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Die Wahrheit · 1937-10-29 · Heft 43 (29.10.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 43 (29.10.1937)
Date
1937-10-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 43 — 29. Oktober 1937 Wien I>| Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor _Samstag g«»cfalo«seii!_ und die Lebensmittelschätze des (aufgelösten Joint täglich 1800 Mittelständlern zukommen ließ, unter denen sich Hofräte, hohe Richter, berühmte Journalisten befanden. Die „Woja" ist bis jetzt unersetzt. Durch die Einverleibung von Floridsdorr in Wien hatten auch andere Wiener Bezirke, der I. und IL, Gelegenheit, Rosenmann als hervorragenden Kanzelredner und bei Funktionen schätzen zu lernen. Seine literarische Betätigung ist erstaunlich groß, wir brauchen nur an die zwei Musterbiographien Manheimers und Jellineks zu erinnern, von denen erstere in drei Auflagen erschienen ist. Er hat durch Aufdeckung von Zusammenhängen mit der gleichzeitigen arabischen Philosophie viel zur Erkenntnis von Maimonides beigetragen und 1900 in einem Buche „J ü d ische Realpolitik", prophetisch .alles seitdem gekommene Unheil voraussagt. In den letzten Jahren hat er sich offen und rückhaltlos der legitimistischen Bewegung zur Verfügung gestellt. Erhebend sind seine Festreden bei den legitimistischen Gottesdiensten im Stadttempel. Und so feiern weite christliche Kreise im Verein mit allen jüdisch-humanitären und gelehrten Kreisen den Mann, dem noch viele Jahr gegönnt sein mögen zum Heile des Judentums, dem er auch im Beth-Hamidrasch durch zahlreiche Vorträge ebenso dient wie als Mitbegründer und Vizepräsident des Vereines für die Geschichte des Judentums. Angesichts der erfreulichen geistigen und körperlichen Frische des Jubilars sind uns voraussichtlich noch viele Früchte seiner Gelehrsamkeit und seines humanitären Wirkens, ihm selbst viele Jahre des Glücks an der Seite seiner ihm ebenbürtigen Gemahlin beschieden. Clotilde Benedikt. Am 6. November findet im Floridsdorfer Tempel ein Festgottesdienst zu Ehren Dr. Rosenmanns .statt. Mitteilungen der Union. Bezirksleiter-Tagung der „Union". Jüngst fand im großen Saale der „Union" eine Versammlung der Vertrauensmänner der „Union" aus allen Wiener Bezirksorganisationen statt. Der überaus starke Besuch bewies das unvermindert intensive Interesse der Männer, die in den Bezirken Wiens für die Bestrebungen und Prinzipien der „Union" mit Hingabe tätig sind und die gekommen waren, um vor Beginn der Herbstkampagne Mitteilungen politischer und organisatorischer Natur entgegenzunehmen. In dieser Hinsicht boten die mit stets erneutem Beifall entgegengenommenen Referate der Herrren Reg.-Rat Doktor Hermann Oppenheim und Komm.-Rat Alexius Salzer viel Wissenswertes. Der Präsident der -„Union" stellte in den Mittelpunkt «einer überaus interessanten Ausführungen die Palästina- Frage und erinnerte an die bekannte Resolution der „Union", in welcher der Teilungsplan entschieden abgelehnt wird. An dieser noch vor den Tagungen des englischen Parlaments, des Völkerbundrates, des Zionistenkongresses und der Jewish Agency bezogenen Haltung der „Union" hat sich auch heute nichts geändert. Der Obmann des Organisationskomitees und Leiter der Wirtschaftlichen Beratungsstelle Komm. - Rat Alexius Salz er machte in seinem großangelegten Referat Mitteilungen über diese beiden seiner bewährten Führung anvertrauten Einrichtungen und hob unter lebhaftem Beifall der Versammlung an verschiedenen Beweisfällen hervor, welchen Segen bei zahlreichen wirtschaftlich 'bedrängten Glaubensgenossen schon die wirtschaftliche Beratungsstelle gestiftet hat. Es folgten Mitteilungen der Vertreter der einzelnen Bezirke und der JugendrUnion über die durchaus erfreuliche Entwicklung in den Bezirksorganisationen und wichtige prinzipielle Anfragen, die vom Vorsitzenden Reg.