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Die Wahrheit · 1937-11-19 · Heft 46 (19.11.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 46 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 4(> 19. November 1937 Seite 7 dere die Spaßmacher Bernhard und Godell, denen eine schöne künstlerische Zukunft vorhergesagt werden kann. Nun sieht man überall mit größtem Interesse der Chanukkafeier entgegen, die am Samstag, den 4. Dezember, 8 Uhr abends im Klubheime stattfindet und neben dem religiösen Teile ein besonderes künstlerisches Programm mit prominenten Mitwirkenden aufweisen wird. Bezirksorganisation IV-V-X der .„Union" Der kürzlich neukonstituierte Ausschuß der Bezirksorganisation hat unter Leitung des Obmannes Desider Wollner und der Bezirksleiter S. Rosenberg, Philipp Stern und Leopold Grünspan die Arbeiten mit Energie aufgenommen und bereitet für die nächste Zeit Veranstaltungen verschiedener Art vor, die ein gutes Gelingen der Propagandaaktion gewährleisten sollen. Am Mittwoch, den 1. Dezember, 8 Uhr abends, spricht im Heime, IV., Hauslabgasse 2, der Präsident der ..Union". Herr Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim über „J ü d i sc h n a t i on a 1 e Steuerpoliti k". In den nächsten Tagen werden die rasch beliebt gewordenen Bezirks-nachrichten mit interessantem Inhalt wieder erscheinen. Der Bezirksgruppe ist es gelungen, den populären Film „J i d 1 m i t'n F i d 1" für eine Aufführung, die anfangs Dezember stattfinden wird, zu erwerben. Nähere Ankündigungen folgen. Der „Union-Klub" beabsichtigt, anläßlich des diesjährigen Chauuka- Festes eine Reihe von Kindern mit Kleidungsstücken zu beteilen. Er richtet an hochherzige Glaubensgenossen den dringenden Appell, ihn angesichts des großen Elends, das in weitesten Kreisen der Wiener Judenschaft herrscht, bei dieser Aktion gütigst zu unterstützen. Oesuche wegen Bekleidung solcher Kinder, die von keiner ähnlichen Aktion berücksichtigt werden können, sind nur schrittlich an das Sekretariat der „Union*4 I„ Schottenring 25 zu richten. länderkonferenz für jüdische Wanderfürsorge. Gegen die Kulturschande der Staatenlosen-Jagden. Im Sitzungssaale der Wiener Israel. Kultus- -gemeinde fand vergangenen Sonntag eine Länderkonferenz für die Fragen der jüdischen Wanderfürsorge und Emigration statt. An der Tagung nahmen teil für Hias-Ica, Paris: Dr. Bernstein und Dijour; für Jeas, Polen: Direktor Leo Alter; für die Kultusgemeinde Warschau: Adam Czerniakow; für Hicem. Prag: Frau Marie Schmolka: für die Kultusgemeinde, Prag: Dr. Heinrich Hof mann; für den Verband Schweizer Armenpflegen: Silvain Guggenheim. Ferner erschienen als Vertreter der Allrancc Israelite Universelle: Präsident Dr. Jakob Ornstein und Rabb. Dr. Armand Kaminka, sowie als Vertreter der Budapester Kultusgemeinde: Oberrat Eugen Galambos, schließlich Vertreter der Kultusgemem-. den in Brünn, Mähr.-Ostrau, Lundenburg und der Prov.inzsemeinden von ganz Oesterreich. Nach Begrüßung durch den Obmann der Zentralkommission für soziale Fürsorge der Wiener Kultusgemeinde, Kultusvonstcher Dr. Leo Landau, hielt Präsident Dr. Desider Friedmann eine Ansprache, in der er auf die Tragik jüdischer Flüchtlinge und die Notwendigkeit einer geregelten, produktiven Fürsorgetätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Emigrationsarbeit hinwies. Der Direktor der Hias-Ica, Dr. James Bernste'in gab eine mit vielen Daten und Belegen illustrierte Uebcrsicht über die gegenwärtige Lage der jüdischen Einigration, worauf Amtsvorstand Emil Emgel und Amtsleiter Dr. Nahum Blauer ausführliche Berichte über Wanderfürsorge, allgemeine Emigration und das Flüchtlingsproblem der deutschen Juden erstatteten. Es folgten Berichte der Delegierten aus den einzelnen Ländern und eine Aussprache, die den ganzen Tag dauerte. Es wurde schließlich ein Arbeitsausschuß eingesetzt, der die Durchführung der Beschlüsse