Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 48 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par redttear** ■sehe ttWhenschnft Di« Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer luden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien. 3. Dezember 1937 Nummer 48 Samstag, den 4. Dezember, 8 Uhr abends, in allen Sälen des Klnbheimes, 1., Schottenring 25 Große ChanuMca-Feter des umon kuibs Religiöse Feier Lichteranzünden: Oberkantor J. L. Müller mit dem Chor des Jüdischen Gesangvereines Festrede: Rabbiner Prof. Dr. M. Papo Akademie Olga Fuchs Stadttheater in Dresden, Rezitationen, Hilde Müller u. Edmund Mühlstook, Duette von Mendelssohn, Klavierbegleitung: Kapellmeister Dr. Kurt Paulen, Friedl u. Leo Horowitz, Variete Broadway, die urkomischen Plauderer, Boman und Terry, Cafe de Paris, musikalische Sensation. Nach der Akademie: Tanz, Jazzkapelle Bernhard Wolfsthal Das Erträgnis der Feier, zu der Karten im Sekretariat der „Union" erhältlich sind, fließt der Kinderbekleidungs-Aktion der „Union" zu, die Sonntag, den 5. Dezember, um 4 Uns nachm.. im Rahmen einer Kinderjause im Klubheim durchgeführt wird. Chanukka Ist es nicht merkwürdig, daß alljährlich, wenn wir Chanukka feiern, zugleich die Frage nach dem Sinn dieses Festes unter uns laut wird? Im Gegensatz zu den Festtagen, deren symbolischer Gehalt mannigfache Deutungen zuläßt, ist seine Bedeutung dem Anschein nach vollkommen klar: es ist ein historisches Erinnerungsfest das an ein einmaliges und verhältnismäßig gut überliefertes Ereignis unserer Geschichte anknüpft, Fest der Weihe des wiedergewonnenen Tempels. Wie ist es nun möglich, daß ein Ereignis, das nicht im Zwielicht mythischen Geschehens, sondern im klaren Licht der Geschichte sich abgespielt hat, immer wieder zu erneuten Fragen nach seinem Sinn und Hintergrund herausfordert? Es ist eben zunächst allge- Geschichte. Aber jene Gefährdung des Glaubens, die hier an einem besonders deutlichen Beispiel dargetan wird, ist eigentlich von jeher das Kennzeichen unserer Glaubensgeschichte gewesen. Die geschichtlichen Bücher unserer heiligen Ueberlieferung sind erfüllt von Bedrohungen der Existenz und der Einzigartigkeit unseres Glaubens. Der Bund zwischen dem einzigen Gott und einer zahlenmäßig geringen Gemeinschaft steht am Anfang unserer Glaubensgeschichte. Die Wahrung dieses Bundes legt dem kleinen israelitischen Volke inmitten einer ganz anders denkenden und religiös empfindenden Umwelt eine schwere Verpflichtung auf. Immer wieder tritt daher in der älteren Zeit unserer Geschichte an das kleine Volk die Veresuchen ■ «: Cafe JOHAMM STRA1ISS Mai Separierter Bridgesaal. Billardsaal, Schachzimmer, Klublokal mit Asphaltkegelbahn. Kalte und warme Küche, Bier und Wein vom Faß. Bürgerliche Preise. mein ein Zeichen für die Lebendigkeit unserer Feste, daß sie uns zu einem niemals endenden Nachdenken über ihre Bedeutung nötigen. Wären sie tote mechanische Formel, leere Uebung einer starr und inhaltlos gewordenen Konvention, so würden sofort die geistigen Kämpfe um die Ergründung ihres Sinnes aufhören. Diese Feststellung gilt für Chanukka in erhöhtem Maße. Sie erklärt die immer wiederkehrenden Bemühungen, die auf eine Deutung seines Inhalts abzielen. Chanukka ist deshalb ganz besonders volkstümlich und lebendig, weil es, obwohl es, wie erwähnt, ein bestimmtes historisches Ereignis verherrlicht, dennoch mit allen grundlegenden Fragen unserer Glaubensgeschichte im Zusammenhang steht. Von der Errettung unseres Glaubens aus schwerster Gefahr berichtet uns die Chanukka- Ole richtige Senhfnßeinlage sorgfältigst angepaßt, bocbelastifch, federleicht für jeden Schah. Marke „P £ D I P R I T". Fachfirma Hnnüngen-friiknlasch Tiboietr. 