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Die Wahrheit · 1937-09-17 · Heft 37 (17.9.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 37 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Die tßdnrkeif V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par r&Uteur" mit den Veröffentlichungen der „Union Österreichischer Juden" Erscheint Jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien, 17. September 1937 Nummer 37 Gesdiem. Eine jüdische Volkserzählung berichtet uns von einer großen Dürre, die die Gefahr einer Hungersnot in unmittelbare Nähe rückte. Alles Beten und Fasten, wie es der Rabbiner der betreffenden Gemeinde anordnete, war vergeblich. Da hörte eines Nachts dieser Gelehrte im Traume eine Stimme, die der Gemeinde erst dann den heiß ersehnten Regen verhieß, wenn ein bestimmter Mann (dessen Name genannt wurde) öffentlich darum gebetet habe. Da aber ein einfacher und unwissender Mann von der nächtlichen Stimme bezeichnet worden war, maß der Weise dem Traume keine weitere Bedeutung bei. Erst als dieser sich in der nächsten Nacht wiederholt hatte, bestimmte er am nächsten Morgen den ihm durch den Traum bezejchneten einfachen Händler unter dem Erstaunen der Gemeinde zum Vorbeter. Der schlichte Mann sträubte sich anfangs, dieses Ehrenamt zu übernehmen. Erst als ihn der Rabbi nochmals dringend bat, lief er nach Hause und kehrte mit einer Wagschale in das Bethaus zurück. Dort begann er, also zu beten: „Herr der Welt, wenn ich jemals durch ungenaues Gewicht Deinen Namen befleckt habe, dann komme ein Feuer vom Himmel und verbrenne alles! Wenn ich aber meine Mitmenschen nie betrogen habe, so sende noch in dieser Stunde Deinen beglückenden Regen herab!" Kaum waren diese Worte gesprochen, als sich auch schon der Himmel bewölkte und ein Regen herniederströmte. Da fing der Rabbi an, das Volk zu ermahnen, immer ehrliches Maß und ehrliches Gewicht zu geben. Diese schlichte Geschichte betont, daß einem gerechten Sinne, einem geraden Charakter vor dem Wissen der Gelehrten der Vorzug gebührt. Nicht der Rabbi, nicht andere geistvolle Männer mit reichem Wissen und mit hohem Ansehen waren dazu ausersehen, durch ihr Gebet der Gemeinde Hilfe zu bringen, sondern gerade jener einfache Mann, dessen Einstellung zum Nebenmenschen auf einer tiefinnerlichen ethischen Basis stand. So hoch auch im Judentum das Wissen der Torah und die Kenntnis ihrer Kommentare geschätzt wird, so sehr auch der Typus des weisen und gelehrten Mannes verehrt wird, höher steht und mehr gilt ihm die sittliche Tat. Ein biederes Wesen und ein liebevolles Verhalten zum Mitmenschen werden besser bewertet als ein Wissen, das nicht zur Tat führt. Und auch Gott liebt die Geradheit des Charakters über alles. Darum wurde das Gebet jenes unwissenden Händlers erhört, weil er eben mit reinem Herzen betete und mit reinen Händen vor seinem Gotte stand. Wenn wir also Gott um die Gewährung eines heiß ersehnten Wunsches anflehen, so ist die erste Bedingung die, daß wir mit reinem Sinne vor Gott hintreten können. Leibbinden, wie der Arzl Sie verlangt Das neue Corpufront-Stützmieder, leicht, weich, kein Druck, kein Verscbieben.jedemFallsotgßltigstangepaflt, eine Erlösung für starke Frauen: bei Schwangerschaft, Bängebancb, Unterleibsleidende, nach Operationen usw. Fach- __ flrma annringen-mifcnlnsdl Auch das Geschem-Gebet, das wir zu Sukkoth sprechen, kann nur erhört werden, wenn es geläuterten Herzens von uns gesprochen wird, und vielleicht ist es deshalb unmittelbar nach dem Jörn Kippur festgesetzt worden, weil wir an diesem Tage die reinigende Kraft der t'schuwah an unserer Seele erfahren haben und noch unter dem Eindrucke des heiligen Tages stehen. Die hehren Gefühle, die weihevolle Stimmung des Versöhnungsiestes klingen in unserem Innersten noch nach, so daß wir mit aller Inbrunst das Gebet um Regen und Fruchtbarkeit beten können. Vor allen Dingen aber ist unser Herz durch den Jörn Kippur geläutert, weshalb