Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 45 (12.11.1937)
- Date
- 1937-11-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par rediteor" Jüdische IDodicnsdirift Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden44 Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 53. Jahrgang Wien. 12. November 1937 Nummer 45 Mitglieder und freunde der „Union"! Termin vormerken Samstag, den 4. Dezember, in allen Sälen des Klubheimes, 1., Schottenring 25. Gieße Chanukka Fcici des UNION-KLUBS Schönes religiöses und künstlerisches Programm. Nähere Ankündigungen folgen. Muß das so sein? Ein antisemitisches Montagblatt greift unter diesem Schlagwort Vorfälle des täglichen Lebens heraus, um gegen die Juden zu hetzen. So werden Verurteilungen von jüdischen Gewerbetreibenden durch die Gewerbebehörden so dargestellt, als ob nur sie zum Einschreiten der Behörden Anlaß geben. Das Blatt verschweigt diegroßeMehrzahl andersgläubiger Gewerbetreibender, die der gleichen Uebertretungen schuldig befunden werden. Warum fragt aber das Blatt nicht, ob das so sein muß, daß die antisemitisch getarnte Werbepropaganda des „Deutschen Volksblattes" z. B. in der Nummer vom 30. Oktober 1937 vor sich gehen konnte, ohne daß das Blatt beschlagnahmt wurde? Muß das sein, daß die antisemitisch getarnte Propaganda des „Antisemitenbundes" anstandslos erfolgt und kein Verbot dieser Versammlungen Platz greift? Muß das so sein, daß der Herr Vizebürgermeister Dr. Kresse persönlich die Boykottpropaganda des „Oesterreichischen Gewerbebundes. Ortsgruppe Aisergrund" anführt? Muß das sein, daß der Pfarrer Leopold Schmid von der St. Rochus-Kirche im 3. Bezirk dürftig getarnte judenfeindliche Reden hält? Muß das sein, daß entgegen den Bestimmungen der Verfassung jüdische Aerzte in den öffentlichen Krankenhäusern über unbekannte Weisung nicht einmal als unbezahlte Aspiranten aufgenommen werden? Muß das sein, daß jüdische Handwerker und Gewerbetreibende von der Gemeinde Wien und staatlichen Stellen nur in seltensten Fällen zur Arbeit herangezogen werden, wiewohl diese Gewerbetreibenden und Handwerker ihre Verpflichtungen in Stadt, Land und Staat ebenso erfüllen, wie alle übrigen Gewerbetreibenden? Muß das sein, daß der Arierparagraph bei der Gemeinschaft der blinden Musiker und Klavierstimmer genehmigt wird, so daß die jüdischen Blinden dem Elend preisgegeben werden? Und so könnten wir leider diese Rubrik noch lange fortsetzen. Wir hoffen aber, daß das genügen wird, damit das christlichsoziale Montagsblatt sich auf Zweckmäßigeres verlegt als auf die „getarnte" Judenhetze. NEIGUNG ZU KRAMPFADERN verlangt das Tragen eines wirkungsvollen Krampfademstrump fcs. Sehr empfohlen ist die bekannte Marke „PARADRUIT" Lastex — hauchdünn, äußerst haltbar. Stück vor S 8.75 10 O Fach-__-j___ firma Imidflgenlihnlnsch Tel. R 42-5-40 Aus dem braunen 'Qtättewwatde. „Das sind die Kleinen von den Meinen." Mephißto. Am Freitag, den 29. Oktober fuhren dureh Wien — wahrscheinlich auch durch die Provinz — Autos, aus denen Flugzettel mit folgender Aufforderung auf die Straßen! geworfen wurden: „Lesen Sie morgen das Deutsche Volksblatt!" Was stiand in dieser Nummier Besonderes, worauf die Aufmerksamkeit der Passanten in solch aufdringlicher Weise gelenkt werden müßte? Im Leitartikel dieser Ausgabe entwickelte unter dem Titel „Antisemitismus in Oesterreich" Herr Karl Peter, Bundesführer des