22; Tel. R 42-5-40 Gntiibioichäie suchung heran, die Last des Bundes abzuschütteln und fremden Göttern zu huldigen. Baal heißt der große Versucher, dem das Volk, von pflichtvergessenen Königen irregeleitet, immer von neuem erliegt. Das ist die Situation unserer älteren Geschichtszeit. Diese Grundtatsachen unserer älteren Glaubensgeschichte — Bund zwischen Volk und Gott, Gefährdung des Bundes von außen her, Verpflichtung des Volkes auf das Gesetz — sie bilden die Voraussetzungen und Vorstufen auch des makkabäischen Geschehens. Denn welcher Sinn liegt ihm — im Kerne gefaßt — zugrunde? Wie in unserer älteren Geschichtsepoche die Gefährdung des Glaubens durch den Baalsdienst die Krisis und Entscheidung herbeiführt, so ist es in der makkabäischen Epoche die Gefährdung unseres Glaubens durch die apollinische Invasion, jene Ausbreitung der Kultur des Weltgriechentums über Asien hin, die wir gemeinhin Hellenismus nennen. An dem heldenmütigen Widerstand des kleinen, von den Makkabäern geführten jüdischen Volkes ist das politische System des Antiochus Epiphanes, der Hellenismus, gescheitert. Liegt darin nun das Schwergewicht der makkabäischen Tat und des makkabäischen Geschehens? Wir gehören gewiß nicht zu denen, die die heroische Gesinnung und militärische Leistung des damaligen jüdischen Volkes, insbesondere die Heldentat der einzelnen Führer, in ihrer Größe mindern wollen. Solange es jüdische Jugend gibt, wird die Erinnerung an die Taten Juda Makkabis die Herzen höher schlagen lassen, und solange es jüdische Menschen gibt, wird das alljährliche Fest der neuen Weihe des Tempels sie in dem Gefühl der Erhabenheit ihres Glaubens bestärken. Aber bei allem berechtigten Stolze auf das Erbe der makkabäischen Tradition dürfen wir nicht das Augenmaß für die geschichtlichen Tatsachen verlieren. Die Makkabäer sind schließlich in dem ungleichen Kampfe unterlegen, nur die innere Zersetzung, der das Seleukidenreich bald nach dem Ende des Antiochus Epiphanes anheimfiel, hat sie vor dem Untergang bewahrt. Ebenso ist der unabhängige jüdische Staat, den die Makkabäer, durch die Thronwirren im syrischen -Reiche begünstigt, begründeten, bekanntlich nicht von Dauer gewesen. Und dennoch gilt die makkabäische Zeit als eine der glanzvollsten Epochen unserer Geschichte? Chanukka kann eben, wie eingangs dargelegt, nur aus dem gesamten Ablauf unserer Glaubensgeschichte, aus der Ganzheit unserer religiösen Vorstellung, verstanden werden. Wir können, wenn wir Chanukka feiern, den militärischen Widerstand, den die Makkabäer dem feindlichen Bedrücker entgegensetzten, nicht hoch genug veranschlagen. Denn er hat, wenn er auch angesichts der feindlichen Uebermacht letzten Endes vergeblich sein mußte, doch eine gewaltige moralische Stärkung der religiösen Position des Judentums nach außen hin bewirkt. An dem Heldensinn und todesbereiten Opfermut der zahlenmäßig weit unterlegenen makkabäischen Streitkräfte konnte die feindliche Außenwelt ermessen, wie sehr das Judentum jener und jeder Zeit es als heilige Pflicht erachte, für die Verteidigung seines Glaubens alles bis zum letzten einzusetzen. Dieser moralische Erfolg hat schließlich schwerer gewogen als die einzelnen militärischen Siege im Laufe eines aussichtslosen Krieges. Und deshalb bedeutet Chanukka vor allem einen Sieg nach innen. Damenhonfefrtions=_ modellbaus I „Zuc feschen Wienetm' fllepus Sa 13er & Co. 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