auch unser Gebet die Fähigkeit hat, vor Gottes Thron zu gelangen und erhört zu werden. Warum fand das Beten duganzen Gemeinde kein Gehör bei Gott und warum galt auch ihr Fasten nichts? Weil ihrer Hände Tun befleckt war, weil die Wiedergutmachung des Makels ihres Handelns nicht ehrlich war, weil ihre Umkehr nur eine scheinbare war, da sie trotzdem ihr unsauberes Tun fortsetzten. Die über jene Gemeinde gekommene Dürre war ja nichts anderes als eine Strafe dafür, daß das Volk nicht „ehrliches Maß und ehrliches Gewicht" gegeben hatte. TTla^ner & Co* Gegründet 1910 Dankgefcr)äfte aiiec flrt Wien I., Wipplingerstraße 25 Telephon U 22-4-83 Börse: Telephon U 23-0-21 Im Talmud finden wir bezüglich der Reue Ninives, die Gott umstimmte, folgende Stelle: Es heißt nicht: „Gott sah auf ihr Sackgewand und ihr Fasten", sondern es heißt (Jona 3, 10): „Gott sah ihr Tun, daß sie von ihrem bösen Wandel umgekehrt waren." Nicht die äußeren Merkmale der t'schuwah sind imstande, Gottes Urteil über uns Menschen bestimmend zu beeinflussen, sondern einzig und allein die aus der inneren Umkehr entspringende sittliche Tat. Darum wurde das Gebet jenes zwar dem Wissen nach geringen, nach der sittlichen Einstellung zum Nebenmenschen aber hochwertigen Händlers erhört. Und darum wird unser Gesehem-Gebet, unser Flehen um das tägliche Brot nur dann erhört werden, wenn unser Fasten am Jörn Kippur nicht nur die Befolgung einer äußeren Form war, sondern es vermochte, uns auch innerlich umzugestalten und unserem Wirken neue Wege zu weisen. Dr. Frwin Hamburger. Präsident Thomas G. Masaryk. T a b o r s t r. / Tel. R 42-5.40] Der Präsident-Befreier Thomas G. M as a r y k hat auf Schloß Ldny am Dienstag früh, seinen letzten Kampf ausgekämpft. Er wurde 87 Jahre alt. Mit dem tschechoslowakischen Volk trauert an der Bahre des großen Toten das tschechoslowakische Judentum, und die Juden in der ganzen Welt gedenken in diesen Tagen des heroischen Kampfes, den Thomas G. Masaryk während der verschiedenen Epochen seines Lebens für die Rechte des unterdrückten Judentums geführt hat. Thomas G. Masaryk wehrte sich immer dagegen, als ein „Freund der Juden" angesprochen zu werden. Als Freund seines Volkes, als Menschenfreund gemeinhin, war er auch ein Freund der Juden und nahm sich ihrer an, so oft ihnen seiner Meinung nach Unrecht geschah. Nie suchte er von sich aus eine' Auseinandersetzung mit jüdischen Problemen, die Probleme traten an ihn heran und zwangen ihn, sich mit ihnen zu befassen. In fast allen Phasen dei3 Lebens dieses großen Mannes spielten jüdische Menschen eine Rolle und hatte er sich mit jüdischen Problemen zu befassen. In seinen Erinnerungsbüchern und in seinen Werken staatspolitischen Inhalts, zum Teil auch in seinen philosophisch-kritischen Werken weist er wiederholt auf diesen Umstand hin. Wie der Knabe Masaryk sich vom antisemitischen Gut reinigte. Charakteristisch sind die folgenden Episoden aus seiner Knäbenzeit, die Masaryk aufgezeichnet und auch in Gesprächen mit verschiedenen Persönlichkeiten wiederholt erwähnt hat: Er, der 1850 in einem mährischen Dori als Sohn einfacher christlicher Eltern gehören wurde, die auf staatlichen Gütern Dienste taten, stand als Kind unter dem Einfluß der Volksleicenden und Kindersesehichten, in denen die Juden eine teils häßliche, teils furchterweckende Rolle spielten, und war von heiterer Abnetgiirtg und Furcht scese-n die .luden er:„'r:iien. Unter der Zwangsvorstellung, daß Juden Christenblut v-- Damenftonfektlons= TTlodellbaus „Zuc feschen WienecUt" Alexius Sa 13er & Co. Wien K/2., Währingerstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dornebmes TTlodellbaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen mafrHtelier im fiaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden Mitglieder der „Union" erhalten bei Vorweis dieser Annonce oder Mitgliedskarte einen Sonder-Rabatt von i'la.

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