Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 39 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par l'editear" Die wanrlieif mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien Ii., Heinestraße 13 siaisDüainnnnoRniia Telephon R 44-1-40 rcmnninninniiHnniinnMffl Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang . aWien, 1. Oktober 1937 Nummer 39 &et „Judenstaat". Der Hauptteil der heutigen Nummer unseres Blattes ist der Diskussion über den „.hidenstaat" gewidmet, wobei insbesondere christliche Politiker (Graf Richard N. Coudenhove-Kalergi) und Schriftsteller (Joseph Roth) zu Worte kommen. Unser eigener Standpunkt zu diesem Problem ist unverändert der gleiche geblieben, wie er in der bekannten Resolution der »Union österreichischer Juden" zum Ausdrucke kam, worin es hieß: „Die Union lehnt die Schaffung eines Jüdischnationalen, scheinbar souveränen Zwergstaates, der überdies den palästinensischen Glaubensgenossen keine Expansionsmöglichkeit bieten kann, als dem Frieden der Glaubensgenossen im Heiligen Lande und den politischen Rechten der Juden in ihren Heimatländern gefährlich, mit Entschlossenheit ab und sieht auch darin eine Verletzung des von der Balfour-Deklaration aufgestellten Grundsatzes, daß ,wohl verstanden sei, daß nichts geschehen dürfe, was den Rechten der Juden und ihrer politischen Situation in irgendeinem Lande der Welt abträglich sei.*" In der Sache selbst ist in den letzten Tagen kein Fortschritt zu verzeichnen; unsere Ansicht, daß die Politik Englands und des Völkerbunds in dieser kitzligen Frage darauf hinausläuft, Zeit zu gewinnen, gewinnt immer mehr an Berechtigung. Die VI. (politische) Kommission des Völkerbundes hat in mehreren Sitzungen eine eingehende Aussprache über das Palästinamandat abgeführt. Uebereinstimmend wurde zum Ausdruck gebracht, daß mit Rücksicht darauf, daß der Völkerbundrat bereits die Fortsetzung der Prüfung des Problems durch die Britische Regierung beschlossen hat, kein fester Beschluß gefaßt, sondern eine abwartende Haltung eingenommen werden solle. Die von der Politischen Kommission der Völkerbundversammlung einstimmig gefaßte Palästina-Resolution, die der Vollversammlung des Völkerbundes zur Annahme unterbreitet werden soll, hat folgenden Wortlaut: Die Völkerbundversammlung, die die Tätigkeit der Mandatarmacht, der Ständigen Mandatskommission und des Völkerbundrates in bezug auf die Anwendung der in Artikel 22 des Völkerbundpaktes und in dem Text des Mandates niedergelegten Grundsätze zur Kenntnis genommen hat, .a) erneuert das ihnen durch frühere Tagungen der Völkerbundversammlung ausgesprochene Vertrauen und bringt ihre Anerkennung für die Ergebnisse zum Ausdruck, die sie dank einer engen und offenen Zusammenarbeit, deren Aufrechterhaltung wichtig ist, erzielt haben; b) bringt ihre Ueberzeugung zum Ausdruck, daß das Palästina-Problem, das gegenwärtig dem Völkerbundrat vorliegt, in gerechter Weise gelöst werden wird, unter möglichst vollständiger Bedachrnahme auf alle legitimen Interessen, die auf dem Spiele stehen. An dieser Entschließung, die der Völkerbundversammlung vorgelegt wird, ist bemerkenswert, daß das Prinzip der Teilung Palästinas darin überhaupt nicht erwähnt wird. Das beweist, daß man bei der Lösung des Palästinaproblems nicht ausschließlich die eine Möglichkeit der Landesteilung in Betracht ziehen will. Zu den Beratungen und Beschlüssen der VI. Kommission is,t weiters zu bemerken, daß die endgültige Lösung der Palästinafrage, soweit hierbei der Völkerbund in Betracht kommt, ausschließlich von der Stellungnahme des Völkerbundrates abhängt. Die Haltung der Völkerbundversammlung hat nur informativen und orientierenden Charakter. