Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 48 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 48 — 3. Dezember 1937. Seit© 7 schäftlichen und persönlichen Widrigkeiten immer die Regierung verantwortlich zu machen. Unser Herr Bundeskanzler hat das aufrichtige Bestreben, allen Oesterreichern zu helfen, und hat sich auch die Wirtschaft schon sehr gebessert: aber der Herr Bundeskanzler hat es sehr schwer, da ihm von Saboteuren entgegengearbeitet und zu viel über die Grenze geschaut wird, obwohl dort sehr vieles nicht Gold ist, was glänzt Wir vaterlandstreuen Oesterreicher müssen einig sein, alles Trennende beiseite lassen und nur auf das Wohl Oesterreichs bedacht sein, dann wird es auch der Wirtschaft besser gehen. Adolf Buchler. Zum siebzigsten Geburtstag. Der Rektor des Jewish College in London, Professor Dr. Adolf Biüohler, ist siebzig Jahre alt. Geboren in Priekopa in Ungarn am 18. Oktober 1867. Seine Studien absolvierte er am Budapester Rabbinerseminar und an der dortigen Universität. In Jahre 1893 wurde er an die „Israelitisch-Theologische Lehranstalt" in Wien berufen, wo er jüdische Geschichte, Talmud und Bibelexegese dozierte, 1906 wurde er zum Leiter des Jewish College (Rabbinerseminar) in London ernannt. Eine stattliche Anzahl von bedeutenden Werken historischen und halachischen Inhalts, die er veröffentlichte, zeigt ihn uns als den Gelehrten von umfassendem Wisisen, als tiefschürfenden Forscher, .hervorragend durch scharfsinnige Deduktion und Meisterschaft in der Ausnutzung der talmudischen Berichte für die Beleuchtung des Zeitbildes. Besonders zeichnen ihn Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit aus. Bei der Behandlung eines Gegenstandes wird in der Arbeit Büchlers wohl keine der im Talmud, diesem gigantischen Werke, verstreuten Bemerkungen zu dieser Frage fehlen. Sein scharfes Auge sieht allds und seine Kombinationsgaibe schöpft nach modernen wissenschaftlichen Methoden aus scheinbar unwesentlichen Stellen wichtige Aufschlüsse über die behandelte Materie. Das erste und zweite nachchristliche Jahrhundert hat er erschöpfend .behandelt und von den religiösen Bewegungen iin dieser Zeit ein klares B31d in umfangreichen Werken entworfen. Ein Meister in der Verwertung der talmudisdhen Berichte für die jüdische Geschichtsschreibung und von strenger Traditionstreue hat er als Leiter des College in London den Lehrplan auf eine neue Grundlage 'gestellt, indem er Kenntnis des Talmuds von seinen Hörern forderte und sie zu diesem Studium eifrigst anspornte. Wie er 'bei seinen Forschungen jedes Detail in den Quellen für wertvoll hält, so ist er auch in seiner Lebensführung auf die Wahrung der religiösen Ueber- Iieferung bedacht und hat auch seiner Anstalt dieses Gepräge verliehen. Er stellt nach jeder Richtung hin hohe Forderungen an seine Schüler, die höchsten an sich selbst. Ein leuchtendes Vorbild in vollstem Sinne. Lehren und Lernen füllen sein Leben aus. Er lebt tatsächlich in den „vier Ellen der Halacha". : Ein starker unbeugsamer Charakter, ist er nie zu Konzessionen bereit. Seine Ueberzeugung kann durch nichts erschüttert werden. Das ist nicht Starrköpfigkeit, das ist eifervoller Kampf für die Wahrheit in Lehre und Leben. Niemals seine Person, sein Wohlergehen berücksichtigend, ohne Furcht vor Unannehmlichkeiten, die ihm aus seiner Stellungnahme erwachsen könnten. Möge er nooh lange fortfahren, die Wissenschaft des Judentums zu bereichern und über die jüdische Gedankenwelt