Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 44 (5.11.1937)
- Date
- 1937-11-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Union österreSdiisdier Jaden Bezirksorganisation Floridsdorf Die Bezirksorganisation Floridsdorf der „Union österreichischer Juden" eröffnet die Herbstkampagne mit einer Versa mm m ■ u n g die Mittwoch, den 10. November. 8 Uhr abends, im Saal des Cafe „Goldener Engel", XXI., Am Spitz 2/3, stattfindet. Es sprechen: Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim und Dr. Ernst Feldsberg über Aktuelle jüdische Fragen Wir rechnen mit zahlreichem Besuch 'bei dieser Versammlung! F. d. Leitung der Bezirksorganisation Floridsdorf Dr. Julius Grünwald Obmann. Voranzeige: Samstag, den 20. November, 8 Uhr abends, veranstaltet die Bezirksorganisation im Saal des Cafe „Goldener Engel", XXI., Am Sp'rtz 2/3, eine Akademie mit ranz Erstklassige Kunstkräfte — Jazz — Unterhaltung. Der Makel an Deutschlands gutem Ruf. Im Council der Auglo-Jewish Association erstattete der Präsident Leonard G. Montefiore den Bericht desJointForeignCommittee. Die antijüdischen Bewegungen in allen Ländern, sagte Montefiore u. a., werden von Deutschland aus inspiriert und gefördert. Daher halte ich es für die wichtigste Aufgabe des Joint Foreign Committee, den Hitlerismus zu studieren und zu entlarven. Fr sei, sagte Montefiore zum Schluß, überzeugt, daß es noch immer viele Deutsche gibt, die die an den Juden begangenen Brutalitäten verabscheuen. Aber wenn das Ausland gleichgültig bleiben würde, und die Juden selbst die Erniedrigung ihrer Brüder in Deutschland als etwas Un- . vermeidliches hinnehmen würden, welche Hoffnung bleibe dann noch, daß das Gewissen des deutschen Volkes einmal des Makels gewahr werde, der auf seinem guten Rufe liegt? GEMEINDECHRONIK. Rabbiner Dr. M. Rosenmann feiert in diesen Tagen, wie in der letzten Nummer berichtet, seinen 70. Geburtstag sowie das 40jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit als Rabbiner des 21. Bezirkes. Aus diesem Anlasse veranstaltet der Bethausvorstand für den 21. Bezirk am Sonntag, den 7. November d. J., nachmittags 4 Uhr, im Tempel, XXI., flolzmeistergasse 12 eine solenne Feier. Mit dieser Feier wird zugleich die Einweihung einer zur dauernden Erinnerung an das Doppelfest neu erworbenen Sefer-Thora verbunden sein. Aus der Pester Kultusgemeinde. Anläßlich der Eröffnung der Herbstsession des Reichstages widmete der Oberhauspräsident dem während der Ferien verstorbenen Mitglied des Oberhauses und Vertreter der Hauptstadt Dr. Samuel Glücksthal, Präsidenten-Stellvertreter der Pester Isr. Kultusgemeinde, den folgenden Nachruf: „Er war ein namhafter Advokat und ein hervorragender Handelsjurist von tiefer Bildung. Er war seit seinen jungen Jahren am politischen und gesellschaftlichen Leben der Hauptstadt rege beteiligt, gehörte mehr als drei Jahrzehnte dem hauptstädtischen Munizipal-Ausschuß an und wurde in Anerkennung seiner Verdienste vorerst zum, O.berhausmitgilied^ später zum! lebenslänglichen Mitglied der Stadtrepräsentanz gewählt. Parallel damit spielte er in der Leitung der Pester Isr. Religionsgemeinde eine bedeutende Rolle. Seine Reden in den Ausschüssen als auch im Plenum des Oberhauses bezeugten seine gründlichen Kenntnisse in allen juridischen und volkswirtschaftlichen Fragen." Das Andenken Dr. Glücksthals wurde im Protokoll der Sitzung verewigt. * Der Vorstand der Pester Isr. Kurtusgemeinde hat einstimmig den Vorsteher Oberregierungsrat Dr. Geza Desi, Vizepräsidenten der Pester Chewra Kadischa, zum Leiter der ein großartiges Schulwerk verwaltenden Unterrichtssektion der Gemeinde als Nachfolger des verblichenen Dr. Samuel Glücksthal gewählt. Doktor Geza Desi, ein angesehenes Mitglied des Budapester Barreaus, war mehrere Jahre Reichstagsabgeordneter von Budapest und als einziger Jude Mitglied der Regierungspartei. Der berühmte ungarische Aegyptologe und Assyriologe Univ.-Prof. Dr. Eduard M a h I e r feierte soeben seinen 80. Geburtstag. Der Gelehrte, der sich auch auf jüdisch-konfessionellem und -wissenschaftlichem Gebiete große Verdienste erworben hat, erhielt von seinen Freunden und Verehrern ein prachtvolles Gedenkalbum. Die Begrüßungsansprachen hielten der Präsident des Festkomitees Adolf Wertheimer, seitens der Akademie der Wissenschaften Univ.-Prof. Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Julius Komis. Mahler, der ein Sohn des Preßhurger Rabbiners Salamon Mahler s. A. ist, hat sich auch als Archäologe einen Namen gemacht, indem er bei der ungarischen Donauortschaft Dunapentele die altrömische Siedlung erschloß und das Mate- Die besten EiniHlKt-UfStittiKI 3 mal täglich frisch bei 11611, Will UlMTlIt 3! Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). . Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. rial für das Nationalmuseum bearbeitete. Seine Werke erscheinen in deutscher, englischer, französischer und hebräischer Sprache. Sein Hauptwerk ist das Handbuch der jüdischen Chronologie. * 1913 hatte Ministerialrat a. D. Josef Veszi die Leitung der Redaktion des „Pester L 1 o y d" übernommen und nun verläßt er an der Schwelle des 80. Lebensjahres seinen Platz. Josef Veszi wurde in Arad am 6. November 1858 geboren, studierte in Budapest und Leipzig. 1896 begründete er die Zeitung „Budapest Naplö". Von 1899 bis 1905 war er Reichstagsabgeordneter; 1905 wurde er zum Ministerialrat und Pressechef im Ministerpräsidium ernannt. Später verlieh ihm Franz Josef I. den Hofratstitel. Eine Zeitlang war Veszi Präsiden: des Vereines Ungarischer Journalisten. 1928 wiirde sein fünfzigjähriges Journaltstenjubiläum von der gesamten ungarischen Presse gefeiert. Damals wurde er auch zum Mitglied des Oberhauses ernannt und vom Reichsverweser mit dem Corvin-Kranz ausgezeichnet. Veszi, der seine Laufbahn als lyrischer Dichter begann, wurde insbesondere durch seine politischen Leitartikel ein international berühmter Publizist. Als Leiter der Ungarischen Isr. Liierarischen Gesellschaft und als Vizepräsident der Pester Isr. Kultusgemeinde hat er sich stets in wärmster Weise für die Interessen des ungarischen Judentums eingesetzt. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Am 18. Oktober eröffnete der Rektor der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt Prof. S. K r a u s s den Zyklus der Vortragsabende mit einer Würdigung der Persönlichkeit Don Isak Abravanels anläßlich der 500. Wiederkehr seines Geburtstages. Rektor Krauss umriß in äußerst realistischer Weise die markante Persönlichkeit des großen Staatsmannes und vielseitigen Gelehrten. Im ersten Teile seiner Ausführungen skizzierte der Vortragende das bewegte Leben Abravanels, die mannigfachen Schicksale und Heimsuchungen, die den Gelehrten Zeit seines Lebens trafen. Abravanel richtete sein Bestreben immer dahin, ausschließlich für die Wissenschaft leben zu können, er war aber gezwungen, in der Nähe des Thrones zu sein, um in finanziellen Belangen als Stütze beizustehen. Er wollte seinem König dienen, aber seine Stellung bei dem portugiesischen König Joao, Sohn und Nachfolger Alfonsos V., der ein tyrannisches Regime führte, gestaltete sich sehr schwierig. Dies bildete die Tragik seines Lebens. Abravanel mußte Portugal verlassen und fand in Spanien Aufnahme, wo er im Königreiche Kastilien und Aragonien das Amt eines Finanzministers inne hatte. Als im lahre 1492 die Vertreibung der Juden aus Spanien beschlossen wurde, tat Sprechmeister Hans Kirchner Vollendete Kunst für Bühne und Film, Beseitigung aller Stimm- und Sprechfehler. Garantie für positive Bühneneignangspräfäng. Kostenlose Präfang sowie Anmeldung IX., Bindergasse 11 ™. A-i5-9 6/ SdunttdfniMt tob Gran» nntl Graham LeopoldOsntsch.HienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Haltareo Abravanel alles, was in seiner Macht war, um das Uebel abzuwenden. Aber alle seine Versuche scheiterten. So verließ er mit alten anderen Juden das Land und fand endlich in Italien, besonders in Venedig, das immer sein Ziel bildete, eine Ruhestätte, wo er in Muße seinen wisenschaftHchen Arbeiten oblag. — Im zweiten Teil seines Vortrages würdigte Rektor Krauss die geistige Bedeutung Abravanels. Don Isak Abravanel hat die ganze Kultur seiner Zeit aufgenommen. Ein Freund der klassischen Literatur, verfolgte er immer humanistische Ziele. Abravanel gilt als der letzte Ausläufer der „goldenen Periode" in der jüdisch-spanischen Literatur, er ist aber auch ein Künder der neuen Zeit. Rektor Krauss schilderte seine Bedeutung als Philosoph, Exeget, Historiker; in vieler Hinsicht kann Abravanel als Bahnbrecher der jüdischen Wissenschaft betrachtet werden. So erstand vor dem geistigen Auge der