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur von maßgebender Seite erfährt, soll die neue Palästinakommission, die nach den vom Völkerbund gebilligten Vorschlägen des Außenministers Eden in Palästina auf Grund von Verhandlungen mit Arabern und Juden bestrebt sein wird, einen neuen, für alle Beteiligten annehmbaren Teilungsplan auszuarbeiten, nicht vor Ende Oktober eingesetzt DAS RICHTIGE BRUCHBAND für Jeden einzelnen Fall nach modernstes Grundsätzen eigen» angepaSt, leicht, ohne Druck, ohne Beschwerden, auch für sehr schwere Falle empfohlen : » nnser HHEKNIASTAT««-BHOCHBAND f l'r'n a BnnJnqen-lHifcalnBth Gy NNASTIK DAMEN- , HERREN- UND KINDERKURSE Auch Einzelstunden Wien I., Weihburggasse 9 Auskünfte R 51-4-74 Nil II WALUSCH Taborstr. 2 2 Tel. R 42-5-10 werden. In amtlichen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß in dieser Sache nicht mit besonderer Eile vorgegangen werden soll. Vielmehr will man erst alle technischen Vorarbeiten gründlich erledigen. Die in der vorigen Nummer der „Wahrheit" wiedergegebene Meldung, daß einige Mitglieder der Kgl. Kommission auch der neuen Kommission angehören werden, wird halbamtlich bestätigt. Man hält dies für notwendig, damit nicht die aus unmittelbarer Anschauung von den Mitgliedern der Peel-Kommission gewonnene Kenntnis der Dinge bei der Arbeit der neuen Kommission unausgenutzt bleibe. Ein Mitglied des Obersten Arabischen Ausschusses, das von dem Korrespondenten der ägyptischen Tageszeitung „El Mokattam" interviewt wurde, erklärte, die Araber würden die neue Palästinakommission boykottieren. Wir beginnen die Diskussion mit einem Vorabdruck aus der demnächst im Paneuropa- Verlag erscheinenden Schrift: „Judenhaß!", von R. N. Coudenhove-Kal« rgi. Die Idee des Zionismus (heimatlosen Juden eine Heimat zu schaffen. Anm. d. Red.) ist richtig und konsequent: aber die Wahl Palästinas zur neuen Heimat war mehr von der Romantik diktiert als von der Vernunft. Es besteht die Gefahr, daß der jüdische Zug nach Zion eines Tages das Schicksal seiner christlichen Vorgänger teilt: der Kreuzzüge. Daß auf syrischem Boden die Kraft der arabischen Welt sich wieder stärker erweist als alle Pläne des Westens. Denn Palästina ist strategisch gegen einen Angriff zu Land schwer zu verteidigen. Der panarabische Gedanke ist im Wachsen; er wird auf diese Küste und auf Jerusalem, das auch für die Mohammedaner eine heilige Stadt ist, nicht freiwillig verzichten. Ein Zusammenstoß zwischen dem zionistischen und dem panarabischen Gedanken droht (Als Folge des beiderseitigen Nationalismus. Anm. d. Red.) Neun Millionen Araber umschließen dieses Land, dessen große Mehrheit aus Arabern besteht. Das zweite Bedenken gegen die Wahl Palästinas ist, daß es zu klein ist, um bei einer Katastrophe in Osteuropa die dortigen Juden aufzunehmen. Wenn etwa ein nationalistisch-antisemitisches Regime in der Sowjetunion das kommunistische ablöst, wird dort die Auswanderungsfrage für zweieinhalb Millionen Juden zur Lebensfrage. Wenn in Polen der Antisemitismus siegt, steht die Existenz von weiteren drei Millionen Juden auf dem Spiel. So sehr die Zionisten hoffen, daß diese Katastrophen nicht eintreten: sie müssen auf Grund ihrer alten und neuen Erfahrungen auf sie gefaßt sein. Das Problem der sieben Millionen nicht assimilierten Ostiuden ist das ernsteste Problem des Judentums. Der Schlag, der die Juden Deutschlands getroffen hat, ist eine Warnung. Denn niemand weiß, ob er ein Höhepunkt war oder ein Vorspiel. Dieses Bedenken gegen eine zionistische Lösung der Ostjudenfrage wird noch verstärkt durch den neuen Plan eines souveränen Judenstaates unter britischem Protektorat im Norden Palästinas. Denn dieser Zwergstaat von 3000 km2 hätte kaum die Möglichkeit, alle deutschen Juden auf- Pamenhonfehtions=_ ■TIocfeHhqus I „Zue feschen Wienerin" fllerius Salier, & Co. Wien K/2., Währingerstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dornebmes fflodellhaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen fflafrHtelier im fiaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden Mitglieder der ..Union" erhalten bei Vorweis dieser Annonce oder Mitgliedskarte einen Sonder-Rabatt von 5»/o.