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Die Wahrheit · 1937-10-22 · Heft 42 (22.10.1937) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 42 (22.10.1937)
Date
1937-10-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'edftear" Die tBahrheif mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Grosdien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien, 22. Oktober 1937 Nummer 42 Wollen Sie sich bestimmt Sllt UltiGI"ll3lt€»ll Dann kommen Sie mit Ihren Freunden und Bekannten zum? (Beteiligen abend des „UNION-KLUB am Samstag, den 23. Oktober, 7i9 Uhr abends, im Klub heim, I., Schettenrlng 25. Devise: Zwei Stunden Laune und Lachen. Akademie — Tanz — Bridge. Wiffittge Äußerung des Bundeskanzlers fiter die slaatsreditlidie Stellung der Osterreidilsdien Juden. Bundeskanzler Dr. v. S c h u s c h n i g g hat dem Chefredakteur der „L'Independance Beige", Henri Fast, ein Interview gewährt, in dem er zu aktuellen, innen- und außenpolitischen Fragen Oesterreichs Stellung nimmt. Chefredakteur Fast stellte u. a. folgende Frage: — Ich hörte, -daß Sie Ihr Einverständnis zu antisemitischen Manifestationen geben wollen? — Niemals werde ich eine Verfolgung welcher Art immer auf dem Gebiet der Rassenfrage gestatten, antwortete der Kanzler. Es gibt viele Israeliten in Wien, das ist richtig, und wenn man mir vorhielte, daß es eine jüdische Frage gebe, so würde ich auf der Stelle antworten, daß man einen Unterschied machen muß zwischen den, unserem Volk seit Generationen assimilierten Juden, die ausgezeichnete Oesterreicher sind und bloß eine von der meinen verschiedene Konfession haben, und zwischen den neu eingewanderten Juden; sie haben noch nicht Wurzel gefaßt, sie sind sehr häufig während des Krieges und im Laufe der folgenden Jahre, vornehmlich aus politischen Gründen, eingewandert. Diese letzteren bilden ein Problem, aber ein nationales Problem, keineswegs ein rassisches oder konfessionelles . . . Die Jüdischnationalen mögen daraus lernen, daß die Spitze der österreichischen Regierung keine jüdische Nationalität anerkennt und die österreichischen Juden als einen gleichberechtigten Teil des österreichischen Volkes ansieht. Die „Union österreichischer Juden" betrachtet es als ihre Aufgabe, einen immer größeren Teil der eingewanderten Juden zu ,.assimilieren". Palästina in Aufruhr., niemand. Auch das Kinderdorf Ben Schemen war eine Stunde lang einem heftigen Feuer arabischer Banden ausgesetzt. Es wurde jedoch niemand verletzt. Besonders gespannt ist die Lage in Jaffa. Durch einen Brand auf dem Flugplatz in Lydda, dem größten Flughafen Palästinas, wurde ein Schaden von 7000 Pfund angerichtet. Außer der Radio- und der Zollstation sind auch die Gebäude der polnischen Fluglinie „Lot" und der holländischen Fluglinie „KLM", sowie der belgischen und der ägyptischen Luftfahrtgesellschaften, die Polizeistation, die Zweigstelle des Einwanderungsamtes und Hotels vernichtet worden. Ueber das Stadtgebiet von Lydda wurde für 24 Stunden der Belagerungszustand verhängt Die Stadt wurde von Militär umzingelt, während die Polizei strenge Haussuchungen vornahm. Den Einwohnern von Lydda war es verboten, während des Belagerungszustandes ihre Häuser zu verlassen. 60 Personen, die diesem Verbot zuwiderhandelten, wurden verhaftet. Die Behörden haben der Stadt eine Strafe von 5000 Pfund als Buße auferlegt. Außerdem wurden auf Anordnung der Behörden einige arabische Gebäude in der Nähe des Flugplatzes, in denen sich die Angreifer verschanzt hatten, als Vergeltungsmaßnahme dem Erdboden gleichgemacht. Im ganzen Lande werden neue Hilfspolizisten ausgehoben. Sie liegen in Schulen, Sportheimen und sonstigen öffentlichen Gebäuden in Bereitschaft, um nötigenfalls sofort nach gefährlichen Punkten entsandt werden zu können. In der Nähe der Jerusalemer Polizeistation, wo bereits im Juni ein Attentatsversuch gegen den Generalinspektor der palästinensischen Polizei, Spicer. unternommen worden war, wurden drei Höllenmaschinen entdeckt. Wie sich später herausstellte, wären sie wenige Minuten später explodiert und hätten unübersehbaren Schaden angerichtet. Bei einem heftigen Feuerüberfall einer Araberbande auf das Jemenitenviertel von Ness-Ziona ist der 11jährige Jemenitenknabe Josef Sherbabi im Hause seines Vaters im Schlafe getötet worden. Jüdische Hilfspolizisten wehrten schließlich den Angriff ab. Damenkonfehtions= Nach den letzten Nachrichten aus Palästina ist dort die Lage noch immer beunruhigend Infolge des Uebergreifens der Unruhen auf den Norden Palästinas wird nunmehr auch die Lage in Tel Aviv immer gespannter. Besonders groß ist die Spannung an der Grenze Jaffa-Tel Aviv. Wesentlich hat sich auch die Lage im Hebron-Gebiet in Südpalästina verschlechtert. Die Frauen und Kinder der Polizeibeamten sind nach Jerusalem in Sicherheit gebracht worden. Der Nachtverkehr ist auf allen Palästinabahnen eingestellt worden. Zwischen Jerusalem und Haifa ist der gesamte Telephon- und Telegraphenverkehr unterbrochen. Die Polizei hat alle strategisch wichtigen Punkte in Jerusalem besetzt. Starke Polizeiabteilungen patrouillieren in Panzerwagen durch die Straßen der Stadt, die bei Einbruch der Dunkelheit völlig menschenleer sind. Den Einwohnern ist es verboten, in der Zeit von 6 Uhr abends bis 5 Uhr morgens ihre Häuser zu verlassen. Es wurde angekündigt, daß jedes Vergehen gegen diese Anordnung mit Strafen bis zu 6 Monaten Gefängnis oder 1000 Pfund belegt wird. Aus Beth Alpha in der Ebene Esdraelon wurde gemeldet, daß die Oelleitung der Irak- Petroleum-Company bei Kaukab i n Brand gesteckt worden ist. Die Flammen hätten die ganze Umgebung taghell beleuchtet. Die Kolonien Ginegar im mittleren Emek, Newe Jakob bei Jerusalem, Afuleh und Migdal Zedek wurden heftig beschossen. Ueberall erwiderte die Polizei, verstärkt durch Hilfspolizisten, das Feuer. In Galiläa wurden mehrere Kolonien beschossen. Zu schweren Schießereien kam es in Ramat Rachel zwischen Jerusalem und Bethlehem. In der Nähe von Kfar Gileadim wurde ein Lastauto, auf dem sich jüdische Kiwderin Begleitung ihrer Lehrer befanden, beschossen. Verletzt wurde ITTodellbaus ,jZuc jestAeH Wienerin" fUerius Sa 15er & Co. Wien IX, 2., Währlnjjerstr. 69 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dotnebmes IHodellbaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen TnafrHtelier im fjaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden Mitglieder der ..Union" erhalten bei Vorweis dieser Annonce oder Mitgliedskarte einen Sonder-Rabatt von 5°/«.

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