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Die Wahrheit · 1937-12-17 · Heft 50 (17.12.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 50 (17.12.1937)
Date
1937-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mische lt Ulahrkeit V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par 1'editear" mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer luden4* Erscheint jeden Ereitag ^tnnfinmtimiMmmnininininnninnnnntii Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 f 53. Jahrgang Wien, 17. Dezember 1937 Nummer 50 99 Dreimal Österreich. iß Innerhalb ganz kurzer Zeit ist die besonders starke erste Auflage des überall mit großer Spannung erwarteten Buches unseres Bundeskanzlers Dr. Kurt v. Schuschnigg „Dreimal Oesterreich" vergriffen gewesen. Diese Tatsache spricht für den Wert des Buches und das große Interesse, das ihm allseits entgegengebracht wird, umso deutlicher, als sein Preis gerade nicht einem Massenabsatz entgegenkommt; es wäre zweckmäßig — wie dies auch bei anderen Büchern von Staatsmännern unserer Tage der Fall ist — eine billige Volksausgabe herzustellen, um die klugen und maßgebenden Gedanken des Führers unseres Vaterlandes in weitesten Kreisen der Bevölkerung zu verbreitern Diese Gedanken verdienen eine solche Popularisierung. Wohl ist heute keinem Oesterreicher, der guten Willens ist, mehr unbekannt, was Schuschnigg, der große Nachfolger des Märtyrerkanzlers D o 11 f u ß und Fortsetzer seines und des Kanzlers S e i p e 1 erhabenen Werkes, in und mit Oesterreich aufzubauen beabsichtigt. In allen seinen formvollendeten Reden kommt dieser unerschütterliche Wille unseres Bundeskanzlers zum Ausdruck, mit aller Kraft an dem einmal beschrittenen Wege festzuhalten, der zur Unabhängigkeit und Freiheit unseres in der Zeit de* Not autoritär geführten, aber vernünftiger Demokratie zustrebenden Staates führt. Man hat in Oesterreich und im Auslande stets mit besonderem Interesse diesen Reden gelauscht, in denen Schuschnigg unter dem Jubel aller vaterlandstreuen Oesterreicher sein Programm entwickelte. Aber Reden verklingen, das geschriebene Wort haftet. Und darin liegt der ungeheure Wert des Buches „Dreimal Oesterreich". Aus den zahlreichen begeisterten Besprechungen der Presse des In- und Auslandes, aus den geistvollen Erklärungen, die einer der Mitarbeiter am Buche, Hofrat Edmund Weber, kürzlich im Wiener Radio geboten hat, ist dessen Inhalt heute schon in weitesten Kreisen bekannt. Man weiß, daß sein Autor den großartigen Versuch unternommen pamenfconfekrions= Trioäellhaus „Zoe fescfien Wienerin" Hlejius Saber & Co. Wien IX/2., Währingersfr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dornel)mes ITlodellhaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen rnafrHtelier im fiaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden Mitglieder der ..Union" erhalten bei Vorweis dieser Annonce oder Mitgliedskarte einen Sonder-Rabatt von 50/o. hat, in präziser Form die Geschehnisse zu schildern, die vom alten Oesterreich über die revolutionäre Zeit in das neue, dritte Oesterreich führten. Die Männer, die diese schicksalsschweren Zeiten unseres Landes führend bestimmten, werden treffend charakterisiert, wobei insbesondere die Objektivität rühmend festzustellen ist, mit der Bundeskanzler Dr. Schuschnigg sogar dem politischen Gegner begegnet. Das Buch wird jedem Oesterreicher — gleichgültig welcher Konfession — viel zu sagen haben. Christ und Jude werden es, soferne sie vaterländisch gesinnt sind, mit gleich großem Interesse lesen. Es ist bemerkenswert, daß in dem ganzen Buche vom Judentum als solchem nichts zu finden ist, ein Beweis dafür, daß die wiederholte Feststellung des Kanzlers, daß Oesterreich keine Judenfrage für die österreichischen Glaubensgenossen kennt, auch bei seinem persönlichen Werke zutrifft. Das Buch des Kanzlers ist ein politisches Buch. Aber wer es zur Hiand nimmt, der wird von der persönlichen Wärme, die aus allen seinen Seiten spricht, und von der das ganze Wirken seines Verfassers beseelenden hingebungsvollen Vaterlandsliebe