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Die Wahrheit · 1937-12-31 · Heft 52 (31.12.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 52 (31.12.1937)
Date
1937-12-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editeur" Vi« HUrU mit d^n Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" :. Erscheint jeden Freitag smoiEOßraLV Preis 40 Groschen Redaktien und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 Nummer 52 53. Jahrgang Wien, 31. Dezember 1937 99 Denkwürdige Tage SS Ein Jahr ist zu Ende. Was seine Tage gebracht haben, ist nicht mehr Gegenwart, sondern gehört bereits der Vergangenheit an und teilt das Schicksal alles dessen, was gewesen ist, nämlich: vergessen zu werden. „Vergessen" ist das große .Glück und Heilmittel, das eine gütige Gottheit den Menschenkindern gegen alles Böse, alles Leid und Schlechte gegeben hat, so daß man mit Recht diejenigen beneidet, die schnell vergessen können und jene tadelt, die erlittenes Unrecht nicht vergessen wollen und können. „Vergessen" ist aber auch der große Fluch,, den die Menschheit gegen jene schleudert, die kesuer Erinnerung wert sind. Sagt doch sehen der weise Salomo: „Das Andenken des Gerechten ist zum Segen, aber der Name der Frevler scheinungen geblieben. Je größer aber der Anteil der Juden an der allgemeinen Kultur wurde, desto mehr hat sich das Verständnis für den Wert der geschichtlichen Kenntnisse Bahn gebrochen. Audi wir haben unsere geschichtlichen Werke, die freilich die Geschichte der Juden nach deren Sonderschicksal unter den Nationen aufbauen mußten. Es gab Zeiten, die die Kenntnis der Geschichte vorzüglich auf dem Festhalten von Daten und Zahlen aufbauten, dann wieder machte sich eine andere Anschauung geltend, welche die Daten und Zahlen in 'kn Hintergrund schob, dafür aber mehr auf die Erfassung der tragenden Gedanken und Ideen, die die Menschen von Zeit zu Zeit beherrschten, Wert legte. Auch diese Richtung befriedigte nicht rest- Besuchen .Sie mws «ucla im lalfire 1938 Cafe lOHA SYRAUSS Kai Separierter Bridgesaal. Billardsaal, Schachziir.tner, Klublokal mit Asphaltkegelbahn. Kalte und warme Küche, Bier und Wein vom Faß. Bürgerliche Preise. soll verwesen." „Ausgelöscht sein aus dem Buche des Gedächtnisses" bedeutet ein wertloses oder gar verfehltes Leben gelebt zu haben. Wenn der Dichter sagt: „Keinen Kadosch wird man sagen, keine Messe wird man singen, nicht gesagt und nichts gesungen wird an meinen Sterbetagen", so hat er an ein ■ schuldvolles Tun gedacht, dem keine segensvolle Erinnerung folgen wird. Fortleben in der Erinnerung der Menschen ist ein Los, das man sich zum Segen oder zum Fluche durch verdienstvolle oder herostra tische Taten zuziehen kann. Ereignisse und Menschen leben im Gedächtnisse fort und so findet sich im Talmud ein Traktat Megillat Taanit oder die Fastenrolle genannt, die S? Gedenktage verewigt hat, an denen öffentliches Fasten und öffentliche Trauer verboten war. Auch sonst, wie zum Beispiel im Traktat Rosch haschana beschäftigt Steider Talmud mit der Feststellung gechichtlich bedeutsamer Tage. Das Bestreben, denkwürdige Tage oder Ereignisse vor dem Schicksal der Vergessenheit zu bewahren, hat ehedem den Gesetzgeber veranlaßt, bedeutsames Geschehen an Bräuche zu knüpfen und so durch die Uehung der. Iftauche lebendig zu erhalten. Denn die Kenntnis dtc Vergangenheit, die Erinnerung an bedeutsame P- "sönlichkeiten und ihr Wirken ist eLne nicht gefiug hoch zu bewertende Quelle, aus der ein jede.v Volk Kraft und Selbstbewußtsein SChÖpft. " Die jüdische Geschichtsschreibung hat durch die schweren ^chicksalsschläge, an denen Israel immer wieder,zu tragen hatte, schweren Schaden gelitten. Die Historiker sind im Judentum relativ spät aufgetreten und im Grunde vereinzelte Er- DAS RICHTIGE BRUCHBAND für jeden; einzelnen Fall nach modernsten Grundsätzen eigens aiigepaOt, leiebt. ohne Druck, ohne Beschwerden, auch für'fehr schwere Fälle empfohlen : 9 unser „HERNIASTAT'-BRUCHBAND F a c h - f I m a Taborstr. 2 Bnndatjen-f'flihalgsch Tel. R 42-5-40 k.