der Konferenz in die Wege leiten soll. Die Sitzung wurde mit den Ansprachen des Vorsitzenden Dr. Leo Landau und des Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, geschlossen. Präsident Dr. Friedmann hielt einen Nachruf auf Felix War bürg, der von der Konferenz stehend angehört wurde. Diese Konferenz hat eine Zentralisierung der gesamten Tätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Wanderfürsorge erzielt, indem nunmehr Frankreich, Schweiz, Oesterreich und Ungarn zu einer interterritorialen Arbeitsgemeinschaft zusammengefaßt wurden, der sich Jugoslawien, die Tschechoslowakei, Italien und Polen anschließen sollen. Die Konferenz nahm die folgenden Resolutionen an: 1. Die am 15. November 1937 in Wien unter Beteiligung der Hias-Ica Paris von der Israel. Kultusgemeindo einberufene Versammlung der Delegierten der jüdischen Emigranten-Fürsorge-Organisationen von Frankreich, der Schweiz, Oesterreich, Ungarn, der Tschechoslowakei und Polen jtibt einhellig ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß die uneingeschränkte Teilnahme aller in Betracht kommenden Länder an der Organisation der Wanderfürsorge und Betürsorgung der Staatenlosen unter gleichzeitiger Schaffung von Zentralorganisationen für jedes Land «in unerläßliches Gebot der Menschlichkeit ist. Sie wiederholt nachdrücklichst die bereits in früheren Versammlungen kundgegebene Meinung, daß es unabweisliehe Pflicht auch der kleinsten jüdischen Gemeinde ist, ohne Rücksicht auf ihre geographische Lage sich der Landesorganisation anzuschließen und sie unter Anspannung aller Kräfte auch materiell zu unterstützen. II. Die Versammlung der Delegierten der jüdischen Emigranten-Fürsorge-Organisationen von Frankreich, der Schweiz, Oesterreich, Ungarn, der Tschechoslowakei und Polen gedenkt in Dankbarkeit des auf Initiative des Völkerbundes zustande gekommenen provisorischen Abkommens betreffend die deutschen Flüchtlinge vom 4. Juli 1936 und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die in der Sitzung des Beirates des Hochkommissars iür Flüchtlinge aus Deutschland vom 22. September 1937 vorgeschlagene Erweiterung dieses Abkommens ehestens durchgeführt werden ■wird."' Der Umstand jedoch, daß dieses Abkommen von einer Reihe von Staaten bisher noch nicht ratifiziert ist. hat zur Folge, daß nach wie vor Tausende von Staatenlosen sich nirgends aufhalten können, von Grenze zu Grenze gejagt werden und dadurch den grausamsten Qualen ausgesetzt sind. Die obbezeichneten Organisationen richten im Namen der Menschlichkeit an die berufenen Stellen die inständige Bitte, alles zu tun, um dieser Kulturschande ein Ende zu setzen und Tausenden von Unschuldigen wieder zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen. Polnische Regierung gegen die antisemitische Anarchie- Der Präsident der Republik, Moscicki. empfing am Freitag, den 12. Noveuber, eine Delegation des Jüdischen Parlamentsklubs, die ihn über die artdauernden antisemitischen Ausschreitungen im ganzen Land informierte und um persönliche Intervention zum Schutze der jüdischen Bevölkerung Polens ersuchte. Präsident Moscicki erklärte der, Abordnung, daß die Regierung nach wie vor entschlossen sei, alle Erscheinungen von Anarchie im Lande energisch zu bekämpfen. Wanda P i 1 s u d s k i. die Tochter des verstorbenen Marschalls, die an der Warschauer Landwirtschaftlichen Hochschule studiert, hat erklärt, daß sie, falls auch an dieser Hochschule „Ghettobänke" eingeführt werden, auf einer derselben Platz nehmen wolle. Präsident Moscicki hat anläßlich des Jahrestages der polnischen Unabhängigkeit mehreren Juden, unter ihnen Prof. Samuel Dickstein von der Warschauer Universität und dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Lemberg, Victor C h a - j e s, das Verdienstkreuz verliehen. Der inzwischen verstorbene frühere Kanzler der polnischen Gesandtschaft in Wien, Adolf S e g a 