- Rat Dr. Hermann Oppenheim instruktiv beantwortet wurden. Die Teilnehmer der Tagung verließen diese nach einem zündenden Schlußappell des Präsidenten der „Union" mit der Versicherung, die Arbeit in ihren Bezirken mit Eifer fortzusetzen. Tatsächlich haben in den letzten Tagen fast alle Wiener Bezirksorganisationen der „Union" mit einer intensivierten und durchaus erfolgreichen Werbetätigkeit begonnen. Insbesondere hielt die Bezirksorganisation Leopoldstadt unter Vorsitz ihres Obmannes Dir. Gustav K o 1 m i n eine Masseiversammlung ab, an der die Herren Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Dr. Ernst Feldsberg und Komim.-Rat Alexius Sa 1 zer sprachen. Wir berichten über diese erhebend verlaufene Kundgebung ausführlich in unserer nächsten Nummer. Generalversammlung der Union — Bezirksgruppe IV, V und X. Die außerordentlich gut besuchte erste Generalversammlung obiger Bezirksgruppe fand am 14. d. M. im großen Saale, IV., Hauslabgasse 2, statt. Vor Eingehein in die Tagesordnung teilte Obmann Desider Woliner mit, daß sich der X. Bezirk der Gruppe IV, V angeschlossen hat, was von der Versammlung sehr beifällig aufgenommen wurde. Nach Begrüßung aller Anwesenden, insbesondere des persönlich erschienenen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde und der „Union", Herrn Dr. Josef T i c h o, hielt der Obmann eme kurze Ansprache, worauf der Tätigkeitsbericht durch den Schriiö'ührer verlesen wurde. Daraus ist zu entnehmen, daß die Bezirksgruppe nebst einer großen Anzahl von Förderern ebenso wie die Jugendgruppe zahlreiche neue Mitglieder gewonnen bat Die Bezirksgruppe hat im Berichtsjahre eine außerordentlich rege Tätigkeit entfaltet, durch Bildung von besonderen Komitees (Finanz-, Propaganda,-, Presse- und Festkomitee) wurden zu allen Fragen des jüdischen Lebens Stellung genommen, den Mitgliedern durch Vorträge ernsten und heiteren jüdischen Inhalts Belehrung und Zerstreuung geboten, weiters in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten mit Rat und Tat beigestanden. Es wurden im abgelaufenen Jahre über 30 Versammlungen, Vorstandssitgungen und Vorträge abgehalten, darunter die im Münchnerhof von 7ui) bis k Der Union-Klub arrangiert jeden Sonntag und Mittwoch ab 4 Uhr nachmittags ein Bridge-Cercle im Klubsaal, L, Schottenring 25. Gäste willkommen! Billigste Konsumationspreise i 800 Personen besuchte, in jeder Weise gelungene Festakademie. Die Jugendgruppe hielt auch während der Sommermonate jeden Montag ihre Zusammenkünfte ab, die nebst den Mitgliedern auch von vielen außerhalb der Bezirke wohnenden Jugendlichen besucht werden. Dort werden abwechselnd Vorträge und Vorlesungen abgehalten, weiters der gesellschaftliche Verkehr untereinander durch Tanz und Spiele gepflegt Ebenso leistet die rührige Frauengruppe bei Werbung von Mitgliedern und speziell bei Veranstaltungen Ersprießliches. Der Bericht wurde mit großem Beifall zustimmend zur Kenntnis genommen. Nach dem Kassabericht wurde dem Vorstande die Entlastung mit besonderem Danke erte-HL Es wurde sodann der Gesamtvorstand, 25 Ausschußmitglieder und 2 Revisoren einstimmig neugewählt Nun begrüßte der wiedergewählte rührige Obmann Desider W o 11 n e r den neuen Vorstand, dankte den beiden Bezirksleitern Philipp Stern und S. Rosenberg iür die tatkräftige Unterstützung, dem Kassier Rudolf Steinfeld für seine so ausgezeichnet geführte Kassagebarung, der Obmännin und Stellvertreterin der Frauengruppe Frau Frida Steinfeld und Frau Berta Stern für ihre Mitarbeit bei Werbung, speziell für die außerordentliche Mithilfe beim Gründungsfest, dam Schriftführer und allen Komiteeobmännern und Mitgliedern für ihre so aufopferungsvolle Mitarbeit im Interesse der Gruppe und schloß die General- Schmuchung voa Gruiten and OrüDern eopoIdDeutschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi 1. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Versammlung mit einem Appell an die Mitglieder, fleißig neue Mitglieder zu werben und sich restlos in den Dienst der „Union" zu stellen. Nun bittet der Obmann den Herrn Dr. J. Ticho. seinen angekündigten Vortrag über .Aktuelle Fragen des Judentums" zu halten. Stürmisch begrüßt, führte der Vortragende die Erschienenen in alle Länder Europas und beleuchtete in ungemein fesselnder Weise die Verhältnisse der Juden in den verschiedenen Ländern. Gespannt folgten die Anwesenden seinem lehrreichen und interessanten Vortrag. Düstere Wolken bedecken die Lage der Juden fast überall, nur durch Zusammenschluß, durch gegenseitige Hilfeleistung kann dem Judentum geholfen werden. Auf Wien übergehend, schilderte Dr. Ticho die Leistungen der „Union". Mit der Aufforderung, sich iest um die „Union" zu scharen, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu helfen und zu stützen, schloß Doktor Ticho seinen beifällig aufgenommenen Vortrag. Reicher Beifall lohnte seine ausgezeichneten Ausführungen. Obmann W o 11 n e r dankte wärmstens dem Vortragenden namens der Bezirksgruppe und schloß die erste Generalversammlungen. In der konstituierenden Sitzung am 21. Oktober wurde folgender Vorstand gewählt: Obmann IV. V. X.: Desider W o 11 n e r, Bezirksleiter IV.: Philipp Stern, Bezirksleiterstellvertreter IV.: Julius Harme 1, Bezirksleiter V.: Samuel Rosenberg, Bezirksleiterstellvertreter V.: Josef Korkes. Bezirksleiter X.: Leopold Grünspan, Bezirksleiterstellvertreter X.: Samuel Mandl, Schriftführer IV. V. X.: Ignaz Schnürmacher, Scbriftführerstellvertreter IV. V. X.: Wilhelm H u s s e r I, Kassier IV. V. X.: Rudolf S t e i n f e 1 d, Kassierstellvertreter IV. V. X.: Arnokl S t e i n f e l d. Kontrollor IV. V. X.: Adolf Weisskopi. Jugendgruppe IV. V. X.: Obmann IV. V. X.: Dr. Julius K1 ü g 1 e r, V erbindungsmann: Hans G o 1 d s t e i n. Frauengruppe: Präsidentin IV. V. X.: Frau Frida Steinfeld. Präsidentinstellvertreterin IV. V. X.: Frau Berta Stern, Revisoren IV. V. X.: A. Rudich und Max Ziegler. Ausschußmitglieder: Baumeister O. Brill, Max B o r i z, Siegfr. Drucker, Leop. Fleischmann, Gustav Fuchs, Alfred F e s s 1 e r, Hans G o 1 d s t e i n, Moritz König, Mor. Kupterstein, Karl L ö w e n t h a I, Paul Lohr, Heinr. Nussbaum, Josef Pich ler, Max Polatschek, Dir. J. Porios, Hugo Sommer, Doktor Jos. Steissel, Heinrich Uli mann. GEMEINDECHRONIK. Todesfälle. Der unerbittliche Tod hat in den letzten Tagen in den Reihen prominenter Wiener Glaubensgenossen eine erschütternde Auslese gehalten. Tag für Tag wurde die Wiener Judenschaft, insbesondere die „Union österreichischer Jud e n", der fast alle Verblichenen sehr nahegestanden sind, aufs schmerzlichste beeindruckt durch eine neue Hiobsbotschaft vom Ableben eines Mannes, der seine wertvollen Kräfte dem Dienste der Allgemeinheit, insbesondere der jüdischen Gemeinschaft, gewidmet hat. Wir beklagen aufs tiefste den Heimgang der Herren Dr. Wilhelm Knöpilmacher, Oberlandesgerichtsrat i. R. Dr. Alfred Pick, Stadtbaumelster Edmund Melchter, Justizrat Dr. Adolf Adler. Alle die Genannten sind hochbetagt aus einem Leben geschieden, in dem sie sich kraft ihrer her-

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