Licht zu verbreiten. Dr. J. Jüdischer Jugend-Kreis Die Chanukka-Feier des J. J. K. Die diesjährige Ghanukka-Feier des J. J. K. gestaltete sich zu einem wahren jüdischen Jugendfest, welches Zeugnis ablegte für den guten Geist, welcher in den Reihen der Jüngsten der „Union" herrscht. Vor allem sei die erfreuliche Tatsache festgestellt, -daß sich die Veranstaltungen des J. J. K. eines ständig Steigenden Besuches erfreuen* Der große Festsaal der „Union" war von einer aufnahmsfreudigen Kinderschar erfüllt, die die Darbietungen mit großem Beifall quittierten. Unter den zahlreich geladenen Gästen befand sich der Ehrenpräsident der „Union", Herr Dr. 0 r nstein, und eine Reihe von Mitgliedern des Zentralvocstandes. Eröffnet wurde die Feier mit Begrüßuogsiworten des Herrn Dr. G r ü n w a I d. Das Programm des Abends bestritten durchwegs aktive Mitglieder des J. J. K. Im Mittelpunkt der Darbietungen stand die Festrede des Herrn Prof. P a p o, welcher nicht nur den Sinn der Chanukka- Feier darlegte, sondern auch die zahlreiche Kinderschar in zu Herzen gehenden Worten ermahnte, der jüdischen Tradition treu zu bleiben. Sodann nahm der Bundesleiter in feierlicher Weise die Vereidigung einiger Mitglieder auf die Bundesgebote vor. Mit dem Bundeslied schloß die Feier, mit welcher der J. J. K. neuerlich bewiesen hat, daß er sich auf dem richtigen Wege befindet Kobra. GEMEINDECHRONIK. Trauungen. Sonntag, den 5. Dezember, um halb 4 Uhr nachm. findet im Türkischen Tempel, II., Zirkusgasse 20, die Trauung des Fräuleins Mitzi Löwit, Tochter des Herrn Oberkantors Isidor Löwit, mit Herrn Salomon Grüner statt. — — Mittwoch, den 8. Dezember, um 'A3 Uhr nachm., findet im Neudeggertempel die Trauung des Fräuleins Dr. phil. Trude Langsam, Tochter des Ehepaares Heinrich Langsam, mit Herrn Dr. jur. Bruno David, Obmann der „Jugend-Union", Sohn des Herrn und Frau A. Hermann David, statt — Am 26. November fand im Tempel, IL, Große Schiffgasse 8, die Trauung des Fräuleins Lisi Deutsch, Tochter des sei. Herrn Eduard Deutsch und seiner Frau Paula, mit Herrn Leo Rhein aus Zürich statt. Das Gotteshaus war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt Unter den Anwesenden sah man Herrn Dr. Josef Ticho, Vizepräsident der Israel. Kultusgemeinde, und In jedes iiidische Haus: Gedalja Ben Elieser: Jüdisches Volk antworte. Ein Makkabäerbuch von heute Utopie einer wirksamen Abwehr des Antisemitismus. Leinen 333 S. S 8.40. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Verlag: Dr. H. Glanz, Wien VIIL, T. A-28-1-14-Z Herrn Dr. Ernst Feldsberg, die nicht nur als persönliche Freunde der Familie, sondern auch in Vertretung der „Union österreichischer Juden" bei dieser Hochzeit erschienen waren, um dem Brautpaare, vor allem aber der Familie Deutsch, nebst den Glückwünschen auch die wärmsten Sympathien der „Union österreichischer Juden" zu bekunden. 70. Geburtstag. Dieser Tage feierte der in weitesten Kreisen bekannte und hochgeschätzte Besitzer des Cafe Freiwirth, IL, Praterstraße 11, Herr Rudolf Fredwirth, seinen 70. Geburtstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand herzlichster Ovationen, namentlich seitens des I. Wiener Gewerbevereins, der seinem beliebten Vorstandsmitglied unter Vorsitz des Herrn Paul Schwarzstein eine solenne Feier veranstaltete. Bei dieser zahlreich besuchten Festversammlung wurde der Jubilar in inniger Weise gefeiert und den Gefühlen der wärmsten Sympathie für diesen braven Mann und guten Juden Ausdruck