jetzt wieder zu neuer Agilität erwachten Antisemitenbundes, das Programm, mit Hilfe des Antisemitismus „dem Willen.zur Versöhnung (mit dem Dritten Reich) \ind zu einem wirklichen Frieden zu dienen." Es ist ja klar: Mit der Parole „Schlagt die Juden tot!" dient man am besten dem Geiste der Versöhnung und des Friedens. Wie denn sonst? Herr Peter „will ehrlich daran arbeiten, die Kluft, die unglückseligerweise zwischen deutschen Volksgenossen aufgerissen' wurde, zu schließen". Zu diesem Zwecke will er „jene destruktiven Kräfte ausschalten, die das größte Interesse an der Verewigung eines österreichisch-deutschen Gegensatzes haben". Die Unabhängigkeit Oesterreichs wird zwar nur von den antisemitischen Nationalsozialisten bedroht, Herr Peter verlangt aber die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes vom — Judentum. Das nennt er „verständnisvolle Verteidigung". Und so erhebt er folgende Forderungen: „Ausschaltung der Juden aus der Debatte über die innere Verständigung und über die Gestaltung der Beziehungen zum Deutschen Reich. Schaffung eines modus videndi, der er. möglicht, auf nichtpolitischer Grundlage den überwältigenden antisemitischen Willen der bodenständigen Bevölkerung Oesterreichs zu manifestieren. Der Antisemitenbund ist bereit, eine große Aufgabe im Sinne Oesterreichs und seiner nationalen Bevölkerung zu lösen, wenn ihm die volle Betätigungsfreiheit und volle Betätigungssicherheit gegeben wird." Das heißt, man gebe dem Antisemrtenbund die Straße frei für seine Hetzpropaganda und alles in Oesterreich wird gut und schön werdeni Die Gefährlichkeit dieser Propaganda bewiesen die in der "Versammlung des Antisemitenbundes vom 3. November, die merkwürdigerweise erlaubt wurde, gehaltenen Reden, in denen gefordert wurde: die Entfernung der Juden aus dem Staatsdienst, besonders aus der Justiz und den Schulen, aus den öffentlichen Körperschaften, wie Krankenkassen, Versicherungen usw., sowie die Entjudung des Kulturlebens und der Presse. Ferner wurde verlangt, daß Lieferungen an öffentliche Anstalten und an das Bundesheer nur an bodenständige Oesterreicher vergeben werden. Es wird also weiter öffentlich der Tatbestand der Aufreizung zu Haß und Verachtung gegen eine gesetzlich anerkannte Gemeinschaft von Bürgern und Steuerzahlern geliefert und keine Behörde schreitet ein, damit diese ewige Hetze, die zum Bruch der Verfassung auffordert, endlich aufhört. Am gesunden Sinn des österreichischen Volkes muß die antisemitische Verhetzung scheitern, auch wenn der Herr Bundesführer des Antisemiten bundes im „Deutschen Volksblatt" den Antisemitismus als eine durchaus österreichische Erscheinung hinstellt und zum Beweis hiefür auf Dr. Karl Lueger hinweist Dr. Lueger war nicht von Haus aus Antisemit, sondern' hat sich seinem positiven Kommunalprogramm zuliebe, dessen Ausführung allen Wienern ohne Unterschied der Konfession zugute kam, vom der antisemitischen Konjunktur emportragen lassen, während der Urheber dieser Konjunktur, der Nur-Antisemit Georg Schönerer als einsamer Mann gestorben ist und dessen ideologischer Nachfahre Adolf Hitler von Anfang an politisch nur im Ausland Wurzel zu fassen vermochte. Hitler wäre in Preußen-Deutschland kaum so populär geworden, wenn dort seine Art als österrei- Damenftonfehnons=_ modeUbaus I „Zuc feschen lüieHeeUt" fllerjus Sa 15er & Co. 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