so sehr gefesselt, daß er es wie einen schöngeistigen Roman in einem Zuge liest und ganz ergriffen weglegt. Es ist ein Roman, der Roman unseres Vaterlandes aus Ben letzten fünfzig Jahren, und wir Zeitgenossen dieser traurigen und frohen Tage fühlen uns eins mit dem Autor in dem, was er will und was wir alle wollen, ein freies, glückliches Oesterreich. Kluge Sätze aus dem ausgezeichneten Buche bleiben im Gedächtnis haften, sind wert, festgehalten zu werden. Zu den schönsten dieser Art gehören die im Schlußwort enthaltenen Bemerkungen über das „österreichische Wesen", die in der Richtigkeit und Knappheit ihrer Formulierung geradezu großartig sind. Sie lauten: „Man sollte sich zumindest bei uns im Land endlich darüber im klaren sein, worin die Merkmale der österreichischen Eigenart bestehen. Darin, daß man Samstag statt Sonnabend, Unsinrr statt tolle Sache und zumeist Grüß Gott statt Sieg-Heil sagt, liegt gewiß nicht die Besonderheit des österreichischen Wesens; man könnte ruhig auch anders sagen; auch nicht in der schlapperen Form und in der geringeren ©eicl)icf)fen aus Oefierretcfy von Leopold Ehrlich~Hichler Ganz Leinen S 6.50 Der Autor der berühmten Romane „Heimweh nach Wien" und „Sohn des Moses Mautner" legt hier ein Werk vor, das die Freuden und auch die Tragik des österreichischen Judentums schildert. Dieses Buch ist wegen seiner spannenden Handlung und seiner natürlichen Sprache berufen, ein echtes Volksbuch zu werden. Durch jede gute Buchhandlung oder direkt beim Verlag R. Löwit, Wien I., Fleischmarkt 1 Gabe für Organisation und Propaganda, in den bisweilen zutage tretenden Minderwertigkeitskomplexen und den anderen beklagenswerten Untugenden, die uns zu eigen sind; vielmehr in der Gabe, nach Möglichkeit Kanten zu vermeiden, Gegensätze zu mildern, deutsche Geistigkeit und Kultur der Welt in einer Art zu vermitteln, daß sfe nicht nur respektvolle und sachliche Bewunderung, sondern auch Liebe und persönliches Verständnis finden; das ist es, was die Aufgabe des österreichischen Menschen bleibt, der nach wie vor als Fahnenträger seines Volkes auf den Brücken steht, welche die verschiedenen Kulturen verbinden; und deshalb sollte man sich nicht den Kopf zerbrechen, ob dieser österreichische Mensch nun wirklich besteht oder vielleicht nur aus einem Justamentsstandpunkt heraus konstruiert ward. Dazu gehört allerdings, daß wir selbst ohne Scheu und Vorbehalt uns endlich rückhaltslos als Oesterreicher bekennen." Die vaterlandstreuen österreichischen Juden haben es wiederholt bewiesen, daß sie zu diesem vom Führer unseres Vaterlandes geforderten rückhaltslosen Bekenntnis zu Oesterreich entschlossen sind. O. H. Liebesgaben oder Haßprodukte f Die Christenheit rüstet für ihr Weihnachtsfest, das sie traditionsgemäß im Zeichen jener Nächstenliebe feiert, die der Stifter ihrer Religion nebst den zehn Geboten als fundamentalste Verpflichtung der mosaischen Glaubenslehre anpreist (Matthäus XIX, 19), nachdem er sich (Matthäus V, 17) gegen die Auffassung verwahrt hat, er wolle das Gesetz Mosis aufheben. Man sollte nun glauben, daß auch solche betont christliche Kreise, die uns Juden sonst mit ihrem Hasse verfolgen, wenigstens in der zeitlich begrenzten WeihnachtsstimmurEg das Gebot der Nächstenliebe. (3. Buch Moses, Kap. 19, V: 18), an das wir Juden uns das ganze Jahr hindurch gebunden fühlen, mit feindseliger Hetze im Widerspruch fühlen und zumindest öffentliche Akte kleinlicher Bosheit und Gehässigkeit unterlassen würden. Wie echte Christen hierüber denken, beweist die Feststellung des Bundeskanzlers Doktor Schuschnigg in seiner Rede bei Eröffnung der Winterhilfsaktion, Weihnachtem sei kein Fest derFanatiker! Aber die Fanatiker des Oesterreichischen Gewerbebundes, die auf dem Aisergrund eine Boykottausstellung unter dem Motto „Christen kauft (nur) bei Christen!" (Das Wörtchen „nur" wurde nach der Strafanzeige der „Union österreichischer Juden" weggelassen) arrangiert hatten, gaben nicht nach. Die Ausstellung wurde allerdings am

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