gegeben. Mögen ihm im Kreise seiner geschätzten Familie noch ungezählte Jahre voll Glück und Zufriedenheit beschieden sein. Das wünschen ihm seine vielen Freunde. Innsbruck. Das allverehrte und hochgeschätzte Vorstandsmitglied der Innsbrucker Kultusgemeinde. Herr Salomon Baum, feierte am 27. v. M. seinen 80. Geburtstag. Herr Salomon Baum, geboren zu Kolbuszowa. Sohn des Kaufmannes M. Baum, kam im Jahre 1870 zu seinem Vater nach Innsbruck, letzterer lebte hier seit 1845, zuerst als Angesteiter bei der Firma Bederlunger gemeldet, später als selbständiger Kaufmann. Salomon Baum lernte zuerst bei seinem Vater das Graveurgewerbe und verdiente sich schon mit 14 Jahren selbst sein Brot. Im Juli 1880 ehelichte er die Tochter Minna des Innsbrucker Kaufmannes David Preuss, der damals in der Innstraße ein Herrenkleidergeschäft betrieb; übersiedelte nach seiner Hochzeit nach Bozen und eröffnete dort ein Konfektionsgeschäft. Im Jahre 1882 zog der Jubilar wieder nach Innsbruck und gründete sein heute noch bestehendes Geschäft. d?s jetzt also 55 Jahre besteht. Er ist seit Gründung der Kultusgemeinde Vorstandsmitglied und war solches auch bei dem Vorläufer der Kultusgemeinde, bei dem israelitischen Schul- und Kultuskomitee. Er ist Temoelvorstand. Gründungsmitglied und Ehrenmitglied der Chewra Kadischa, war viele J?hre Vorstandsmitglied und Kassier und ist seit 1926 Obmann dieses Vereines. Während des Weltkrieges betreute er gemeinsam mit dem Landesrabbiner Doktor L i n k die jüdischen Soldaten, kümmerte sich um deren Seelsorge und Gottesdienst Er assistierte bei den Be- Schmucfeong won Gruiten and Gräbern LeopoldQeutschJießXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Haltaren gräbnissen der von der Front gekommenen und hier verstorbenen Vaterlands-Verteidiger und erwarb sich besondere Verdienste anläßlich der Errichtung des ersten Innsbrucker Kriegerdenkmales für jüdische Gefallene. Am Vortage des Jubiläums veranstaltete die Chewra Kadischa eine Festsitzung, wobei der Obmannstellvertreter Herr M e i s e 1 eine Festrede hielt. Herr Dr. R i m a 11 und Vorsteher Pasch hielten ebenfalls Ansprachen. Am Geburtstage selbst hat bei Herrn Baum unter Führung des Herrn Pasch eine Deputation des Kultusrates vorgesprochen und nachdem der letztere der vielen Verdienste sedachte, die Herr Raum sich seit einem Menschcnalter um die Judenschaft in Innsbruck und 'im allgemeinen erworben hat, überreichte er ihm das Diplom, über die ihm vom Kultusrat einstimmig verliehene Ehrenmitgliedschaft. In beiden dieser Veranstaltungen nahm der Jubilar sichtlich gerührt Gelegenheit, in freier Rede für die Ehrungen herzlichst zu danken. Nach der Vorsprache der Kultusgemeinde gratulierte der Bund Jüdischer Frontsoldaten, unter Führung des Landesführers M. Steiner. An den Ehrungen beteiligten sich alle jüdischen Vereine, also ein Beweis des allgemeinen Vertrauens, und der allgemeinen Wertschätzung. Daß der Burgfriede zwischen allen Gruppen der Innsbrucker Kultusgemeinde bisher ermöglicht wurde, zählt mit zu den Verdiensten des Jubilars, ebenso die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes im Gemeindehaushalt. Todesfall. Am 13. v. M.. verschied der langjährige Präsident des Mariahilfer-Tempelvereines. Herr Doktor Jakob Engel, im 84. Lebensjahre. Der Verstorbene übte durch 50 Jahre in Wien seine Praxis als Rechtsanwalt aus und widmete sich von allem Anfange an mit Eifer der Betätigung für jüdische Angelegenheiten und karitative Institutionen. Seine