindrucksvolle Trauerfeier nach dem so plötzlich verblichenen Vorstandsmitgliede des Talmud-Thora Schulvereines, Herrn Univ.-Prof. Dr. Max E i s 1 e r s. A., statt. Unter den zahlreich erschienenen Gästen bemerkte man: Oberrabbiner Dr. I. Taglicht, Rabbiner H. Schenk, Rabbiner Benedikt, Rabbiner Taube, den Vereinsvorstand, mehrere Kultusvorsteher, Amtsvorstand Emil Engel; vom Vorstand der Adaß Jisroel M. R. Dr. I. Reiniger, David Breuer, Rudolf Kohn, Josef Herzog, vom Vorstand der Jessod Hahtora Ing. Ludwig Kritzler. In Vertretung des Bethausvorstandes I. II, Obmann Hofrat Dr. S. Fuchs, vom Bethausvorstand XXI Obmann Dr, Max Ticho, vom Beth-Hamidrasch „Ez Chajim" Isidor Frommer, in Vertretung der Familie des Verblichenen Herrn Architekten Martin Eisler. Die tiefempfundene Gedenkrede wurde von Rabbiner Dr. Joel Po Hak gehalten; die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Roth, unterstützt vom Schülerchor. Wien l.f Seitenstettengasse 2 XI., Zentralffriedhof neben dem I. Tor Samitag gatchloasen! Bethaus Talmud Thora, II., Malzgasse 16. Am vergangenen Scr.n.ag wurde der 70jährige Bestand des Bethauses, verbunden mit einem Sijum-Feste, gefeiert. Der Feier wohnten die Mehrzahl der Mitglieder sowie eine Anzahl geladener Gäste bei, u. a. Oberrabbiner Fürst, Rabb. Babad. Rabb. Dr. Pollak. Rabb. Rosen, Rabb. Benedikt, Rabb. Neuwirth und Rabb. Sires aus Chicago, meiirere Vorsteher der Schiftschul und anderer Bethäuser, Obmann Dir. Gustav Kulmin in Vertretung der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union österreichischer Juden". Herr Rabb. Schenk hielt die Festrede, die mit großer Begeisterung von den Zuhörern aufgenommen wurde. Herr Überkantor S. Roth versah mit Chor in gediegener Weise die Funktion. Nachher fand im Turnsaal ein Bankett statt. Herr übmar.nstellvertreter S. W a c h s b e r g e r begrüßte die Anwesenden mit herzlichen Worten und dankte im Namen des Vorstandes Herrn Rabb. Schenk für seine schönen täglichen Vorträge und besonders für seine religiöse Belehrung junger Kaufleute. Herr Rabb. Schenk ergriff wieder das Wort, um das Mahl mit schönen Thoraworten zu würzen. Er dankte dem Obmann L. Hirsch und dem Kassier D. P r o 11 e r für ihre unermüdlichen Leistungen, wie auch Herrn W a c h s b e r g e r, der .-ich hesonders bemüht und die größten Opfer bringt für das Bes- Hamidrasch. Dem Vorstnndsmitgliede Herrn S. Pick, dem es hauptsächlich zuzuschreiben ist, daß dieses schöne Fest zustande gekommen ist, dankte Rabbiner Schenk herzlich für seine Mühe. Dann sprachen noch Thoraworte die Herren Rabb. Dr. Pollak. Rabb. Benedikt. Rabb. Blech, Rabb. Rosen und Herr M. Hönigsbeer. Es war eine wahre Sude sehe! Miswah. Die Originalität des synagogaleii Gesanges. Ueher dieses Thema sprach am 3. |änner Oberkantor |. L. M ü Her im Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Von kulturgeschichtlichen Betrachtungen ausgehend, kam der Vorträgende auf sein eigentliches Thema zu sprechen. Er führte auf Grund seiner jahrelangen Forschungen auf diesem Gebiet Folgendes aus: Der synagogaie Gesang ist originell jüdisches Kulturgut und nicht einer fremden'Kultursphäre entlehnt. Ausgangspunkt der Entwicklung sind die Melodien, die beim Vorlesen der Bibel von Ürheginn an bis auf