11, wurde ebenfalls durch Verleihung des Verdienstkreuzes geehrt. Dem Oberrabbiner im polnischen Heer, Major Baruch S t e i n b e r g, ist das goldene Verdienstkreuz verliehen worden. In ganz Polen haben die Juden an den Feierlichkeiten anläßlich des Jahrestages der polnischen schmOchnria ton Grüften and Grauem LEopoldDEUtschJiBnXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Koltnren Unabhängigkeitserklärung bedeutenden Anteil genommen. In sämtlichen Synagogen und Bethäusern fanden Festgottesdienste statt. An dem Defile vor Marschall Rydz-Smigli nahmen sämtliche jüdische Parlamentarier, Vertreter des Rabbinats und einer Reihe jüdischer Organisationen teil. Nationalradikale Elemente veranstalteten am polnischen Feiertag in den Straßen Warschaus antisemitische Demonstrationen; zahlreiche jüdische Passanten wurden verletzt, viele Fensterscheiben jüdischer Häuser wurden zertrümmert. Nürnberger Rassegesetze in Oanztg. Der Führer der Danziger Nationalsozialisten, Gauleiter Albert F o r s t e r, erklärte, daß in der allernächsten Zeit in Danzig ein Gesetz über den Schutz der Rasse und des Blutes erlassen wird. GEMEENDECHROMK. Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Politzer spricht Montag, den 22. November, um 15.40 Uhr in Radio Wien über das Thema „Frau und Freundschaft". Oer Jüdische Frauenverein Leopoldstadt (11., Ferdinandstraße 19) veranstaltet am Sonntag, den 21. November, 4 Uhr nachm., im Festsaaal des Hotel de France, I., Schottenring 3, zugunsten der Leopoldstädter jüdischen Armen eine Akademie mit erstklassigen künstlerischen Darbietungen. Entree S 1.50. Um zahlreichen Zuspruch in Anbetracht des humanitären Zweckes bittet die Vereinsleitung. Der Frauenwohltätigkeftsverehi Wieden-Margareten bittet iür seine am 6. Dezember im Heime, IV., Hauslabgasse 2, veranstaltete Bekleidungsaktion edle Freunde und Gönner um hochherzige Spenden, die im Tempel, V., Siebenbrunnengasse :1 a, abgegeben werden mögen. Unterstützt das schöne Hilfswerk der jüdischen Frauen der Bezirke tatkräftigst! Warnung. In den letzten Tagen werden Erlagscheino ausgesendet, die einen irreführenden Aufdruck tragen und die Aufforderung enthalten, Spenden iür eine im Heime des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs". Ortsgruppe Leopoldstadt (Cai£ Orient, II., Praterstraße 66). stattfindende Bekleidungsaktion für achtzig frierende Kinder ausgesteuerter Juden zu überweisen. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" stellt iest, daß es sich bei diesen Erlagscheinen um eine Irreführung handelt, da der B. J. F. mit dieser Aktion nicht das Geringste zu tun hat. Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". Am 28. November. 4 Uhr nachm.. findet im Tempel des Vereines Aeschel Awrohom, II.. Pazmanitcngasse 6, eine Chanuka-Fcier unter Mitwirkung der Herren Oberkantor S. Müller und I. Kantor A. Stift, sowie eineis verstärkten Chores unter Leitung des Herrn Chordirigenten B. Hirsehnt a ii n statt. Die Festpredigt wird Herr Prof. Dr. Israel W e i n s t o c k halten. Das Reinerträgnis dieser Feier, iür welche ein unter Führung des Ohmannes Oskar S c h r um e k und der Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Politzer stehendes Komitee eitrig tätig ist, dient der Winterhilfe armer jüdischer Kinder. Der weitberühmte Oberkantor Kusewicki aus Warschau wird am Freitag, den 19. ds. um 4 Uhr nachm. und Samstag, den 20. ds„ um 9 Uhr trüh den Sabbath- Gottesdienst im Großen Tempel Wien, II. Lcopoldsgasse Nr. 29, Telephon A-48-2-64. verrichten. Der unentgeltliche Ausspeisungsverein jüdischer Notleidender „Ohel Rachel" (Präsident Heinrich K e s s- I e r) veranstaltete am 14. d. M. in den Festsäleii des Militärkasinos eine überaus gelungene Akademie mit Tanz zu Gunsten seiner Schützlinge. Die rührige Präsidentin des Damenkomitees Frau Henriette Fuchs be-

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