besonders hingebungsvolle Tätigkeit für den Tempelverein Mariahilf und Neubau war in Wien allgemein bekannt und geschätzt: er hätte in wenigen Wochen das 50iährige Jubiläum seiner Vorstehertätigkeit in diesem Vereine vollendet Ueberdies war Dr. Engel mehrere Jahre im Vorstand der Kultusgemeinde, eine Zeitlang auch Vizepräsident derselben. Sein Ansehen und die Wertschätzung für seine Person war in allen jüdischen Kreisen unbestritten und seine Korrektheit und Gerechtigkeit bei allen politischen Parteien ohne Unterschied anerkannt worden. Durch viele Jahre war er Ehrenpräsident des israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereines für Mafiahilf und Neubau, der unter Führung der Präsidentin. Frau Ida Wolf, Hervorragendes für die jüdischen Armen leistet Die Trauerfeierlichkeiten begannen am 14. November abends, wo der Verblichene zum Tempel Schmalzhofgasse geführt wurde, während das Leichenbegängnis am 17. November am Zentralfriedhofe eine überaus starke Beteiligung der Gemeindemitglieder und Vertreter vieler Tempelvereine aufwies. In meisterhafter Rede würdigte Rabbiner Prof. Dr. Drobinsky das Wirken und die Verdienste des Verblichenen, während der Vizepräsident. Dr. Josef Ticho. für die Kultusgemeinde den Dank zum Ausdrucke brachte. Für den Vorstand des Temnelvereines sprach Baurat Dr. D e f r i s. Prof. Doktor Neurath für den großen Freundeskreis. Die kantoralen Funktionen versahen in mustergültiger Weise Oberkantor Levin und Kantor Glück vom Schmalzhoftemrel. Der Verblichene hinterläßt zwei Töchter, Frau Grete Herrmann. Rechtsanwaltswitwe, sowie die ob ihres humanitären Wirkens bekannte Fürsorgerätin Frau Dr. Elsa Knotek. Gattin des Med.-Rates Dr. Gottlieb Knotek. denen sich die allgemeine Teilnahme zuwendet. Rabhlnerlnstallierung In der Schönlatemschul. In der Schönlatemschul. der ältesten Synagoge Wiens, fand am 1. Chanukkaabend die Amtseinführung des neubestellten Rabbiners Beniamin Benedikt statt. Die festlich erleuchtete Synagoge war überfüllt von den zahlreich erschienenen Festgästen, unter denen u. a. zu bemerken waren: Rabbiner S. Benedikt, der Vater des iungen Rabbiners, ferner die Rabbiner Schenk. Weiß, Blech. Dr. Gerstel. Kultusrat Dr. Mendel Rosenberg. Reg.-Rat Dr. Adler, der bekannte Publizist Ree.-Rat KreoDel, von der Rabbinatsschule Preßburg Rabb.-Kand, Kchn-Kosice. sowie Vertreter verschiedener Synagogen und Vereine. Nachdem der Vereinskantor Iritzer mit seinem Chor das Lichterentzünden besorgte, hielt im Namen des Vorstandes Herr Dr. Josef L ö w v eine tiefemofundene Ansprache, in der er die historische Bedeutung der Schönlatemschul würdigte, an der berühmte Rabbiner wirkten, von Rabbi Eleasar Horowitz bis zum heutigen Schiffsschulraw. dem Nestor der Wiener Rabbiner. Rabbi Jeschaia Fürst. In warmen, geistreichen Worten führte nun Dr. Löwy den einstimmig gewählten Rabbiner ein. Hierauf hielt Rabb. B. Benedikt eine tiefdurchdaebte Antrittsrede, die iin veder Hinsicht, sowohl gedanklich-stofflich, als der Form nach rhetorisch ein glanzvolles Meisterwerk war und die in großer Beeeisterun? von den Zuhöreren aufgenommen wurde. Es ist zu hrffen. daß die Fähigkeiten des erst 24jährigen Rabbiners, der die Preßburger Jeschiba absolvierte und bereits drei Jahre am Bethaus Montefiore wirkt, sich nunmehr voll entfalten werden. Gastpredigt Freitag, den 3. Dezember, um 4 Uhr 05 Min., beim Abendgottesdienst, hält Herr Rabbiner Israel Olaser eine Gastpredigt im Pazmanite.itt e m p e 1.