Zuhörer die scharf umrisserfe Gestalt des großen jüdischen Gelehrten. Die sehr interessanten Ausführungen Rektor Krauss' lohnte das Publikum mit reichem Beifall. Dr. josua H o r o wi t z. -; Montag, den 8. November, K8 Uhr abends, im Klubsaal, I., Wiesingerstraße II (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain) Vortrag des Herrn Bundeskulturrat Hofrat Prof. Dr. S. F r a n k f u r t e r über „Samson W e r r, h e i m e r". Eintritt frei. Gäste willkommen. Maimonides-Institut, II., Praterstraße 11. Das Kuratorium des Institutes hielt am 21. Oktober seine Generalversammlung ab, die sehr zahlreich besucht war. Der Vizepräsident Dr. Leo Landau begrüßte die Anwesenden. Mitglieder, Dozenten (Lektoren) und Gäste. Er erwähnte, daß in der abgelaufenen Periode der verdienstvolle Präsident Karl Altman u. e:n Gründer und Gönner des Institutes, sowie der bedeutende Gelehrte Dr. Nissim G o 1 d s t e i n. Dozent für die halachichen Wissenschaften» gestorben seien und widmete ihnen ehrende Nachrufe. Das Maimonides-Institut, sagte Herr Dr. Landauer, ist heute eine der bedeutendsten Lehrstätten des jüdischen Wien. An demselben halten Vorträge unser geistiger Führer Herr Rabbiner Doktor Kamink a. welchem würdig zur Seite stehen die tüchtigen Gelehrten, Studienrat Rabbiner Dr. H. Bauer, Rabbiner M. Z i k i e r und Prot". Dr. Sal. Rappaport, welche allwöchentlich Vorträge halten. In diesem Semester hält auch Herr Dr. Josef Schächter Talmud-Vorträge. Den Tätigkeitsbericht erstattete Herr Dr. Kam i n k a. Er dankt dem Vorstand der Kultusgemeinde tür die Subvention und Herrn Hirsch In trater für seine dem Institut seit seiner Gründung ununterbrochenen geleisteten wertvollen Dienste. Das vor 13 Jahren gegründete Institut bezweckt die Verbreitung der Kenntnisse des jüdischen Schrifttums durch Vorträge, tertier die Anlage und Erhaltung einer Bibliothek, sowie die Herausgabe wissenschaftlicher Werke. Unter den Hörern, die mit großer Aufmerksamkeit den Vortrügen beiwohnen, sind zumeist solche, diu sich in ihrer Jugend mit jüdischen Studien befallt haben und immer gerne Neues aufnehmen. Aber es kommen auch solche Herreu und Damen, welche sich infolge der geänderten Verhältnisse im großstädtischen Judentum auch mit dem jüdischen Schrifttum vertraut machen wollen. Die Vorträge werden instruktiv und allen leicht verständlich gehalten. Herr Dr. Kaminka nahm den Anlaß wahr, den Freunden und Gönnern, welche anläßlich seines 7n. Geburtstages die Herausgabe einer Festschrift gefördert haben, zu danken. Was den WirtsehaiNbericht anlangt, waren die Einnahmen des Institutes so gering, daß selbst die gernge Bezahlung der Dozenten Schwierigkeiten bereitet hat. Mairnonides sagt einmal: Das Wissen ist es. das den Menschen aus der Niederung erhebt. Dr. Kaininka appelliert daher an alle Freunde des Institutes und bittet s:e. für dessen Erhaltung ihre ganze Kraft einzusetzen. Er begrüßt ganz besonders die Bereitwilligkeit jener Herren, welche heute neu ins Kuratorium eintreten. Mit Dankesworten an die Herren Dozenten, weiche sich bemühen. Bibel. Talmud sowie Philosophische Schriften in vorzüglichster Weise vorzutragen, schließt er seinen Bericht. Es folgt sodann per Akklamation die Wahl des Kuratorium, es werden gewählt die Herren: Salomon B e r g g 1 a s. Dozent Dr. Isidor Fischer. Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Jacob Frostig. Philipp Glück. Hir-xh hitrat e r. Dr. Isidor K I a b e r. Geza Klinge r. Amtseiter Rudolf Krau s. Dr. Leo Landau, Chaim N a g- 1 e r. Uuiversitätsproressor Dr. Hugo S t e r n, Doktor Michael S t e i n b e r g und Adolf Wurzel. Bei der Knnst tuierung wurden ernannt: Zum Präsideuten: Herr Hirsch In trat er, zu Vizepräsidenten: die Herren Staatsrat Dr. D. F r i e d in a n n und Dr. Landau zum Sennittuhrer: Herr Amtsleiter Kraus, zum Kassier: Herr Philipp G I ü c k. Anschließend an die Generalversammlung hielt Herr Dr. K a m i ti k a einen Vortrag über ..H i 11 e I. Begründer des rahbinischeii Judentums, sein Leben und seine Lehre" Der sehr lehrreiche Vortrag wurde mit großem Interesse angehört, unter den Zuhörern befanden sich auch: Herr Oberrabhiner Dr. Taglicht. Altersvizepräsident Dr. Ornstein. Obermedizinalrat Dr. Hanse die Dozenten und viele Freunde des Institutes, welche dem Vortragenden viel Reifall spendeten. Rudolf Kraus