<«. weil sich eben Geschichte von der Chronologie nicht ganz loslösen läßt. So ist wieJer das historische Datum in den Vordergrund des Interesses gerückt, weil es doch ein mächtiger Erinnerungsfaktor ist. In diesem Sinne hat die Menschheit gelernt, „denkwürdige Tage" der Vergessenheit zu entreißen und ihre ka'.cnderrnäßige Wiederkehr der Allgemeinheit bekanntzugeben. Die Einrichtung, anzuzeigen, was sich an diesem oder jenem Tage ehedem zugetragen hat, ist nicht neu und wurde in mannigfacher Weise gepflegt. Für uns Juden ist die Nachahmung dieser Gepflogenheit keine „fremde Sitte", sondern, wie schon erwähnt, lediglich die Fortsetzung dessen, was unsere Alten schon von altersher angebahnt hatten. In unserer Zeit, in der das Interesse für die Vergangenheit allenthalben auflebt und die Darstellung von Leben und Wirken bedeutsamer Persönlichkeiten Gegenstand weitgehender und hervorragender schriftstellerischer. Kunst geworden ist. wird wohl die Ankündigung „denkwürdiger Tage", soweit sie die jüdische Welt angehen, allgemeines Interesse finden, vielleicht sogar ein dankenswerter Mahner sein, ein geschichtliches Ereignis oder eine über Tag und Zeit hinausreichende Leistung zu würdigen. Wenn Shakespeare sagt: ..Was Menschen Uebles tun, das überlebt sie, das Gute wird mit ihnen oft begraben" — so sollen gerade die Gedenktage, manches Unrecht auf diesem Gebiete gutzumachen und einem verdienstvollen Werke oder Menschen zu dankbarem Gedächtnis zu verhelfen, das ihrige beitragen. Die Redaktion der „Wahrheit" wird nun Woche für Woche solch denkwürdige Daten in ihrem Blatte bekanntgeben, wozu bemerkt wird, daß diese Veröffentlichung selbstverständlich auf Vollständigkeit keinen Ansprach erhebt, sondern sich von Jahr zu Jahr immer mehr ausbauen und ergänzen wird. Die Redaktion wird jede Anregung aus dem Leserkreise gerne entgegennehmen, weil auch der „.Zweck dieser „Gedenktage" sein wird, die Leistungen des Judentums auf den verschiedensten Gebieten menschlicher Betätigung aufzuzeigen, wobei wiederum auf unsere engere Heimat besonders Rücksicht genommen wird. Möge die neue Einrichtung dazu beitragen, den Vorwurf zu entkräften: „En siehroii larisehonim — Man denkt nicht der Früheren!" Die vertriebenen jüdischen Gelehrten bereichern die Wissenschaft ihrer Wahllänsfer. Der Direktor des National Institute für Medical Research, Sir Henry D a 1 e, der im Vorjahre zusammen mit dem österreichisch-jüdischen Professor Otto L ö w i aus Graz den Nobelpreis für Medizin erhalten hat, hielt als Ga^t auf einem Bankett der Londoner Jewish Hospital Medical Society eine Ansprache, in der er die Leistungen der Juden auf dem Gebiet der Wissenschaft und den jüdischen Patriotismus würdigte. Es ist unmöglich, sagte Sir Henry Dale, zu einer jüdischen Versammlung zu sprechen, ohne zu erwähnen, daß die Juden in gewissen Ländern grausamen Verfolgungen und Beleidigungen ausgesetzt sind. Rechtsraub. Vergewaltigung, öffentliche Aechtung und Stellung außerhalb des Gesetzes sind für dau jüdische Volk in seiner langen und tragisch-heroischen Geschichte keine neuen Erfahrungen. Das einzig neue an all dem ist. daß diese Verfolgungen in Ländern stattfinden, die behaupten, «ich über die Barbarei des Mittelalters erhoben zu haben. Sir Henry sprach dann über -seine Verbindungen zu Juden, die Hervorragendes auf dem Gebiet der Wissenschaft geleistet haben: /.w Paul Ehrlich und Karl W e i g e r t. die beide ihrem Glauben treu geblieben seien; zu Rudolf Magnus, der ein fanatischer Deutscher war. In den allerletzten Jahren habe er viele aus Deutschland vertriebene jüdische Gelehrte getroffen, deren Stolz es ihnen verbot, über Deutschland schlecht zu sprechen, das sie noch immer lieben. Ich glaube, sagte Sir Henry Da!e zum Schluß, daß die Vertriebenen die geistigen Schätze ihrer Wahlländer, insbesondere Englands, bereichern werden. .|. T.-A. Damenkonfefctions= TTlodeilbaus „Zut feschen Wienerin" Hlepus Sal5ec & Co. Wien IX 2., Währingerstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Docnefomes ITlodeUijaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen lTlaj3=ateliec im f)aufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden Mitglieder der ..Union" erhallen bei Vorweis dieser Annonce oder Mitgliedskarte einen Sonder-Rabatt von s'lo.

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