die heutige Zeit noch in Anwendung stehen. Diese Tonfolge wurde vom Vortragenden mittels Zeichen graphisch dargestellt. Einige dieser Zeichen heißen z. B.: Paschta. Mahpach, Sakef Katan etc. Das sind hebräische Worte. Paschta bedeutet Dehnung. Auch die Form dieses Zeichens entspricht dem Sinne des Wortes. Demgemäß ist die Melodie dieses Zeichens eine gedehnte. Hingegen entspricht „Sakef Katan" (klein) einer kurzen Betonung. Dieses System liegt auch allen Zeichen zugrunde. Mehrere Zeichen bilden eine musikalische Phrase. Es wäre irrig, diese musikalische Zeichenschrift mit der modernen Notenschrift iden-ifizeren zu wollen. Die Schöpfer dieser höchst originellen jüdischen Gesangsweise waren wahrscheinlich auch Mitschöpfer der hebräischen Sprache und vermochten ein Diktionsmittel zu schaffen, das nicht seinesgleichen hat. Damit widerlegt sich von selbst die von gegnerischer Seite aufgestellte Behauptung, die luden hätten nichts Originelles hervorgebracht. Der Vortragende führte weiter aus, daß, so wie die Schriftgelehrten nach verschiedenen Richtungen hin den Text der Bibel auf Grund der von ihnen aufgestellten Regein deuteten und die Mystiker wieder nach ihrer Art aufgelegten, dementsprechend auch die Melodien entwickelt, variiert und in verschiedene Wege geleitet wurden. Wir finden noch heute in den synagogaleii Gebeten Spuren dieses ihres Ursprunges. Oberkantor Müller hat auch viele der von ihm aurgestellten 'Husen paraphrasiert. An den überaus lehrreichen und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine längere Diskussion an, r.n der sich folgende Heiren beteiligten: Prof. Stern, Rabbiner Dr. Mehrer. Ür. Levy, Herr Mav, Dr. Klarmann. Auf die Frage des Prof. Stera z. B.. woher Sulzer seine Melodien genommen habe, erwiderte der Vortragende, daß das durchwegs traditionelle, im ludentum seit lahrtatisenden heimische Melodien seien. Salomon Sulzer, ein Zeitgenosse Mozarts, Beethovens und Schuberts, von dem musikalischen Zeitgeist beseelt, gebührt das unvergängliche Verdienst, diese Melodien gesammelt, ihnen einen modernen Anstrich verliehen zu haben, wodurch er sie der allgemeinen Geschmacksrichtung angepaßt und sie gleichzeitig vor dem Untergang bewahrt hat. Chorgesänge, die er und seine Zeitgenossen geschaffen und in seinem Schir Zion aufgenommen wurden, sind nicht auf dem Boden des synagogaleii Gesanges entstanden. Sein modernisierender Geist drang in sämtliche Schichten des jüdischen Volkes ein und verlieh dem traditionellen Gesang einen neuen belebenden Ausdruck. Zum Schluß hat noch Kommerzialrat Th. Ehrenstein das Wenige, das in der Musikgeschichte über synagogaleii Gesang enthalten ist, besprochen und seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß, obschon Max Bruchs Kol Nidre (in der Vorwoche in der Ravag aufgeführt) und die hebräischen Lieder des kürzlich verstorbenen französischen Komponisten Ravel allgemein bekannt sind, dennoch weder Sulzer noch Lewandowsky in der allgemeinen Musikgeschichte erwähnt werden, was nur auf die Unkenntnis des synagogalen Gesanges zurückzuführen ist. Unter großem Beifall des zahlreich anwesenden Publikums schloß der Vorsitzende, Rektor Krauss, den Abend. Dr. Josua Horovvitz.

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